Physiotherapie bei einer Schleimbeutelentzündung der Hüfte

Einleitung

Physiotherapie kann dabei helfen, eine bestehende Schleimbeutelentzündung der Hüfte positiv zu beeinflussen und die Regeneration zu beschleunigen.
Die Schleimbeutelentzündung des Hüftgelenkes, in Fachkreisen als Bursitis bezeichnet, ist eine schmerzhafte und entzündliche Erkrankung der Schleimbeutel des Hüftgelenkes. Die beiden häufigsten Formen von Schleimbeutelentzündungen an der Hüfte sind die Bursitis trochanterica, welche in den seitlichen Schleimbeuteln der Hüfte entsteht, sowie die Bursitis iliopectinea, welche die Schleimbeuteln in der Leiste betrifft.

Die Schleimbeutel liegen zwischen Knochen und Muskeln und bilden eine Art Gleitschicht zwischen selbigen. Die Physiotherapie bei einer Schleimbeutelentzündung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern und dem Entstehen weiterer Schleimbeutelentzündungen vorzubeugen. Diese können durch Fehlhaltung, Fehlbelastung und Überlastung entstehen. Durch entsprechende Übungen kann der behandelnde Therapeut ein individuell auf den Patienten abgestimmtes Trainingsprogramm entwickeln.

Physiotherapie: Kräftigungs- und Dehnübungen

Während der physiotherapeutischen Therapie erlernt der Patient eine Reihe von Übungen, die er im Anschluss auch zu Hause weiter durchführen kann. Dabei handelt sich insbesondere um Kräftigungs- und Dehnübungen, um das betroffene Gelenk zu mobilisieren und zu stärken:

  1. Beinheber kräftigen:
    Legen Sie sich auf Ihrer gesunden Seite auf eine gerade Unterfläche. Stützen Sie Ihren Kopf auf der Hand ab. Nun heben Sie das Bein der betroffenen Seite 5-10 cm und spannen dabei Ihre Oberschenkelmuskulatur an. Halten Sie die Position ca. 10 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung 5-10 mal.

  2. Hüftmuskulatur verlängern und kräftigen:
    Legen Sie sich auf den Bauch (am Besten auf eine Yoga-Matte oder Ähnliches). Ihre Arme liegen entspannt neben Ihnen, Handflächen auf der Matte. Heben Sie nun das Bein der betroffenen Seite in gestrecktem Zustand einige Zentimeter vom Boden. Halten Sie die Position ca. 10 Sekunden. Wiederholen Sie die Übung 5-10 mal.

  3. Dehnung der Hüfte:
    Stellen Sie sich aufrecht und gerade hin. Nun überkreuzen Sie mit dem gesunden Bein das Bein der erkrankten Seite. Versuchen Sie nun, mit den Fingerspitzen den Boden zu berühren. Ihr Standbein sollte dabei möglichst gestreckt bleiben. Halten Sie die Position 30 Sekunden und kehren dann langsam in die Ausgangsposition zurück.

  4. Dehnung der Hüftvorderseite:
    Legen Sie sich flach auf den Bauch (auch hier am besten wieder auf eine Yoga-Matte). Die Stirn liegt auf der Hand der nicht betroffenen Seite. Mit der anderen Hand umfassen Sie nun das Fußgelenk des betroffenen Beines und ziehen den Fuß in Richtung Gesäß. Sie sollten eine Dehnung im Oberschenkel und in der Hüfte spüren. Halten Sie die Position ca. 30 Sekunden.

Bei allen Übungen, die sie durchführen, sollten Sie auf Signale Ihres Körpers achten. Verursacht eine Übung große Schmerzen, sollten Sie diese nicht ausführen. Im Allgemeinen ist es immer wichtig, dass Sie Rücksprache mit ihrem Arzt und Therapeuten halten, um herauszufinden, welche Übungen sich für Ihre Situation am besten eignen und in welcher Intensität die Übungen durchgeführt werden sollen.

Lesen Sie mehr zum Thema:  Übungen aus der Krankengymnastik für die Hüfte  und Physiotherapie bei Hüftschmerzen​​​​​​​​​​​​​​.

Symptome einer Schleimbeutelentzündung

Die Symptome bei einer Schleimbeutelentzündung der Hüfte können sich je nach Art und Entstehungsgrund unterscheiden, eines jedoch haben alle Formen gemeinsam, die vier typischen Anzeichen für eine Entzündung: Schwellung, Rötung, Überwärmung, Schmerzen und eine Funktionseinschränkung im Hüft- bzw. Leistenbereich.
In Fachkreisen wird zwischen einer aseptischer und einer septischer Bursitis unterschieden. Bei der aseptischen Bursitis, die meist durch Fehlhaltungen wie einen Beckenschiefstand oder eine generelle Überbelastung ausgelöst wird, nehmen die Symptome über eine längere Zeit zu. Dabei kommt es anfangs zunächst zu einem dumpfen Schmerzgefühl bei Bewegung, welches sich stetig steigert, bis letztendlich das Vollbild einer Entzündung erreicht ist. Bei der septischen Bursitis hingegen, die meist durch eine Infektion oder Verletzung ausgelöst wird, kann es neben der typischen Entzündungssymptome zu Fieber oder Schüttelfrost kommen.

