Physiotherapie bei Erkrankungen am Kniegelenk

Einleitung

Oberschenkel, Unterschenkel und Kniescheibe bilden zusammengesetzt das größte Gelenk unseres Körpers: das Knie. Die anatomischen Formen der gelenkbildenden Knochenenden passen nicht genau ineinander, weshalb das Knie einige Hilfseinrichtungen für die Stabilität und Beweglichkeit benötigt, wie Menisken, Kreuzbänder, Schleimbeutel und viele Muskelsehnen, die über das Gelenk ziehen. Zusätzlich trägt das Knie im Gang und Stand einen Großteil des Körpergewichtes. Die Strukturen des Kniegelenks sind somit relativ häufig Verletzungen ausgesetzt, welche im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Kniearthrose

Einleitung:
Eine Arthrose bezeichnet eine frühzeitige und krankhafte Abnutzung des Gelenkknorpels, welcher in jedem Gelenk die artikulierenden Knochenenden überzieht, um diese zu schützen und reibungslose Beweglichkeit zu ermöglichen. Bei Fehlstellungen, jahrelangen Überlastungen oder auch nach unbehandelten Verletzungen kann dieser schützende Gelenkknorpel abnutzen, was zu Entzündungen und sehr schmerzhafter Bewegungseinschränkung führt.

Physiotherapeutische Intervention:
Eine Arthrose kann nicht rückgängig gemacht werden, jedoch kann mit Hilfe von Physiotherapie ein Fortschreiten aufgehalten und die plagenden Symptome gelindert werden. Aufklärung und Alltagsverhalten, sowie die Empfehlung von gelenkschonenden Sportarten (Schwimmen, Fahrradfahren) sind Teil der Therapie. Bewegungsübungen, Lockerung umliegender Strukturen und geführte Kraftübungen rund um die Muskelketten des Beines sind ausschlaggebend. Entlastungsübungen für zuhause werden dem Patienten mit auf den Weg gegeben. Ein Verständnis für die Erkrankung und das Knorpel nur durch einen gesunden Wechsel aus Be- und Entlastung ernährt wird, ist wichtig für eine erfolgreiche Therapie.

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Patellaspitzensyndrom

Einleitung:
Beim Patellaspitzensyndrom liegt eine Reizung des Knochens durch einen zu strammen Muskelzug vor. Als Patella wird die Kniescheibe bezeichnet. Die vier kräftigen vorderen Oberschenkelmuskeln ziehen gemeinsam über eine kräftige Sehne über die Kniescheibe und setzen schließlich am vorderen oberen Schienbein an. Bei häufigen Sprüngen oder vielem Laufen verkürzt die Muskulatur und zieht schmerzhaft an der Sehne.

Physiotherapeutische Intervention:
In der physiotherapeutischen Intervention eines Patellaspitzensyndroms wird zunächst dazu geraten, die ursächliche Überlastungsbewegung (in der Regel der Sport) zu unterlassen. Der Körper benötigt Zeit zur Regeneration. Mit passiven Maßnahmen werden tiefe Faszienzüge ausgestrichen, Muskeln gelockert  und Muskelketten gedehnt. Gehen die plagenden Symptome zurück, wird daran trainiert, muskuläre Ungleichgewichte zu beseitigen. Zu schwache Muskeln rund um das Knie werden gekräftigt und Bewegungsabläufe werden optimiert. Unterstützend kann mit Ultraschall und Elektrotherapie gearbeitet werden. Tapeanlagen eignen sich besonders zur Unterstützung der Strukturen ohne Einschränkung in der Funktion bei der Rückkehr in den Sport.

Den komplette Artikel finden Sie auf der Seite Physiotherapie bei einem Patellaspitzensyndrom

Patellaluxation

Einleitung:
Als Patellaluxation wird die Ausrenkung der Kniescheibe bezeichnet. Sie entsteht durch Unfälle oder Verletzungen meist mit Verdrehung des Beines oder durch mangelnde Gewebsstabilität und Beinachsenfehlstellungen. Resultat sind eine fühlbar dislozierte Kniescheibe mit Druckempfindlichkeit, teilweise mit auftretender Schwellung und Entzündungszeichen sowie schmerzhafter Bewegungseinschränkung besonders in die Kniestreckung.

