Krankengymnastik bei bestehender Hüftdysplasie

Die Beweglichkeit des Hüftgelenks kann bei einer Hüftdysplasie eingeschränkt sein. Kompensatorische Achsenfehlstellungen und eine Beinlängendifferenz können bei der Hüftdysplasie das Gangbild beeinflussen. Durch die veränderte Belastung der Hüftgelenkspfanne ist die Entwicklung einer Hüftgelenksarthrose begünstigt. Die Erkrankung Hüftdysplasie tritt häufiger bei Mädchen als bei Jungen auf.



Inhalte der Krankengymnastik

  • Mobilisation
  • Kräftigung
  • Dehnung
  • Manuelle Therapie
  • Physikalische Therapie
  • Ausarbeitung eines Hausaufgabenprogramms

Mobilisation

Die Mobilisation der Hüfte und des Beckens spielen eine wichtige Rolle in der Therapie der Hüftgelenksdysplasie. Durch ein muskuläres Ungleichgewicht und eine Einschränkung der Beweglichkeit des Hüftgelenks werden Schonhaltungen verstärkt und Fehlbelastungen des Gelenks gefördert. Eine mobilisierende Therapie dient dem Erhalt der Beweglichkeit und der Funktionstüchtigkeit des Gelenks.

Durch die anatomische Gegebenheit sind die Ergebnisse der Mobilisation allerdings in manche Bewegungsrichtungen eingeschränkt und sollten dann auch nicht forciert werden, da die Gelenkstabilität in diesen Bereichen nicht ausreichend gegeben sein kann. Mobilisation findet meist aktiv durch den Patienten statt. In der Praxis werden aktiv Mobilisationsübungen durchgeführt. Durch gezielte Übungen bewegt man sein Hüftgelenk im größtmöglichen Bewegungsausmaß. Kreisen mit dem Knie vor dem Körper in großem, ausladendem Umfang ist beispielsweise eine effektive Übung. Eingeschränkte Bewegungsrichtungen können herausgearbeitet werden und dann auch durch Therapeuten Techniken wie passives Durchbewegen, passives Dehnen, manualtherapeutische Techniken oder auch ergänzende Weichteilbehandlungen verbessert werden.

Der Großteil der Arbeit liegt allerdings, was die Mobilisation des Gelenks angeht, beim Patienten. Wenn die Gelenke durch den Therapeuten behandelt wurden, ist es die Aufgabe des Patienten durch regelmäßige, konsequente Übungen die Mobilität des Hüftgelenks und der umliegenden Gelenke zu erhalten, um einen Therapieerfolg zu sichern.

Kräftigung

Die Kräftigung ist wohl einer der Schwerpunkte in der Behandlung einer Hüftgelenksdysplasie. Da es sich bei der Hüftgelenksdysplasie um eine anatomische nicht veränderbare Gegebenheit handelt, ist es besonders wichtig, eventuelle Schwachstellen und Instabilitäten durch ein gezieltes Kräftigungsprogramm auszugleichen um langfristige Fehlbelastungen des Hüftgelenks selbst, aber auch umliegender Gelenke zu vermeiden.Im Rahmen der Kräftigung ist ein stabilisierendes Kräftigungsprogramm indiziert. Hierzu bietet sich in der Praxis die Arbeit mit dem eigenen Körpergewicht an, da dies funktioneller ist, als das Training an Geräten, welches eher ergänzend eingesetzt werden sollte. 

Dem Patienten werden Übungen gezeigt, die in der Therapie gemeinsam erarbeitet werden sollten. Sie dienen dazu, den Hüftkopf in der Pfanne zu stabilisieren und die Gelenkfunktion im Alltag zu verbessern. Der Erfolg der Kräftigungstherapie ist vom Patienten abhängig, der die Übungen dringend regelmäßig und konsequent in Eigenregie auch nach der Therapie zu Hause ausführen muss, um langfristig eine Verbesserung zu gewährleisten.

Dehnung

Dehnung ist bei der Behandlung einer Hüftgelenksdysplasie ebenfalls von großer Bedeutung. Sie dient der Mobilisation des Hüftgelenks und soll die Gelenkstellung in der Pfanne verbessern. Zwar steht die Kräftigung im Mittelpunkt jedoch gehört zur Kräftigung von zu schwacher Muskelgruppen auch immer die Dehnung der zu stark arbeitenden Muskulatur, um eine stabilisierendes muskuläres Gleichgewicht zu erlauben.

