Krankengymnastik bei bestehender Hüftdysplasie

Bei der Erkrankung der Hüftdysplasie handelt es sich um eine angeborene Fehlstellung des Hüftgelenks, und tritt etwa bei 2 - 3% der Neugeborenen auf. Während dem Wachstum des Hüftgelenks von einem Neugeborenen kommt es zu einer verzögerten Knochenbildung an der Hüftgelenkspfanne, die direkt nach der Geburt noch aus knorpeligem Bindegewebe besteht. Folglich ist der Hüftgelenkskopf nicht richtig im Gelenk gesichert und hat nicht seine physiologische Stellung. Beim Bewegen des Beins kann es somit eher zu Luxationen (Ausrenkungen) kommen. Auch die Beweglichkeit des Hüftgelenks kann bei einer Hüftdysplasie eingeschränkt sein. Kompensatorische Achsenfehlstellungen und eine Beinlängendifferenz können bei der Hüftdysplasie das Gangbild beeinflussen. Durch die veränderte Belastung der Hüftgelenkspfanne ist die Entwicklung einer Hüftgelenksarthrose begünstigt. Die Erkrankung Hüftdysplasie tritt häufiger bei Mädchen als bei Jungen auf.

Inhalte der Krankengymnastik

  • Mobilisation
  • Kräftigung
  • Dehnung
  • Manuelle Therapie
  • Physikalische Therapie
  • Ausarbeitung eines Hausaufgabenprogramms

Krankengymnastik beim Baby/Säugling

Die Untersuchung der Hüfte gehört zu den Standarduntersuchungen bei Neugeborenen/Baby und wird in den ersten Lebenswochen im Rahmen der U-Untersuchungen (meist U3) mittels Ultraschall durchgeführt. Auf dem Bild kann man bei der Hüftdysplasie die Steilstellung der Hüftgelenkspfanne sehen. Vor und neben krankengymnastischen Behandlungsmethoden wird die kindliche Hüfte häufig durch Orthesen oder Spreizhosen, oder zu Beginn auch durch einen Gips stabilisiert. In schweren Fällen, meist wenn auch eine Luxation vorliegt, kann auch eine Operation notwendig sein, bei der der Hüftgelenkskopf in die richtige Position gebracht und anschließend fixiert wird. Durch eine abgespreizte (Abduktion) und angebeugte Position des Oberschenkels kann der Hüftkopf in seiner Gelenkpfanne zentriert und die Verknöcherung der Hüftgelenkspfanne günstig beeinflusst werden. Auch mit einem Baby kann eine Krankengymnastik durchgeführt werden. Ist eine starke Hüftdysplasie vorhanden, können durch sanfte Mobilisationstechnicken die kindlichen Hüftgelenke in Abduktion und Beugung bewegt werden und somit für eine Verbesserung der Gelenkmechanik eingesetzt werden. Die Mobilisation findet nach der Fixierung statt.

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Der Artikel Physiotherapie bei einer kindlichen Hüftdysplasie behandelt auch die oben geschilderte Thematik.

Krankengymnastik beim Erwachsenen

Die Hüftdysplasie beim Erwachsenen macht sich meist durch Leistenschmerzen oder auch Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder im vorderen Oberschenkel bemerkbar. Es kann auch zu einem vermehrt innenrotierten Gangbild kommen, wenn also die Zehen beim Gehen vermehrt nach innen zeigen. Häufig sind die Schuhe ungleichmäßig abgelaufen. Dies sind allerdings keine eindeutigen Zeichen. Es bedarf einer weiteren bildgebenden Diagnostik. Im Erwachsenenalter ist die Hüfte ausgereift, das heißt eine Veränderung der Verknöcherung ist nicht mehr möglich. Bei sehr starken Symptomen und Einschränkungen ist meist eine operative Therapie erforderlich. Ein häufiges Verfahren ist die triple-Osteotomie, bei der der Hüftkopf operativ in die richtige Position gebracht wird. Bei starkem Verschleiß im betroffenen Gelenk kann auch eine Endoprothese eingesetzt werden (Gelenkersatz wie bei der Arthrose-Therapie). Im Anschluss ist nun eine Krankengymnastik/Physiotherapie indiziert um vorhandene muskuläre Dysbalancen zu korrigieren, die durch die jahrelange Fehlstellung entstanden sind. Es gilt vor allem die Extensoren, also die hüftstreckende Muskulatur sowie die Außenrotatoren und Abdukutoren (außwärtsdrehende und abspreizende Muskulatur) zu trainieren. Auch ein Gangtraining kann nötig sein, bei dem vermehrt auf die leichte auswärtsgedrehte Stellung der Hüfte geachtet wird.
Für weitere Informationen lesen sie die Artikel Krankengymnastik Übungen Hüfte, Krankengymnastik bei Hüftarthrose und Gangtraining.

