Physiotherapie bei einem Bänderriss/ Bänderdehnung am Sprunggelenk

Der Bänderriss oder die Bänderdehnung am Sprunggelenk kann verschiedene Bänder betreffen. In der Großzahl der Fälle ist das vordere Außenband betroffen. Es können aber auch die beiden anderen Außenbändern, die Innenbänder oder die Syndesmosebänder (diese verbinden Schienbein und Wadenbein) betroffen sein. Egal ob die Bänderverletzung des Sprunggelenkes operativ oder konservativ behandelt wird, Physiotherapie ist bei beiden Therapieverfahren ein essentieller Bestandteil der Nachbehandlung. Durch die in der Physiotherapie angewandten Techniken, wird dem Patient nicht nur mit seiner Schmerzsymptomatik geholfen, es wird auch für ein leichteres Abschwellen des verletzen Gelenkes gesorgt und als oberste Priorität dafür gesorgt, dass die Beweglichkeit des Sprunggelenkes erhalten bleibt. 

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Gerade in der Akutphase, wenn der Patient den Fuß nicht belasten darf und meist in einer Schiene oder einem Gips ruhigstellen muss, sorgen erfahrene Physiotherapeuten dafür, dass durch bestimmte passive Übungen und Bewegungen die Strukturen im Gelenk nicht verleben oder versteifen, sodass der Rehabilitationsprozess reibungslos verlaufen kann. Auch Übungen zur Mobilisierung, Verbesserung der Stabilität und Kräftigungsübungen gehören in jedes Physiotherapie Programm nach einem Bänderriss oder einer Bänderdehnung des Sprunggelenkes.Allgemeines Ziel einer jeden Therapie nach einer Bandverletzung ist es, den Patienten möglichst schnell wieder auf die Beine zu bekommen, sodass der gewohnte Alltag und Sport wieder problemlos Möglich ist. Es wird aber auch darauf geachtet, das Gelenk nachhaltig zu stabilisieren und zu schützen, damit es zu keinen Folgeschäden oder neuen Verletzungen kommen kann.

Behandlung/ Therapie

Egal um welche Art von Bandverletzung am Sprunggelenk es sich handelt, die Erste Hilfe Maßnahme ist zunächst bei allen gleich. Betroffene sollten zunächst nach der PECH-Regel handeln. Das bedeutet im einzelnen Pause, Eis, Druckverband (engl. Compression), Hochlegen. Dies ist besonders wichtig, da es im Sprunggelenk oft zu starken Blutergüssen kommen kann, die das Gelenk großflächig anschwellen lassen. Wenn durch eine unbedachte Bewegung, einen Unfall, oder eine Sportverletzung ein Bänderriss oder eine Bänderdehnung im Sprunggelenk vermutet wird, sollten die Betroffenen möglichst zeitnah einen Arzt aufsuchen, damit dieser die genaue Art der Bandverletzung ermitteln kann. Die darauffolgende Behandlung und Therapie richtet sich dann nach Ort und Ausmaß der Bandverletzung. Grundsätzlich gibt es drei Stellen an denen eine Bandverletzung im Sprunggelenk am häufigsten auftritt, dabei kann es zu einer Überdehnung, einer Teilruptur oder zu einem kompletten Abriss des Bandes bzw. mehrerer Bänder kommen.

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  1. Verletzung eines oder mehrere Außenbänder: In der Regel wird eine Verletzung des Außenbandes konservativ, also ohne Operation behandelt. Die Betroffenen müssen den Fuß für 6-8 Wochen in einer sogenannten Aircast® Schiene ruhigstellen und dürfen ihn nicht belasten. Unterstützden wird Physiotherapie verordnet. Bei Leistungssportlern oder bei Verletzten, bei denen alle drei Außenbänder komplett rupturiert sind, kann eine Operation nötig und sinnvoll sein, um Spätfolgen, wie eine Sprunggelenksarthrose und Fehlstellungen zu vermeiden.

  2. Verletzung eines oder mehrerer Teile des Innenbandes: Eine Innenbandverletzung kommt zwar seltener vor, muss aber unter Umständen eher operativ versorgt werden als eine andere Bandverletzung. Während einer Arthroskopie wird dann der verletzte teil des Innenbandes meist genäht. Wenn konservativ behandelt werden kann, ist das Prinzip das Gleiche wie bei einer Außenbandverletzung.