Die Dehnung sollte dem Patienten in der Therapie beigebracht werden, sodass er sie zu Hause selbstständig und richtig ausführen kann. Beispielsweise die Dehnung der Gesäßmuskulatur in Rückenlage (der Patient greift um den angestellten Oberschenkel und überschlägt den anderen über das aufgestellte Bein, dann zieht er den Oberschenkel mit den Händen zur Brust, das überschlagene Bein wird gedehnt, die Dehnung sollte in der Oberschenkelaußenseite spürbar sein), oder die Dehnung der Hüftbeuger (aus der Rückenlage wird das eine Bein am Oberschenkel gefasst und zur Brust gezogen, das andere Bein bleibt lang und gestreckt auf der Unterlage, auch Kopf und Rücken bleiben entspannt abgelegt. Der Zug sollte in der Leiste spürbar sein) sind wichtige Übungen bei einer Hüftgelenksdysplasie.

Der Therapeut kann die Dehnung durch passive Techniken unterstützen und gegebenenfalls verkürzte Strukturen auch manuell behandeln. Die Dehnung sollte etwa 30 sec gehalten werden, anschließend wird die Position kurz gelöst und nach einer Pause von ca. 20 sek erneut eingenommen. 3-4 Sätze sind ausreichend.

Lesen Sie mehr unter: Dehnübungen

Manuelle Therapie

In der manuellen Therapie bei einer Hüftgelenksdysplasie kann die Gelenkmechanik positiv beeinflusst werden. Im Bereich des Hüftgelenks arbeitet man häufig mit einem Gurt, der um den Oberschenkel des Patienten gelegt wird. So kann ein besserer Einfluss auf das Hüftgelenk genommen werden.

In der manuellen Therapie geht es darum, das Rollen den Hüftkopfs in der Gelenkpfanne zu verbessern. Durch die bestehende Dysplasie kann es kompensatorisch zu Fehlbelastungen und Schonhaltungen kommen. Diese können sich beispielsweise im Bereich der Wirbelsäule manifestieren und dort jedoch durch gezielte manualtherapeutische Techniken positiv beeinflusst werden. Nach einer individuellen Befundung stellt der Manualtherapeut den Patienten in einer bestimmten Stellung ein, und kann dann beispielsweise die Facettengelenke der Wirbelsäule, die häufig für Schmerzen und Verspannungen verantwortlich sind, behandeln.

Im Rahmen der Manuellen Therapie können neben passiven Therapeutentechniken auch aktive Übungen für den Patienten zum Einsatz kommen, die der Wiederherstellung eines muskulären Gleichgewichts dienen sollen und Fehlbelastungen durch die veränderte Hüftgelenksstellung vermeiden sollen.

Physikalische Therapie

Im Rahmen der Behandlung einer Hüftgelenksdysplasie kann auch physikalische Therapie zum Einsatz kommen. Da es sich bei der Hüftgelenksdysplasie um eine bestehende Fehlbildung des Gelenks handelt, zielt die physikalische Therapie mehr auf Symptomlinderung als auf eine Veränderung der Gelenkmechanik hin.

Durch diese kommt es jedoch häufig zu Verspannungen und Fehlbelastungen im Bereich der Hüfte selbst, aber auch umliegende Gelenke können durch die veränderte Statik beeinflusst sein. In der physikalischen Therapie bei Hüftgelenksdysplasie kommen Wärmeanwendungen (Heißluft, Rotlicht, Fango) zur Entspannung der Muskulatur in Frage. Auch Elektrotherapie und Ultraschall können an entsprechender Lokalisation appliziert werden. Der Strom sorgt für eine Durchblutungssteigerung und eine Schmerzlinderung. Bäder und Wassergymnastik können bei einer Hüftgelenksdysplasie für eine belastungsfreie Kräftigung genutzt werden. Es ist wichtig, die Muskulatur der Hüfte und des Beckens zu stärken, um für eine muskuläre Sicherung des Hüftkopfes in seiner Pfanne zu sorgen. Hierzu bietet sich Wassergymnastik an, da das Gewicht des Körpers durch den Auftrieb des Wassers reduziert wird, und das Gelenk geschont wird, während die Muskulatur arbeitet.

Ausarbeiten eines Hausaufgabenprogramms

Bei einer Hüftdysplasie handelt es sich um eine bestehende Veränderung des Gelenks, welche durch die Therapie nicht grundlegend verändert werden kann. Ziel ist es, den muskulären Stabilisationsapparat so zu beeinflussen eine möglichst physiologische, wenig belastende Gelenkfunktion zu erhalten. Es ist wichtig sich immer wieder bewusst zu machen, dass ohne regelmäßiges Üben die Fortschritte der Therapie verloren gehen. Die Muskeln müssen dauerhaft trainiert und gekräftigt werden, zur Verkürzung neigende Muskelgruppen immer wieder gedehnt werden.

