Physiotherapie bei Gicht/ Kristallablagerungskrankheiten

Bei der Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der es zum Anfall von Stoffwechselabbauprodukten und zur Kristallbildung kommt. Diese Kristalle bestehen aus dem Salz der Harnsäure, können sich in den Gelenken, Schleimbeuteln oder Sehnen ablagern und dort zu schmerzhaften Entzündungen führen. Harnsäure entsteht beim Abbau der Purine, diese sind unter anderem in unserer Nahrung, übernehmen jedoch auch wichtige Funktionen in unserem Organismus und sind wichtige Bestandteile unserer Zellen. Beim Abbau der Purine kann Harnsäure entstehen, die normalerweise über die Niere ausgeschieden wird. Bei hohen Harnsäurekonzentrationen kann es zur Kristallisation kommen und Urat. Das Salz der Harnsäure lagert sich dann im Organismus ab. Man unterscheidet die primäre Form der Gicht, die direkt durch eine Nierenfunktionsstörung oder einen Enzymdefekt bedingt ist, von der sekundären Form der Gicht, bei der eine andere Grunderkrankung für den Anfall von Harnsäure verantwortlich ist. Auch einige der rheumatischen Erkrankungen werden zu den metabolischen Gelenkerkrankungen gezählt.



Gichtarthritis

Durch die bei hohen Konzentrationen ausfallende Harnsäure entstehen Kristalle, die sich unter anderem in den Gelenken ablagern können. Durch die Durchblutungssituation in der unteren Extremität ist zunächst häufig das Großzehengrundgelenk betroffen. Bei den ersten Gichtanfällen ist meist nur ein Gelenk isoliert betroffen, die Entzündung kann sich später auch auf mehrere Gelenke ausbreiten. Ein akuter Gichtanfall äußert sich in Gelenkschmerzen, einer Schwellung, einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung und eventuell einer Rötung. Durch die Entzündung im Gelenk kann der Knorpel langfristig in Mitleidenschaft gezogen werden und es kommt zu einer Arthrose. Die akute Gelenkentzündung durch die Uratkristalle wird auch als Gichtarthritis bezeichnet. Sie kann durch Stress, purinreiche Ernährung oder eine Überbelastung der betroffenen Gelenke hervorgerufen werden. Während einer Gichtarthritis sollte das Gelenk geschont und entlastet, gegebenenfalls gekühlt werden. Es ist wichtig bei einer Gichtarthritis auf eine ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Eine medikamentöse Einstellung sollte dringend erfolgen, um die Entstehung einer Arthrose zu verhindern.

Physiotherapie

Gicht kann Gelenkentzündungen und Veränderungen hervorrufen und somit auch physiotherapeutisch behandelt werden. Durch ein gezieltes Trainingsprogramm können auch Übergewicht oder eine ungünstige Statik als zusätzliche Gelenkbelastung reduziert werden. Wichtig ist es, die betroffenen Gelenke nur in anfallsfreien Intervallen zu trainieren. Während einer akuten Gichtattacke sollte das Gelenk geschont werden. Hierzu können in der Physiotherapie die Kryotherapie, Kompressionsverbände, manuelle Lymphdrainage oder sanfte schmerzfreie Mobilisationen in Frage kommen. Im anfallsfreien Intervall sollte die Gelenkfunktion durch ein gezieltes Mobilisationsprogramm erhalten und verbessert werden. Neben aktiven Übungen können auch Techniken aus der Manuellen Therapie Anwendung finden. Ist die Gelenkmechanik deutlich eingeschränkt, ist es wichtig, eventuelle Folgeschäden an anderen Gelenken zu vermeiden, indem diese muskulär stabilisiert werden, Ausweichmechanismen und Schonhaltungen bewusst wahrgenommen und wenn möglich vermieden werden. Die zugrundeliegende Stoffwechselerkrankung kann durch die physiotherapeutische Behandlung nicht behandelt werden, jedoch sorgt ein ausgewogenes Bewegungstraining im Allgemeinen zu einer verbesserten Stoffwechsellage und föredert den Abtransport von Stoffwechselabbauprodukten, was die Symptome der Gicht lindern kann.

Übungen

Für alle Gelenke gilt, dass Bewegung im physiologischen Bewegungsausmaß die Stoffwechsellage im Gelenk verbessert, den Knorpel stärkt und die Gelenkfunktion erhält. Bei Gicht kommt es zu Ablagerungen im Gelenk, den Schleimbeuteln und Sehnen. Durch eine angemessene Bewegungstherapie kann die Stoffwechsellage verbessert und das Gewebe mobilisiert werden. Besonders häufig ist das Großzehengrundgelenk betroffen.

