Medizinische Trainingstherapie (MTT) nach einer Hüft-Tep OP

Einleitung

Jede Operation zieht eine Verletzung der umliegenden Strukturen mit sich. Gewebe wird durchtrennt, das Gelenk ist in seiner Bewegung eingeschränkt und Muskulatur baut sich somit zu Beginn ab. Heilungsprozesse werden durch Entzündungen in Gang gesetzt und fördern die Genesung. Eine vollständige Heilung der beschädigten Strukturen kann bis zu 360 Tagen anhalten. Im folgenden finden Sie einen Überblick über die einzelnen Heilungsphasen. Die medizinische Trainingstherapie setzt ab den 21 Tag ein. Diese Trainingstherapie zielt besonders auf einen Muskelaufbau ab. Nähere Informationen erhalten Sie in dem Artikel MTT-Medizinische Trainingstherapie.

Nachbehandlung

Entzündungsphase

Die Entzündungsphase (0-5 Tag) teilt sich in 2 Phasen auf. Die Vaskuläre Phase in den ersten 48h und die zelluläre Phase vom 2.-5. Tag. In der ersten Phase der Wundheilung, der vaskulären Phase, kommt es zu einer Invasion von Leukozyten und Makrophagen ins Gewebe. Leukozyten sind Bestandteil des Immunsystems und Makrophagen sind die Müllverwertung in der Zelle. Die Zellen im Gewebe beginnen mit der Verletzung des Gefäßsystems, wodurch sauerstoffreiches Blut ins Gewebe kommt, dadurch erhöht der PH-Wert und der Reiz zur weiteren Wundheilung wird ausgelöst. Die aktiven Makrophagen sorgen für die Teilung der Fibroblasten in Myofibroblasten. Diese werden zur Neubildung der Zellen notwendig. Ebenso beginnt die Kollagensynthese für das Kollagen Typ 3, welches nur in der Entzündungsphase zu finden ist. Kollagen 3 ist vorrangig für den Wundverschluss notwendig und bildet die Grundlage für die weitere Kollagensynthese und vor allem für das stabilisierende Kollagen Typ 3. In diesen ersten Stunden der Wundheilung findet kaum eine gezielte Therapie statt. Stattdessen sollte der Patient aus dem Bett mobilisiert werden und Thromboseprophylaxe und kreislaufanregende Maßnahmen erfolgen.

In der zellulären Phase werden weitere Myofibroblasten gebildet und das Kollagen Typ 3 schließt weiterhin die Wunde. Das Gewebe ist noch gering belastbar. Am Ort der Verletzung sind viele sensible Nozizeptoren zu finden, die besonders empfindsam im Laufe der Wundheilung sind. Das dient dazu, Überlastung auf das Gewebe zu vermeiden. Schmerz ist ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Daher sollte in dieser Phase schmerzadaptiert und im spannungsfreien Bereich bewegt werden um das Gewebe nicht zu überlasten. In der frühen Phase ist es wichtig dem Patienten die Kontraindikationen einzuprägen. Leichte Mobilisation in die Abduktion, Flexion bis 90° und Extension sind erlaubt. Zudem sollte dem Patienten der richtige Umgang im Alltag gezeigt werden. Richtiges aufstehen aus dem Bett, Drehen im Bett, langes Sitzen sollte vermieden werden und Schuhe anziehen ist nur mit einem langen Schuhanzieher erlaubt. Das Laufen an Gehstützen wird erarbeitet. Zu Beginn wird ein 3-Punktgang nötig sein, um mehr Stabilität beim Laufen zu haben. Als Eigenübung kann dem Patienten bereits das Durchdrücken der Kniekehle gezeigt werden und das Mobilisieren der Hüfte bis 90° in Rückenlage.