Physiotherapeutische Intervention:
Je nach Schweregrad kann eine Patellaluxation manuell wieder eingerenkt werden mit folgender Stabilisierung und Ruhigstellung des Knies. In der Physiotherapie wird die Schwellung mit Manuellen Griffen abtransportiert. Sind Schmerz und Entzündungszeichen abgeklungen, wird mit dem aktiven Training begonnen. Um eine erneute Luxation zu vermeiden, wird die Muskulatur rund um das Knie gekräftigt. Hier wird besonders auf den kräftigen vierköpfigen vorderen Oberschenkelmuskel eingegangen, welcher die Kniescheibe in ihrer Position fixiert. Als passive Unterstützung können Bandagen oder Tapeanlagen hinzugezogen werden.

Lesen Sie dazu in dem Artikel Physiotherapie bei einer Patellaluxation

Kreuzbandruptur

Einleitung:
Die Kreuzbänder verlaufen in der Mitte des Kniegelenks und fixieren den Unterschenkel am Oberschenkel, was ihn vor einem Verrutschen nach vorn/hinten sichert. Kreuzbandrupturen (Riss) sind typische Sportverletzungen. Skifahrer die ihr fixiertes Bein verdrehen oder Fußballer die einen Tritt gegen das aufstehende Schienbein bekommen. Es benötigt eine direkte Gewalteinwirkung von außen, dass es zum Riss der Strukturen kommt. Resultat ist eine mangelnde Stabilität und Führung in der Bewegung des Knies sowie Entzündungszeichen und Schmerz in der Akutphase.

Physiotherapeutische Intervention:
In der physiotherapeutischen Intervention einer Kreuzbandruptur wird sich an den Wundheilungsphasen orientiert. So wird zunächst geschont und gekühlt, bis sich die Entzündungszeichen nach wenigen Tagen zurückbilden. Anschließend wird das Knie mobilisiert und mit zunächst statischen Übungen gekräftigt. Sobald die Strukturen wieder schmerzfrei belastbar sind, heißt es aktiv trainieren. Die fehlende passive Stabilität der Bänder wird mit aktiver Stabilität (Muskeln) ausgeglichen. Wichtig ist, Kräftigungsübungen auch in Zukunft regelmäßig durchzuführen, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Beim ersten Wiedereinstieg in den Sport können Bandagen und Tapeanlagen das Knie zusätzlich von außen stabilisieren. Neben der Trainingstherapie wird durch die Verletzung verspanntes Gewebe durch tiefe Manuelle Griffe gelockert, um Verklebungen zu vermeiden.

Mehr Informationen erhalten Sie in den Artikeln 

Innenband-Außenbandruptur

Einleitung:
Innen-und Außenband verlaufen je seitlich am Kniegelenk über den Gelenkspalt und fixieren ebenfalls den Unter- und Oberschenkelknochen aneinander. Durch ihren Verlauf schützen sie vor einem Auseinanderklaffen der Knochen, bzw. des Gelenks. Die Seitenbänder sind besonders bei Beinachsenfehlstellungen dauerndem Stress ausgesetzt, was sie für Verletzungen prädispositioniert. Weitere Ursachen sind Verletzungen und Unfälle mit direkter Gewalteinwirkung von innen oder außen gegen das Knie.

Physiotherapeutische Intervention:
Die Therapie eines Innen- oder Außenbandriss richtet sich auch hier nach den körpereigenen Wundheilungsphasen: Entzündung, Neubildung von Gewebe, Stabilisierung des Gewebes. Nach Schonung und Kühlung wird das Gelenk mobilisiert, Strukturen gelockert und bereits mit Übungen die keinen großen Stress auf das Knie ausüben, gekräftigt. In der letzten Phase wird aktiv trainiert. Kräftigungsübungen, Stabilitätsübungen und Übungen für die Tiefensensibilität werden durchgeführt, um eine sichere Beweglichkeit und Belastbarkeit im Knie wiederherzustellen.

Den komplette Artikel finden Sie auf der Seite Physiotherapie bei einer Innen - und Außenbandruptur

Meniskusläsion

Einleitung:
Die Menisken sind zwei halbmondförmige Scheiben im Kniegelenk, welche die Inkongruenz zwischen den runden Enden des Oberschenkelknochens und dem flachen Ende des Schienbeins ausgleichen. Verletzungen sind entweder traumatisch bedingt oder durch Verschleiß im Alter. Je nach Ausmaß der Meniskusläsion, welche besonders bei Sportverletzungen oft kombiniert ist mit Bandverletzungen, entstehen Schwellung, Schmerz sowie Funktions- und Belastungseinschränkungen.

