Physiotherapie bei Erkrankungen an der LWS

Einleitung

Die Lendenwirbelsäule ist der wohl am meisten belastete und am häufigsten von Schmerzen betroffene Abschnitt der Wirbelsäule. Über dem Becken ist sie mit 5 kräftigen Wirbelkörper und den dazwischen gelagerten Bandscheiben der unterste Teil des Rückens und trägt somit das Gewicht des gesamten Oberkörpers. Physiologisch ist sie leicht nach vorn gewölbt, um Belastungen besser abfedern zu können. Trotz der hohen Belastung, welche auf die Lendenwirbelsäule wirkt, ist sie relativ beweglich und muss von kräftiger Muskulatur gestützt werden, um stabil zu bleiben. Im Folgenden werden einige der häufigsten Verletzungen und Erkrankungen im Bereich der Lendenwirbelsäule vorgestellt.

Lumbago/ Hexenschuss

Einleitung
Als Lumbago, oder im Volksmund Hexenschuss, wird ein plötzlich einschießender starker Schmerz im unteren Rücken bezeichnet. Meist ist die Ursache eine abrupte falsche Bewegung mit zusätzlicher Gewichtsbelastung durch das Heben einer schweren Kiste etc.. Es besteht keine direkte Verletzung, jedoch verspannt die Muskulatur schmerzhaft und schränkt die Beweglichkeit erheblich ein.

Physiotherapeutische Intervention
Wichtig ist, vor Beginn der Therapie eine strukturelle Verletzung wie einem Bandscheibenvorfall vom Arzt ausschließen zu lassen. In der Physiotherapie werden lendenentlastende Lagerungen erlernt, welche über den Tag eingenommen werden können. Mittels Wärme, Fango, Massagen, Faszientechniken und anderen passiven Maßnahmen wird die schmerzhaft verspannte Muskulatur gelockert. Tapeanlagen können für die Unterstützung im Alltag angebracht werden. In der Regel lassen die Schmerzen nach einigen Tagen Schonung nach. Wichtig für die Zukunft ist, ein rückengerechtes Alltagsverhalten zu erlernen.

Lesen Sie mehr über die Inhalte der Physiotherapie in dem Artikel: Physiotherapie bei einem Hexenschuss

Lumboischialgie

Einleitung
Bei der Lumboischialgie handelt es sich um eine Einklemmung des großen Nervus Ischiadicus (Ischias). Lumbo bezeichnet den unteren Rücken, aus dessen Wirbelsäulensegment der Ischias entspringt und algie ist die lateinische Bezeichnung für Schmerz. Zusammengesetzt also ein ausstrahlender Nervenschmerz entlang des Ischias (welcher ins Bein verläuft) kommend vom unteren Rücken, wo meist die Ursache liegt. Ursache kann zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall mit Druck auf die Nervenwurzel des Ischias sein. Symptome sind Gefühls- und Bewegungsstörung, durch die Nervenleitungsunterbrechung.

Physiotherapeutische Intervention
In der Therapie der Lumboischialgie wird die Kompressionsstelle herausgefunden, der Druck durch Manuelle Techniken gelöst, entlastende Lagerungen und Dehnungen erlernt und die Nervenbeweglichkeit durch bestimmte Mobilisationstechniken geschult, sowie die Leitfähigkeit mittels Elektrotherapie erhalten und gefördert. Um ein erneutes Auftreten zu vermeiden, wird eine Haltungsschule durchgeführt und aktive Bewegungs- und Kräftigungsübungen für den Rumpf erlernt.

Lesen Sie mehr zu den Inhalten einer Physiotherapie in dem Artikel: Physiotherapie bei einer Lumboischialgie

Facettensyndrom

Einleitung
Bei dem Facettensyndrom in der Lendenwirbelsäule handelt es sich um eine Arthrose und Entzündung der kleinen Wirbelgelenke. Durch die ständige zu tragende Last wird der Gelenkknorpel abgenutzt und Strukturen gereizt. Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen und Verspannungen umliegender Muskulatur entstehen.

