Krankengymnastik nach Hüft-TEP

Die Krankengymnastik nach einem Hüft-TEP ist von unerlässlicher Bedeutung. Meistens werden Strukturen (Sehen, Bänder, Muskeln) um das Hüftgelenk durch die Operation verletzt. Das Hüftgelenk ist dadurch in seiner Physiologie stark beeinträchtigt. An diesem Punkt wird die Krankengymnastik nach einem Hüft-TEPunabdingbar. Durch einen gezielten Muskelaufbau und das Wiederherstellen der Beweglichkeit im Hüftgelenk, kann den eventuell entstehenden Schäden entgegen gewirkt werden. Ein Hüft-TEP muss somit nicht zu einem Verlust der alltäglichen Ausübungen wie dem Gehen, Laufen, Bücken, Springen etc. führen, sondern sollte vielmehr zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Einen Überblick der jeweiligen Heilungsphase vom 1. bis zum 360. Tag finden Sie in dem Artikel MTT nach einer Hüft-TEP OP.

Physiotherapeutische Intervention / Übungen

Damit die Krankengymnastik nach einem Hüft-TEP auch zu einem positiven Ziel führt, sollten eine Adduktion des Beines über die Körpermitte, eine Beugung im Hüftgelenk über 90° sowie Rotationsbewegungen im Hüftgelenk in den ersten Tagen vermieden werden. Im Folgenden werden einige Übungen vorgestellt, welche die Patienten auch selbstständig zu hause leicht durchführen können.

1. Hintere Muskelkette
In Rückenlage kann statisch die hintere Muskelkette gekräftigt werden. Dazu einfach das gestreckte Bein komplett in die Unterlage drücken und halten. Beide Seiten im Wechsel, mit je drei Wiederholungen. Um zu verhindern, dass der untere Rücken ins Hohlkreuz ausweicht, müssen auch die Bauchmuskeln mit angespannt werden.

2. Bridging
Eine weitere Übung ist das Bridging. In Rückenlage werden die Füße aufgestellt, die Fußspitze herangezogen und nun das Becken langsam und mit Kraft nach oben gedrückt, bis Bauch und Oberschenkel eine Diagonale bilden. Kurz halten, mit kräftiger Po-Spannung und langsam wieder senken. Wieder in Rückenlage mit gestreckten Beinen, werden die Fersen im Wechsel lang nach unten rausgeschoben.

3. „schleifende Ferse“
Eine einfache Mobilisation ist die „schleifende Ferse“: In Rückenlage werden die Fußspitzen herangezogen um Spannung aufzubauen und mit aufliegender Ferse, das Knie und die Hüfte gebeugt, die Ferse also Richtung Po geführt. Achtung, nicht über 90° in der Hüfte beugen. Diese Übung kann auch im Sitz durchgeführt werden, mit einem Tuch unter dem Fuß, dass dieser besser gleitet.

4. Fahrradfahren
Ebenfalls zur Mobilisation aller Beingelenke, eignet sich das „Fahrradfahren“ in Rückenlage.

5. LWS
Um die untere Wirbelsäule zu bewegen und somit auch die Hüftgelenke gleichzeitig zu kräftigen, werden in Rückenlage bei der nächsten Übung die Füße gegen eine Wand gestellt. Das Becken bewegt sich durch kontrollierte Bauchmuskelspannungleicht nach vorn und zurück, bzw. oben und unten. Beim hochrollen drücken die Fußsohlen kräftig in die Wand.

6.Abduktoren
Um die Abduktoren zu kräftigen, wird – ebenfalls zunächst in Rückenlage – ein Bein gestreckt leicht vom Boden abgehoben, zu Seite abgespreizt und wieder herangeführt. Eine Steigerung ist der Stand. Halten Sie sich dazu an einem Stuhl fest. Das Standbein wird leicht gebeugt und das andere Bein zur Seite abgespreizt und wieder herangeführt. So wird gleich die Stabilität des Standbeines mittrainiert. Beide Seiten sollten im Kraft-Ausdauer-Bereich trainiert werden, also 12-15 Wiederholungen auf jeder Seite á drei Sätze.

7.Adduktoren
Die Gegenseite, also die Adduktoren können im Sitz trainiert werden. Hierzu hängen die Beine frei, ein Fuß dreht leicht nach außen, das Bein wird etwas gestreckt und langsam nach oben und wieder herab geführt. Als Steigerung kann der Zug durch ein Theraband verstärkt werden.

8. Wandsitz
Um die Statik im Stand zu kräftigen eignet sich der Wandsitz. Allerdings sollte dabei darauf geachtet werden, Hüfte und Knie nicht zu weit zu beugen. Diese Übung kann auch dynamisch durchgeführt werden, indem die Beine gebeugt und gestreckt werden, der Rücken also an der Wand herab und hinauf gleitet.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln:

Dehnübung

1. Hüftbeuger
Zur Dehnung der Hüftbeuger wird das operierte Bein in Rückenlage von der Liege oder dem Bett runterhängen gelassen. Zur Intensivierung wird nun das gesunde Bein gebeugt an den Körper herangezogen und diese Position für etwa 30 Sekunden gehalten. Dehnungen sollten immer im angenehmen Bereich sein, gut zu spüren aber nicht schmerzen.

2. Beinrückseite 
Die Beinrückseite lässt sich dehnen, indem im Stand die Ferse des gestreckten Beins auf einem Hocker abgelegt wird und die Zehenspitzen herangezogen werden.

Tiefensensibilität

Um die Tiefensensibilität und die Stabilität im Stand zu trainieren, eignet sich ein Wackelbrett. Halten Sie sich zunächst an einem festen Gegenstand fest und versuchen das Gleichgewicht auszubalancieren. Später kann im Einbeinstand geübt werden. Die Übungen sollten besonders zu Beginn täglich durchgeführt werden, mit leichten Steigerungen nach einiger Zeit. Übungen, Bewegungen und Dehnungen sollten keine Schmerzen hervorrufen – nicht während der Übung und nicht danach. falls dies der Fall ist, die Übung unterbrechen, die Durchführung kontrollieren und eventuell eine weniger intensive Variante wählen.

Weitere therapeutische Maßnahmen

Neben der eigentlichen Krankengymnastik zur Steigerung der Beweglichkeit und Kraft, kann auch eine Manuelle Therapie nach einem Hüft-TEP zusätzlich erfolgen. Durch spezielle Griffe und Bewegungen vom Physiotherapeuten kann der Heilungsprozess rund um das Hüftgelenk positiv beeinflusst werden. Auch kann mit leichter Massage und Wärme gearbeitet werden. Im Wasser lassen sich aufgrund vom Auftrieb die Hüftmuskulatur sehr gut trainieren. Lesen sie dazu den Artikel Wassergymnastik.

Zusammenfassung

Die Notwendigkeit einer Hüft-TEP (Totalendoprothese) stellt heutzutage kein schwerwiegendes Problem mehr dar. Durch einen minimal invasiven Eingriff werden die Strukturen um das Hüftgelenk bei der Operation nur gering beschädigt. Die Krankengymnastik hat nun das Ziel und die Aufgabe diese Strukturen wieder herzustellen. Durch regelmäßiges Training sollte die Hüft-TEP (Totalendoprothese) keine Behinderung darstellen.