Physiotherapie bei Fuß- und Sprunggelenkserkrankungen

Allgemeines:
Der Fuß und das Sprunggelenk bilden das Ende der unteren Extremität, womit sie im aufrechten Stand und Gang das komplette Körpergewicht abfedern müssen. Der Fuß ist aus vielen kleinen Knochen zusammengesetzt, wodurch er flexibler, belastbarer aber auch verletzlich wird. Im Folgenden werden die häufigsten Krankheitsbilder und Verletzungen im Bereich Fuß/ Sprunggelenk kurz zusammengefasst und vorgestellt.

Hallux valgus

Einleitung:
Als Hallux valgus wird eine Krümmung des großen Zehs bezeichnet. Die gelenkbildenden Zehenknochen sitzen nicht gerade übereinander, sondern stehen in einem unphysiologischen Winkel zueinander, der einen Hubbel auf der Fußinnenseite entstehen lässt. Problem des Hallux Valgus ist, dass Schuhe chronisch schmerzhaft auf den vorstehenden Knubbel drücken, was zu Entzündung, Schmerzen und einer Veränderung des Gangbildes führen kann. Im späteren Verlauf können Gelenkschäden durch eine unebenmäßige Knorpelabnutzung entstehen.

Physiotherapeutische Intervention:
In der physiotherapeutischen Behandlung des Hallux valgus wird das betroffene und angrenzende Gelenke mit manuellen Techniken mobilisiert. Muskulatur wird spezifisch gekräftigt, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen und die Knochen durch muskulären Zug in eine korrekte Haltung zu führen. Kühlen und Elektroanwendungen nehmen Schmerz, Entzündung und lockern verkrampfte Muskeln. Mit aktiver Gangschule wird ein physiologisches Gangbild und Abrollen des Fußes trainiert. Durch Tapeanlagen können die Strukturen auf passivem Wege unterstützt und entlastet werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einem Hallux valgus

Hallux rigidus

Einleitung:
Als Hallux rigidus wird die Arthrose, eine krankhafte Abnutzung des Gelenkknorpels in der Großzehe bezeichnet. Symptome sind starke Schmerzen und typische Entzündungszeichen wie Rötung und Schwellung mit Bewegungseinschränkung. Besonders Belastungen sind qualvoll. Unbehandelt besteht die Gefahr einer Einsteifung des Gelenks. Das Gangbild verändert sich und Dysbalancen entlang der Muskelkette entstehen. Ursache sind oft Über- der Fehlbelastungen über eine lange Zeit.

Physiotherapeutische Intervention:
Bis zu einem bestimmten Maß kann ein Hallux rigidus mit physiotherapeutischen Maßnahmen behandelt werden, jedoch lässt sich eine Knorpelabnutzung nicht rückgängig machen. Durch Manuelle Maßnahmen wird das Gelenk sowie angrenzende Strukturen mobilisiert und entlastet. Die unangenehmen Symptome können durch Elektrotherapie und Kühlung eingedämmt werden. Muskelketten werden durch tiefe Faszientechniken gelockert. Unterstützend werden vom behandelnden Arzt Medikamente sowie das Tragen eines speziellen entlastenden Schuhs verordnet. Auch Tapeanlagen können als zeitweise passive Unterstützung dienen.

Mehr Informationen zu diesem Them afinden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Hallux rigidus

Fersensporn

Einleitung:
Der Fersensporn ist eine knöcherne Ausziehung am Fersenknochen (Kalkaneus). Er kann an zwei verschiedenen Stellen auftreten: am Ansatz der Achillessehne oder am Ursprung der Plantarfaszie (oberer und unterer Fersensporn). Beides sind kräftige Sehnen, welche durch Überlastung und Verkürzung den Fersensporn hervorrufen. Symptome sind Entzündungszeichen mit schmerzhafter Einschränkung der Belastbarkeit.

Physiotherapeutische Intervention:
Die physiotherapeutische Intervention des Fersensporns richtet sich vor allem auf die Entlastung und Lockerung der betroffenen Strukturen. Durch tiefe manuelle Ausstreichungen werden Wadenmuskulatur und Fußmuskeln der betroffenen Kette gelockert. Das Gangbild und Bewegungsabläufe werden optimiert. Durch Elektrotherapie und Tapes werden Muskeln und Gewebe gelockert und entlastet. Auch Ultraschall kann zur Unterstützung der körpereigenen Heilung eingesetzt werden. Gehen die Symptome zurück, wird mit einer aktiven Krankengymnastik begonnen, um muskuläre Dysbalancen auszugleichen und ein Wiederauftreten zu vermeiden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einem Fersensporn

Spunggelenksfraktur

Einleitung:
Als Sprunggelenksfrakturen werden Brüche vom Unterschenkelknochen mit Gelenkbeteiligung bezeichnet. Ursache ist meist ein Umknicken, Verdrehen des Beines oder Unfall mit äußerer Gewalteinwirkung. Symptomatisch entstehen die klassischen Entzündungszeichen wie Schwellung, Rötung, Überwärmung, Funktionseinschränkung und Schmerz. Ein Auftreten bzw. Belastungen des Fußes sind kaum oder nur noch unter extremen Schmerzen möglich.

