Krankengymnastik Übungen Sprunggelenk

Einleitung

Die physiotherapeutische Behandlung mit den jeweiligen Übungen beim Sprunggelenk ist sehr vielschichtig. Um für den Patienten passende Übungen zu finden, ist als Erstes ein exakter Befund wichtig. Dies beinhaltet eine Bewegungsprüfung sowie die Testung verschiedener gelenkstabilisierender Muskeln und Bänder. Eine Standanalyse mit dem Fokus auf die Fuß- und Beinstellung erweitert den Befund. Die anschließende Ganganalyse gibt weiter Aufschluss über eventuell auftretende Beschwerden in Aktion und Bewegung und über etwaige axiale Ausweichbewegungen in den Gelenken. Für die anschließende Therapie/Krankengymnastik ist es wichtig zu wissen, welche Bewegungen das Sprunggelenk macht und wie es aufgebaut ist. Ziele und die damit verbundenen Übungen für die Krankengymnastik können in erster Linie zur Stabilisation des Gelenkes oder zur Bewegungserweiterung nach Einschränkung im Sprunggelenk sein. Generell können Übungen für das Sprunggelenk mit diversen denkbaren therapeutischen Geräten durchgeführt werden. Die Wahl richtet sich nach der Problematik und der Zielsetzung der Therapie und des Patienten. Eingebunden werden können zum Beispiel sportartspezifisch angelehnte aktive Übungen. Beispielsweise übt ein Physiotherapeut mit einem Fußballer nicht nur Übungen mit vorgegebenen Bewegungsausmaßen, wie dem Theraband, sondern auch das Balancehalten auf dem betroffenen Bein während des schießen. Vorher sollte allerdings eine Grundstabilität mit einfacheren Übungen erreicht werden. Für ein stabiles Sprunggelenk ist eine stabile Basis notwendig. Damit gemeint ist ein stabiler und gesunder Fuß. Es gilt: Wenn das Fundament unten nicht stimmt, dann kann das Haus und Dach oben auf, nicht strapazierfähig sein. Ursachen, Symptome sowie mögliche Therapien bei Schmerzen im Sprunggelenk in den verschiedenen Regionen finden sie in dem Artikel Schmerzen Sprunggelenk.

Kurzer Fuß nach Janda

Zu Beginn eine Übung um das Quer – und Längsgewölbe im Fuß zu stärken. Aufgabe dieser beiden Gewölbe ist es, den Fuß längs und quer zu spannen um somit eine gute Statik im Fuß zu erreichen (wie bei einer Brücke). Diese Übung trainiert die kleinen Fußmuskeln zwischen den Fußknochen.

  1. Der Patient sitzt barfuß auf einem Stuhl, sodass sich Hüfte und Knie im rechten Winkel befinden und die Füße hüftbreit auf dem Boden stehen. Zunächst gilt es zu spüren, das Ferse und Zehengrundgelenke zum Boden Kontakt haben.
  2. Nächster Schritt ist es, Druck auf den Fuß zu geben und dann die Zehen anzuziehen und zu spreizen. Das wird einige Sekunden (ca. 30) gehalten.
  3. Nun die Zehen krallen, so als ob sie sich festsaugen würden oder ein Handtuch unter dem Fuß knäulen würden (30 sec. halten).
  4. Zehen wieder locker lassen, bzw. „Handtuch glätten“.
    Steigerungen dieser Übung können sein
  5. Stand oder Einbeinstand, mit leicht gebeugten Knien.
  6. Mit Ausfallschritt nach vorne oder an einer schiefen Ebene.
  7. Auf instabilerem Untergrund, wie einer weichen Matte
  8. Anschließendem Sprung und sofortigen Zehenkrallen und lösen nach 30 sec.

Anatomie des oberen Sprunggelenks

Abbildung oberes Sprunggelenk des rechten Fußes (von der Seite und von hinten)

I - Oberes Sprunggelenk

(Gelenklinie grün) -
Articulatio talocruralis

  1. Schienbein - Tibia
  2. Wadenbein - Fibula
  3. Sprungbein - Talus
  4. Fersenbein - Calcaneus
  5. Achillessehne - Tendo calcaneus
  6. Wadenbein-Fersenbein-Band -
    Lig. calcaneofibulare
  7. Hint. Schienbein-Wadenbein-
    Band-(hinteres Syndesmosenband)
    Lig. tibiofibulare posterius
  8. Vord. Wadenbein-Sprungb.-Band-
    Lig fibulotalare anterius
  9. Deltaband - Lig. deltoideum

