Krankengymnastik bei Osteoporose

Die Osteoporose ist eine Erkrankung des Skelettsystems. Ausgelöst wird sie durch eine zu geringe Knochenmasse und eine Störung der Mikroarchitektur des Knochens, was im weiteren Verlauf zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit und vermehrten Bruchrisiko führen kann. Je weiter die Osteoporose fortläuft desto höher wird das Risiko einer plötzlichen Fraktur. Osteoporose gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Alters. Dabei erkranken Frauen 4-5 mal häufiger an Osteoporose als Männer.



Übungen Krankengymnastik

Wichtig ist in der Krankengymnastik auf bestimmte Veränderungen des Osteoporose Patienten einzugehen. Durch die Verformung der Wirbel kommt es zu einer vermehrten Kyphose der BWS. Dadurch drücken sich die Rippen nach vorne unten in die Weichteile, was eventuell Schmerzen in den Organen hervorrufen kann. Die Überlastung in der HWS und LWS kann eine Spinalkanalstenose auslösen, was mit den entsprechenden Symptomen einhergeht. Durch die Verkürzung des Rumpfes kommt es zu einer aktiven Insuffizienz der Rumpfmuskulatur, die dadurch noch schneller ermüden. Ebenso liegt eine vermehrte Belastung auf den Hüften und den Knien, die versuchen sturzprophylaktisch zu wirken bei einer weit nach vorne geneigten Rumpfachse. Am Wichtigsten sind daher bei Osteoporose Übungen in die Aufrichtung. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass es keine zu großen Belastungen/ Gewichte sind mit denen der Patient arbeitet um eine Überlastung und eine mögliche Fraktur zu vermeiden.

Aufrechter Sitz:

- Stab vor dem Körper nach oben heben und wieder runter

- Stab nach oben und hinter dem Kopf runter ziehen

- Stab vor dem Körper halten auf Brusthöhe und Ellenbogen an den Seiten nach hinten ziehen

- Stab senkrecht vor dem Körper halten und vorsichtig nach rechts und links drehen

- Stab vor dem Körper von einer in die andere Hand übergeben

- Stab über dem Kopf von einer in die anderen Hand übergeben

- Stab vor dem Körper auf Brusthöhe halten und den Stab auseinanderziehen und Zusammendrücken                    (Muskelspannung)

- Stab zwischen den Füßen fixieren, Hände drauf ablegen und mit dem Oberkörper nach vorne wandern

Alle Übungen lassen sich auch mit anderen Hilfsmittel wie Ball, Hanteln, Tüchern etc. ausführen. Die genannten Übungen lassen sich je nach Fitnesszustand der Patienten im Stand ausführen.

Übungen für eine verbesserte Rumpfmuskulatur sind je nach Allgemeinzustand des Patienten auszuführen. Dabei können Übungen auf der Matte erfolgen, bei denen über die Grundspannung bis hin zu Bridging Übungen erarbeitet werden können. Lesen sie dazu den Artikel Krankengymnastik Übungen Rücken.

Neben den allgemeinen Übungen für die Aufrichtung ist es für die Patienten generell wichtig einen Ansprechpartner zu haben oder Gleichgesinnte. Sie können somit über ihre Beschwerden reden und fühlen sich im Leben nach wie vor integriert, wenn sie ihrer regelmäßigen Therapie nachgehen. Zudem kann zu einer Gruppentherapie geraten werden, wo individuell auf Osteoporosepatienten eingegangen wird und sich viele Betroffene zusammenfinden. Zu einer Sturzprophylaxe ist ebenso zu raten, da die Patienten aufgrund von schwindendem Vertrauen in den eigenen Körper und wachsender Unsicherheit zu Stürzen neigen. Das geschieht, weil sie Stufen übersehen, Kanten an Teppichen mitnehmen oder nicht schnell genug reagieren, wenn irgendwas im Weg steht.

Dazu kann in der Therapie mit Hilfe eines Parcours an der Gangsicherheit gearbeitet werden. Schnelle Richtungswechsel und veränderte Schrittmuster sorgen dafür, dass die Reaktionsgeschwindigkeit erhalten bleibt. Übungen auf einem unebenen Untergrund und wechselnden Untergründen verbessern ebenfalls die Reaktionsfähigkeit aber auch das Gleichgewicht und die Koordination. Verbindet man mehrere leichte Übungen miteinander kann man sowohl die Koordination verbessern aber auch generell die Konzentration und Gehirnleistung. Fallübungen auf weichen Matten im Bewegungsbad eignen sich besonders gut.

