Neurologische Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen betreffen das Nervensystem unseres Körpers. Unser Nervensystem wird unterteilt in das:

  • ZNS (Zentrales Nervensystem)
  • PNS (Peripheres Nervensystem) 

Das ZNS wird gebildet aus dem Gehirn und dem Rückenmark. Das periphere (“entfernte”, “abgelegene”) Nervensystem aus allen Nervenbahnen unseres Körpers, welche vom Rückenmark kommend in jegliche Bereiche unseres Körpers ziehen und Informationen von der Peripherie zum Zentrum oder umgekehrt Befehle vom Gehirn zum Zielort leiten. Beide Teile des Nervensystems können von verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen betroffen sein, mit sehr unterschiedlichen Auswirkungen und Schweregraden. Einige der häufigsten werden im Folgenden kurz zusammenfassend vorgestellt, sowie ein kurzer Einblick in die angebrachte physiotherapeutische Intervention.

Peroneusparese

Einleitung
Die Peroneusparese gehört zu den Verletzungen des entfernten Nervensystems. Der Nervus Peroneus befindet sich am Unterschenkel und versorgt die Muskeln, die den Fuß anheben mit Bewegungsbefehlen, sowie die Haut des äußeren Unterschenkels und des Fußrückens mit Gefühlswahrnehmungen. Eine Parese ist eine Teillähmung, also eine unvollständige Unterbrechung, meist durch eine Engstelle im Nervenverlauf, dieser Informationsleitbahn. Eine Schwäche der zu versorgenden Muskeln, sowie Gefühlsstörungen im entsprechenden Hautbereich entstehen.

Physiotherapeutische Intervention
Da der N. Peroneus die Fußhebermuskulatur versorgt, ist das typische Symptom der Peroneusparese eine Fußheberschwäche. Der Muskelaufbau beteiligter Strukturen, sowie Sensibilitätsschulung der betroffenen Hautareale sind die Ziele der physiotherapeutische Intervention. Verschiedene passive und aktive Übungen, manuelle und elektrotherapeutische Maßnahmen, sowie  Nervenmobilisationen werden durchgeführt, um die gewohnte Funktion wiederherzustellen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einer Peroneusparese

Cluster-Kopfschmerz

Einleitung
Der Cluster-Kopfschmerz tritt nur einseitig auf und zieht brennend, stechend, als maximaler Schmerz empfunden vom Auge, bzw. hinter dem Auge, bis zur Schläfe. Das auftreten zeigt sich in Perioden, was im Englischen mit “Clustern” übersetzt wird – daher der Name. Bei einem Anfall treten mehrere Attacken auf, die einige Minuten bis zu mehreren Stunden anhalten und vorwiegend Nachts erscheinen. Dazu kommen ebenfalls einseitig, Tränenfluss, Nasenfluss und Schweißausbrüche. Einer Attacke kann jahrelange Beschwerdefreiheit folgen. Auslöser werden vermutet, Ursachen sind jedoch unbekannt.

Physiotherapeutische Intervention
Der Cluster-Kopfschmerz an sich wird durch das maximale, kaum aushaltbare Schmerzempfinden mit Medikamenten behandelt. In der Physiotherapie wird unterstützend mit Entspannungs- und Körperwahrnehmungsübungen gearbeitet. Jegliche, vom Patienten als angenehm empfundene Maßnahmen sind hier angebracht. Auch manuelle Therapiemethoden können helfen, den Kopf zu entspannen.

Nähere Informationen entnehmen Sie dem Artikel Cluster-Kopfschmerzen Therapie.

Multiple Sklerose (MS)

Einleitung 
Die Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung (der Körper greift aus ungeklärten Ursachen Strukturen des eigenen Körpers an), bei welcher die Hülle von Nerven im Zentralen Nervensystem zerstört werden. Die Symptome treten je nach Ort der “Entmarkung” auf. Betroffen sind vorwiegend relativ junge Frauen. Die Krankheit zeigt sich in Schüben, womit sich die zurückbleibenden Symptome im Laufe des Lebens mit jedem Schub vermehren. Es existieren verschiedene Verlaufsformen.

Physiotherapeutische Intervention
Die Physiotherapie richtet sich hauptsächlich auf die Phasen nach den Schüben, bzw. zwischen den Schüben, Hier wird daran gearbeitet, Funktionen wieder zu trainieren, die durch den Schub geschädigt wurden. Je nach dem betroffenen Gebiet und der Ausprägung werden hier Bewegungen, Motorik, Gleichgewicht, Gefühlswahrnehmung und vieles mehr geschult. Hauptziel ist, die Selbstständigkeit für den Alltag zu erhalten, im besten Fall nach dem Schub zur alter Funktion zurückzukehren. Im Schub direkt, wird dem Patienten vom Arzt medikamentös geholfen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei Multiple Sklerose

Muskeldystrophie

Einleitung
Eine Muskeldystrophie ist eine vererbte Krankheit, bei der nach und nach Muskeln abbauen. Es existieren verschiedene Krankheitsbilder unter der Gruppe der Muskeldystrophien. Sie sind in der Regel erklärbar durch einen Gendefekt. Oft treten die ersten Anzeichen für die Muskelschwäche bereits im Kindesalter auf. Neben Bewegungsstörungen und Kraftmangel, zeigen sie sich später bereits beim Gehen und Stehen. Außerdem können lebenswichtige Muskeln wie die Atemmuskulatur betroffen sein.

