Haltungsschwäche

Eine Haltungsschwäche bezeichnet die Unfähigkeit sich aktiv gegen die Schwerkraft aufzurichten, um den Rücken bzw. die Wirbelsäule in einer physiologischen Position zu halten. Ursächlich liegt eine Schwäche der stabilisierenden Rumpfmuskulatur vor, sprich Bauch und Rücken. Auswirkungen sind Fehlhaltungen, Schmerzen, Funktionseinschränkungen, Verspannungen und verkürzte Muskulatur.

Langanhaltende Fehlhaltungen aufgrund einer muskulären Haltungsschwäche können Auswirkungen auf passive und knöcherne Strukturen haben und werden so umso schwerer korrigierbar. Eine Rückenschule und Haltungsschule zielen genau auf solche Haltungsschwächen, besonders im Berufsleben und im Alltag, ab. Mehr Informationen darüber erhalten Sie in den Artikeln Rückenschule und Haltungsschule.

Übungen

1) Eine der einfachsten Übungen und Empfehlung für den Alltag um einer Haltungsschwäche entgegen zu wirken ist Bewegung und ein häufiger Positionswechsel. Lange statische Positionen sollen vermieden werden oder durch Bewegungsübungen ausgeglichen werden.

2) Um die wichtige Haltemuskulatur zu trainieren, empfehlen sich statische Kraftübungen wie die Bretthaltung: im Unterarmstütz wird der Körper wie ein Brett für etwa 60 Sekunden stabil gehalten. Auch Liegestütze trainieren die Ganzkörperstabilisierung. Weitere Statische Übungen entnehmen Sie bitte dem Artikel Isometrische Übungen.

3) Besonders Haltungsschwächen, welche zum Hohlkreuz führen, müssen vor allem die Bauchmuskeln trainieren. Die gerade Bauchmuskulatur lässt sich durch Situps stärken. Für die schräge Bauchmuskulatur eignet sich der sogenannte Käfer: in Rückenlage wird der Oberkörper angehoben und im fließenden Wechsel diagonal ein Ellbogen und ein Knie vor dem Oberkörper zusammengeführt. Weitere Übungen gegen ein Hohlkreuz finden Sie in dem Artikel Übungen gegen ein Hohlkreuz.

4) Um die Gegenseite, die Rückenstrecker zu stärken, wird die Bauchlage eingenommen. Für den unteren Rückenbereich werden nun die Beine einige Zentimeter vom Boden abgehoben, für den oberen Rückenbereich werden die Arme gestreckt nach vorne, sowie der Oberkörper vom Boden angehoben und gehalten. Weitere Übungen entnehmen Sie bitte dem Artikel Krankengymnastik Übungen Rücken.

5) Für die Muskulatur zwischen den Schulterblättern, welche wichtig für die Aufrichtung ist, lässt sich gut ein Theraband hinzuziehen. Im geraden aufrechten Sitz werden die Oberarme am Körper gehalten, die Unterarme im rechten Winkel nach vorn gehalten, die Handflächen zeigen nach innen. Um die Hände wird doppelt ein Theraband gewickelt um dies anschließend langsam und mit Kraft lang zu ziehen, indem beide Unterarme nach außen drehen. Genauso langsam wird nachgelassen und die Bewegung in drei Sätzen jeweils etwa 10 Mal wiederholt.

6) Wichtig um einer Haltungsschwäche entgegen zu wirken, ist die Entwicklung eines geraden, stabilen und aufrechten Körpergefühls. Aufrichtung startet bei den Füßen und leitet sich fort durch den ganzen Körper bis zum Kopf. Starten Sie im Sitz vor einem Spiegel. Die Füße werden parallel zueinander etwa hüftbreit auf den Boden gestellt. Die Knie sind ebenfalls hüftbreit auseinander gerade nach vorn gerichtet. Das Becken kippt leicht nach vorn, die Schulterblätter ziehen nach hinten unten, die Wirbelsäule wird Richtung Decke geräkelt, der Nacken gestreckt, das Kinn leicht nach hinten unten geschoben. Aus dieser Position werden nun die Füße fest in den Boden gestemmt. Spüren und schauen Sie, wie der ganz Körper wächst und stabil wird.

Weitere Informationen und Übungen bei einer bestehenden Haltungsschwäche finden Sie in den Artikeln:

Ursachen

Eine Haltungsschwäche ist gekennzeichnet von einer mangelnden stabilisierenden Muskulatur. Die Ursache für diese Schwäche liegt meist in ungenügender Bewegung oder falschen Belastungen. Lange einseitige - besonders sitzende – Tätigkeiten, wie zum Beispiel in der Schule, dem Beruf und auch in der Freizeit, ohne einen Ausgleich (Sport und Bewegung) schwächen die Muskulatur. Der Körper passt sich stetig seinen Anforderungen an: was nicht gebraucht wird, wird abgebaut. Die Rumpfmuskulatur, also die Bauch- und Rückenmuskeln, umspannen die Wirbelsäule wie ein Segel einen Segelmast. Lässt die Verspannung nach, kann der Mast – die Wirbelsäule – nicht mehr gerade gehalten werden und hält Belastungen nicht mehr stand.

So entstehen aus Weichteilschwächen Fehlhaltungen (wie zum Beispiel ein Hohlkreuz oder ein Rundrücken) die sich mit der Zeit auch auf die knöcherne Struktur auswirken. Die physiologische Krümmung der Wirbelsäule wird pathologisch, da sie nicht von der Muskulatur gehalten werden kann. Auch wird die Haltung von der Psyche beeinflusst und die Psyche von der Haltung. Wer im wahrsten Sinne des Wortes die Schultern hängen lässt, hat eine schwache Haltung. Selbstbewusste, starke Menschen gehen viel gerader durch's Leben. Die Ursache einer Haltungsschwäche kann also in verschiedensten Bereichen liegen. Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, all diese Bereiche mit einzubeziehen.

