Physiotherapie bei Rheumatischen Erkrankungen

Allgemeines

Rheuma ist ein Sammelbegriff für sämtliche Schmerz- und Entzündungserkrankungen am Bewegungsapparat, mit teilweiser Auswirkung auf weitere Systeme unseres Körpers. Betroffen sein können unter anderem Gelenke, Sehnen und Bänder, Muskeln und Knochen. Die Ursachen sind vielfältig, von Autoimmunerkrankungen, Stoffwechselstörungen bis zu Degeneration (Abnutzung im Alter). Im Folgenden werden die verschiedenen Formen kurz zusammengefasst und vorgestellt.

Autoimmunbedingte, entzündlich-rheumatische Erkrankungen = Rheumatoide Arthritis

Einleitung:
Zu den verbreitetsten autoimmunbedingten rheumatischen Erkrankungen  zählen unter anderem die Rheumatoide Arthritis - eine Entzündung der Gelenke, der Morbus Bechterew – eine entzündungsbedingte Versteifung der kleinen Wirbelgelenke mit Rundrückenbildung als Resultat und die juvenile idiopathische Arthritis, welche eine Gelenksentzündung im Jugendalter ohne bekannte Ursache beschreibt. Autoimmun bedeutet, dass unser körpereigenes Abwehrsystem Strukturen angreift und somit versucht, den eigenen Körper zu bekämpfen. Resultat sind die beschriebenen Gewebeschäden. Ursachen für die Autoimmunreaktion sind ungeklärt.

Physiotherapeutische Intervention:
Verschiedene Maßnahmen in der Physiotherapie können die unangenehmen Symptome der autoimmunbedingten Entzündungen lindern. Dazu zählen Eistherapie gegen schmerzhafte Entzündungen, Wärmetherapie, Elektroanwendungen und Massagetechniken gegen verspannte Muskeln, sowie passive und aktive Bewegungstherapie, um einem Fortschreiten der Gelenkversteifungen mit Bewegungseinschränkungen zu vermeiden. Die Krankheit kann nicht rückgängig gemacht werden, jedoch die Symptome gelindert und ein fortschreiten verhindert, bzw. verlangsamt werden. Lesen Sie mehr zu den Inhalten einer Physiotherapie in dem Artikel Krankengymnastik Spondylarthritis

Verschleißbedingte (degenerative) rheumatische Erkrankungen = Arthrosen

Einleitung:
Arthrosen sind krankhafte Abnutzungen von Knorpel, welcher in jedem Gelenk die Knochenenden überzieht, um reibungslose Bewegung zu ermöglichen. Sie zählen zum Formenkreis der degenerativen (verschleißbedingten) rheumatischen Erkrankungen. Die Ursache liegt oft in jahrelanger Fehl- und Überlastung oder vergangenen Verletzungen des betroffenen Gelenks. Symptome sind starke Schmerzen, die besonders bei Bewegung unter Belastung auftreten. Meist betroffen sind die großen Gelenke wie Schulter, Hüfte und Knie.

Physiotherapeutische Intervention:
Die Hauptintervention in der physiotherapeutischen Behandlung einer Arthrose richtet sich auf Bewegung ohne Belastung. Gelenkknorpel kann nicht wiederhergestellt werden, doch produziert Bewegung vermehrt Gelenkschmiere, welche das Gelenk geschmeidig hält. Zusätzlich wird durch spezifische aktive Übungen stabilisierende Muskulatur rund um das Gelenk aufgebaut. Durch die Schmerzen und Schonhaltung verspannte Muskeln werden durch Massagen, Wärme und Dehnungen gelockert. Gemeinsam mit dem behandelnden Therapeuten wird ein gelenkschonendes Verhalten für Alltagsbelastungen erlernt. Gelenkfreundliche Sportarten wie Fahrradfahren und Schwimmen wird dem Patienten empfohlen. Lesen Sie mehr zu diesem Thema z.B. in dem Artikel Physiotherapie bei einer Hüftarthrose

Stoffwechselstörungen, die mit rheumatischen Beschwerden einhergehen

Einleitung:
Zu dem Formenkreis der stoffwechselbedingten rheumatischen Erkrankungen zählen als bekannteste die Gicht (vermehrte Harnsäure im Blut, welche durch Ablagerungen Entzündungsreaktionen in den Gelenken hervorruft), Hyperparathyreoidismus (eine Nebennierenerkrankung mit Abbau von Knochenmasse und Ablagerung von Nierensteinen zur Folge), Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion mit resultierender Muskelschwäche) und Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“, ein erhöhter Blutzuckerspiegel im Blut sorgt für Ablagerungen im Körper, welche vor allem Nervenbahnen angreifen, was sich auf die Motorik und Sensibilität auswirkt). Ursachen von Stoffwechselstörungen sind meist angeboren oder durch einen jahrelangen ungesunden Lebensstil wie Rauchen, Übergewicht, Ernährung und Alkohol begünstigt.