Physiotherapeutische Intervention 
Aus den beschriebenen Symptomen des Krankheitsbildes ergibt sich das physiotherapeutische Hauptziel des Muskelaufbaus. Jedoch müssen Übungen und Widerstände genau angepasst werden, da eine Überlastung ins Gegenteil umschlagen kann und noch mehr Schwäche hervorruft. Ein angepasstes Krafttraining und leichtes Ausdauertraining eignen sich zur Leistungssteigerung. In schweren Verläufen müssen Gelenke passiv bewegt werden, um Verklebungen und somit bleibende Bewegungseinschränkungen und Funktionsverluste zu vermeiden. Zudem kommen Atemtherapien und schmerzsenkende Maßnahmen.

Mehr Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Muskeldystrophie

Polyneuropathie

Einleitung
Eine Polyneuropathie ist übersetzt eine Erkrankung/ Schädigung (-pathie) mehrerer (poly) Nerven (neuro). Die Ursachen sind oft stoffwechselbedingt, entstehen also durch eine langjährige andere Erkrankung. Gängig ist hier zum Beispiel die Zuckerkrankheit - Diabetes mellitus - oder Nierenkrankheiten. Ungesunde Lebensweisen mit Vitaminmangel, generelle Fehlernährung, aber auch Infekte und erbliche Faktoren können zu der Nervenerkrankung führen. Je nach Ort der Schädigung erscheinen die Symptome in Form von Lähmungen und Gefühlsstörungen. Oft betroffen sind die Füße.

Physiotherapeutische Intervention
In der Physiotherapie werden verschiedene Maßnahmen angewandt, um die Muskulatur zu aktivieren, kräftigen und bewegen. Dies geschieht mit manuellen Therapiekonzepten, der Anlage von Strömen oder anderen Reizen. Zusätzlich werden Muskeln gedehnt, Gewebe gelockert und Gelenke durchbewegt. Auch die Gewährleistung von genügender Durchblutung muss durch verschiedene Techniken gesichert werden. Um die Sensibilität, also die Gefühlswahrnehmung zu trainieren, existieren ebenfalls verschiedene Techniken und Maßnahmen –  sie werden angewandt je nach Stärke und Ort der Gefühlsstörung.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei Polyneuropathie

Schlaganfall

Einleitung
Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung des Gehirns ('Hirninfarkt'). Durch verstopfte Gefäße kann Blut plötzlich nicht mehr zum Gehirn fließen, Funktionen der betroffenen Areale setzen sofort aus. Wird der Weg nicht umgehend freigemacht, besteht die Gefahr, dass die nicht durchbluteten Zellen absterben und gravierende Schäden zurückbleiben. Diese richten sich ganz nach betroffenem Hirnareal. Um besonders schnell reagieren zu können, haben Krankenhäuser in der Regel eine 'Stroke-Unit' (Stroke ist die englische Bezeichnung eines Schlaganfalls), wo Betroffene eingeliefert und sofort behandelt werden.

Physiotherapeutische Intervention
Die Physiotherapie nach einem Schlaganfall richtet sich ganz individuell nach den zurückgebliebenen Schäden. Dies können schlaffe Lähmungen sein, Spastiken, gesteigerte Reflexe, Gefühlsstörungen, Gangstörungen, Sprachstörungen,.. Im Grunde kann jeder Bereich im Gehirn und somit jede einzelne Funktion unseres Körpers betroffen sein. Zusammen mit dem Physiotherapeuten wird ein Behandlungskonzept erstellt und daran gearbeitet, Funktionen wieder herzustellen oder auch mit der neuen Situation umzugehen.

Lesen Sie mehr in dem Artikel Physiotherapie bei einem Schlaganfall

Myelopathie

Einleitung
Eine Myelopathie ist eine Schädigung des Zentralen Nervensystems, hier ist jedoch nicht das Gehirn, sondern das Rückenmark betroffen. Ursache können Tumore, knöcherne Engstellen im Wirbelkanal, Bandscheibenvorfälle und vieles mehr sein. Auch hier richtet sich das Symptom und der Ort der neurologischen Ausfälle ganz nach dem Ort der Schädigung, da jedes Segment, also jeder Teil des Rückenmarks einen anderen Teil des Körpers mit Nervenbahnen versorgt.

