Physiotherapie bei Schultererkrankungen

Einleitung

Die weitreichende Beweglichkeit der Schulter setzt sich aus einem Zusammenspiel von verschiedenen Gelenken zusammen. Durch diesen Aufbau ist das Schultergelenk das beweglichste Gelenk in unserem Körper. Es wird kaum von Knochen stabilisiert, sondern durch Weichteile wie Bänder und Muskeln gehalten. Dies ermöglicht einen hohen Bewegungsfreiheitsgrad, aber auch eine hohe Anfälligkeit für Verletzungen. Im Folgenden werden die häufigst auftretenden Erkrankungen der Schulter kurz zusammengefasst und vorgestellt.

Physiotherapie bei Schulterarthrose

Einleitung
Als Arthrose wird der krankhafte Verschleiß vom Gelenkknorpel bezeichnet, welcher ein reibungsloses Gleiten der artikulierenden Knochenenden ermöglicht. Durch Verletzungen, Überlastung, Fehlhaltungen oder Altersverschleiß wird der Knorpel in seiner Struktur geschädigt. Das Gelenk beginnt bei Bewegung zu schmerzen, umliegende Strukturen verspannen, Schonhaltungen werden eingenommen und die Bewegungsreichweite nimmt ab.

Physiotherapeutische Intervention
In der therapeutischen Behandlung einer Schulterarthrose stehen Entlastung und Bewegung im Vordergrund. Der Gelenkknorpel wird durch Gelenkflüssigkeit ernährt und bis zu einem bestimmten Punkt wieder geheilt. Gebildet und verteilt wird diese Flüssigkeit durch Bewegung. Hohe Belastungen sollten vermieden werden, um die Knorpelfasern nicht noch weiter zu schädigen und abzunutzen. Durch die Reibung entstandene Entzündungen können mit Eistherapie gehemmt werden, die Verspannungen durch passive Mobilisation, Massagen und Dehnungen gelöst werden. Das Gelenk wird mittels Manueller Maßnahmen mobilisiert und durch den Wechsel von physiologischen Druck- und Zugreizen zur Flüssigkeitsproduktion angeregt. Des Weiteren wird an einer aufrechten Haltung sowie dem Aufbau eines stabilen Muskelkorsetts rund um das Schultergelenk gearbeitet.

Lesen Sie mehr über die Schulterarthrose in dem Artikel: Physiotherapie bei einer Schulterarthrose 

Physiotherapie bei einem Bänderriss der Schulter

Einleitung 
Ein Bänderriss der Schulter geht mit einem Einbüßen an Stabilität einher, da das Schultergelenk wie beschrieben hauptsächlich durch Weichteile in seiner Position gehalten wird. Bänderrisse entstehen akut durch Verletzungen oder Unfälle mit Krafteinwirkung von außen oder schleichend durch Fehlhaltung und Überlastung, welche die Strukturen über die Zeit schädigen und instabil machen.

Physiotherapeutische Intervention
In der Akutphase eines Bänderrisses wird dieser gegen die Schwellung und den Schmerz gekühlt und schonend in angenäherter Position gehalten, um dem Körper die Chance zur Regeneration zu geben. Unterstützt wird dies durch Bandagen und später Tapeanlagen. Eine Bänderheilung kann durch die Anwendung von Ultraschalltherapien unterstützt werden. Ebenso wirken Ströme in der Elektrotherapie abschwellend und schmerzlindernd auf das Gelenk. Passive Maßnahmen lockern umliegende Strukturen, welche durch die Verletzungen und Schonhaltung verspannen und zusätzlichen Schmerz verursachen. Im späteren Verlauf wird das Gelenk schrittweise wieder aktiv bewegt und gezielte Kräftigungsübungen durchgeführt, um die Schulterstabilität wieder herzustellen.

Lesen Sie mehr über den Bänderriss in der Schulter in dem Artikel: Physiotherapie bei einem Bänderriss der Schulter

Physiotherapie bei einer Clavikulafraktur

Einleitung
Die Clavicula ist die lateinische Bezeichnung für das Schlüsselbein, die knöcherne Verbindung zwischen Brustbein und Schulterdach. Die angrenzenden Gelenke ermöglichen eine Vergrößerung der Schulterbeweglichkeit durch kleine Drehbewegungen beim Heben und Senken des Armes. Der Knochen ist relativ schmal und länglich, was ihn anfällig für Verletzungen macht. Eine Fraktur (Knochenbruch) entsteht oft durch einen Sturz mit ausgestrecktem Arm, wie beispielsweise beim Fahrradunfall.

