Übungen bei einem Hüftimpingement

Unter einem Hüftimpingement versteht man eine Bewegungseinschränkung des Hüftgelenks durch knöcherne Veränderungen der Hüftgelenkspfanne oder des Hüftgelenkkopfes. Durch diese knöchernen Fehlbildungen passen Gelenkpfanne und -kopf nicht genau aufeinander und der Oberschenkelhals kann an der Hüftgelenkspfanne anstoßen. So kann es zu Knorpelschäden kommen und im weiteren Verlauf kann eine Arthrose entstehen. Ein Hüftimpingement kann sich in tiefen Schmerzen in der Leistenregion, vor allem bei Belastung und bei Beugung, und in Bewegungseinschränkungen der Hüfte äußern.



Übungen

1) Kräftigung der Gesäßmuskulatur
Ausgangsstellung: Seitenlage auf einer Unterlage, das untere Bein ist angewinkelt, das obere Bein ist in Verlängerung des Oberkörpers ausgestreckt

Ausführung:
- Spannen Sie ihre Bauchmuskeln an, um den unteren Rücken zu stabilisieren
- Heben Sie das obere Bein seitlich an, bis es parallel zur Unterlage ausgestreckt ist
- Bewegen Sie das Bein in kleinen Bewegungen auf und ab, ohne es dazwischen abzulegen
- Achten Sie darauf, dass Sie die Hüfte nicht beugen!
- 15- 20 Wiederholungen pro Seite, 3 mal wiederholen

2) Kräftigung der Gesäßmuskulatur 
Ausgangsstellung: Seitlage auf einer Unterlage, beide Beine sind mit einem Winkel von ca. 90° im Kniegelenk angewinkelt, in der Hüfte etwas weniger als 90°, die Fersen liegen aufeinander

Ausführung:
-Heben Sie das obere Knie nach oben an, indem Sie die Hüfte aufdrehen
- die Fersen bleiben dabei aufeinander liegen (Außenrotation der Hüfte)
- Steigerung: binden Sie ein elastisches Band (Theraband oder Ähnliches) um die Oberschenkel knapp über dem Knie
- 15- 20 Wiederholungen pro Seite, 3 mal wiederholen

3) Bridging
Ausgangsstellung: Rückenlage auf einer Unterlage, die Beine sind in ca. 90° Kniebeugung angestellt

Ausführung:
- Heben Sie das Gesäß vom Boden ab, bis es auf einer Höhe mit den Oberschenkel ist
- Halten Sie die Position kurz, senken Sie das Gesäß dann wieder ab bis es kurz vor dem Boden ist und wiederholen Sie die Übung
- Steigerung: Strecken Sie ein Bein nach vorne aus, üben Sie nur mit einer Seite und versuchen Sie, beide Beckenseiten trotzdem auf einer Ebene zu halten
- 15- 20 Wiederholungen (pro Seite)

4) Dehnung Hüftbeuger
Ausgangsstellung: Kniestand auf einer Unterlage, die Füße liegen mit dem Fußrücken auf

Ausführung:
- Stellen Sie einen Fuß vor sich auf die Unterlage, sodass in dem vorderen Knie ein Winkel von ca. 100° entsteht
- Schieben Sie das Becken nach vorne, bis Sie ein Ziehen in der Vorderseite des hinteren Oberschenkels spüren
- Halten Sie die Position für ca. 60 Sekunden, dann Seitenwechsel

5) Dehnung Adduktoren
Ausgangsstellung: Sitz auf einer Unterlage, die Beine sind wie im Schneidersitz angewinkelt aber die Fußsohlen liegen aneinander, die angewinkelten Knie zeigen nach Außen

Ausführung:
-Umfassen Sie Ihre Füße mit den Händen und versuchen Sie, die Knie so weit wie möglich in Richtung Boden zu bringen
- der Rücken ist dabei aufgerichtet
- Steigerung: mit den Ellenbogen kann zusätzlich Druck auf die Knieinnenseiten ausgeübt werden
- Halten Sie die Position für ca. 60 Sekunden