Übungen durchführbar in der Akutphase

1. Übung
Der Patient liegt in Rückenlage auf einer Matte. Den Fuß ohne Anspannung auf den Boden ablegen. Den anderen Fuß aufstellen. Jetzt den verletzten Fuß anziehen, also die Zehen Richtung Körper bringen. Dann den Fuß wieder beugen. Diese Übung langsam und konzentriert durchführen. Ca. 3 Sekunden pro Richtung

2. Übung
Der Patient steht auf dem betroffenen Fuß. In der Nähe sollte zum Festhalten ein Stuhl oder Tisch greifbar sein. Nun den gesunden Fuß vom Boden abheben und das Bein anwinkeln. Dieses Bein nun langsam vor und zurück schwingen. Der Körper sollte gerade aufgerichtet sein. Die Hand kann, wenn möglich, jetzt vom Stuhl gelöst werden. Wiederholen Sie diese Übung 30 Sekunden lang

(es sollten keine Schmerzen auftreten)

Belastung mit einfacher Gewichtsverlagerung

Zu Beginn kann mit einfachen Gewichtsverlagerungen auf das Sprunggelenk begonnen werden. Zuerst im Sitzen und dann im Stand als Ausgangslage. Im Sitzen kann der Fuß mehr belasten werden, indem der Körperschwerpunkt mehr nach vorne verlagert wird.

1. Fersenstand und Zehenspitzenstand
Ziel ist es, den Fersen- und Zehenspitzenstand zu erarbeiten. Möglicherweise ist es sinnvoll vorher den Körperschwerpunkt zu erarbeiten, um die Grenzen des Patienten kennen zu lernen. Das ist sowohl für den Physiotherapeut wichtig als auch für den Patienten selbst, um Sturz Risiken zu vermindern.

Beim Fersenstand stellt sich der Patient hüftbreit mit parallel nach vorne ausgerichteten Füßen, am besten barfuß, auf eine rutschfeste Unterlage. Auftrag ist es nun, die Zehenspitzen Richtung Decke beziehungsweise zu den Knien zu ziehen und diese ca. 3- 5 Sekunden für den Anfang zu halten.
Für den Zehenstand bittet man den Patienten in der gleichen Ausgangslage sich abzudrücken und die Ferse ein paar Zentimeter vom Boden abzuheben.
Bei den beiden Übungen ist darauf zu achten, dass der Körper weder zu extrem in Vorlage, nach vorne, beziehungsweise in Rücklage, also nach hinten, gerät.
Gesteigert werden kann diese Übung über einen anderen Untergrund, welcher Instabiler ist und demnach mehr intra- und intermuskuläre Balance fördert. Die Übungen können sowohl zweibeinig als auch auf einem Bein ausüben werden. Der Zehenspitzenstand bietet sich auch an einer Treppe im Überhang zum trainieren an. Die beiden Übungen können auch zusammengeführt als Kombinationsübung angewendet werden.

2. Seilbalance
Diese Übung wird angewendet, um die Konzentration auf die Schrittsetzung zu lenken und eventuell um bei kleineren Schritten, also bei weniger Unterstützungsfläche, die Stabilität im Gelenk zu erarbeiten. Der Patient setzt dabei Fuß für Fuß auf einer gerade Linie, die vorher mit Klebeband aufgeklebt wurde oder durch ein Seil vorgegeben wird. Am Anfang werden zunächst größere Schritte gewählt. Der Blick sollte möglichst geradeaus gehen und der Körper aufgerichtet und gerade sein.

3. Waage
Der Patient geht gleichzeitig aus dem Stand mit dem Oberkörper in die Horizontale und mit einem Bein nach hinten, sodass das betroffene Bein das Körpergewicht tragen muss. Die Arme werden seitlich, um die Balance zu halten, ausgestreckt. Der Oberkörper befindet sich nun parallel zum Boden. Dies für mind. 15 Sekunden halten und dann das Bein wechseln.

4. Fußgreifer
Platzieren Sie mit den Füßen ein gut greifbares Handtuch vor sich. Belasten Sie das nicht betroffene Bein und versuchen Sie das Handtuch mit dem betroffenen Fuß aufzuheben. Jetzt den Fuß mit dem Handtuch hoch und runter bewegen (15 mal). Danach Standbein und “Greifbein“ wechseln.

5. Alphabet – Übung
Ausgangslage ist der aufrichte Sitz auf einem Stuhl. Das betroffene Bein wird, wie bei einem Schneidersitz, auf das andere Bein abgelegt. Nun schreibt man mit dem Fuß die Buchstaben des Alphabetes in die Luft.

