Beckenschiefstand

Der Beckenschiefstand ist nicht immer gleich zu erkennen und es treten häufig Symptome an anderen Stellen auf. Dazu gehören unter anderem Rückenschmerzen. Dass sich hinter dem Rückenschmerz ein Beckenschiefstand verbergen könnte, ist nicht gleich zu erkennen. Unabhängig vom Geschlecht und Alter, kann jeder davon betroffen sein. Auch muss nicht jede kleinste Abweichung, gleich eine gravierende Problematik auslösen. Je nach Ausmaß, kann dies auch unauffällig bleiben. Im nachfolgenden Text werden Ursachen, mögliche Folgen von einem Beckenschiefstand sowie Übungen und Tipps zur Erkennung aufgeführt. Weitere Informationen dazu finden sie in dem Artikel Rückenschmerzen.



Ursachen

Die Ursachen von einem Beckenschiefstand sind vielfältig und können in den meisten Fällen nicht ganz zurückverfolgt werden. Oft wird ein solcher Befund erst zufällig entdeckt und der Auslöser bleibt unbekannt. Nicht immer muss es nur eine Ursache geben. So können mehrere Gegebenheiten zu einem Beckenschiefstand führen.

  • Eine häufige Ursache ist ein Ungleichgewicht der Muskulatur. Ausgehend ist dies oft durch eine schwache und/oder zu hohe Spannung an der Rückenmuskulatur. Da diese mit dem Beckenkamm verbunden ist, kann eine Beckenseite aus ihrer physiologischen Haltung gerissen werden (ISG-Blockade). Durch Fehlbelastung und eine Gewohnheitshaltung, kommt es zu diesem Muskelungleichgewicht am Rücken.
  • Weitere ursächliche Mechanismen können traumatisch sein. So kann sich der Beckenkamm, durch äußerliche Kräfte verschieben. Nicht immer muss die Ursache am Becken selbst liegen. Sie kann auch von der Wirbelsäule kommen.
  • Befindet sich in der Wirbelsäule selbst eine Fehlstellung (z.B. eine Skoliose), kann sich dies jedenfalls auf das Becken auswirken. Dies veranschaulicht, dass die Ursache nicht immer am Ort selbst, sondern auch indirekt aus anderen Körperabschnitten hervorkommen kann.

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Folgen

Je nach Ursache können verschiedene Folgen aus einem Beckenschiefstand resultieren. Auch müssen diese nicht gleich auffallen oder können auch zu geringen oder starken Beschwerden führen. Eine häufige Begleitsymptomatik sind Rückenschmerzen. Da das Becken mit der Wirbelsäule verbunden ist, kann sich dies direkt darauf auswirken. Es kommt zur Entlastung einer Seite und zur vermehrten Beanspruchung der anderen Seite. Allerdings kann nicht nur die Rückenmuskulatur, sondern auch die Gesäßmuskulatur verspannt sein (Piriformis Syndrom).

Zudem kann die Fehlbelastung einer Seite zu einer schmerzhaften Schleimbeutelentzündung im Hüftbereich führen. Weitere Schmerzen können im Hüft- oder Kniebereich auftreten. Ein Gelenk wird durch das Ungleichgewicht vermehrt belastet und kann Beschwerden verursachen. Wenn der Beckenschiefstand sehr ausgeprägt ist und über Jahre besteht und unbehandelt bleibt, kann es auch zu Verschleißerscheinungen an den Gelenken kommen. Hierzu zählen nicht nur das Hüft- und Kniegelenk, sondern auch die Gelenke an der Wirbelsäule. Auch können die Bandscheiben nur einseitig belastet werden und so zur Schädigung der Bandscheibe führen.

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Übungen

Wenn die Ursache von einem Beckenschiefstand einen muskulären Ursprung hat, können kräftigende Übungen helfen. So kommt es wieder zum Ausgleich beider Seiten. Führen Sie die Übungen 15-20 mal mit 3-5 Serien aus. Zuerst kommen wir zu klassischen Übungen für den Rücken und den Bauch.

1. Übung
Sie legen sich auf den Rücken und winkeln die Beine an. Diese sind hüftbreit voneinander entfernt und die Arme liegen neben dem Körper. Heben Sie jetzt ihr Gesäß an und halten es oben.