Physiotherapeutische Intervention
Die physiotherapeutische Behandlung nach einer Claviculafraktur richtet sich nach Angaben des Arztes und den körpereigenen Wundheilungsphasen. Akut stehen Entlastung und Schonung im Vordergrund, unterstützt durch Kühlung und Lymphdrainagen zur Abschwellung und Schmerzlinderung. Sind neue Fasern gebildet und der Knochen wieder zusammengewachsen, wird nach und nach passive und kontrollierte aktive Bewegung von Schulter und Arm trainiert. Auch das Schulterblatt muss in seinem Gleitlager beweglich gehalten werden. Faszien werden mit tiefen Ausstreichungen gelockert um die Elastizität der Muskelketten beizubehalten. Ist der Knochen nach angaben des Arztes wieder belastbar, wird mit Stabilitäts- und Muskelkräftigungsübungen begonnen.

Lesen Sie mehr über die Schlüsselbeinfraktur in dem Artikel: Krankengymnastik bei einer Schlüsselbeinfraktur

Physiotherapie bei einer Rotatorenmanschettenruptur

Einleitung
Als Rotatorenmanschette werden vier wichtige Muskeln des Schultergürtels bezeichnet, die durch ihren Verlauf den Oberarmkopf im Schultergelenk fixieren. Durch Verletzungen und Überlastung können die Sehnen dieser Muskeln reißen mit Einbußen in der Stabilität, Bewegung und Funktion der Schulter.

Physiotherapeutische Intervention
Gegen durch die Verletzung entstanden Schmerz und Schwellung wird die Schulter zunächst geschont, gekühlt und mit Lymphdrainage behandelt. Angrenzende Gelenke werden von Beginn an mobilisiert, um eine Versteifungen zu vermeiden. Bereits sehr früh kann mit einem statischen Muskelaufbau begonnen werden, um dem Kraftverlust vorzubeugen. Sobald sich neue Fasern gebildet haben, müssen diese durch angepasste Druck- und Zugbelastungen auf ihre spätere Funktion vorbereitet werden. Die Bandheilung kann durch Ultraschall- und Elektrotherapieanwendungen unterstützt werden. Anschließend ist ein gezieltes Krafttraining ausschlaggebend, um die Stabilität der Schulter wieder herzustellen.

Lesen Sie mehr über die Rotatorenmanschettenruptur in dem Artikel: Physiotherapie bei einer Rotatorenmanschettenruptur

Physiotherapie bei einer Frozen Shoulder

Einleitung
Als Frozen Shoulder wird im wahrsten Sinne des Wortes ein „Einfrieren“ des Gelenks bezeichnet. Plötzlicher Schmerz und zunehmende Unbeweglichkeit treten ohne konkreten Auslöser auf. Genau wie die Krankheit plötzlich einsetzt, verschwindet sie auch nach einigen Monaten schmerzhafter Schultersteife wieder.

Physiotherapeutische Intervention
In der Therapie der Frozen Shoulder ist es wichtig, das Gelenk und umliegende Strukturen kontinuierlich beweglich zu halten. Unser Körper passt sich ständig seinen Anforderungen an: was nicht gebraucht wird, baut ab und verklebt. Sind einmal strukturelle Verklebungen im Gewebe um die Schulter entstanden, ist es schwer, diese wieder loszuwerden. So wird von Beginn eine intensive passive Bewegungstherapie durchgeführt, inklusive Maßnahmen zur Lockerung umliegender Muskulatur und Faszien, um Langzeitschäden vorzubeugen.

Lesen Sie mehr über die Frozen Shoulder in dem Artikel: Physiotherapie bei einer Frozen Shoulder

Physiotherapie bei einem Impingementsyndrom

Einleitung
Beim Impingementsyndrom in der Schulter liegt eine Einengung der Sehnen zwischen den artikulierenden Knochen im Gelenk vor. Grund sind meist Fehlhaltungen, Überlastungen und Entzündungen die den Platzmangel verursachen. Symptomatisch geht ein Impingementsyndrom mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung einher sowie mit dem Auftreten der klassischen Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Wärme, Schmerz und Funktionsverlust. Weiterhin tritt ein Kraftmangel im betroffenen Arm durch die eingeklemmte Muskelsehne auf.