  3. Verletzung des Syndesmosebandes: Eine Verletzung des Syndesmosebandes entsteht meistens durch Gewalteinwirkungen bei Kontaktsportarten wie Fußball oder Basketball. Die Schwellung liegt hier etwas oberhalb des Sprunggelenkes und macht sich auch durch Druckempfindlichkeit bemerkbar. Die Verletzung kann in den meisten Fällen konservativ versorgt werden, nur wenn ein kompletter Riss vorliegt oder auch Teile des Knochens beschädigt sind ist eine Operation nötig.

Egal um welche Art von Bandverletzung am Sprunggelenk es sich handelt, das Ziel der Therapie ist es, die Betroffenen möglichst schnell wieder fit zu bekommen und das Entstehen von Folgeschäden oder Instabilitäten des Sprunggelenkes zu verhindern. Durch einen patientenindividuellen, an die jeweilige Verletzung angepassten Trainingsplan, wird durch verschiedene Therapietechniken der Schmerz bekämpft, die Schwellung gelindert, die Beweglichkeit des Sprunggelenks erhalten und Übungen zur Kräftigung,Stabilisierung und Mobilität durchgeführt.

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Übungen

Während der Rehabilitation nach einer Bänderverletzung am Fußgelenk gibt es eine Reihe von Übungen, die von den Betroffenen zum Trainingsplan gehören, damit der Fuß möglichst schnell wieder voll Einsatzfähig ist.

  1. Mobilisation
    Legen Sie sich für diese Übung bequem und locker auf den Rücken. Beine und Arme sind ausgestreckt. Ziehen Sie nun die Zehenspitzen und den verletzten Fuß in Richtung Körper. Wiederholen Sie das Ganze 15 mal.

  2. Stabilisierung des Sprunggelenks
    Stellen Sie sich auf den lädierten Fuß. Halten Sie sich zur Sicherheit an einer Tischkante oder Ähnlichem fest. Nun heben Sie das gesunde Bein an und lassen es zunächst langsame 10 Sekunden neben dem Körper pendeln, dann 10 Sekunden vor und hinter dem Körper. Versuchen Sie auf ihrem lädierten Bein das Gleichgewicht und die Position zu halten.

  3. Kräftigung der Muskulatur und Stabilität
    Machen Sie einen Ausfallschritt, sodass ihr Gewicht auf dem verletzten Fuß lastet. Zur Sicherheit können Sie sich hierbei zunächst an einer Tischkante festhalten. Aus dieser Position führen Sie jetzt das hintere Knie in Richtung Boden und drücken sich wieder hoch. Wiederholen Sie die Übung 15 mal-.

  4. Legen Sie sich für diese Übung auf den Rücken und wickeln Sie ein Thera Band mittig um den verletzten Fuß. Mit dem gesunden Fuß fixieren Sie das Band auf dem Boden. Bewegen Sie nun den verletzten Fuß langsam gegen den Widerstand des Bandes nach außen und wieder zurück. Führen Sie 15 Wiederholungen durch.

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Heilungsdauer

Die Heilungsdauer einer Verletzung der Bänder des Sprunggelenkes kann je nach Art und Ausmaß der Verletzung und der gewählten Therapiemethode variieren. Grundsätzlich lässt sie sich aber in drei Hauptphasen einteilen.

  1. Die Entzündungs/ Schmerzphase
    Diese Phase ist die Akutphase direkt im Anschluss an die Verletzung. Sie kann zwischen 1-7 Tagen dauern. Während dieser Zeit kommt es durch die Verletzung zu Schmerzen und Schwellungen im Bereich des Sprunggelenkes. Stabilisierung und Ruhigstellung ist hier besonders wichtig. Lesen Sie mehr zum Thema Schmerzen am Sprunggelenk

  2. Die Neubildungsphase
    In der Neubildungsphase beginnt das verletzte Gelenk langsam mit der Rehabilitation. Das bedeutet, dass es zum Abbau von verletztem Gewebe und zur Neubildung kommt. Unter Rücksprache mit dem Arzt ist hier eine zunehmende Belastung und Mobilisierung möglich. Eine Orthese muss unter Umständen trotzdem noch unterstützend getragen werden. Diese Phase dauert zwischen 5-21 Tagen.