Behandlung einer Schleimbeutelentzündung

In der Akutphase der Schleimbeutelentzündung kommt es vor allem darauf an, das betroffene Gelenk zu schonen, um nicht durch eine weitere Reizung durch Belastung die Entzündung zu verschlimmern. Dies ist auch aus dem Grund wichtig, dass sich eine Schleimbeutelentzündung chronifizieren kann, also eine dauerhafte Entzündung bei unzureichender Ruhigstellung entsteht.

Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente werden in der Regel verordnet, um den Patienten Erleichterung zu verschaffen und die Entzündung einzudämmen. Kälte in Form von Eispacks wird ebenfalls eingesetzt, um den Entzündungsvorgang zu verlangsamen und die Schmerzen zu mindern. Lassen sich die Schmerzen nicht ausreichend beherrschen, ist es wichtig, eine Infektion auszuschließen und ansonsten gegebenenfalls mit einer Kortisoninjektion in das betroffene Gelenk zu therapieren.

Kommt es zu einer anhaltenden Entzündung des Hüftgelenkes, die sich durch oben genannte Verfahren nicht lindern lässt, bleibt als Therapiemöglichkeit eine Operation. Bei dieser wird entweder der komplette Schleimbeutel entfernt oder man versucht, den Schleimbeutel lokal durch ein minimalinvasives Verfahren zu behandeln. Lesen Sie dazu: Krankengymnastik nach einer Hüftoperation

Ist die Akutphase der Entzündung überstanden, kann mit unterstützenden Maßnahmen wie Physiotherapie begonnen werden. Dabei gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze:

  • Stoßwellentherapie: mechanisch-akustische Wellen, die den Heilungsprozess beschleunigen

  • Ultraschalltherapie: Durch Wärme, die direkt am Schleimbeutel erzeugt wird, heilt die Entzündung schneller ab und der Schmerz wird gelindert.

  • Lasertherapie: Licht mit hoher Intensität dringt tief ins Gewebe des Schleimbeutels ein und regt dort Stoffwechselprozesse an, was ebenfalls die Heilung beschleunigt.

  • Manuelle Therapie: Große Anzahl verschiedener Techniken, die durch Druck, Zug, Dehnung und Kraftaufbau den Schleimbeutel entlasten, die Beweglichkeit erhöhen und die umliegenden Muskeln stärken.

Insgesamt ist es für den Patienten wichtig, auch nach erfolgreicher Therapie die Motivation nicht zu verlieren und die in der physiotherapeutischen Behandlung erlernten Übungen auch im Alltag anzuwenden. So kann erneuten Fehlhaltungen und Fehlbelastungen vorgebeugt werden und das Gelenk ist weniger verletzungsanfällig.

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Joggen bei einer Schleimbeutelentzündung der Hüfte

Joggen oder andere Laufsportarten sollten während der akuten Phase der Entzündung vermieden werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Ursache der Schleimbeutelentzündung auf eine Überlastung, Fehlstellung oder Längendifferenz der Beine zurückzuführen ist. Beim Joggen wird der entzündete Schleimbeutel extrem strapaziert, was dann zur Verschlimmerung oder Chronifizierung des Problems führen kann, ganz abgesehen davon, dass es sehr schmerzhaft für den Betroffenen ist.

Ist die Entzündung jedoch abgeklungen und die Ursache behoben, kann wieder ins Joggen eingestiegen werden. Es kann sinnvoll sein, gelenkschonende Einlagen zu tragen. Um der erneuten Entstehung einer Schleimbeutelentzündung vorzubeugen, sollten Sie langsam mit dem Joggen beginnen und mit der Zeit die Intensität steigern. Wichtig ist auch, sich vorher gut aufzuwärmen und sich vor und nach dem Joggen zu dehnen. Auch hier gilt wieder: Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie Probleme bemerken oder die Schmerzen zurückkehren, reduzieren Sie das Training.

Dauer der Schleimbeutelentzündung

Die Dauer einer Schleimbeutelentzündung richtet sich nach dem vorliegendem Entstehungsgrund und der Ausprägung der Entzündung. Während eine unkomplizierte Entzündung meist nach 1-2 Wochen abheilt, kann die Symptomatik vor allem nach Operationen und bei einer chronischen Entzündung mehrere Monate oder sogar Jahre anhalten. Daher ist es sehr wichtig, bei Beschwerden im Hüftbereich direkt einen Arzt aufzusuchen, damit zeitnah eine geeignete Therapie eingeleitet und die Dauer der Entzündung so gering wie möglich gehalten wird.

Zusammenfassung

Im Generellen stellt eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte, sofern man sie rechtzeitig erkennt und behandelt, eine eher unkomplizierte Erkrankung dar. Für betroffene Patienten sind Disziplin und Motivation bei der Einnahme der Medikamente sowie der anschließenden physiotherapeutischen Behandlung essenziell, damit Schmerzen rasch gelindert werden und sie ihren sportlichen Aktivitäten weiterhin nachgehen können.