Physiotherapeutische Intervention:
Die Therapie einer Meniskusläsion richtet sich nach Lokalisation der Rissstelle, da Menisken nur zum Teil durchblutet, also Fähig zur Selbstheilung sind. Um dem Körper die Möglichkeit zur Regeneration zu geben, wird das Knie zunächst entlastet und gekühlt. Im späteren Verlauf wird durch aktive Kräftigungsübungen die Stabilität im Gelenk wieder hergestellt. Ist das Verletzungsausmaß jedoch zu groß, muss eine Operation in Betracht gezogen werden, um Folgeschäden wie die Entwicklung einer Arthrose zu vermeiden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einer Meniskusläsion

Knie-Tep

Einleitung:
Eine Knie-TEP (TotalEndoProthese) ist der komplette Gelenkersatz durch künstliche Materialien. Die gelenkbildenden Enden der Knochen werden entfernt und durch Fremdmaterial ersetzt. Zum Einsatz kommt eine Knie-TEP, wenn zum Beispiel eine Arthrose (Knorpelabnutzung) so stark fortgeschritten ist, dass konservative Therapiemethoden keine Linderung mehr bringen und Alltagsaktivitäten durch extreme Schmerzen und Bewegungsdefizite eingeschränkt sind.

Physiotherapeutische Intervention:
Je nach Material und Operationsverfahren ist eine Knie-TEP relativ schnell wieder voll belastbar. In der nachsorgenden Physiotherapie werden durch passive Maßnahmen Strukturen und verklebtes Gewebe gelockert, um die Beweglichkeit zu erhalten, bzw. zu erweitern. Das Laufen und Bewegungen werden wieder erlernt. Frühe Belastungen sind notwendig, um das Fremdmaterial in den Körper einzubinden. Mit langsamer Steigerung werden aktive Kräftigungen und Übungen für die Tiefensensibilität durchgeführt, um dem Knie seine volle Stabilität wieder zu geben.

Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einer Knie-TEP

Morbus Schlatter

Einleitung:
Der Morbus Schlatter ist eine typische Erkrankung bei männlichen Jugendlichen im Wachstumsalter. Als Ursache werden ein zu schnelles Wachstum oder Überlastungen im Sport angenommen. Es handelt sich um eine Reizung des Muskelsehnenansatzes des vorderen Oberschenkelmuskels am oberen vorderen Schienbein. Durch das zu schnelle Wachstum entsteht ein Zug an der Sehne, auf welche der Knochen mit Ausziehungen reagiert. In schweren Fällen könne sich Knochenteile lösen und absterben. Symptome sind Druck- und Bewegungsschmerz am Sehnenansatz.

Physiotherapeutische Intervention:
Die Symptome des M. Schlatter legen sich in der Regel nach Wachstumsabschluss von selbst. In akuten Fällen sollten Überlastungen vermieden werden, wozu auch Übergewicht zählt. Zur Spannungs- und Schmerzlinderung existieren zahlreiche relaxierende Maßnahmen, wie Wärmeanwendungen auf dem verkürzten Muskel, Massagetechniken, Faszientechniken, passive Muskeldehnungen oder auch Tapeanlagen. In der aktiven Therapie wird daran gearbeitet, muskuläre Ungleichgewichte in der gesamten Muskelkette auszugleichen.

Mehr Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Morbus Schlatter

Iliotibiales Bandsyndrom - Läuferknie

Einleitung:
Das Iliotibiale Bandsyndrom (ITBS/ Tractusscheuern) ist eine typische Überlastungserscheinung bei Läufern, weshalb auch von einem Läuferknie gesprochen wird. Das Iliotibiale Band ist eine kräftige Sehen, welche vom Becken zum äußeren Knie verläuft. Durch mangelnde Regeneration nach dem Sport, Becken-/ Beinachsen- / Fußfehlstellungen, einer falschen Lauftechnik oder muskulärem Ungleichgewicht überlastet die Sehne und verkürzt, wodurch sie schmerzhaft an ihrem Ansatz am äußeren Knie zieht. Druckschmerz, Funktionseinschränkung und Entzündungszeichen entstehen.