Physiotherapeutische Intervention
Maßgeblich in der physiotherapeutischen Intervention eines Impingementsyndroms ist zunächst die Entlastung des Gelenks sowie Hemmung der Entzündung und ihrer Symptome durch Kühlung, Ultraschall und Elektrotherapie. Manuelle Maßnahmen schaffen durch leichten Zug Platz im Gelenk um die Sehne zu entlasten. Schmerzfreie passive Bewegungen werden durchgeführt und so das Bewegungsausmaß nach und nach gesteigert. Später werden intensive Kräftigungsübungen rund um das Gelenk durchgeführt sowie allgemeine Körperstabilität und die Haltung trainiert. Durch Tapeanlagen kann die Schulter beim Wiedereinstieg in den Alltag in ihrer Stabilität gestützt werden, ohne sie in der Beweglichkeit einzuschränken.

Lesen Sie mehr über das Impingementsyndrom in dem Artikel: Physiotherapie bei einem Schulter-Impingement Syndrom

Physiotherapie bei einer Kalkschulter

Einleitung
Im Falle einer Kalkschulter wandelt sich Schultergewebe in Knorpel um, mit resultierenden Kalkablagerungen, welche die Beweglichkeit des Gelenks schmerzhaft einschränken und Entzündungen verursachen. Ursächlich liegen Verletzungen, Überlastungen oder Durchblutungsstörungen vor. In den meisten Fällen, löst sich das Kalkdepot nach erfolgreicher Therapie auf.

Physiotherapeutische Intervention
Neben der Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten und dem Tragen einer Entlastungsschiene um dem Körper die Möglichkeit zur Regeneration zu geben, existieren verschiedene konventionelle physiotherapeutische Maßnahmen zur Symptomlinderung. Mobilisationen werden vorsichtig durchgeführt, um die Entzündung nicht weiter zu reizen und eine Lösung des Kalkdepots zu vermeiden. Zur Lockerung umliegender verspannter Strukturen werden Faszientechniken und Massageübungen durchgeführt. Das Gelenk selbst kann mit Stoßwellen- oder Elektrotherapie behandelt werden. Auch angrenzende Gelenke müssen mitbewegt werden, um Funktionsverlust und weitere Versteifungen zu vermeiden.

Lesen Sie mehr über die Kalkschulter in dem Artikel: Physiotherapie bei einer Kalkschulter

Physiotherapie bei einer Schulterluxation

Einleitung
Als Schulterluxation wird die vollständige Ausrenkung des Schulterhauptgelenks (Verbindung zwischen Oberarmknochen und Schulterdach) bezeichnet. Durch Instabilität im stützenden Kapsel-Band-Apparat oder Verletzungen mit äußerer Gewalteinwirkung rutscht der Oberarmknochen aus der Gelenkpfanne. Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind die Folge.

Physiotherapeutische Intervention
Nach einer Schulterluxation sollte der Arm schnellstmöglich wieder repositioniert werden (was in der Regel ohne Operation erfolgen kann) um Begleit- oder Folgeverletzungen durch den Druck auf andere Strukturen zu vermeiden. Nach der Ruhigstellung ist es wichtig, die Muskeln der Rotatorenmanschette zu kräftigen. Diese vier Muskeln fixieren die beiden Gelenkpartner aneinander und müssen stabil gehalten werden, um ein Wiederauftreten der Luxation oder anderen Verletzungen in Folge der Instabilität zu verhindern.

