Krankengymnastik bei einem Leistenbruch

Wenn die Übungen Schmerzen auslösen, sollte auf ein weiteres Krafttrainingsprogramm verzichtet werden und Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Eventuell ist der Leistenbruch so weit fortgeschritten, dass eine OP unabdingbar ist. Außerdem ist es wichtig, den Patient über sein Verhaltensmuster aufzuklären. Zu viel Pressen beim Stuhlgang, Sportarten mit starkem Zug an der Bauchmuskulatur wie Speerwerfen, Handball, Turnen, sollten vermieden werden.



Übungen

Krankengymnastik wird bei einem Leistenbruch eher selten verschrieben. Im Vorfeld einer OP bietet sich aber durch Krankengymnastik die Möglichkeit die Beschwerden im Bereich der Leiste durch ein gezieltes Krafttraining zu verringern. Dabei ist es wichtig, dass keine schnellen, abrupten Bewegungen stattfinden und keine Übungen, wo der Druck im Bauch ansteigt. Der Leistenring ist verbunden mit dem M. Obliquus externus und M. internus abdominis (schräge Bauchmuskulatur) und dem M. Rectus transversus (gerade Bauchmuskulatur) dadurch kann die Spannung der Bauchmuskulatur die Festigkeit des Leistenbereichs beeinflussen. Durch vorsichtiges Bauchmuskeltraining können die Beschwerden minimal verbessert werden.

Folgende Übungen sind schonend:

  • Rückenlage: Beine angestellt lassen, Arme liegen neben dem Körper, Handflächen nach oben, unteren Rücken auf die Unterlage drücken damit der untere Bauch kurz wird, Position mehrere Sekunden halten.
    Steigerung: Beine im Wechsel unter einhalten der restlichen Spannung strecken
  • Rückenlage: Beine 90° anheben, Hände gegen die Knie drücken und von beiden Seiten Spannung aufbauen
  • Rückenlage: Beine 90° anheben und nach rechts und links kippen, soweit wie die schräge Bauchmuskulatur es halten kann
  • Rückenlage: Beine 90° anheben, Beine im Wechsel zum Boden lassen und kurz vorm ablegen halten und dann wieder wechseln

Weitere schonende Übungen finden Sie in dem Artikel Leistenschmerzen.

Krankengymnastik

Bei Leistungssportlern besteht eher die Möglichkeit einer OP, da eine Verschlimmerung bei jeder Trainingseinheit möglich ist. Nach einer OP ist die Krankengymnastik als Prophylaxe im Krankenhaus möglich. Eine Thrombose und Pneumonieprophylaxe sind dabei besonders wichtig, da aufgrund des Eingriffs im Bauch, die Aufrichtung des Rumpfes und allgemeines Bewegen sehr schmerzhaft ist. Trotzdem muss der Patient aufstehen und laufen um den Kreislauf aufrecht zu halten. Meist dürfen die Patienten nach 2-3 Tage das Krankenhaus verlassen. Von Tag zu Tag wird das Aufrichten auch leichter werden. Nach Abklingen der akuten Phase kann mit Hilfe der Krankengymnastik die verspannte Rückenmuskulatur gelockert werden, die aufgrund des undynamischen Laufens entstanden sind.

Eine Narbenmobilisation sorgt für ein lockeres Gewebe und vermeidet Verklebungen der Hautschichten. Gibt der Arzt sein ok für Kräftigungsübungen für den Bauch, können diese auch in die Therapie mit einfließen. Wichtig ist dabei allerdings, dass die Naht oder das Netz, welches eingebaut wurde, fest sitzt und die Wundheilung soweit vorbei ist, sodass durch den Druck, der bei den Übungen entsteht kein erneutes Aufreißen geschieht. Dabei gilt aber auch, lieber länger warten und später anfangen. Übungen wie oben genannt, lassen sich gut anwenden und können im weiteren Verlauf gesteigert werden. Unterarmstütz, Seitstütz, Bauchübungen mit mehr Bewegung und Hilfsmittel sind Übungen in der späteren Phase. Schwere Lasten tragen ist nach einem Leistenbruch zu vermeiden und im Allgemeinen sollte auf ein gesundes Körpergewicht geachtet werden, vor allem, wenn man zu einer Bindegewebsschwäche neigt.

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Leistenbruch - Definition

Ein Leistenbruch ist eine Aussackung im Leistenkanal. Normalerweise ist der Bereich durch Muskeln, Sehnen und Bändern gut geschützt, sie bilden eine feste Hülle. Reißt die Hülle durch einen Verschleiß, starke kurzfristige oder längerfristige Dauerbelastung auf, kann es zu Einbrüchen kommen, dem Leistenbruch. Männer sind bei einem Leistenbruch häufiger betroffen als Frauen. Es können Säuglinge, Kinder sowie Erwachsene gleichermaßen betroffen sein. Bei Erwachsenen zeigt sich bei einem Leistenbruch häufig eine sichtbare und/oder tastbare Schwellung. Schmerzen sind meistens nicht extrem spürbar, dafür aber ein Druckgefühl, welches beim Husten, starker Belastung bei Bewegungen oder Pressen beim Toilettengang verstärkt wird.

