Homöopathie

Homöopathie gehört in den Bereich der alternativen/ komplementären oder auch natürlichen Medizin. Das sind Behandlungs- und Heilmethoden, die den Körper auf natürlichem Wege zur Selbstheilung anregen sollen. Im Gegensatz zur Schulmedizin sind Effekte nicht wissenschaftlich nachweisbar und werden von Kritikern oft als Placebo (also ohne echte Wirkung / Scheinwirkung) verurteilt. Sie sagen, alternative Medizin habe zwar keine Nebenwirkungen, jedoch auch keine Hauptwirkung.

In diesem Artikel wird auf den immer mehr verbreiteten „Trend“ der Homöopathie eingegangen – wo wird sie angewandt, was steckt eigentlich dahinter und wirkt sie überhaupt? Ein kurzer Einblick in die Hintergründe.



Was ist Homöopathie?

Vertreter der Naturheilkunde schwören auf positive Wirkung und in unserer heutigen medizinisch sehr fortschrittlichen Gesellschaft ist sie doch immer mehr verbreitet. Die Bezeichnung „Homöopathie“ kommt aus dem griechischen und bedeutet übersetzt „ähnliches Leiden“ (homöo/homo = gleichartig, ähnlich; - pathos/ pathie = Krankheit, Leiden). Das Konzept ist, das etwas durch Ähnliches geheilt wird. Praktisch sieht dies so aus, dass dem Körper etwas verabreicht wird, was eine Krankheit auslösen kann, jedoch so stark verdünnt, dass es nicht wirklich eine Krankheit auslöst, trotzdem aber eine Heilung im Körper hervorrufen soll.

Das Gemisch D30, wie es zum Beispiel auf den Döschen steht, würde einem Gemisch der Menge eines Tröpfchens im Bodensee entsprechen. Jedoch wird gesagt, dass je höher die Verdünnung sei, desto intensiver die Wirkung. Diese Mittel sind so stark verdünnt, dass im Labor nicht einmal nachweisbar ist, dass der Stoff überhaupt enthalten ist. Verabreicht werden diese Mittelchen in Form von Globuli, also kleinen Kügelchen, die unter der Zunge gelegt aufgelöst werden und einen in der Regel süßen Geschmack haben. Da viele alternative Heilverfahren nicht wissenschaftlich anerkannt sind, werden die Leistungen in den meisten Fällen nicht von der Krankenkassen übernommen, sondern müssen aus privater Tasche bezahlt werden.

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Anwendungsgebiete

Die homöopathischen Kügelchen findet man inzwischen für so ziemlich jede Beschwerde, jedes Leiden und jegliche Krankheiten. Ob Beschwerden am Bewegungsapparat wie Schwellungen und Zerrungen, Organbeschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder gar psychische und chronischen Erkrankungen, all dies lässt sich laut alternativer Medizin mit Homöopathie behandeln.

Es muss lediglich das richtige Mittelchen gefunden werden. Homöopathische Mittel sind nicht rezeptpflichtig, sie können also einfach in Apotheken und Drogerien gekauft oder dem Internet bestellt werden. Um herauszufinden was bei welcher Beschwerde hilft gibt es ganze Bücher zur Beratung und Aufklärung. Ansonsten empfiehlt sich ein Besuch beim Heilpraktiker, Homöopathen, teilweise auch Osteopathen, welches jedoch alles recht teure und aus eigener Tasche zu bezahlende Therapeuten sind. Auch manche Ärzte spezialisieren sich inzwischen auf Homöopathie und Globuli.

Wirkung

Das Konzept der Homöopathie ist also nun, das Ähnliches durch Ähnliches geheilt wird. Bei jeder Krankheit hat man bestimmte Symptome, also Beschwerden. Die richtigen Globuli werden je nach diesen Symptomen ausgewählt, und zwar werden genau die Stoffe verabreicht, die genau diese Symptome hervorrufen. Allerdings sind diese Mittel in Form von kleinen Kügelchen so stark verdünnt, dass sie diese Symptome nicht wirklich hervorrufen, jedoch, so wird es erklärt, vom Körper wahrgenommen werden und somit eine Abwehr- oder Heilungsreaktion hervorrufen (sollen). Die Stoffe sind alle natürlicher Basis. Um sich dies praktisch vorstellen zu können, ein kleines Beispiel:

  • Die Kaffeebohne enthält Koffein. Koffein hat nachweislich die Folge, den Kreislauf anzuregen, die Herzfrequenz zu erhöhen und dadurch die Schweißproduktion zu erhöhen. Nun  leidet unser Beispiel-Patient an extremem Stress und psychischen Verstimmungen. Stress ruft im Körper ähnliche Symptome hervor wie zu viele Tassen Kaffee: erhöhte Herzfrequenz, Schweißbildung, Hitze. Ihm werden also (für das Anschauungsbeispiel vereinfacht) in Form von kleinen Kügelchen extrem verdünnte Mengen von Koffein verabreicht, die zwar lange nicht ausreichen um die Symptome hervorzurufen, aber nach Überzeugung der Alternativmedizin den Körper dazu anregen, dem Koffein entgegen zu wirken, also in diesem Fall zu entspannen, die Herzfrequenz zu senken und so bei unserem Patienten die Stressreaktion zu mildern. So die Theorie.