Proliferationphase

Die Proliferationphase erstreckt sich vom 2-5 Tag. Die eigentliche Entzündung sollte jetzt abgeschlossen sein, die Anzahl von Leukozyten, Makrophagen und Lymphozyten sinkt. Ab dem 14. Tag sind nur noch Myofibroblasten im neuen Gewebe. Die Kollagensynthese und die Myofibroblastenaktivität ist in dieser Phase entscheidend um die Wunde weiterhin zu stabilisieren. Die Belastung sollte im Schmerzfreien und Spannungsfreien Bereich stattfinden. Zu frühes Dehnen und zu intensive Mobilisation sollte weiterhin vermieden werden, da die Entzündungsphase verlängert wird und ein Schmerzgedächtnis entstehen kann. In der Therapie sollte auf eine Sympathikusdämpfung geachtet werden, die durch Weichteiltechniken im BWS Bereich durch den Therapeuten erzeugt werden kann, oder als eigenständige Wärmetherapie vom Patienten selber. Dadurch wird eine allgemeine Entspannung erreicht, sodass muskuläre Verspannungen vermieden werden. Zudem ist die Psyche wichtig zu beachten, dabei helfen Aufklärungsgespräche und miteinbeziehen des Patienten in den Therapieverlauf. Eine positive Grundeinstellung hilft bei der Wundheilung des Gewebes. Weiterhin steht die aktive Mobilisation auf dem Plan. Der Patient bewegt im Bereich der zugelassenen Bewegungen und die Bewegung sollte merklich besser werden. Das Gangbild wird in der frühen Phase der Konsolidierungsphase auf ein 4-Punktgang verändert, damit sich das Gehen dem physiologischen Gangbild anpasst. Im späteren Verlauf der Proliferationsphase können die Stützen meist schon weggelassen werden. In der Physiotherapie nehmen Übungen aus der PNF, v.a. die Beckenpattern und das Gangtraining zu. Übungen wie das Bridging (Becken anheben mit angestellten Beinen) werden als Eigenübung erarbeitet. Leichte Kniebeugen mit Orientierung am Stuhl oder Bankkante können durchgeführt werden.

Konsolidierungsphase und Umbauphase

Die letzte Heilungsphase erstreckt sich vom 21.-360 Tag. Die Fibroblasten vermehren sich und beginnen mit der Synthese der Grundsubstanz, sodass sich die Elastizität des Gewebes verbessern kann. Das neugebildete Kollagen wird stärker stabilisiert und vermehrt organisiert. Die Kollagenfasern werden dicker und belastbarer und die Kollagenfasern 3 werden langsam in Typ 1 Fasern umgebaut. Myofribroblasten werden nicht mehr benötigt und verschwinden aus dem Gewebe. Bis zum 120. Tag bleibt die Kollagensynthese stark aktiv und hat ca. am 150. Tag 85% des Kollagen Typ 3 in Kollagen Typ 1 umgewandelt. Die Fibroblastenzahl verringert sich in dieser Phase stetig. Bewegungen sind endgradig erlaubt und die Belastung kann gesteigert werden. Die Therapie ist erst abgeschlossen, wenn das Gewebe den Belastungen des Alltags standhalten kann. In dieser Phase der Therapie werden die meisten Patienten in eine Reha geschickt oder kommen bereits raus. In der Bewegungstherapie können Geräte aus der medizinischen Trainingstherapie mit einbezogen werden. Als Aufwärmung kann ein verstellbares Fahrrad genutzt werden, damit der Patient nicht in 90° sitzt. Das Laufband dient ebenso als Lauftraining wie als Aufwärmung. An den Geräten sollte von Beginn an mit einem Trainer zusammengearbeitet werden, damit keine falschen Bewegungsabläufe entstehen.

Die Beinpresse ist eines der wichtigsten und unproblematischsten Geräte. Dabei werden die hintere sowie vordere Beinmuskulatur trainiert. Das Gewicht sollte langsam gesteigert werden und die Ausführung achsengerecht sein. Kniebeugemaschinen sind ebenfalls sehr effektiv und alltagsgerecht. Dabei ist auf eine ordentliche Ausführung der Kniebeuge zu achten. Die Bewegung sollte nicht über 90° gehen, die Knie bleiben hinter den Zehen, das Gesäß schiebt weit nach hinten raus. Spannung in Bauch und Rücken nicht aufheben. Übungen am Stepper zur Erarbeitungen eines ordentlichen Gangbildes an der Treppe sind sehr wichtig. Dabei können Übungen gezielt für das Standbein gewählt werden, indem das betroffene Bein oben auf dem Stepper steht und das andere Bein langsam die Stufe runtergestellt wird. Das exzentrische Training sorgt für eine Verbesserung der Muskelaktivität. Wechselschritte hoch und runter sorgen für eine Kraftausdauer in der Hüftmuskulatur. Übungen an der Abduktoren und Adduktorenmaschine können nach Bildung des Kapselersatzgewebes (frühestens nach 3 Monaten) ganz schonend mit einbezogen werden. Beinstrecker und Beinbeuger sind aufgrund von der Belastung des langen Hebels am Bein in den ersten Wochen nicht zu empfehlen. Im Allgemeinen sollte die Mobilisation nicht vergessen werden. Dafür kann zwischenzeitlich ein Physiotherapeut eine Neubefundung der Beweglichkeit erstellen und bei schlechteren Werten eine Therapeutische Sitzung mit einfließen lassen. Sportarten mit Sprung und Stoßbelastungen sollten vermieden werden, jedoch Sportarten wie Langlauf, Schwimmen und Radfahren sind sehr günstig.