1) Das Gelenk kann aktiv durch Greifübungen oder das Abspreizen der Zehe mobilisiert werden. Es bieten sich weiterhin passive Mobilisationsübungen an, bei denen der Patient selbstständig die Zehe greift und die Gelenkpartner gegeneinander mobilisiert. Die Mobilisation kann pro Bewegungsrichtung 15-20 mal in 3 Sätzen bei Bedarf mehrmals täglich ausgeführt werden. Eine Überbelastung gilt es streng zu vermeiden, bei Schmerzen sollte die Übung abgebrochen werden.

2) Für die Mobilisation anderer Gelenke gilt es, möglichst unter Abnahme der Schwere zu trainieren. Gelenkschonende Bewegungen für die untere Extremität finden wir beim Fahrradfahren oder auch auf dem Cross-Trainer. Das Bewegungsausmaß sollte bei den Übungen langsam gesteigert werden.

Weitere Übungen finden Sie in dem Artikel Mobilisationsübungen

Ernährung

Da es sich bei der Gichterkrankung um eine Stoffwechselerkrankung handelt, kann über die Ernährung Einfluss auf das Krankheitsbild genommen werden. Beim Abbau der Purine entsteht Harnsäure, die sich bei hohen Konzentrationen in Form von Uratkristallen ablagern kann. Purine sind in unserer Nahrung enthalten, besonders in bestimmten Fleischsorten oder Hülsenfrüchten. Es gibt Nährstofftabellen, in denen man den Puringehalt der Nahrung ablesen kann. Auf Alkohol sollte außerdem verzichtet werden. Gleichzeitig ist es wichtig, wenn keine gegenteilige Indikation besteht, mindestens 2 Liter Wasser am Tag zu trinken, um die Harnsäureausscheidung durch die Niere zu fördern. Durch eine ausgewogene, angepasste Ernährung können Symptome mitunter gut kontrolliert werden.

Gichtfinger

Nur in etwa 5% der Fälle lagern sich Gichtkristalle auch in den Fingergelenken ab. Am häufigsten ist hierbei das Daumengrundgelenk betroffen. Die sogenannten Gichtfinger führen zu sehr unangenehmen Schmerzen zum Teil auch in der ganzen Hand, zu einer Bewegungseinschränkung und einem Kraftverlust. Bei wiederkehrenden chronischen Entzündungen der Fingergelenke kann es zur Arthrose und Gelenkdeformitäten kommen, die die Beweglichkeit der Fingergelenke dauerhaft einschränken.

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Gichtzeh

Am häufigsten ist die untere Extremität von Gichtanfällen betroffen. Dies hängt mit der Stoffwechsel und Durchblutungssituation in den Füßen und Beinen zusammen. Die Schwerkraft wirkt besonders stark auf die Füße und Stoffwechselabbauprodukte lagern sich hier eher ab. Besonders häufig lagern sich die Uratkristalle im Großzehengrundgelenk ab und sorgen hier für heftige Schmerzattacken mit einer Gelenkschwellung, Rötung und einer Bewegungseinschränkung. Häufig ist der gesamte Fußballen schmerzhaft und berührungsempfindlich. Auch das Gehen ist eingeschränkt, da der physiologische Abrollvorgang über das Großzehengrundgelenk erfolgt. Das Gelenk sollte entlastet werden, Schonhaltungen und Ausweichmechanismen sind aber ebenfalls zu vermeiden, da dies zu Überbelastung der umliegenden Gelenke führen kann. Zumeist äußert sich die Entzündung des Großzehengelenks zum Beginn der Gicht-Erkrankung als isolierte Gelenkentzündung. Später können auch andere Gelenke betroffen sein.

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Zusammenfassung

Bei der Gichterkrankung handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung bei der es zur Ablagerung von Uratkristallen (Harnsäure) in den Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen vornehmlich in der unteren Extremität kommt. Sind auch die Gelenke der Hand betroffen, was nur selten der Fall ist, kann es zu heftigen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen der Hand kommen. In der Regel äußert sich die Gicht zuerst im Großzehengrundgelenk. Die akute gichtbedingte Gelenkentzündung nennt sich Gichtarthritis und kann die Entstehung einer Arthrose begünstigen. Da es sich um eine Stoffwechselerkrankung handelt, kann neben medikamentöser Therapie besonders auch eine Ernährungsumstellung die Symptome lindern. Krankengymnastik kann in entzündungsfreien Intervallen zum Erhalt der physiologischen Gelenkfunktion und Mechanik beitragen.