Weitere Übungen finden Sie hier:  Physiotherapie bei Hüftschmerzen

Physiotherapie

Da das Hüftimpingement auf eine Fehlstellung oder Ungleichmäßigkeit der beteiligten Knochen zurückzuführen ist, ist eine ursächliche Behandlung in der Physiotherapie nicht möglich. Die Ziele der Physiotherapie sind zum einen die Schmerzlinderung, die Verbesserung der Beweglichkeit und die Kräftigung bestimmter hüftumgebender Muskeln, zum anderen das Erarbeiten einer besseren Haltung und eines günstigeren Gangbilds. Dagegen kann eine rein passive Mobilisation des Hüftgelenks die Beschwerden in einigen Fällen sogar verschlechtern, weshalb der Behandlungsplan individuell angepasst werden muss.

Zur Schmerzlinderung kann eine Wärmetherapie z. B. mit Fango erfolgen, Massagen und Elektrotherapie können zusätzlich angewandt werden. Es ist wichtig, das Hüftgelenk nicht zu überlasten und gegebenenfalls sportliche Aktivitäten einzuschränken. In der Therapie kann dann mit dem Muskelaufbau der Gesäßmuskulatur begonnen werden, während die Adduktorengruppe und die Hüftbeuger vorsichtig gedehnt werden können. Schonhaltungen oder eventuelle Gangstörungen können unter Anleitung des Therapeuten korrigiert werden, um das Hüftgelenk nicht einseitig zu belasten.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in den Artikeln:

Sport

Sportarten, die mit hohen, auf das Gelenk einwirkenden Kräften einhergehen, oder bei denen oft aus der Bewegung abgebremst wird, gelten als Risikofaktoren für ein Hüftimpingement. Dazu zählen z. B. Tennis, Laufen, Kampfsportarten, Eishockey, Fußball sowie fast jede Art von Leistungssport. Vor allem Leistungssport im Kindesalter ist im Verdacht, das Ausreifen der Hüftgelenkspfanne und des Hüftkopfes zu beeinträchtigen.
Patienten mit akuten Beschwerden sollten die schmerzauslösenden Bewegungen möglichst vermeiden. In den meisten Fällen ist es notwendig, zunächst auf den Sport zu verzichten, bis eine Besserung eintritt. Die Übungen aus der Physiotherapie oder gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen (vor allem Rückenschwimmen) können und sollten weiterhin ausgeführt werden, damit die Muskulatur weitgehend erhalten bleibt.
Nach erfolgreicher Therapie, wenn auch der Gelenkknorpel keinen Schaden genommen hat, ist es oftmals möglich, die Sportgewohnheiten wieder aufzunehmen.

OP

Um ein Hüftimpingement ursächlich zu behandeln, ist in den meisten Fällen eine Operation unumgänglich, die das Ebenmaß von Hüftkopf und Hüftpfanne wiederherstellt und eine uneingeschränkte Beweglichkeit möglich macht. Ziel ist es ebenfalls, eine Zerstörung des Knorpels zu verhindern und somit eine frühzeitige Arthrose unwahrscheinlicher zu machen.
Beim Hüftimpingement werden prinzipiell zwei Formen unterschieden:

Einerseits das Pincer- Impingement oder Beißzangenimpingement, hierbei ist die Hüftpanne zu groß und bedeckt einen zu großen Teil des Hüftkopfes. Andererseits das Cam- Impingement, das mit einer Verformung des Hüftkopfes und des Schenkelhalses einhergeht. Die Verknöcherungen stoßen in diesen Fall immer wieder an den Pfannenrand.
Bei einem Pincer- Impingement muss die Gelenkpfanne etwas verkleinert werden. Dazu wird die Gelenklippe der Hüfte (das Labrum) abgelöst, der Rand der Hüftpfanne etwas abgetragen und danach das Labrum wieder daran befestigt.
Im Falle eines Cam- Impingements wird die Form des Hüftkopfes und des Schenkelhalses korrigiert, indem die überflüssigen Knochenanteile abgetragen werden. Beide Operationen können sowohl als offene OP an dem freigelegten Gelenk erfolgen, wie auch immer öfter minimalinvasiv als Arthroskopie.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel: Medizinische Trainingstherapie (MTT) nach einer Hüftimpingement OP