Symptome

Das Hauptsymptom einer Haltungsschwäche ist zunächst das optische Bild. Der Körper wirkt eingesunken. Wenn eine aktive Aufrichtung noch möglich ist, kann sie nicht über längere Zeit oder während zusätzlicher Belastung gehalten werden. Muskeln verkürzen und verspannen. Resultat sind Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen, Funktionseinschränkungen, Belastbarkeit und Ausdauerfähigkeit bauen ab. Fehlhaltungen wie ein Rundrücken (eine übermäßige Rundung der Brustwirbelsäule), ein Hohlkreuz (übermäßige Vorwölbung der Lendenwirbelsäule) oder skoliotische Fehlhaltungen (seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule) entstehen. Fehlhaltungen können außerdem Auswirkungen auf die Organe haben, wenn diese vom knöchernen Gerüst eingeengt werden oder sich die fasziale Spannung ändert.

Diagnose

Eine Haltungsschwäche lässt sich schwer messen, da "Haltung" nicht statisch ist und sich schwer objektiv festhalten lässt. Jedoch können Referenzpunkte zueinander betrachtet werden, eine visuelle Inspektion stellt eine Abweichung der Haltungsnorm fest. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Oberflächenvermessungen zeigen knöchernde Fehlhaltungen auf, welche sich auch durch verschiedene Verfahren vermessen lassen. Krafttests oder der Haltungstest nach Matthias lassen sich durchführen um die Diagnose zu untermauern.

Übungen für Haltungsschwächen beim Kind

Um eine Haltungsschwäche bei Kindern zu therapieren ist es wichtig, Spaß an Bewegung und den Übungen zu vermitteln. Mit einem Pezziball lassen sich spielerisch Übungen durchführen, die das Kind gern macht und beibehält.

1) Zum Aufwärmen kann zum Beispiel eine Cowboy-Jagd auf dem Ball durchgeführt werden. Die Gruppe sitzt im Kreis zusammen, der Kursleiter/Therapeut erzählt eine Geschichte während passende Bewegungen durchgeführt werden. Durch rhythmisches auf und ab wippen wird eine Reitbewegung nachgeahmt und die Bandscheiben physiologisch be- und entlastet.

2) Nun können verschiedene Elemente eingebaut werden, wie aufspringen und ein Lasso schwingen, schneller reiten und eine Kuh verfolgen, plötzlich bremsen, sich bücken um etwas aufzuheben, usw. Anschließend lassen sich, ebenfalls auf dem Ball, verschiedene Stabilisationsübungen durchführen.

Weitere Übungen mit dem Pezziball finden Sie in dem Artikel Gleichgewichts- und Koordinationstraining
Falls Sie dieses Thema interessiert und Sie weitere Ursache für eventuelle Haltungsschwächen suchen, lesen Sie doch einmal den folgenden Artikel: Physiotherapie bei Kopfschmerzen/Migräne von Kleinkindern

Rundrücken

Der Rundrücken ist eine häufige Folge einer Haltungsschwäche. In der Fachsprache als Kyphose bekannt, äußert sich der Rundrücken durch eine Übermäßige Wölbung der Brustwirbelsäule. Die Schultern hängen nach vorn, die gesamte Haltung wirkt gebeugt. Brust- und Bauchmuskulatur verkürzen, die Rückenstrecker und der Nacken sind überlastet, da sie der ständigen Verlängerung entgegen halten müssen. Gerade hier ist es wichtig, die gesamte vordere Kette aufzudehnen und die Rückseite zu kräftigen. Durch vieles Sitzen am Computer, im Job oder in der Schule wird der Rundrücken verstärkt. Ausgleichsbewegungen, Übungen und ein alltagsgerechtes Handling sind essentiell um der Fehlhaltung entgegen zu wirken.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Übungen bei einem Rundrücken.

Weitere physiotherapeutische Maßnahmen

Weitere physiotherapeutische Maßnahmen, um den beschriebenen Fehlhaltungen und der generellen Haltungsschwäche entgegenzuwirken, sind Dehnübungen, Massagen und Entspannungsübungen, Wärmeanwendungen, Elektrotherapie zur Entspannung, Schmerzlinderung und auch Muskelaktivierung. Übungen aus dem Yoga und Pilates eignen sich zum Aufbau eines gesunden Körpergefühls und zur Stärkung der gesamten Körperstabilisation. In Extremfällen einer Kyphose und Skoliose  ist während des Wachstums ein Korsett angebracht um die knöchernen Strukturen in ihre physiologische Form zu lenken.

Zusammenfassung

Die Haltungsschwäche ist ein weit verbreitetes Leiden unserer vor allem sitzenden Gesellschaft. Regelmäßige Bewegung und die Entwicklung eines geraden Körpergefühls sind ausschlaggebend um dauerhaften Fehlhaltungen entgegenzuwirken. Eine Rückenschule, wie auch die Haltungsschule, vermitteln mit Ihren Inhalten ein solches Körperwahrnehmungsgefühl. Durch ein Aufdehnen der Hüftbeuger und Brustmuskulatur sowie eine Kräftigung der unteren Bauchmuskulatur und der Rückenstrecker kann in den meisten Fällen eine Haltungsschwäche behoben werden.