Physiotherapeutische Intervention
In der Therapie des Facettensyndroms werden die einzelnen Segmente durch Lagerung und Manuelle Techniken entlastet. Kontrollierte Bewegung ohne Belastung ist wichtig, um den Knorpel zu ernähren. Die Arthrose kann nicht rückgängig gemacht werden, doch ein Fortschreiten verzögert und Schmerzen/ Entzündung genommen werden. Ein stabiles Muskelkorsett rund um die Wirbelsäule ist wichtig, um die Haltung zu schulen und somit Fehlbelastung und eine unphysiologische Schonhaltung mit weiterer Abnutzung und Verspannungen als Folge zu vermeiden. Elektrotherapie und Tapes können zur Schmerzlinderung und Entspannung angewandt werden.

Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Facettensyndrom

Hohlkreuz

Einleitung
Als Hohlkreuz wird die krankhafte Ausprägung der Vorwölbung in der Lendenwirbelsäule bezeichnet. Durch mangelnde muskuläre Stabilität kippt das Becken nach vorn, was zu einer übermäßigen Lordose führt. Die hintere Muskelkette verkürzt und verspannt, während die vordere Kette nicht genügend gegenhalten kann. Bandscheiben werden unphysiologisch belastet, was nach langem Bestehen zu Verletzungen und Erkrankungen der Strukturen, wie einem Bandscheibenvorfall führen kann.

Physiotherapeutische Intervention
Maßgeblich in der physiotherapeutischen Behandlung eines Hohlkreuzes ist es, das muskuläre Ungleichgewicht auszugleichen. Der Rücken wird gedehnt und gelockert, während die Bauch- und Gesäßmuskulatur intensiv gekräftigt werden muss, um Becken und Lendenwirbelsäule aufzurichten und die physiologisch korrekte Haltung wieder herzustellen. Von spezifischer Muskelkräftigung bis zu statischen Ganzkörperstabilitätsübungen und aktiver Haltungskorrektur ist in der Therapie alles enthalten.

Mehr Informationen zu den Inhalten der Therapie erhalten Sie in dem Artikel Krankengymnastik bei einem Hohlkreuz

ISG-Blockade

Einleitung
Als ISG wird das Ilio-Sakral-Gelenk bezeichnet – die Verbindung zwischen Beckenschaufel und Wirbelsäule, bzw. ihrem untersten Abschnitt, dem Kreuzbein. Das Gelenk ist durch straffe Bänder kaum beweglich, jedoch ist eine einwandfreie Funktionsfähigkeit ausschlaggebend für die Rücken- und Beinbewegung. Die genannten Knochen verkannten bei einer Blockade oft durch einen Tritt ins Leere oder eine falsche Bewegung. Resultat sind Schmerzen, teilweise mit Ausstrahlungen in die Lende, Einbußen in der Belastbarkeit und Beweglichkeit.

Physiotherapeutische Intervention
Durch verschiedene Tests kann manuell die Diagnose der ISG-Blockade gestellt werden. Zahlreiche Übungen, die unter Anleitung selbst durchgeführt werden können, bestehen um die Blockade zu lösen. Durch manuelle Techniken werden die Knochen gegeneinander mobilisiert und umliegende verspannte Strukturen gelockert. Die Tapeanlage eines Schmerzkreuzes lokal über dem ISG eignet sich unterstützend zur Schmerzreduktion.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Krankengymnastik bei einer ISG-Blockade

Skoliose

Einleitung
Die Skoliose ist eine dreidimensionale Verwringung der Wirbelsäule. Die Wirbelkörper sind in sich verdreht und zur Seite gekippt. Die normalerweise von hinten betrachtete grade Wirbelsäule ist in eine S-Form gekrümmt. Der Hauptbogen besteht in den meisten Fällen in der Brustwirbelsäule, ein kleinerer Bogen in der Lendenwirbelsäule gleicht die Krümmung aus, um den Körper im Gleichgewicht zu halten. Betroffen sind meist junge Mädchen, die Ursache ist unbekannt.

Physiotherapeutische Intervention
Eine Skoliose kann nicht komplett rückgängig gemacht werden, jedoch lässt sich durch intensive aktive Krankengymnastik im Wachstumsalter ein Fortschreiten der Krümmung aufhalten. Zu der Therapie zählen Kräftigungsübungen, Lagerungen, Dehnungen, Bewegungstherapie, Atemübungen und Haltungsschulen. In schwereren Fällen wird in der Hauptwachstumszeit das Tragen eines stützenden Korsetts verordnet. Verspannungen werden durch Massagen, Elektrotherapie und Tapes gelockert. Schmerzen treten oft erst in fortschreitendem Alter auf.