 

Homöopathie Hausapotheke/Mittel und deren Wirkung

Im Folgenden werden einige der gängigsten homöopathischen Mittelchen vorgestellt, welche heutzutage als Standard in vielen Hausapotheken zu finden sind. Zum Beispiel sind in der natürlichen Sportlerapotheke gerne Arnica, Calendula und Ansenicum album Globuli zu finden.

  • Arnica soll bei kleineren Alltagsverletzungen am Bewegungsapparat helfen. Schmerzen und Schwellungen werden gedämmt, sowie die Heilung von Gewebe angeregt.
  • Calendula (Ringelblume)  hilft bei offenen Wunden und schlechter Heilung. Sie dämmt Entzündungsreaktionen und fördert die Heilung.
  • Arsenicum album wurde vor vielen Jahren als Gift angewandt. Heute wendet die Homöopathie es in stark verdünnten Mengen an, um vor allem Nervenschmerzen zu beruhigen.
  • Für Erkältungskrankheiten findet sich in der Alltagsapotheke oft Belladonna. Das ist das Gift der Tollkirsche und wirkt bei klassischen Hals-, Nasen-, Ohrenbeschwerden.
  • Gelsemium ist wilder Jasmin und soll bei wiederkehrenden Kopfschmerzen und Müdigkeit helfen.
  • Bauchschmerzen und Übelkeit sollen mit Stoffen der Brechnuss, Nux vomica bekämpft werden.
  • Bei Frauenproblemen, klassischen Regelbeschwerden und Hormonschwankungen soll Pulsatilla, die Wiesenküchenschelle helfen.
  • Rhus toxicodendron ist ebenfalls häufig in der Hausapotheke vertreten und hilft bei Schmerzen im Rücken, Steifheitsgefühl aber auch bei Folgen von Erkältung.

Die Liste der gängigen homöopathischen Mittel ist lang, da es wirklich für jede Beschwerde etwas zu geben scheint. Sie alle folgen dem Prinzip der Homöopathie. Sie sollen die Beschwerden heilen, durch die minimale Gabe von einem Stoff, der ähnliche Beschwerden im Körper hervorruft. So wird die Heilung im Körper auf ganz natürlichem Wege angeregt.

Globuli

Globuli ist lediglich die Fachbezeichnung für das Wort Kügelchen. Kleine Streukugeln aus Zucker und dem extrem verdünnten Wirkstoff sind die beliebteste Form, homöopathische Mittel zu verabreichen. Verkauft werden diese mini Kügelchen in kleinen Fläschchen, die einfach aufzubewahren, einzunehmen und mit sich zu führen sind.

Die Einnahme steht in der Regel auf der Packung beschrieben oder wird vom Heilpraktiker empfohlen. Meist müssen sich ein paar der Kügelchen unter die Zunge gelegt werden bis sie sich aufgelöst haben. Durch den Zucker schmecken sie angenehm süßlich. Homöopathische Mittel existieren jedoch auch in anderen Formen wie Cremes, Tabletten und Pulvern.

Homöopathie bei Husten

Für die homöopathische Behandlung von Husten oder generell Erkältungs- und Atemwegsbeschwerden eignen sich unter anderem die Stoffe von Aconitum Napellus, Dulcamara, Asarum Europaeum und Corallium Rubrum. Die verschiedenen Stoffe richten sich je nach den unterschiedlichen Beschwerden – ob Reizhusten, schleimiger Husten, Brechhusten, usw.

Aconitum Napellus ist blauer Eisenhut und gehört zu den Hahnenfußgewächsen. Der Stoff dieser Pflanze soll generell bei Erkältungen und dadurch ausgelöstem Husten helfen. Ebenso werden hier Stoffe der Dulcamara, bittersüßen Nachtschattengewächs verwendet.  Asarum Europaeum ist die giftige Pflanze Haselwurz und kann sehr vielfältig eingesetzt werden. Bei Patienten mit Hustenbeschwerden wird der Stoff oft eingesetzt, wenn dieser von Auswurf und Schleim begleitet wird. Corallium Rubrum ist ein Meerestier, die rote Koralle. Stoffe des Skelettes werden zur Herstellung eines homöopathischen Mittels zur Bekämpfung von Atemwegsbeschwerden verarbeitet.