Physiotherapeutische Intervention:
Eine Sprunggelenksfraktur wird in der Regel operativ versorgt, um Langzeit-Folgeschäden wie die Entstehung einer Arthrose zu vermeiden. In der Nachbehandlung wird die Schwellung mit manuellen Handgriffen abgetragen, durch die Verletzung verspannte Muskeln und verklebtes Gewebe werden gelockert. Im späteren Verlauf werden stützende Strukturen auftrainiert und die Tiefensensibilität geschult, um die Stabilität des Gelenks wieder zu gewährleisten.

Nähere Details erfahren Sie in dem Artikel Physiotherapie nach einer Sprunggelenksfraktur

Bänderriss/ Bänderdehnung

Einleitung:
Bänderzerrungen oder Risse entstehen in der Regel durch plötzliches Umknicken des Fußes. Durch ein größeres Bewegungsausmaß findet die Umknickbewegung und somit auch der Bandriss in einem Großteil der Fälle auf der Außenseite statt. Schwellung und Schmerzen mit Einschränkung in der Gangbewegung entstehen. Durch Tastprüfung lässt sich eine leichte Delle an der Rissstelle feststellen. Eine Operation ist in der Regel nicht notwendig.

Physiotherapeutische Intervention:
Bandverletzungen am Fuß heilen meist unter Physiotherapie und Beachtung von Regenerationszeit positiv aus. Während der ersten Entzündungsphase wird der Fuß hauptsächlich entlastet, gekühlt und hochgelagert, um die Schwellung abzutransportieren und den Fasern Zeit zur Heilung und Neubildung zu geben. Bereits früh wird leicht mit aktiver Bewegung ohne Belastung begonnen, um das Bewegungsausmaß zu erhalten und Verklebungen im Gewebe vorzubeugen. Klingt der Schmerz ab und die Verletzung ist soweit stabil, wird mit Kräftigungsübungen sowie einer Schulung der Tiefensensibilität begonnen, welche eine sichere Stabilität im Gelenk wieder herstellen sollen.

Weitere Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Bänderriss/ Bänderdehnung

Achillessehnenentzündung (Achillodynie)

Einleitung:
Die Achillessehne ist eine kräftige Sehne am hinteren unteren Unterschenkel, über welche die Wadenmuskulatur am Fersenknochen ansetzt. Bei Überlastungen zum Beispiel bei Läufern und dem Tragen falschen Schuhwerks kann es zu Verkürzung der Muskulatur und Entzündung der Sehne kommen (auch Achillodynie genannt). Schmerzen treten besonders unter Belastung auf.

Physiotherapeutische Intervention:
Die physiotherapeutische Intervention einer Achillessehnenentzündung richtet sich auf die Entspannung und Dehnung der Wadenmuskulatur, um den Zug von der entzündeten Sehne zu nehmen. Eisanwendungen, Elektrotherapie und Ultraschall können Anwendung in der Schmerzreduktion und Entzündungshemmung finden. Tapeanlagen entlasten die Strukturen und geben Halt von außen. Für Langzeiterfolge in der Therapie muss die ursprüngliche Ursache herausgefiltert werden und Bewegungsabläufe optimiert werden.

Mehr Informationen zu den Inhalten der Physiotherapie erhalten Sie in den Artikeln 

Fußfehlstellungen: Knickfuß-Senkfuß-Spreizfuß-Hohlfuß-Plattfuß

Einleitung:
Fußfehlstellungen sind angeborene knöcherne Abweichungen der physiologischen Fußform. In vielen Fällen liegt eine Schwäche des stabilisierenden Band- und auch Muskelapparates (passiver und aktiver Halt) vor. Neben einer Normabweichung des Gangbildes treten Folgen meist erst im Laufe des Lebens auf, wie Schmerzen und verfrühte Knorpelabnutzung in fortlaufenden Gelenken, durch die unebene Fehlbelastung über viele Jahre. Einige Fußfehlstellungen treten im Kindesalter auf, normalisieren sich jedoch im Laufe des Wachstums.

Physiotherapeutische Intervention:
Die Physiotherapie richtet sich individuell nach der jeweiligen Fußfehlstellung. Allgemein wird viel an dem Erhalt und der Erweiterung der Beweglichkeit gearbeitet, fehlende Stabilität wird durch Kraft- und Koordinationsübungen aufgebaut. Muskuläre Dysbalancen auch in der fortlaufenden Kette werden durch tiefe Faszientechniken, Dehnungen und Kraftaufbau ausgeglichen. Tapes geben passiv zeitweise Halt und Entlastung der Strukturen. Durch Gangschulung und Bewegungsschulung werden Alltagsbewegungen optimiert.