Die Sturzprophylaxe bietet sich auch in einer Gruppentherapie an. Ein allgemeines vorsichtiges Krafttraining vor allem für die Beine sorgt dafür, dass die Kraftausdauer und Kraftleistung erhalten bleibt, damit die alltäglichen Belastungen weiterhin gut zu absolvieren sind. Ebenso wichtig ist die Aufklärung des Osteoporose-Patienten. Die Aufklärung erfolgt bereits beim Arzt aber sollte auch vom Physiotherapeuten intensiviert werden. Dabei ist besonders zu erwähnen, dass eine gewisse Vorsicht im Alltag erfolgen sollte, aber das eine „Übervorsicht“ die Lebensqualität einschränkt. Die Übungen in der Gruppentherapie oder in der Einzeltherapie sorgen für eine Verbesserung des Allgemeinzustands und können in Ansätzen auch zu Hause praktiziert werden. Weiterhin ist es wichtig dem Patienten über Hilfsmittel aufzuklären. Dabei sollte er auf rutschfeste Schuhe achten, Stolperfallen in der Wohnung vermeiden, Hüftprotektoren tragen, Gehhilfen benutzen, immer auf ausreichend Licht und Brille achten.

Zudem lassen sich Haltevorrichtungen im Badezimmer montieren, damit das Ein- und aussteigen aus der Dusche oder von der Toilette ohne Unfall gelingt. In der Gruppentherapie lassen sich außerdem die visuellen, taktile und auditive Reize mit einbringen, was für eine bessere Körperwahrnehmung wichtig ist. Dabei können Partnerübungen durchgeführt werden, wobei ein Teilnehmer die Augen schließt und geführt wird. Mit Tüchern, Bällen oder Keulen kann der Tastsinn angeregt werden.

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Vorbeugen

Wurden bereits die ersten Veränderungen an der Knochendichte festgestellt wird der Patient mit einer Basistherapie behandelt. Dazu gehört das Vermeiden von schädlichen Substanzen, wie Nikotin und Alkohol, welches die Osteoporose begünstigen. Durch die Verkalkung der Blutgefäßen und Einschränkung der Lungenkapazität ist der Sauerstofftransport behindert und die Versorgung der Knochen nicht mehr optimal gewährleistet. Ein zu hoher Alkoholkonsum schädigt die Organe und kann so eine Aufnahme von Kalzium und Vitamin D behindert. Es ist ratsam mit einem Ernährungsberater ein optimalen Ernährungsplan aufzustellen, damit der Patient genug Nährstoffe über die Nahrung aufnehmen kann. Sport ist ebenfalls wichtig. Durch die Bewegung können sich die Knochen durch Druck und Zug ordentlich ernähren. Eine Gewichtsreduktion bei starkem Übergewicht ist ebenfalls ratsam, da unnötige Gewichte die Knochen belasten. Bekommt der Patient über seine Ernährung nicht genügend Kalzium sollten Kalziumpräparate genommen werden. Bleibt trotz täglichen 30 minütigen Aufenthalt in der Sonne ein Vitamin D Mangel, bieten sich auch dafür Präparate an. Schmerzlindernde Medikamente können jederzeit bei starken Schmerzen aufgrund von Brüchen eingenommen werden.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer Osteoporose sind vielfältig. Häufig betroffen sind Frauen, vor allem die der weißen Bevölkerung angehören. Zudem kommt eine vermehrte sitzende Tätigkeit im Berufsleben als Ursache in Frage, da die Ernährung des Knochenskeletts herabgesetzt ist im Vergleich zu viel Bewegung im Alltag. Eine schlechte Ernährung und dadurch ein chronischer Kalziummangel über viele Jahre begünstigt ebenso eine Osteoporose, wie eine geringe Sonnenenergieaufnahme (Vitamin D). Eine Nikotinabhängigkeit schädigt die Lungenleistung und führt zu einer Verkalkung von Gefäßen, sodass der Sauerstofftransport herabgesetzt wird und somit die Knochen und andere Organe nicht optimal versorgt werden können. Aufgrund von einem hohen Alkoholkonsum kann es zu Organschäden kommen. Vor allem den Verdauungstrakt betreffend können aus der Ernährung die Nährstoffe nicht mehr gefiltert werden und es kommt wiederum zu einem Kalziummangel. Treffen viele dieser Faktoren auf eine Person zu, erhöht sich das Risiko der Entwicklung einer Osteoporose enorm. Zusätzlich sind Schilddrüsenerkrankungen, Osteomalazia, Leber oder Darmstörungen und einer dauerhafte Einnahme von bestimmten Medikamenten, die vor allem Glukokortisone enthalten, negativ fördernd. Die Glukokortisone führen zu einer Abnahme der Knochendichte.