Die Konsequenz des Patienten, sein Hausaufgabenprogramm regelmäßig durchzuführen ist ausschlaggebend für den langfristigen Therapieerfolg. Es ist seine Aufgabe den Therapeuten bei Unklarheiten bezüglich der Übungen zu fragen, oder Übungsvarianten zu fordern, die er in seinen Alltag bestmöglich integrieren kann. Der Therapeut sollte sich vergewissern, dass das Übungsprogramm korrekt ausgeführt wird und die Übungsauswahl optimal und individuell auf den Patienten abgestimmt sind. Sollten bei den Übungen zu Hause Beschwerden auftreten oder Fragen aufkommen, sollten diese fachmännisch überprüft werden, um eventuelle Fehler frühestmöglich zu beheben.

Krankengymnastik beim Baby/Säugling

Die Untersuchung der Hüfte gehört zu den Standarduntersuchungen bei Neugeborenen/Baby und wird in den ersten Lebenswochen im Rahmen der U-Untersuchungen (meist U3) mittels Ultraschall durchgeführt.

Auf dem Bild kann man bei der Hüftdysplasie die Steilstellung der Hüftgelenkspfanne sehen. Vor und neben krankengymnastischen Behandlungsmethoden wird die kindliche Hüfte häufig durch Orthesen oder Spreizhosen, oder zu Beginn auch durch einen Gips stabilisiert. In schweren Fällen, meist wenn auch eine Luxation vorliegt, kann auch eine Operation notwendig sein, bei der der Hüftgelenkskopf in die richtige Position gebracht und anschließend fixiert wird.

Durch eine abgespreizte (Abduktion) und angebeugte Position des Oberschenkels kann der Hüftkopf in seiner Gelenkpfanne zentriert und die Verknöcherung der Hüftgelenkspfanne günstig beeinflusst werden. Auch mit einem Baby kann eine Krankengymnastik durchgeführt werden. Ist eine starke Hüftdysplasie vorhanden, können durch sanfte Mobilisationstechnicken die kindlichen Hüftgelenke in Abduktion und Beugung bewegt werden und somit für eine Verbesserung der Gelenkmechanik eingesetzt werden. Die Mobilisation findet nach der Fixierung statt.

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Krankengymnastik beim Erwachsenen

Die Hüftdysplasie beim Erwachsenen macht sich meist durch Leistenschmerzen oder auch Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder im vorderen Oberschenkel bemerkbar. Es kann auch zu einem vermehrt innenrotierten Gangbild kommen, wenn also die Zehen beim Gehen vermehrt nach innen zeigen. Häufig sind die Schuhe ungleichmäßig abgelaufen. Dies sind allerdings keine eindeutigen Zeichen. Es bedarf einer weiteren bildgebenden Diagnostik.

Im Erwachsenenalter ist die Hüfte ausgereift, das heißt eine Veränderung der Verknöcherung ist nicht mehr möglich. Bei sehr starken Symptomen und Einschränkungen ist meist eine operative Therapie erforderlich. Ein häufiges Verfahren ist die triple-Osteotomie, bei der der Hüftkopf operativ in die richtige Position gebracht wird. Bei starkem Verschleiß im betroffenen Gelenk kann auch eine Endoprothese eingesetzt werden (Gelenkersatz wie bei der Arthrose-Therapie). Im Anschluss ist nun eine Krankengymnastik/Physiotherapie indiziert um vorhandene muskuläre Dysbalancen zu korrigieren, die durch die jahrelange Fehlstellung entstanden sind. Es gilt vor allem die Extensoren, also die hüftstreckende Muskulatur sowie die Außenrotatoren und Abdukutoren (außwärtsdrehende und abspreizende Muskulatur) zu trainieren. Auch ein Gangtraining kann nötig sein, bei dem vermehrt auf die leichte auswärtsgedrehte Stellung der Hüfte geachtet wird.


Für weitere Informationen lesen Sie die Artikel: Krankengymnastik Übungen Hüfte, Krankengymnastik bei Hüftarthrose und Gangtraining.

Übungen bei einer Hüftdysplasie

Es gilt vor allem mittels krankengymnastischer Übungen die hüftgelenksstabilisierende Muskulatur zu kräftigen. Hierbei handelt es sich um die Abduktoren und die Extensoren.