Homöopathie bei Kindern

Bei Kindern werden Globuli, bzw. homöopathische Mittel, gern angewandt und tatsächlich oft vom Arzt verschrieben und auch von der Krankenkasse bezahlt. Vorteile für Kinder sind besonders die Bereitwilligkeit zur Einnahme durch den süßen Geschmack, und der Verbleib von Nebenwirkungen.

Ob diese sanfte Therapie wirklich hilft oder ein Placeboeffekt das Kind besser fühlen lässt, sei dahingestellt – solang es am Ende zur Gesundheit führt. Mütter sind oft bereit ihren Kindern Globuli zu geben, da viele in der Schwangerschaft schon an Naturheilverfahren herangeführt werden, einfach weil sie viele Medikamente nicht mehr einnehmen dürfen. Wie schon erwähnt, zählen Arnica und Belladonna auch bei den Homöopathie-Mitteln für Kinder zu den Gängigsten und Beliebtesten.

Homöopathie bei Blasenentzündungen

Eine Blasenentzündung sollte nur soweit homöopathisch behandelt werden, solang die Erkrankung nicht zu stark ist oder immer wieder auftritt – dann sollte doch ein Arzt aufgesucht werden und die Bakterien mit Antibiotikum bekämpft werden. Reicht eine alternativ-medizinische Behandlung aus, werden folgende Mittel empfohlen: zum einen eignet sich ein Mittel, welches aus Honigbienen hergestellt wird (Apis) und soll generell bei Entzündungen in Schleimhautregionen helfen und genauer bei Krankheiten von Niere und Blase.

Ähnlich wirkt auch Belladonna, das bereits erwähnte Gift der Tollkirsche und ein Allheilmittel bei Entzündungen. Es gibt auch hier wieder viele verschiedene Globuli, die sich jeweils nach den genauen Symptomen der Blasenentzündung richten. Zum Beispiel hilft Sepia bei dem Verspüren von heftigem Harnddrang, Sarsaparilla bei sehr schmerzlichem Wasserlassen, Pulsatilla bei schwer kontrollierbarem Harnfluss, oder Dulcamara bei Blasenentzündungen in Zusammenhang mit Erkältungen. Dies sind nur einige der häufigen und vielfältigen Beschwerden und dessen homöopathische Wirkmittel.

Homöopathie in den Wechseljahren

In den Wechseljahren der Frau finden große Änderungen des Hormonhaushaltes statt. Dies hat viele verschiedene Symptome zur Folge, die von Gewichtszunahme über Hitzewallungen bis zu Stimmungsschwankungen reichen. Auch hier eignen sich wieder verschiedene spezielle homöopathische Mittel, die durch das Verursachen ähnlicher Symptome eine Gegenwirkung also Heilung im Körper hervorrufen sollen.

  • Gegen Unruhezustände und Schwitzattacken soll sich Cimicifuga eignen. Es ist bekannt für hormonelle Wirkungen und ist deshalb bei Frauen beliebt.
  • Kopfschmerzen und Reizbarkeit sollen durch Sepia in den Griff bekommen werden. Das Mittel stammt vom Tintenfisch und wird in Form von Globuli  gern bei gynäkologischen Beschwerden angewandt.
  • Weiterhin empfehlen sich Stoffe wie Ignatia mit Einfluss auf die Psyche, Lachesis, ein Schlangengift welches bei Frauen sowohl in der Pubertät als auch in der Menopause gern angewandt wird, oder Sulfur – Schwefel – welcher ein bekanntes und beliebtes homöopathisches Mittel zur Behandlung von Beschwerden der Haut, vom Juckreiz über vermehrte Schweißbildung, darstellt.
  • Gegen Gesichtsrötung/ Hitzewallungen im Gesicht sollen Stoffe der Sanguinaria canadensis (Blutwurz) oder Glonoinum (ein Schwefel-Säuren-Gemisch) helfen.

Zusammenfassung

Homöopathie, Naturheilverfahren und Globuli sind in aller Munde. Ob Bauchschmerzen, depressive Verstimmungen oder chronische Erkrankungen – für jegliche Krankheiten scheint es heutzutage die passenden kleinen Zuckerkügelchen zu geben. Auch wenn sich die Wirkung wissenschaftlich nicht nachweisen lässt und die Methode von Forschern und Kritikern oft umstritten wird, ist die Anwendung von Homöopathie in unserer fortschrittlichen Gesellschaft weit verbreitet und wird teilweise gar von Ärzten vertreten. Ob man auf die Wirkung von den Kugeln vertraut ist jedem ganz selbst überlassen.