Physiotherapeutische Intervention:
Die physiotherapeutische Intervention bei Stoffwechselstörungen richtet sich individuell je nach beschriebener Erkrankung und damit einhergehenden Beschwerden. Gelenke werden sanft mobilisiert, Muskeln gelockert, sowie zur Unterstützung der Stabilität des Bewegungssystems gekräftigt und Nerven durch elektrotherapeutische Maßnahmen angeregt und Schmerzen gelindert. Außerdem werden Patienten über einen gesunden Lebensstil aufgeklärt und gemeinsam ein alltagsgerechtes Verhalten erarbeitet. Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Gicht

Rheumatische Erkrankungen der Weichteile

Einleitung:
Verbreitete rheumatische Erkrankungen der Weichteile, welche Muskeln, Sehnen und Bänder einschließen, sind die Fibromyalgie (verbreitete Muskelschmerzen an verschiedenen Stellen des Körpers), Sehnenansatzreizungen, zu welchen der sogenannte Tennisellenbogen (Reizung des Ursprungs der Unterarmstreckmuskulatur) und der Golferellenbogen (Reizung des Ursprungs der Unterarmbeugemuskulatur), sowie Schleimbeutelentzündungen, wobei Schleimbeutel meist gelenknahe Polstereinrichtungen darstellen um Strukturen zu schützen. Symptomatisch entstehen Entzündungen, Schmerzen und Bewegungs-, sowie Belastungseinschränkungen an den betroffenen Regionen.

Physiotherapeutische Intervention:
Die physiotherapeutische Behandlung der rheumatischen Weichteilerkrankungen richtet sich nach den individuellen Beschwerden der Patienten. Die Heilung von Sehnen kann mit Ultraschallanwendungen unterstützt werden, Elektrotherapie hat einen muskellockernden und schmerzlindernden Effekt, Kälte- und Wärmeanwendungen können je nach Empfinden einen schmerzlindernden angenehmen Effekt erzielen. Dehnungen und Massagetechniken lockern verspannte Muskelbahnen. Des Weiteren  wird über den Einfluss eines gesunden Lebensstil auf die Strukturen des Körpers und die körpereigene Heilung aufgeklärt, sowie die Wichtigkeit von Verständnis und Mitarbeit seitens Patienten deutlich gemacht. Lesen Sie mehr über die Therapie in den Artikeln Krankengymnastik bei einem Tennisarm und Krankengymnastik bei einem Golferellenbogen

Chronische Knochenerkrankungen (Osteopathien)

Einleitung:
Bekannte chronische Knochenerkrankungen im Rahmen des rheumatischen Formenkreises sind die Osteoporose und die Osteomalazie. Osteoporose ist der fortschreitende Abbau von Knochenmasse, was diese porös und anfällig für Verletzungen wie Brüche macht. Die Belastbarkeit des Patienten ist stark eingeschränkt. Bei der Osteomalazie liegt eine Störung der Mineralisierung des Knochens vor, was diesen weicher werden lässt und somit ebenfalls ein Einbüßen an Belastbarkeit darstellt.

Physiotherapeutische Intervention:
In allen Fällen der chronischen Knochenerkrankungen ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben und ein stabiles Muskelkorsett aufzubauen, welches den Bewegungsapparat ausreichend stützt. Spezifische Belastungen sind wichtig, um dem Körper vor weiterem Substanzabbau der Knochenmasse zu schützen – denn was nicht gebraucht wird, wird abgebaut. Ein Verständnis der Krankheit muss dem Patienten deutlich gemacht werden, die Gefahr von Verletzungen und der Einfluss vom allgemeinen Gesundheitszustand. Durch Fehlhaltungen verspannte Muskeln werden durch Wärme und sanfte Massagetechniken gelockert und somit die Symptome gelindert. Lesen Sie mehr zu den inhalten einer Therapie in dem Artikel Krankengymnastik bei Osteoporose