Ist eine Operation nicht angesagt, kann eine symptomatische krankengymnastische Behandlung bei der Hüftdysplasie helfen. Da es durch die Fehlstellung des Gelenks zu muskulären Fehl- und Überbelastungen kommen kann, werden in er Krankengymnastik Mobilisationstechniken, Dehntechniken und passive therapeutische Weichteilbehandlung angewendet. Weiterhin sollten auch die eingeschränkten Bewegungsrichtungen weitestgehend mobilisiert werden. Das Abspreizen und das Strecken der Hüfte sind ohnehin Bewegungen, die wir im Alltag nur selten endgradig durchführen. Vernachlässigen wir diese Bewegungsrichtung, kommt es zusätzlich zu der angeborenen Fehlstellung zu einer vermehrten Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit und Funktionsfähigkeit der umliegenden Strukturen (Muskeln, Bänder, Sehnen). Dies gilt es zu verhindern um eine Verstärkung der Überbelastung des Hüftkopfs zu vermeiden. Nichtsdestotrotz kann die physiotherapeutische Behandlung die Fehlstellung nicht korrigieren. Bei starken Schmerzen und/oder starker Arthrose ist eine Operation indiziert.

Übungen bei einer Hüftdysplasie

Es gilt vor allem mittels krankengymnastischer Übungen die hüftgelenksstabilisierende Muskulatur zu kräftigen. Hierbei handelt es sich um die Abduktoren und die Extensoren. Isolierte Übungen hierfür sind zum Beispiel das Bridging.

Bridging
Hierbei liegt der Patient auf der Unterlage, die Arme leicht neben dem Körper abgespreizt die Beine sind angestellt, die Zehen zum Körper gezogen. Nun wird das Gesäß nach oben gestreckt, sodass es eine gerade Linie mit den Oberschenkeln und dem Rumpf bildet. Die Position kann entweder gehalten werden, oder leicht gelöst und anschließend wieder eingenommen werden. Es gibt eine Vielzahl an Variationen der Übung, die bestimmte Muskelgruppen hervorheben. So kann man beispielsweise ein Bein von Boden lösen, während das Becken stabil bleibt. Die gelenkstabilisierende Muskulatur muss nun vermehrt auf der Seite arbeiten, die noch am Boden ist.

Kniebeuge
Sehr gut sind auch Übungen in der geschlossenen Kette. Davon spricht man, wenn der Patient die Übungen mit Bodenkontakt durchführt. Für die abspreizende und streckende Muskulatur bietet sich hier die weite Kniebeuge mit nach außen gerichteten Füßen. Die Zehen zeigen also nach außen vom Körper weg. Auch die Knie richten sich nach den Zehen aus. Wir neigen tendenziell eher dazu unsere Knie nach vorne/innen wegknicken zu lassen, es kann also günstig sein, bewusst die Knie nach außen/hinten zu drücken. Während der Übung wird nun das Gesäß auf einer geraden Linie abgesenkt, der Oberkörper bleibt aufrecht. Die Anstrengung sollte in der äußeren Oberschenkelmuskulatur und im Gesäß zu spüren sein. Diese Übung kann später auch sehr gut mit Hilfsmitteln wie zum Beispiel dem Theraband ergänzt werden.

Dehnübung Adduktoren

Da es durch die Veränderte Gelenkstellung zu einer Veränderten Muskelarbeit kommt, sollten auch verspannte Muskelgruppen gedehnt werden. Hierzu gehören Dehnübungen für die Adduktoren, also die innenliegende Oberschenkelmuskulatur und die Hüftbeugemuskulatur (Leiste und vorderer Oberschenkel). Die Adduktoren können gedehnt werden indem man sich in weitgegrätschter Position hinstellt oder hinsetzt und entweder versucht Richtung Boden zu greifen (vielleicht auch die Unterarme auf dem Boden abzulegen) oder zu den Füßen zu greifen.

Dehnübung Hüftbeuger
Die Hüftbeugemuskulatur kann unter anderem aus dem Stand heraus gedehnt werden, indem man einen weiten Ausfallschritt nach vorne einnimmt. Das hintere Bein bleibt gestreckt, das Becken wird abgesenkt und nach vorne geschoben. Der Zug sollte in der Leiste und im vorderen Oberschenkel zu spüren sein.

Es kann ergänzend mit einer Faszienrollte trainiert werden um Verspannungen zu detonisieren oder Verkürzungen zu dehnen.

Weitere Informationen finden sie unter Dehnübungen und Faszientraining.

Zusammenfassung

Da es sich bei der Hüftdysplasie um eine angeborene Entwicklungsstörung, beziehungsweise Fehlstellung des Hüftgelenks handelt, ist der Erfolg der physiotherapeutischen Behandlung begrenzt. Beim Kleinkind und Baby kann durch eine frühzeitige Fixation und ergänzend mobilisierende physiotherapeutische Behandlung das Wachstum der Hüftgelenkspfanne günstig beeinflusst werden, sodass Fehlstellungen vermieden werden können. Bestehen diese beim Erwachsenen ist eine symptomatische Therapie angesagt. Es sollte die Hüftgelenksfixierende Muskulatur (Extensoren und Abduktoren) trainiert werden sowie verspannte Muskulatur gedehnt werden. In der Krankengymnastik finden Massagetechnicken und andere Weichteilbehandlungen Anwendung, um eventuelle Schmerzen zu reduzieren. Bei sehr starken Symptomen muss eine korrigierende Operation in Betracht gezogen werden.