  3. Die Reifungsphase
    In der Reifungsphase gewinnt das lädierte Gelenk zunehmend an Stabilität und Belastbarkeit, sodass nun gezielt Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen durchgeführt werden können um das Gelenk wieder an die volle Belastbarkeit heranzuführen. Die Reifungsphase dauert in etwa zwischen 2 und 6 Wochen.

Bei einem unkomplizierten Verlauf dauert der Heilungsprozess einer Sprunggelenkverletzung zwischen 8-12 Wochen.

Tapen

Auch das Tapen ist eine gute Möglichkeit den Heilungsprozess bei einer Sprunggelenksverletzung zu unterstützen und das lädierte Gelenk zu schützen und zu stabilisieren. Bei einem klassischen Tape Verband sorgt die Kompression des Tapes für eine verbesserte Muskelfunktion und unterstützt den Lymphfluss, sodass es nicht zu übermäßigen Schwellungen im Gelenk kommen kann. Ein klassisches Tape schränkt zudem die Bewegungsfreiheit des Fußgelenkes ein und schützt so vor unbedachten Bewegungen.

Auch der Einsatz von einem Kinesiotape kann unterstützend und sinnvoll für den Heilungsprozess sein. Durch die hohe Flexibilität des Kinesiotapes kann es, je nach Art und Lage der Verletzung flexibel angebracht werden, um den Gelenk mehr Stabilität zu geben und die Muskeln und das darunter liegende Gewebe zu stimulieren. Jede Art von Tape sollte jedoch immer von einem erfahrenen Therapeuten angebracht werden, damit es weder zu feste noch zu locker sitzt und das Gelenk in seiner Funktion optimal unterstützt.

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Sport/ Skifahren

Nach einer Sprunggelenksverletzung, egal ob es sich nur um eine Bänderdehnung oder um einen Anriss beziehungsweise kompletten Riss handelt, ist zunächst auf Sport zu verzichten, um das Gelenk zu entlasten und ihm Zeit für die Heilung zu geben. In der Regel sollten die Betroffenen in der Zeit der Rehabilitation (je nach Ausmaß der Verletzung zwischen 3-12 Wochen) komplett auf den gewohnten Sport und eine übermäßige Belastung verzichten.

Etwas anders ist es beim Skifahren. Da der Fuß in dem Skischuh eine ähnliche Stabilität erhält wie in einer Bandage ist Skifahren gegebenenfalls möglich. Es ist jedoch wichtig trotzdem nicht in der Akutphase zu fahren, da es durch das lange Stehen zu starken Schwellungen und Schmerzen im Fußgelenk kommen kann. Die betroffenen sollten im Falle eines geplanten Skiurlaubes mit ihrem Arzt und/ oder dem behandelnden Therapeuten sprechen, um herauszufinden ob Skifahren unter den gegebenen Umständen möglich ist. Im Rahmen des Rehabilitationsprozesses werden die Patienten generell im Zuge des Fortschreitenden Heilungsprozesses wieder an sportliche Betätigungen herangeführt, sodass auch Schwimmen, Radfahren, Wandern und Joggen eher wieder möglich sind als Kontaktsportarten wie Fußball oder Basketball, bei welchen schnelle Richtungswechsel und Stopps das Sprunggelenk zusätzlich belasten.

Zusammenfassung

Insgesamt bildet die physiotherapeutische Behandlung einen sehr wichtigen Bestandteil der Rehabilitationsmaßnahmen bei einer Bänderdehnung oder einem Bänderriss am Sprunggelenk. Es ist wichtig, dass die Patienten frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um eine entsprechende Therapie einzuhalten und sich unbedingt an die vorgegebenen Schonfristen halten, damit der Heilungsprozess ungestört voranschreiten kann. Die in der Physiotherapie durchgeführten Therapietechniken und Übungen sorgen für Schmerzfreiheit und bereiten das Sprunggelenk optimal wieder auf eine volle Belastung im Alltag sowie bei sportlichen Aktivitäten vor.