2. Übung
Zur Steigerung der ersten Übung, legen Sie sich vor einem Sofa auf den Rücken und legen beide Unterschenkel auf dem Sofa ab. Beide Arme liegen auf dem Boden. Heben Sie jetzt ihr Gesäß an und halten es oben. Nur die Unterschenkel haben Kontakt mit dem Sofa. Der Großteil des Rückens bleibt in der Luft. Für diese Übung können sie auch ein Bett oder einen Pezzibal benutzen. Allerdings ist die Anforderung bei einem Pezziball aufgrund der Instabilität höher. Dennoch können Sie dies hervorragend zur Steigerung der Übung nehmen.

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3. Übung
Sie bleiben auf dem Rücken liegen und winkeln beide Arme neben dem Kopf an. Die Beine sind ebenfalls angewinkelt. Versuchen Sie jetzt ihren Ellbogen zum gegenüberliegenden Knie zu ziehen. Gehen Sie mit dem Oberkörper soweit nach oben, wie sie es schaffen. Wechseln Sie dann die Seite. Achten Sie darauf, dass Sie langsam und nicht zu schnell mit dem Oberkörper runtergehen.

4. Übung
Setzen Sie sich mit dem Gesäß auf den Boden. Die Arme und Beine sind nach vorne ausgestreckt. Neigen Sie ihren Oberkörper ein wenig nach hinten und heben dabei die Beine ein wenig vom Boden ab. Bringen sie dann ihren Oberkörper und die Knie zusammen. Ziehen Sie dafür die Beine zur Brust. Strecken Sie dann wieder die Beine aus und neigen den Oberkörper wieder nach hinten. Die Beine berühren nicht den Boden. 

5. Übung
Diesmal befinden Sie sich in Bauchlage und haben beide Arme neben dem Körper angewinkelt. Die Oberarme liegen auf Schulterhöhe und die Beine sind ausgestreckt. Sie schauen in der Übung die ganze Zeit nach unten und heben nicht den Kopf an. Heben Sie jetzt ihre Arme, ihre Beine und den Kopf vom Boden ab. Diese bleiben oben und Sie halten diese Position.

6. Übung
Nehmen Sie die gleiche Position wie in Nummer 5 ein. Ihre Arme, Beine und ihr Kopf befinden sich oben. Diesmal sind die Arme nicht angewinkelt, sondern nach vorne ausgestreckt. Führen Sie diesmal die Arme hinter ihren Rücken und dann wieder nach oben. Wiederholen Sie die Armbewegung 15-20 mal. Dabei halten Sie die Körperposition. Schauen Sie auch hierbei wieder auf den Boden. 

Weitere Übungen finden sie in dem Artikel Übungen Bauch Beine Po Rücken und Übungen gegen ein Hohlkreuz.

Die nachfolgenden Übungen sind Dehnübungen, die bei Verspannungen hilfreich sein können. Die Dehnungen können bis zu 15 Sekunden gehalten werden.

1. Übung
Legen Sie sich auf den Rücken und lassen ein Bein auf dem Boden ausgestreckt. Dieses bleibt fest am Boden. Nehmen Sie das andere Bein in beide Hände und ziehen es an den Oberkörper. Halten Sie die Dehnung. Wechseln Sie dann das Bein.

2. Übung
Sie können auf dem Rücken liegen bleiben und ein Bein bleibt wieder auf dem Boden ausgestreckt. Nehmen Sie dann das andere Bein und strecken es nach oben aus. Gehen Sie soweit wie Sie es schaffen. Halten Sie dann das angehobene Bein mit ihren Händen fest. Die Ferse geht zur Decke und die Zehenspitzen werden in Richtung ihrer Nase gezogen. Halten Sie die Dehnung und wechseln dann die Seite.

3. Übung
Sie liegen auf dem Rücken und das rechte Bein ist angewinkelt. Der Knöchel des linken Beines liegt auf dem Oberschenkel des rechten Beines auf. Ziehen Sie jetzt die Knie des linken Beines von ihrem Oberkörper weg, bis Sie eine Dehnung hinten am Gesäß verspüren. Halten Sie diese und wechseln dann das Bein.

4. Übung
Stellen Sie sich auf ein Bein und nehmen das andere Bein mit einer Hand und ziehen die Ferse zu ihrem Gesäß. Wenn Sie Probleme mit dem Gleichgewicht haben sollten, können Sie sich mit der anderen Hand an etwas festhalten. Achten Sie darauf, dass der Oberschenkel des rangezogenen Beines, nicht nach vorne zeigt. Dieser sollte nach hinten gehen. Erst so haben Sie eine Dehnung vorne am Oberschenkel. Wechseln Sie dann die Seite und wiederholen die Dehnübung.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln Dehnübungen, ISG-BlockadePhysiotherapie bei Hüftschmerzen und Mobilisationsübungen.