Physiotherapeutische Intervention:
Wichtig in der Therapie eines Iliotibialen Bandsyndroms ist, den Patienten aufzuklären, die ursächliche Überlastung zu unterlassen um eine chronische Entzündung zu vermeiden. Schmerzen sollten nie ignoriert werden, stattdessen ist ein Ausgleichstraining zu empfehlen, um muskuläre Ungleichgewichte auszugleichen. Durch tiefe Ausstreichungen der Faszien werden schmerzende Verklebungen gelöst. Triggertechniken, Massagen, Wärme und Dehnungen nehmen die Spannung von der Sehne. Je nach Ursache wird die Gesäßmuskulatur trainiert, um das Becken in seiner physiologischen Position zu halten und Bewegungsabläufe zu optimieren.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einem Iliotibialen Bandsyndrom

Bakerzyste

Einleitung:
Als Bakerzyste wird eine entzündungsbedingte Aussackung des Gewebes in der Kniekehle bezeichnet. Ursache ist in der Regel eine Erkrankung oder Verletzung im Knie. Durch Entzündungs- und Reparaturvorgänge sammelt sich vermehrte Flüssigkeit im Knie, welche schließlich an dem Ort mit dem geringstem Widerstand, der Kniekehle, aussackt. Je nach Ausprägung ist die Schwellung tastbar und schmerzhaft und kann auf andere Strukturen wie Blutgefäße und Nerven drücken.

Physiotherapeutische Intervention:
Eine Bakerzyste geht in der Regel zurück, wenn die ursächliche Erkrankung im Knie erfolgreich behandelt wird. Neben der Einnahme von Entzündungshemmern kann in der Physiotherapie je nach Ursache mobilisiert, massiert, gedehnt und gekräftigt werden. Zu große Belastungen sollten vermieden und Schmerzen nicht ignoriert werden, um ein Platzen der Zyste zu vermeiden.

Lesen Sie den kompletten Artikel auf der Seite Physiotherapie bei einer Bakerzyste

Schienbeinkantensyndrom (Shin splints)

Einleitung:
Als Schienbeinkantensyndrom wird eine schmerzhafte Reizung der Knochenhaut durch überbeanspruchte Muskelursprünge am Unterschenkel bezeichnet. Besonders Lauf- und Sprungsportler sind durch mangelnde Regeneration oder muskuläre Ungleichgewichte betroffen. Die Schmerzen treten besonders zu Beginn nur beim Sport auf und verschwinden in Ruhe wieder.

Physiotherapeutische Intervention:
Auch wenn der Schmerz nur Phasenweise auftritt, sollte er nie ignoriert werden. Eine Sportpause zur Regeneration und Ausgleichübungen werden empfohlen. Eistherapie und kühlende Unterschenkelwickel lindern die brennenden Schmerzen. Für eine auf Langzeit erfolgreiche Therapie muss die Ursache herausgefunden, der Laufstil optimiert und Muskelketten gekräftigt werden.

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Unhappy triad

Einleitung:
Das Unhappy Triad ist eine Kombinationsverletzung aus: Vorderem Kreuzbandriss, Innenbandriss und Innenmeniskusriss. Durch die Verwachsung der Strukturen im Knie und dem selben Verletzungsmechanismus, sind sie meist gemeinsam betroffen. Besonders Skifahrer oder Fußballer sind davon betroffen durch eine ruckhafte Drehung des Beines bei feststehendem Fuß. Das Resultat ist  ein Instabilitätsgefühl und Funktionseinschränkung kombiniert mit den klassischen Entzündungszeichen: Rötung, Schwellung, Überwärmung und Schmerz.

Physiotherapeutische Intervention:
Ein Unhappy Triad wird in der Regel operiert. Anschließend wird eine physiotherapeutische Nachbehandlung durchgeführt, bei welcher durch aktive Maßnahmen die Stabilität rund um das Kniegelenk wieder aufgebaut wird. Sportspezifische Übungen können durchgeführt werden um die Strukturen auf einen Wiedereinstieg vorzubereiten. Verspannte Muskeln und Gewebe werden durch tiefe Massage- oder Faszientechniken gelöst. Des Weiteren wird der Patient darauf hingewiesen, auch in Zukunft Ausgleichsübungen durchzuführen und Regenerationszeiten einzuhalten, um Verletzungen zu vermeiden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Physiotherapie bei einer Unhappy Triad.