6. Uhr- Übung
Der Patient steht aufrecht auf dem Boden. Nun wird um ihn herum im Kreis, wie bei einer Uhr, die 12, 3, 6 und 9 Uhrstellung mit Hilfe von Klebeband markiert. Es folgt eine Gewichtsverlagerung auf das betroffene Bein. Der Patient soll nun mit dem gesunden Fuß die Uhrzeiten zeigen, die der Therapeut ihm angibt.

Weitere Übungen zur Verbesserung der Stabilität im Sprunggelenk finden Sie in den Artikeln:

Therabandübungen

Diese Übungen fördern sowohl einen Kraftzuwachs als auch eine verbesserte Beweglichkeit. Je weiter das Band gedehnt wird, desto stärker wird der Widerstand. Es gibt verschiedene Stärken, die der Physiotherapeut individuell auswählt.

  1. Zur Kräftigung der Fußhebermuskulatur: Der Patient sitzt im Langsitz vor einer Sprossenwand. Das Theraband wird als Schlaufe an einer niedrigen Sprosse befestigt, sodass die Vorfüße in die Schlaufe eingehängt werden können. Die Fersen sind dabei am Boden fixiert. Den Rücken gerade halten und dabei die Füße zum Körper anziehen. Die Knie sollten nicht durchgedrückt werden. Die Fußspitzen zeigen dabei zur Decke. 10-15 Wiederholungen mit drei Sätzen. Oder man befestigt an einer Schlaufe einen schwereren Gegenstand (Hantel). Die Schlaufe wird um den Fuß gehängt und der Fuß soll dann mit dem Gewicht nach oben gezogen werden.
  2. Pronatorenkräftigung: Der Patient sitzt im Langsitz auf dem Boden. Aus dem Theraband wird eine Schlaufe gebunden und verknotet. Die Schlaufe wird dann um beide Füße gelegt. Das Theraband sollte am arbeitenden Mittelfuß, mittig befestigt werden. Die äußere Fußkante dann gegen das Theraband, nach außen ziehen und wieder langsam nachlassen. 10-15 Wiederholungen mit drei Sätzen.
  3. Supinatorenkräftigung: Siehe Übung oben nur das nach Innen gezogen wird. Das Theraband muss allerdings hierbei um das Tischbein befestigt werden und nur um den zu trainierenden Fuß.

Therapiekreisel/ Balancebrett

Übungen auf dem Therapiekreisel können in verschiedenen Ausgangsstellungen und Schwierigkeitsgraden gemacht werden. Von leicht nach schwer geordnet:

  1. Die Balance, stehend mit beiden Beinen, auf dem Therapiekreisel halten
  2. Leichtes Hoch- und Runterbewegen des Körpers mit Hilfe der Kniebeugung
  3. Einbeinig, zunächst auf dem gesunden Bein und dann auf dem betroffenen Bein, stehen
  4. Mit geschlossenen Augen (erst mit beiden Beinen) stehen
  5. Der Physiotherapeut wirft dem Patienten in verschiedene Höhen und Richtungen, in die der Patient gehen soll, einen Ball zu, welchen dieser dann fangen muss.
  6. Im Kniestand, sich mit dem betroffenem Bein auf einen Therapiekreisel stellen. Dann erfolgt der Auftrag sich in den Stand hochzudrücken, sodass der Patient im aufrechten Stand ankommt.

Weitere Übungen finden sie in dem Artikel Übungen Sprunggelenksfraktur.

Das Trampolin

Die umliegende Muskulatur des Sprunggelenks wird funktionell auf dem Trampolin, aufgrund der herrschenden Instabilität, gut gekräftigt.

  1. Auf dem Trampolin hüftbreit stehen und mehrmals in die Hocke gehen. Dabei darauf achten, dass die Knie nicht über die Fußspitzen zeigen.
  2. Auf und ab marschieren auf der Stelle, Tempo variieren und erhöhen.
  3. Auf und ab Hüpfen, beidbeinig und einbeinig
  4. Der Physiotherapeut spielt bei den verschiedenen Übungen einen Ball oder ähnliches zu

Wadenübungen

Der Patient sitzt angelehnt an einer Wand, die Knie und Hüfte sind im rechten Winkel gebeugt und die Hände liegen auf den Oberschenkeln. Die Füße haben nur mit der Ferse Kontakt zum Boden. Der Patient soll aus dieser Position die Zehenspitzen zum Boden führen und wieder anschließend in die Ausgangsstellung gelangen. 10 bis 14 Wiederholungen.

Der Patient ist leicht gebeugt im Einbeinstand und soll sich über den Fuß, hoch in den Stand drücken. Eine Steigerung kann sein, den Fuß in Zehenspitzenstand zu bringen und sich dann hochzudrücken.