Wie kann ich das selbst erkennen?

Der Beckenschiefstand ist oft ein zufälliger Befund und somit nicht immer offensichtlich. In den meisten Fällen wird dies erst während des Besuches beim Arzt festgestellt. Auch gibt es Betroffene, die ein gewisses Ungleichgewicht beim Stehen oder Laufen empfinden. Um dies einfach und schnell zu überprüfen, können Sie sich eine zweite Person hinzuziehen.

1. Test
Stellen sie sich für den ersten Test mit dem Rücken zur anderen Person. Nun muss die zweite Person ihre beiden Beckenkämme ertasten. Während Sie stehen, geht die zweite Person hinter Sie in die Knie. Der Blick sollte auf Höhe der Lendenwirbelsäule sein. Dann werden beide Handflächen jeweils seitlich an die Taille flächig aufgelegt. Wenn dies erfolgt ist, wandern die Handflächen langsam nach unten. Direkt unterhalb der Taille müsste eine feste, knöcherne Struktur getastet werden. Diese verläuft von hinten nach vorne gesehen, wie ein weiter Bogen.

Jetzt werden beide Seiten miteinander verglichen. Hierbei werden die Finger als Orientierungspunkte genommen und miteinander verglichen. Der Daumen ist gut dafür geeignet. Wenn die Handflächen nach unten gefahren sind, werden die beiden Beckenkämme mit der Handfläche umgriffen. Nur der Daumen bleibt oberhalb des Randes. Beide Daumen werden verglichen und es wird beurteilt, ob sich beide in der gleichen Höhe befinden. Die Beckenkämme befinden sich ungefähr auf Höhe der Mitte der Lendenwirbelsäule. Da jeder Mensch andere Körperproportionen hat, richtet man sich ungefähr danach. Im Idealfall befinden sich beide Beckenkämme auf gleicher Höhe. Dieser Test ist nicht immer leicht durchzuführen, da man hierbei ein gewisses Körpergefühl braucht.

2. Test
Es gibt noch einen anderen Test, der zwar nicht direkt am Becken getestet wird, dennoch auf einen Beckenschiefstand hindeuten kann. Hierbei werden beide Beine miteinander verglichen. Im Falle von einem Beckenschiefstand kann es zu einer Beinlängendifferenz kommen was wiederum zu einer ISG-Blockade führen kann. Hierbei enden beide Beine nicht in gleicher Höhe. Da das Bein durch das Hüftgelenk mit dem Becken direkt verbunden ist, kann eine Beinlängendifferenz daraus folgen. Auch hierbei wird eine zweite Person hinzugezogen. Legen Sie sich auf den Rücken und achten darauf, dass sie gerade liegen. Winkeln Sie ihre Beine an und heben den Po hoch. So können Sie gewährleisten, dass es zu der gewohnten Stellung ihres Beckens und Beine kommt.

Legen sie wieder den Po ab und strecken dann die Beine locker aus. Diese werden dann von der zweiten Person zusammengehalten. Es wird sich nach den inneren Knöcheln beider Beine orientiert. Liegen die inneren Knöchel in gleicher Höhe, dann enden beide Beine auch in gleicher Höhe. Ist dies nicht der Fall, so ist möglicherweise eine Beinlängendifferenz vorhanden. Ein Unterschied von wenigen Zentimetern kann bei vielen Personen vorhanden sein, ohne dass es zu Problemen kommt. Wenn beide Tests auffällig sind, ist ein Besuch beim Arzt der nächste Schritt. Diese Tests sind zwar geeignet zur Selbstbefundung, doch immer noch zu objektiv und ersetzen nicht den Besuch bei einem Arzt. 

Zusammenfassung

Nicht immer ist ein Beckenschiefstand zu erkennen und muss nicht immer Beschwerden verursachen. Je nach Ausmaß, können Schmerzen und Schonhaltungen (Gangbild) ausgelöst werden. In vielen Fällen jedoch bleibt ein Beckenschiefstand unauffällig. Je nach Ursache können Sie mit Übungen entgegenwirken und den Beckenschiefstand gut behandeln.