Physiotherapeutische Intervention
In der Physiotherapie bei einem verletzten oder eingeengten Rückenmark, richten sich die Maßnahmen ganz nach den individuellen Symptomen. Ist zum Beispiel der untere Rücken betroffen, kann das Gangbild beeinträchtigt sein. Ist der obere Teil der Wirbelsäule betroffen, können ebenso Arme und Rumpf betroffen sein. Die Therapie ist ein Zusammenspiel aus symptomatischer Behandlung (im Ausstrahlungsgebiet) und Ursachenbehandlung (am betroffenen Wirbelsäulenabschnitt).

Genauere Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Myelopathie

Spastik

Einleitung
Eine Spastik beschreibt eine krankhaft erhöhte Muskelspannung, wie bei einem Krampf, der nicht zu lösen ist. Sie entsteht durch eine Schädigung des bewegungsvermittelnden Nervs in seinem Ursprung im Gehirn. Ursachen können Tumore, Blutungen, Hirninfarkte oder Entzündungen sein. Zusätzlich sind oft die Reflexe krankhaft erhöht und die Gefühlswahrnehmung gestört.

Physiotherapeutische Intervention 
In der Physiotherapie gibt es verschiedene Maßnahmen, Einfluss auf eine Spastik zu nehmen. Die Therapie richtet sich wie immer nach den individuellen Fähigkeiten und Anforderungen des Betroffenen. Zum Beispiel existieren verschiedene Lagerungen, die die krankhaft erhöhten Reflexe hemmen. Es existieren genaue Bewegungsmuster, in welchen Strukturen und Körperteile durchbewegt werden. Ganze Behandlungskonzepte wurden für neurologische Ausfälle entwickelt. Neben dem vorsichtigen und gekonnten Durchbewegen, werden auch die Wahrnehmung, die Sensibilität und die Eigenwahrnehmung im Körper geschult. Wichtig ist außerdem, die Rumpfaktivität durch manuelle Reize mit zu trainieren, ebenso wie der Erhalt jeglicher Selbstständigkeit. Alles was der betroffene kann, soll er auch durchführen. Die Motivation, Ziele zu erreichen, muss durch Empathie und Verständnis gefördert werden.

Genaue Inhalte der Physiotherapie entnehmen Sie dem Artikel Physiotherapie bei einer Spastik

Morbus Parkinson

Einleitung
Der Morbus (=Krankheit) Parkinson oder auch das Parkinson-Syndrom zählt zu den Erkrankungen des Zentralen Nervensystems. In der Regel im höheren Alter auftretend aber ohne erklärbare Ursache, sterben Zellen in einem bestimmten Bereich des Gehirns ab, welches für die Bewegungssteuerung unseres Körpers zuständig ist. Klassische daraus folgende Symptome des Parkinson sind Bewegungsarmut/ Steife und Zittern. Auch die Mimik im Gesicht nimmt ab und wirkt oft starr und ausdruckslos.

Physiotherapeutische Intervention
In der physiotherapeutischen Behandlung des M. Parkinson steht der Erhalt und die Förderung der Beweglichkeit im Vordergrund. Große Bewegungen, äußere Reize, Kommandos, Musik und Rhythmen – Standardtänze haben sich tatsächlich in der Therapie bewährt, wo sogleich Bewegung mit Spaß verbunden wird. Des Weiteren wird an feiner und gezielter Bewegung gearbeitet, um Alltagsfunktionen und die Selbstständigkeit zu erhalten, sowie auch an der Schulung von Mimik und Sprache. Dehnübungen, Körperwahrnehmungsübungen und Griffe aus der manuellen Therapie werden außerdem angewandt, um Verspannungen zu lösen und das Wohlgefühl wieder zu steigern.

Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel Physiotherapie bei Morbus Parkinson

Migräne

Einleitung 
Migräne ist ein anfallsartiger, starker Kopfschmerz, der meist einseitig auftritt. Die Dauer eines Anfalls variiert zwischen einigen Stunden bis zu einem ganzen Tag. Teilweise wird der Kopfschmerz von Übelkeit und Schweißausbrüchen begleitet. Migräne kann den neurologischen oder auch den internistischen Erkrankungen zugeordnet werden.

Physiotherapeutische Intervention
Der Arzt kann dem Migräne-Betroffenen Schmerzmittel für den akuten Anfall verabreichen – diese sollten jedoch nicht dauerhaft eingenommen werden. Stattdessen werden in der Physiotherapie Entspannungs- und Selbstwahrnehmungsübungen erlernt, für das eigene Handling mit einem schmerzhaften Anfall. Zusätzlich können sämtliche, dem Patienten wohltuende Maßnahmen angewandt werden – Massagen, Wärme- und Kälteanwendungen, Bäder, Wickel, Güsse und Stromanlagen aus der Elektrotherapie.

Weitere Informationen entnehmen Sie dem Artikel Physiotherapie bei Migräne

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