  • Bridging: Hierbei liegt der Patient auf der Unterlage, die Arme leicht neben dem Körper abgespreizt die Beine sind angestellt, die Zehen zum Körper gezogen. Nun wird das Gesäß nach oben gestreckt, sodass es eine gerade Linie mit den Oberschenkeln und dem Rumpf bildet. Die Position kann entweder gehalten werden, oder leicht gelöst und anschließend wieder eingenommen werden. Es gibt eine Vielzahl an Variationen der Übung, die bestimmte Muskelgruppen hervorheben. So kann man beispielsweise ein Bein von Boden lösen, während das Becken stabil bleibt. Die gelenkstabilisierende Muskulatur muss nun vermehrt auf der Seite arbeiten, die noch am Boden ist.
     
  • Kniebeuge: Sehr gut sind auch Übungen in der geschlossenen Kette. Davon spricht man, wenn der Patient die Übungen mit Bodenkontakt durchführt. Für die abspreizende und streckende Muskulatur bietet sich hier die weite Kniebeuge mit nach außen gerichteten Füßen. Die Zehen zeigen also nach außen vom Körper weg. Auch die Knie richten sich nach den Zehen aus. Wir neigen tendenziell eher dazu unsere Knie nach vorne/innen wegknicken zu lassen, es kann also günstig sein, bewusst die Knie nach außen/hinten zu drücken. Während der Übung wird nun das Gesäß auf einer geraden Linie abgesenkt, der Oberkörper bleibt aufrecht. Die Anstrengung sollte in der äußeren Oberschenkelmuskulatur und im Gesäß zu spüren sein. Diese Übung kann später auch sehr gut mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel dem Theraband ergänzt werden.
    Lesen Sie auch: Theraband
     
  • Dehnübung Adduktoren: Da es durch die Veränderte Gelenkstellung zu einer Veränderten Muskelarbeit kommt, sollten auch verspannte Muskelgruppen gedehnt werden. Hierzu gehören Dehnübungen für die Adduktoren, also die innenliegende Oberschenkelmuskulatur und die Hüftbeugemuskulatur (Leiste und vorderer Oberschenkel). Die Adduktoren können gedehnt werden indem man sich in weitgegrätschter Position hinstellt oder hinsetzt und entweder versucht Richtung Boden zu greifen (vielleicht auch die Unterarme auf dem Boden abzulegen) oder zu den Füßen zu greifen.
     
  • Dehnübung Hüftbeuger: Die Hüftbeugemuskulatur kann unter anderem aus dem Stand heraus gedehnt werden, indem man einen weiten Ausfallschritt nach vorne einnimmt. Das hintere Bein bleibt gestreckt, das Becken wird abgesenkt und nach vorne geschoben. Der Zug sollte in der Leiste und im vorderen Oberschenkel zu spüren sein.
     
  • Es kann ergänzend mit einer Faszienrollte trainiert werden um Verspannungen zu detonisieren oder Verkürzungen zu dehnen.
     

Weitere Informationen finden Sie unter:  Dehnübungen und Faszientraining.

Zusammenfassung

Bei der Erkrankung der Hüftdysplasie handelt es sich um eine angeborene Fehlstellung des Hüftgelenks, und tritt etwa bei 2 - 3% der Neugeborenen auf. Während dem Wachstum des Hüftgelenks von einem Neugeborenen kommt es zu einer verzögerten Knochenbildung an der Hüftgelenkspfanne, die direkt nach der Geburt noch aus knorpeligem Bindegewebe besteht. Folglich ist der Hüftgelenkskopf nicht richtig im Gelenk gesichert und hat nicht seine physiologische Stellung. Beim Bewegen des Beins kann es somit eher zu Luxationen (Ausrenkungen) kommen.

Da es sich bei der Hüftdysplasie um eine angeborene Entwicklungsstörung, beziehungsweise Fehlstellung des Hüftgelenks handelt, ist der Erfolg der physiotherapeutischen Behandlung begrenzt. Beim Kleinkind und Baby kann durch eine frühzeitige Fixation und ergänzend mobilisierende physiotherapeutische Behandlung das Wachstum der Hüftgelenkspfanne günstig beeinflusst werden, sodass Fehlstellungen vermieden werden können.

Bestehen diese beim Erwachsenen ist eine symptomatische Therapie angesagt. Es sollte die Hüftgelenksfixierende Muskulatur (Extensoren und Abduktoren) trainiert werden sowie verspannte Muskulatur gedehnt werden. In der Krankengymnastik finden Massagetechnicken und andere Weichteilbehandlungen Anwendung, um eventuelle Schmerzen zu reduzieren. Bei sehr starken Symptomen muss eine korrigierende Operation in Betracht gezogen werden.