Lesen Sie mehr zu den Inhalten einer Physiotherapie in dem Artikel Krankengymnastik bei einer Skoliose

Rückenschmerzen

Einleitung
Fast jeder Mensch ist in seinem Leben einmal von Rückenschmerzen betroffen – meist auftretend in der Lendenwirbelsäule. Eine große Prozentzahl dieser Schmerzen ist unspezifisch, das heißt, es lässt sich in bildgebender Untersuchung keine Verletzung oder Erkrankung feststellen. Grund für die Schmerzen ist ganz einfach ein Mangel an Bewegung und Stabilität, was zu Überlastung der Strukturen führt.

Physiotherapeutische Intervention
Menschen neigen dazu, bei Schmerzen still zu halten und Schonhaltungen anzunehmen. Dies ist jedoch genau der falsche Weg. Weitere Verspannungen und Fehlbelastungen entstehen. Die Wirbelsäule braucht zwar Entlastung, aber das A und O für einen gesunden schmerzfreien Rücken ist Bewegung. Individuell angepasste Übungen werden in der Physiotherapie erlernt sowie die Schulung von korrekter Haltung und Bewegungsverhalten im Alltag. Die Übungen sollten nicht nur im akuten Schmerzbestehen durchgeführt werden, sondern auf Langzeit in den Alltag eingebaut werden.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Rückenschmerzen

Spondylodese/ Spondylolisthesis

Einleitung 
Als Spondylolisthesis wird im Fachjargon ein sogenanntes Wirbelgleiten bezeichnet. Das Krankheitsbild tritt durch Überlastung und mangelnden Halt meist in der Lendenwirbelsäule auf. Betroffen sind oft Leistungssportler mit extremen Belastungen auf die Lendenwirbelsäule, wie zum Beispiel Turner. Resultat ist das Abrutschen der gesamten Wirbelsäule (meist nach vorn) oberhalb des Gleitwirbels. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen entstehen.

Physiotherapeutische Intervention
Das Wirbelgleiten in der Lendenwirbelsäule kann je nach Schweregrad konventionell, also mit krankengymnastischen Übungen, oder operativ mittels Versteifung des betroffenen Segmentes (=Spondylodese) behandelt werden. In der physiotherapeutischen Intervention wird intensiv die Muskulatur von Gesäß und Rumpf, besonders der vorderen Kette, trainiert, um ein weiteres Abrutschen zu vermeiden und die Strukturen wieder zu festigen.

Die genauen Inhalte und auch Übungen erhalten Sie in dem Artikel Krankengymnastik bei einer Spondylolisthesis undKrankengymnastik bei Spondylolyse.

Bandscheibenprothese

Einleitung 
Als Prothese wird der künstliche Ersatz einer anatomischen Struktur im Körper bezeichnet. Bei der Bandscheibenprothese handelt es sich um den Ersatz von erkrankten oder von Verschleiß betroffenen Zwischenwirbelscheiben. Metallplatten werden eingesetzt, um schmerzfreie Stabilität im Segment zu gewährleisten.

Physiotherapeutische Intervention
Nach dem Einsatz einer Bandscheibenprothese wird mit der physiotherapeutischen Nachbehandlung begonnen. Schon früh kann aufgestanden und der Rücken kontrolliert belastet werden. Muskulatur rund um die betroffene Stelle wird mit angepassten Übungen aktiv trainiert, was das Segment entlastet und die körpereigene Heilung fördert. Rückengerechte Bewegung sowie ein angepasstes Verhalten für den Alltag werden erlernt.

Erfahren Sie mehr dazu in dem Artikel Physiotherapie bei einer Bandscheibenprothese 

Wirbelbruch

Einleitung 
Ein Wirbelbruch in der Lendenwirbelsäule entsteht durch Krafteinwirkung von außen (Sturz, Unfall) oder durch bereits geschädigte Knochensubstanz wie bei der Krankheit Osteoporose. Symptome sind Schmerzen im betroffenen Rückenbereich bei Belastung und Bewegung oder Druck auf die betroffene Region.