Lesen Sie mehr über die Schulterluxation  in dem Artikel: Physiotherapie nach einer Schulterluxation

Physiotherapie bei einer SLAP-Läsion

Einleitung
Eine SLAP-Läsion ist im Fachlatein die Abkürzung für Superior Labrum anterior posterior, wobei superior oben bedeutet, Labrum ist die Gelenklippe, anterior vorne, posterior hinten und Läsion lediglich die Verletzung. Es handelt es sich also um eine Verletzungen der oberen Gelenklippe von vorn nach hinten am Schultergelenk, an der Stelle, wo die lange Bizepssehne ihren Ursprung hat. Die Verletzung entsteht durch Stürze, äußere Gewalteinwirkung oder eine plötzliche Überlastung des Bizeps (vorderer Oberarmmuskel). Folgen sind ein Einbußen in Kraft und Bewegung sowie Schmerz bei Druck und Belastung.

Physiotherapeutische Intervention
In der Therapie einer SLAP-Läsion wird die Schulter zunächst ruhig gestellt, um die Strukturen zu entlasten und dem Körper die Möglichkeit zur Heilung zu geben. Schwellungen können durch Lymphdrainage abtransportiert werden, Schmerzen und die Entzündung durch Eis-Anwendungen eingedämmt. Elektrotherapie und Tapeanlagen können den Heilungsverlauf positiv unterstützen. Bereits im Frühstadium werden leichte Mobilisation und statische Kräftigungsübungen durchgeführt. Um eine spätere Instabilität zu vermeiden, muss sobald die Schulter wieder belastungsfähig ist mit einem gezielten Trainingsprogramm für die umliegende Muskulatur des Schultergürtels und der Muskelkette des Armes begonnen werden.

Lesen Sie mehr über die SLAP-Läsion in dem Artikel: Physiotherapie bei einer SLAP-Läsion

Physiotherapie bei einer Schultergelenksinstabilität

Einleitung
Eine Schultergelenksinstabilität resultiert aus einem zu schwach ausgeprägten Kapsel-Band-Apparat, zu schwacher umliegender Muskulatur, genereller Haltungsschwäche oder vorangegangener Verletzungen wie Bänderrisse und Luxationen. Instabile Gelenke haben immer ein höheres Verletzungsrisiko und überlasten schneller bei starker Beanspruchung, was wiederum die Gefahr einer später auftretenden Arthrose (Gelenkverschleiß) mit sich zieht.

Physiotherapeutische Intervention
Therapiegrundlage bei einer Schultergelenksinstabilität ist der Aufbau eines rundherum stabilen Muskelkorsetts, um den mangelnden Halt vom Gewebe auszugleichen. Zahlreiche Übungen ob in geschlossener oder offener Kette, mit Therabändern, Stützübungen oder mithilfe von Geräten bestehen, um die Schulter für verschiedene Beanspruchungen im Alltag zu trainieren. Das Training muss regelmäßig erfolgen, um die Schulter auf Langzeit stabil zu halten. Zusätzlich können Tapes angebracht werden, um die Schulter akut in physiologisch korrekte Richtung zu führen und Strukturen zu stützen.

Lesen Sie mehr über die Schultergelenksinstabilität in dem Artikel: Physiotherapie/Übungen bei einer Schultergelenksinstabilität

Physiotherapie bei einer Schulterprothese

Einleitung
Als Schulterprothese wird ein künstlicher Gelenkersatz bezeichnet. Es existieren Totalendoprothesen, welche beide Gelenkpartner ersetzen oder Hemiprothesen, bei welcher nur ein Partner ersetzt wird. Eingesetzt werden Schulterprothesen beispielsweise bei weit fortgeschrittener Arthrose, bei welcher es keine Chance mehr zur konventionellen Heilung gibt.

Physiotherapeutische Intervention
Nach dem Einsetzen einer künstlichen Schulter wird nach Beachten der Entzündungsphase und Schonzeit daran gearbeitet, zu alter Funktion (vor Auftreten der Arthrose) zu gelangen. Durch die vorab bestandene Arthrose/ Verletzung und Operation wird die verspannte Muskulatur gelockert und gedehnt. Relativ zügig wird dann mit aktiven Bewegungsübungen begonnen. Starke Belastungen sollten noch vermieden werden, um dem Fremdmaterial Zeit zu geben, sich in den Körper zu integrieren. Durch aktive Übungen um das neue Gelenk wird ein stabiles Muskelkorsett aufgebaut, womit Arm und Schulter wieder funktionsfähig für Alltag und Sport werden.

Lesen Sie mehr über die Schulterprothese in dem Artikel: Physiotherapie nach einer Schulterprothese