Zusammenfassung

Eine Osteoporose kann aufgrund von mehreren Faktoren, wie Vitamin D- und Kalziummangel, wenig Bewegung, Übergewicht, Knochenerkrankungen oder erblich bedingt, begünstigt werden, Dabei kommt es zu einer Abnahme der Knochendichte und weiterlaufend zu einem erhöhten Bruchrisiko. Wichtig ist nach der Diagnose den Kalzium und Vitamin D Haushalt zu verbessern und die schädlichen Faktoren zu vermindern. Sport und Bewegung helfen bei der Ernährung der Knochen und sorgen für eine gut ausgeprägte Muskulatur, um eine Veränderung der Statik zu vermeiden. Physiotherapeutisches Training ist im weiteren Verlauf der Osteoporose enorm wichtig um einen typischen Rundrücken aufgrund der Veränderung der Wirbelsäule zu vermeiden. Ebenso sollte Sturztraining, m.H. Von dicken Matten oder mit Koordinations, Gleichgewichts und Reaktionstraining durchgeführt werden, damit der Patient im Alltag sicherer wird. Eine Integration in eine Gruppe und viel Aufklärung über die Erkrankung ist ebenfalls wichtig, um einen möglichst normalen Alltag zu finden und sich durch die Gruppentherapie nicht alleine zu fühlen. Alle Therapiemöglichkeiten sorgen dafür die Osteoporose nicht aufzuhalten aber zu verlangsamen.

Die maximale Knochenmasse bildet sich im 20.-30. Lebensjahr und bereits ab dem 40. Lebensjahr kann eine Verringerung der Knochenmasse festgestellt werden. Das Knochengewebe wird ein Leben lang durch einen Auf- und Abbau von Osteoblasten (Aufbau) und Osteoklasten (Abbau) gesteuert. Wichtig für den Stoffwechsel ist dabei der Kalzium-Vitamin D Haushalt und vor allem bei Frauen das Hormon Östradol. Bis zum Eintritt in die Menopause erfolgt somit ein regelmäßiger Auf- und Abbau der Knochens, was durch die Verringerung des Hormons beim Eintritt in die Menopause vermindert wird. Die Osteoporose wird in eine primäre und sekundäre Osteoporose aufgeteilt. Zu der primären Osteoporose zählt der Typ 1= postklimatische Osteoporose und der Typ 2=Altersosteoporose.

Bei dem Typ 1 der Osteoporose werden die Osteoklasten vermehrt aktiviert, wodurch vor allem ein bestimmter Bereich im Knochen (horizontale Trabekel) betroffen sind und weiterlaufend zu einer spontanen Fraktur führen kann.

Bei dem Typ 2 Osteoporose ist eine Senkung der Osteoblastenaktivität zu verzeichnen, d.h. der Aufbau kann nicht mehr stattfinden. Bei der sekundären Osteoporose sind es die Faktoren, die ebenfalls Risikofaktoren für eine Osteoporose darstellen: genetische Disposition, andere Knochenerkrankungen, chronische Darmerkrankungen mit entsprechender dauerhafter Medikation, Schilddrüsenstörung, Essstörung und bestimmte andere Medikamente. Um eine Osteoporose sicher zu diagnostizieren wird eine Knochendichtemessung angefertigt um vor allem andere Erkrankungen, wie Metastasen auszuschließen.