Physiotherapeutische Intervention
Die Therapie eines Wirbelbruchs kann entweder konventionell erfolgen, sofern die Bruchteile nicht verschoben sind und der Wirbelkanal unversehrt oder operativ. Wichtig ist, dem Körper durch Entlastung Zeit zur Regeneration zu geben, um keine folgenschweren Langzeitschäden durch Verletzung des Rückenmarks zu erwerben. Umliegende durch die Verletzung und Schonhaltung verspannte Muskulatur wird gelockert. Sobald der behandelnde Arzt sein Ok gibt, wird mit aktiven kontrollierten Bewegungs- und Kräftigungsübungen begonnen, um die Stabilität im Rücken wieder herzustellen. Für die Schmerzreduktion können Maßnahmen wie Thermotherapie, Elektrotherapie oder Tapeanlagen angewandt werden. Auch eine Haltungsschulung und das Erlernen rückengerechten Verhaltens im Alltag sind Teil der Therapie.

Den vollständigen Artikel finden Sie auf der Seite Physiotherapie bei einem Wirbelbruch

Bandscheibenvorfall

Einleitung
Die Lendenwirbelsäule ist durch ihre hohe Belastung der meist betroffene Bereich eines Bandscheibenvorfalls. Durch Fehl- oder Überlastung reißt die Bandscheibe und Material tritt zwischen den Bandscheiben hervor. Durch die nahe Verbindung zu den aus der Wirbelsäule austretenden Nervenwurzeln, kann ein Bandscheibenvorfall neben lokalen starken Schmerzen, sensible und motorische Probleme im gesamten Verlauf des komprimierten Nervs verursachen.

Physiotherapeutische Intervention
In der Akutphase eines Bandscheibenvorfalls ist Entlastung wichtig, sodass sich das ausgetretene Bandscheibenmaterial zurückbilden und der Körper den Heilprozess einleiten kann. Um den Druck von den Nervenwurzeln zu nehmen werden verschiedenen Lagerungspositionen erlernt und Manuelle Techniken im betroffenen Segment angewandt. Bereits frühzeitig wird mit statischen Kräftigungsübungen begonnen, um die Muskulatur aufrecht zu erhalten, Stabilität und den Heilungsprozess zu fördern. Orientiert wird sich an dem Schmerz, in welchen nicht reintrainiert werden darf. Bildet sich dieser zurück, kann vermehrt aktiv gearbeitet werden, um ein schützendes Muskelkorsett aufzubauen. Die Übungen sollten fortlaufend weitergeführt werden, um ein Wiederauftreten zu vermeiden. Ebenso ist eine gerade Haltung und rückengerechtes Verhalten im Alltag ausschlaggebend für anhaltende Schmerzfreiheit.

Den vollständigen Artikel erhalten Sie auf der Seite Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall

Nervenwurzelkompression

Einleitung
Einer Nervenwurzelkompression - Druck/ Platzmangel im Bereich der Nervenaustrittsstelle aus der Wirbelsäule, können verschiedene Ursachen zugrunde liegen: Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten, Entzündungsgeschehen und andere Krankheiten oder Verletzungen. Durch den Verlauf der Nerven verursacht die Kompression im Lendenwirbelbereich ausstrahlende Beschwerden entlang der unteren Extremität (Beine und Füße), welche von Bewegungs- und Koordinations- bis zu Gefühlsstörungen reichen. Die ist auf die Unterbrechung der dortigen Nervenleitung zurückzuführen.

Physiotherapeutische Intervention
Besteht eine Nervenwurzelkompression im Bereich der Lendenwirbelsäule, ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie das Herausfiltern der genauen Ursache. Diese muss behandelt werden um den Druck von der Nervenwurzel zu nehem. Langzeitschäden werden somit vermeiden. Entlastungslagerungen, Muskelentspannung, Haltungstraining und Kraftaufbau rund um die Wirbelsäule sind Teil der Therapie. Elektrische Ströme und Tapeanlagen können den Heilungsverlauf unterstützen und Schmerzen reduzieren. Spezielle Nervenmobilisationen können angebracht werden, um die Nerven in ihrer Hülle geschmeidig zu halten.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einer Nervenwurzelkompression