Mehr Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Fußfehlstellungen

Klumpfuß

Einleitung:
Der Klumpfuß ist eine Kombination von verschiedenen Fußfehlstellungen, welche entweder angeboren oder durch eine nervliche Krankheit entstanden sind. Resultat sind Verformungen der Füße mit Auswirkung auf das Gangbild, muskuläre Ungleichgewichte, welche sich über die muskulären Ketten im Körper fortziehen, Schmerzen, Verspannungen und später Knorpelschäden durch die ständige Fehlbelastung.

Physiotherapeutische Intervention:
Beim Säugling wird die Fußfehlstellung sehr frühzeitig mit Orthesen oder Gipsanlagen behandelt, um die Strukturen zu einem Wachstum in eine vorgegebene physiologische Richtung zu bringen. Später werden Fuß- und Sprunggelenke regelmäßig mobilisiert, um ein Versteifen in der Klumpfußhaltung zu vermeiden. Verkürzte Muskelketten werden passiv gelockert und gedehnt. Soweit es möglich ist, werden stabilisierende Muskeln aktiv trainiert und Gang- und Bewegungsschulen durchgeführt. In starken Fällen, welche die Lebensqualität und den Alltag einschränken, wird eine Operation in Betracht gezogen. Der Klumpfuß wird in der Regel noch im Kindesalter austherapiert.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einem Klumpfuß

Mittelfußbruch

Einleitung:
Ein Mittelfußbruch ist eine recht häufige Fraktur am Fuß. Durch den länglich dünnen Aufbau der Mittefußknochen sowie der ständigen Belastung durch die Gewölbebildung sind sie bei Unfällen oft betroffen. Es benötigt jedoch immer erhebliche äußere Krafteinwirkung, um einen Bruch zu erleiden. Symptome sind Schmerzen besonders bei Belastung und ein Einbüßen an Stabilitätsgefühl sowie, je nach Ausmaß der Verletzung, Schwellung und Hämatombildung.

Physiotherapeutische Intervention:
Ein Mittelfußbruch kann in der Regel ohne Operation ausheilen. Dazu benötigt der Körper jedoch genügend Zeit und Ruhe, neue Fasern wachsen zu lassen, jedoch auch Anreize, diese für ihre spätere Funktion auszurichten. Eine frühfunktionelle aktive Therapie eignet sich, um positive Ergebnisse zu erzielen, ohne spätere Einschränkungen zu behalten. Der Fuß und angrenzende Gelenke können und sollen früh bewegt werden, ohne jedoch Belastungen tragen zu müssen. Sobald der Knochen wieder stabil zusammengewachsen ist, wird die Stabilität im Fuß mit Kraft- und Koordinationsübungen wieder hergestellt.

Mehr Informationen zu diesem Thema erhalten Sie in dem Artikel

Morbus Ledderhose

Einleitung:
Der Morbus Ledderhose ist eine Erkrankung an der Fußsohle, bei welcher sich Knoten im Bindegewebe der Plantarfaszie bilden. Je nach Ausprägung und Größe können sie das Gehen unangenehm erschweren. Die Ursache ist unbekannt.

Physiotherapeutische Intervention:
Eine physiotherapeutische Behandlung der Morbus Ledderhose ist sinnvoll um weitere Verklebungen zu vermeiden und das Gewebe mobil zu halten. Ausstreichungen und Dehnungen werden durchgeführt, ohne die Knubbel zu reizen, was zu schmerzhaften Entzündungen führen kann. Bei größeren Knoten, welche die Fußform, das Gehen und somit den Alltag stark einschränken, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einer Morbus Ledderhose

Schienbeinkantensyndrom

Einleitung:
Das Schienbeinkantensyndrom ist eine Überlastungserscheinung am vorderen inneren Unterschenkel. Sie tritt vermehrt bei Läufern auf. Durch eine Verspannung der Muskeln ziehen diese an ihrem knöchernen Ursprung, was zu einer schmerzhaften Reizung der Knochenhaut führt.

Physiotherapeutische Intervention:
Wichtig in der Regeneration und auch der Vorbeugung eines Schienbeinkantensyndroms ist, die Regenerationszeiten nach dem Sport einzuhalten. Muskeln werden durch manuelle Griffe gelockert und das Gewebe entlastet. Auch Elektrotherapie und Tapeanlagen können zur Entspannung und Entlastung Anwendung finden. Muskuläre Ungleichgewichte werden ausgeglichen, um ein Wiederauftreten zu vermeiden. Kühlende Wickel nehmen den Schmerzen und wirken der Entzündung entgegen. Das Schuhwerk wird kontrolliert und Bewegungsabläufe optimiert.

Nähere Informationen erhalten Sie in den Artikeln: