Physiotherapie bei geschwollenen Händen/Füßen/Beinen

Die Physiotherapie bei geschwollenen Händen, Füßen oder Beinen soll primär dafür sorgen, dass das Gewebe wieder in seinen normalen Zustand gebracht wird. Dafür stehen den Therapeuten verschiedenen Therapieansätze zur Verfügung. Beachtet wird bei der Wahl des geeigneten Therapieverfahren immer der individuelle Gesundheitszustand des Patienten und die Ursache, welche für die Schwellung verantwortlich ist. Während der Physiotherapie erhält der Patient nicht nur eine auf ihn abgestimmte Behandlung, sondern auch wertvolles Wissen, um in Zukunft Probleme vermeiden zu können.

Physiotherapie - was hilft?

Wenn es durch diverse Ursachen zu Schwellungen in den Gliedmaßen kommt gibt es im Zuge der physiotherapeutischen Behandlung verschiedene Möglichkeiten den Betroffenen zu helfen und ein Abschwellen der Problemzonen zu bewirken. Dazu gehören unter anderem:

  • Vermeiden Sie das Tragen von zu enger Kleidung und engem oder hohen Schuhwerk.

  • Legen Sie so oft es geht die Beine hoch, insbesondere am Abend, um den Blutfluss zu erleichtern.

  • Eine Kompressionstherapie, vor allem bei Schwellungen in den Beinen. Hierbei wird ein engmaschiger Kompressionsverband mit einer speziellen Technik um das Bein gewickelt, wodurch die Venentätigkeit unterstützt und der Rücktransport des Blutes gefördert wird.

  • Ernährungsberatung für eine gesunde und ausgewogene Ernährung, die gegebenenfalls an die Grunderkrankung angepasst wird.

  • Krankengymnastische Übungen (insbesondere Venengymnastik), welche die Muskelpumpe aktivieren und so den Abtransport überschüssiger Flüssigkeit begünstigen.

  • Kälteanwendungen, die ein Zusammenziehen der Blutgefäße bewirken und so zum abschwellen beitragen.

  • Manuelle Lymphdrainage, welche durch eine spezielle Massagetechnik den Abtransport der überschüssigen Gewebsflüssigkeit bewirkt.

  • Ultraschalltherapie zur Förderung der Durchblutung

Welche dieser Maßnahmen für Patienten in Frage kommt ist von der Ursache der Schwellung abhängig. Daher ist es wichtig im voraus vom Arzt eine eindeutige Diagnose stellen zu lassen, damit in der Physiotherapie bestmöglich dagegen angegangen werden kann.

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Übungen

  1. Wenn die Schwellung vor allem in Füßen oder Beinen auftritt, kann es helfen diese abends einfach mindestens 30 Minuten erhöht zu lagern.

  2. Legen Sie sich auf den Rücken und fahren Sie 1-2 Minuten mit den Beinen Fahrrad in der Luft, dies aktiviert die Muskelpumpe und regt somit den Abtransport überschüssiger Flüssigkeit an.

  3. Stellen Sie sich auf eine Treppenstufe, sodass die Ferse über die Stufe hinausragt. Drücken Sie sich nun 20 mal auf die Zehenspitzen hoch, verharren dort 2 Sekunden und senken dann die Ferse wieder hinab, auch diese Übung unterstützt die Venenpumpe und den Abtransport überschüssiger Flüssigkeit.

  4. Bei dieser Übung geht es darum, ein abschwellen der Finger zu bewirken. Ballen Sie ihre Hände zur Faust und spreizen dann die Finger maximal. 10 Wiederholungen.

  5. Führen Sie nacheinander jeden Finger an beiden Händen abwechselnd zu ihrem Daumen.

  6. Beugen und strecken Sie ihren Arm mehrmals wobei Sie ihre Faust zur Schulter führen.

Ursachen

Wenn die Hände, Füße oder Beine anschwellen, kann das verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören zum Beispiel ein beeinträchtigter Rücktransport des Blutes zum Herzen, große Hitze, Herzerkrankungen, eine Schwangerschaft, entzündliche Erkrankungen, eine Nierenschwäche, Arthrose, rheumatische Erkrankungen oder Krampfadern. Um eine entsprechende Therapie einzuleiten, ist es wichtig, dass ein Arzt die entsprechende Diagnose stellt, da je nach Ursache verschiedene Behandlungsformen in Frage kommen können.

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Gelenkschmerzen

Unabhängig von der Ursache der Schwellung in Händen, Füßen oder Beinen, kann diese immer mit Schmerzen verbunden sein. Durch die überschüssige Flüssigkeit entsteht ein Druck im Gewebe der unter Umständen Schmerzen und auch Bewegungseinschränkungen verursachen kann. Bleiben diese allerdings bestehen, sollte man die Ursache der Schwellung ärztlich abklären lassen, da Schmerzen oft auf ein Symptom für entzündliche Prozesse im Körper sind.

Insbesondere, wenn noch weitere Symptome wie Rötung oder ein Wärmegefühl hinzukommen, ist eine Entzündung wahrscheinlich. Typisch ist dies zum Beispiel bei Erkrankungen wie Arthrose, welche Entzündungen in den kleinen und später auch großen Gelenken verursacht. Weitere Erkrankungen die zu Schwellungen und Schmerzen im Gelenk führen können sind Gicht, Rheuma, Traumata, Schuppenflechte, eine Schleimbeutelentzündung oder bakterielle Infektionen. Bleiben die Gelenkschmerzen über längere Zeit bestehen oder treten ohne ersichtlichen Grund auf, sollte die Ursache vom Arzt abgeklärt werden, damit eine entsprechende Therapie möglichst frühzeitig eingeleitet werden kann.

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Schwellungen bei Hitze und im Sommer

Besonders große Hitze im Sommer kann dazu führen, dass Hände, Füße und Beine anschwellen.Im Normalfall handelt es sich dabei dann um eine normale Reaktion des Körpers auf die Wärme, wobei die Gefäße erweitert werden. Begünstigt wird dies durch langes Stehen, eine geringe Flüssigkeitszufuhr und zu wenig Bewegung. Es ist jedoch möglich das Anschwellen der Gliedmaßen durch entsprechende Gegenmaßnahmen in Grenzen zu halten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Das Vermeiden von einschnürender oder zu enger Kleidung.
  • Ausreichend Bewegung in Form von regelmäßigem Sport, ausgedehnten Spaziergängen und den Einbau von einfachen Übungen, welche die Venenpumpe aktivieren, in den Alltag.
  • Wechselduschen zur Anregung der Durchblutung, das heißt etwa 20 Sekunden kalt und dann warm abduschen.
  • Auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr achten und viel Obst und Gemüse essen. Verzichten Sie auf schwere Kost und essen Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.
  • Machen Sie kalte Fußbäder oder legen Sie Kühlpacks auf die betroffenen Körperstellen. Auch kühlende Einreibungen können Linderung verschaffen.

Schwellungen in der Schwangerschaft

Schwellungen an den Gliedmaßen sind gerade während der Schwangerschaft keine Seltenheit. Durch die hormonelle Umstellung, Veränderungen im Gewebe, ein erhöhtes Volumen an Körperflüssigkeiten und äußere Einflüsse wie zum Beispie große Hitze führen dazu, dass viele Frauen mit Schwellungen in Füßen, Händen und Beinen zu kämpfen haben.

Abhilfe geschaffen werden kann hier neben einer Umstellung der Lebensgewohnheiten (Vermeidung von hohen oder einschürenden Schuhen, ausreichend Bewegung, ausgewogene Ernährung) und dem Tragen von Kompressionsstrümpfen vor allem eine Reihe von Übungen, welche die Durchblutung anregen und so zum Abschwellen des Gewebes beitragen können.

Schwellungen nach langem Sitzen

Gerade die Beine und Füße können nach längerem Sitzen anschwellen. Begünstigt wird dies noch insbesondere bei Frauen, die gerne die Beine übereinanderschlagen und damit die Blutzirkulation erschweren. Auch Vorerkrankungen und Probleme mit den Venen oder lange Flugreisen bewirken ein Anschwellen nach langem Sitzen. Das Herz muss kräftig pumpen um das Blut beim Sitzen wieder zurück zum Herzen zu bringen, durch die mangelnde Bewegung und das Verharren in der Position kann es dabei zur Stauung des Blutes in den Beinen kommen wodurch diese Anschwellen. Als Gegenmaßnahme können betroffene kleine Bewegungsübungen im Sitzen durchgeführt werden, um die Muskelpumpe zu aktivieren und den Rücktransport des Blutes zu unterstützen.

Schwellungen am Morgen

Wenn die Hände, Füße oder Beine am Morgen geschwollen sind, kann auch dies verschiedene Ursachen haben. Normalerweise normalisiert sich der Abtransport überschüssiger Wassereinlagerungen durch die günstige Schlafposition in der Nacht. Wenn die Gliedmaßen morgens trotzdem geschwollen sind kann das zum Beispiel daran liegen, dass man ungünstig auf dem betroffenen Arm oder Bein gelegen hat und dabei die Blutzufuhr unterbrochen hat. Auch Erkrankungen wie Rheuma können morgens zu Schwellungen in den Gelenken führen. Auch eine tiefe Venenthrombose kann gerade in den Beinen zu Schwellungen führen, da der Blutfluss durch das sich bildende Blutgerinnsel langsam unterbrochen wird.

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Zusammenfassung

Insgesamt steht in der Physiotherapie eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Bekämpfung von Schwellungen in den Händen, Füßen und Beinen zur Verfügung. Die Wahl des Therapieverfahrens richtet sich wie immer nach der Diagnose und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

In der Regel können durch die regelmäßige Teilnahme an den physiotherapeutischen Sitzungen und der Weiterführung der Therapie zuhause, sowie unter Umständen eine Umstellung in den Lebensgewohnheiten, gute Erfolge in der Behandlung von Schwellungen erzielen. Patienten sollten beim Auftreten von Schwellungen über einen längeren Zeitraum und ohne ersichtliche Ursache einen Arzt aufsuchen, damit eine Therapie frühzeitig eingeleitet und damit schwerere Verlaufsformen verhindert werden können.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 02.10.2018 - Letzte Änderung: 10.11.2021