Hüftdysplasie

Eine Hüftdysplasie ist nicht mit einem Hüftimpingement gleichzusetzten, denn bei einer Hüftdysplasie ist die Gelenkpfanne eher zu klein und zu steil gestellt für den Hüftkopf, sodass der Kopf dazu neigt, teilweise oder vollständig „auszukugeln“, also zu luxieren. Bei einem Hüftimpingement dagegen ist die Gelenkpfanne tendenziell eher zu groß und bedeckt zu viel vom Hüftkopf. Eine Luxationsgefahr ist in diesem Fall weniger gegeben, allerdings können Bewegungseinschränkungen auftreten.
In beiden Fällen können Schäden an der Gelenkpfanne, an der Gelenklippe (Labrum) und am Gelenkknorpel auftreten. Dadurch kann als Spätfolge eine Arthrose begünstigt werden. Außerdem können auch beide Erkrankungen gleichzeitig vorliegen.
Eine Hüftdysplasie ist eine angeborene Erkrankung, die durch ein Neugeborenenscreening in Deutschland früh erkannt werden und entsprechend behandelt werden kann. Die konservative Therapie umfasst zum Beispiel eine Spreizhose oder andere Hilfsmittel, die die Ausreifung des Gelenks begünstigen und die Fehlstellung korrigieren.
Operativ kann in schweren Fällen oder solchen, die zu spät erkannt wurden, eine Osteotomie erfolgen, die die funktionelle Überdachung des Hüftkopfes durch die Hüftpfanne wiederherstellt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in folgenden Artikeln:

Krankengymnastik bei bestehender Hüftdysplasie

Übungen bei einer Hüftdysplasie

Hüftarthrose

Eine Hüftarthrose ist eine Verschleißerkrankung des Hüftgelenks, bei der sich der Gelenkknorpel immer weiter abbaut. Wenn der Gelenkknorpel den darunter liegenden Knochen nicht mehr schützt, reibt Knochen auf Knochen und es entstehen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Muskelverspannungen. Es können sich Verknöcherungen an den Gelenkflächen bilden, die die Symptome noch verstärken.
Jede Abweichung von der gesunden Form der Gelenkflächen kann eine frühzeitige Arthrose begünstigen, so auch ein Hüftimpingement. Symptome sind Gelenk- und Leistenschmerzen, ein typischer Anlaufschmerz nach dem Aufstehen, Bewegungseinschränkungen und eventuell knirschende Geräusche im Gelenk. Eine Arthrose kann konservativ mit Bewegung, Physiotherapie und physikalischer Therapie behandelt werden. Außerdem gibt es eine Reihe von operativen Behandlungsmöglichkeiten, zu denen zum Beispiel die Hüft- Totalendoprothese (Hüft- TEP) gehört.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in folgenden Artikeln:

Krankengymnastik bei Hüftarthrose

Übungen bei Hüftarthrose

Hüft-TEP

Eine Hüft- TEP ist eine Totalendoprothese des Hüftgelenks. Dieser operative Eingriff wird zum Beispiel bei einer Hüftgelenksarthrose vorgenommen, wenn der Gelenkknorpel sehr stark abgenutzt ist und die Beschwerden durch eine konservative Therapie ohne OP nicht mehr zu lindern sind.
Die Hüft- TEP besteht aus einer Gelenkpfanne und einem Stiel, auf dem eine Kugel aufsitzt, die den Hüftkopf ersetzt. Der Stiel wird im Oberschenkelknochen befestigt, er kann zementiert oder unzementiert verankert werden. Zementierte Prothesen haben den Nachteil, dass sie schwierig auszutauschen sind und werden deshalb eher bei älteren Menschen eingesetzt. Normalerweise hält eine Hüft- TEP zwischen 15 und 20 Jahren, bevor sie ersetzt werden muss.
Nach einer Hüft- TEP- Operation, die stationär durchgeführt wird, schließt sich ein Krankenhausaufenthalt von im Regelfall 4-6 Tagen an. Im Anschluss hat der Patient die Möglichkeit einer stationären oder ambulanten Rehabiliation. Dort soll die Muskulatur wieder auftrainiert, die Schmerzen gelindert, und alltägliche Bewegungen und Tätigkeiten geübt werden.

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