Wenn die Schmerzen bei einem Leistenbruch plötzlich stärker werden, sollte unmittelbar ein Arzt aufgesucht werden, da es sich um eine Einklemmung des Bruchs handeln könnte und eine absolute OP- Indikation darstellt. Zudem sollte der Leistenbruch immer untersucht werden, da eine mögliche Einklemmung eines Bauchorgans ausgeschlossen werden sollte. Diese Einklemmung kann zu einem Absterben des Darmbereichs führen. Die Untersuchung erfolgt über eine MRT oder Ultraschalluntersuchung. Nach Bestimmung des Ausmaßes des Leistenbruchs entscheidet sich die Therapie. Bei einem leichten Leistenbruch oder Inoperabilität bietet sich ein Bauchband an, welcher den Bauch von außen stützt. Bei schwerwiegendem Leistenbruch sollte unbedingt eine OP durchgeführt werden.

Ursachen

Im Erwachsenenalter kann eine allgemeine Bindegewebsschwäche Ursache für einen Leistenbruch werden. Dadurch entsteht eine Bauchwandschwäche und gedehnte Bänder und Sehnen, welche die Bauchwand nicht mehr stabil halten können. Durch eine zusätzliche ruckartige starke Belastung kann der Bereich der Bauchwand aufreißen. Ein zu weiter Leistenkanal oder ein erhöhter Bauchinnendruck können ebenfalls den Leistenbruch begünstigen. Ein Anstieg des Bauchinnendrucks wird durch körperliche Belastung, wie z.B. chronischer Husten, starkes Pressen beim Stuhlgang oder chronischer Verstopfung, Gewichtheben oder Wurfsportarten ausgelöst. Bei Frauen kann ebenso bei einer Schwangerschaft ein Leistenbruch entstehen, da durch die Physiologie der Schwangerschaft die Bauchdecke extrem gedehnt wird und bei dem Geburtsvorgang starkes Pressen erforderlich ist. Leistenschmerzen sollten daher frühzeitig therapiert werden. Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Leistenschmerzen.

OP

Zu einer OP wird geraten, wenn aufgrund von Beruf oder Spitzensport extreme Belastungen auf den Bauchraum oder Leistenbereich nicht zu vermeiden sind. Dabei gibt es 2 verschiedene Operationstechniken, entweder das offene Verfahren oder das minimalinvasive Verfahren. Bei beiden Techniken wird ein resorbierbares Netz in den betroffenen Bereich eingesetzt, um die Aussackung zurückzuziehen und es zu verschließen. Der Vorteil des Minimalinvasiven Eingriffs sind die wenigen Narben und dadurch verringerte Infektanfälligkeit. Bei beiden Techniken muss allerdings ein Teil der Bauchdecke durchtrennt werden, sodass in jedem Fall der Bauchmuskel betroffen und unmittelbar nach der Operation Schmerzen, wie Muskelkater auslöst.

Bei Frauen

Männer neigen häufiger zu einem Leistenbruch als Frauen. Bei Frauen entstehen diese häufiger im Verlauf einer Schwangerschaft oder Geburt. Da durch das extreme Ausdehnen des Bauchraums während einer Schwangerschaft die Haut, Bänder und Sehnen ebenfalls gedehnt werden, kann es bei einer plötzlichen Bewegung zu einem Leistenbruch kommen. Ebenso bei dem Pressvorgang bei der Geburt kann es zu einer zu starken Belastung auf den Leistenbereich kommen, sodass ein Leistenbruch die Folge sein kann.

Bei Kindern

Im Verlauf der Entwicklung des Kindes, verschließen sich Stück für Stück verschiedene Gewebe miteinander. Manchmal bleiben Verschlüsse aus und so kann, wie im Bereich der Leiste, ein Leistenbruch entstehen. Dieser Leistenbruch ist bei Kindern nicht schmerzhaft und wird meistens als Schwellung beim Wickeln des Kindes durch Zufall entdeckt. Jedoch sollte der Bruch untersucht werden und wird auch meistens operiert, um ein Ausbrechen der Bauchorgane zu vermeiden. Während der OP wird der Bruchsack ausgeräumt und in den Bauch zurückgeschoben und das Bruchstück verschlossen. Eine Anwendung eines Netzes findet nicht statt, da das Gewebe des Kindes noch vor der vollen Entwicklung steht und die Bauchmuskelaktivität erst im Laufe des 1. Lebensjahres entsteht. Der Leistenbruch ist eines der häufigsten Operationsgründe bei kleinen Kindern.

Umfangreiche Informationen zu diesem Thema finden Sie unter folgendem Artikel: Physiotherapie bei einem kindlichen Leistenbruch

Zusammenfassung

Der Leistenbruch ist eine Ausstülpung im Bereich der Leiste aufgrund von zu schwachem Muskel-, Band- und Sehnengewebe. Durch zu extreme kurzzeitige Belastung oder Belastung über einen langen Zeitraum und dadurch resultierendem Verschleiß aufs Gewebe, kommt es zu ein Einreißen und einer Aussackung. Diese Aussackung ist meistens spürbar und tastbar und sollte vom Arzt kontrolliert werden um eine Ausbrechen von Bauchorganen zu verhindern. In den Meisten Fällen treten wenig Schmerzen auf, aber ein Druckgefühl. Enormes Pressen, belastbare Sportarten und Arbeiten sollten vermieden werden. Zur Unterstützung kann ein Bauchband getragen werden. Bei Spitzensportlern oder körperlichen Arbeiten kann mit Hilfe eines operativen Verfahrens ein Netz zum Verschließen eingesetzt werden. Die Krankengymnastik dient zum Auftrainieren der beanspruchten Bauchmuskulatur und sollte erst dann erfolgen, wenn die Wundheilung fortgeschritten ist und das Netz in der Leiste festsitzt. Zudem sollte immer Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Ein Vermeiden von zu viel Druck im Bauchraum und zu frühen intensiven Sport sollte unbedingt vermieden werden.