Physiotherapie bei Hüftschmerzen

Hüftschmerzen können viele Ursachen zu Grunde liegen. Abgenutzter Gelenkknorpel – Arthrose, eingeklemmte Strukturen – Impingement, Entzündungen, Überlastungen, Beinachsfehlstellungen, zu schwache Muskulatur, Schleimbeutelentzündungen und anderen Erkrankungen schränken das Gelenk bei jedem Schritt schmerzhaft ein. Verschiedene Maßnahmen aus der Physiotherapie lindern die Symptome, wichtig ist jedoch, an der Ursache zu arbeiten, um Langzeiterfolge zu erzielen.



Physiotherapeutische Maßnahmen

Die Physiotherapie bei Hüftschmerzen zielt in erster Linie darauf ab, dem Patienten auf konservative Weise durch eine Therapie zu helfen, die Hüftschmerzen zu beseitigen oder nach vorangegangener Operation eine möglichst schnelle und gute Rehabilitation zu ermöglichen.

Welche Therapieform dabei am Besten geeignet ist hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen generell zunächst die Ursache der Hüftschmerzen. Dabei kann es sich um angeborene Veränderungen am Hüftgelenk, altersbedingte Verschleißerscheinungen, Stoffwechselerkrankungen, Entzündungen, wie beispielsweise eine Schleimbeutelentzündung der Hüfte, Unfälle, rheumatische Erkrankungen oder Probleme an der Wirbelsäule handeln.Der Physiotherapeut wird dann unter Berücksichtigung der Krankheitsgeschichte des Patienten und der Untersuchungsergebnisse (Ultraschall, Röntgen, MRT, etc.) einen individuell auf den Patienten abgestimmten Therapieplan erstellen, damit dieser schnell wieder schmerzfrei wird und ohne Probleme den Alltag meistern kann.

Essentiell für eine erfolgreiche physiotherapeutische Behandlung ist dabei natürlich immer die Mitarbeit und Disziplin des Betroffenen, der gegebenenfalls auch in seinem Alltag einige Veränderungen vornehmen muss, um auch zukünftig ohne Hüftschmerzen leben zu können. Die wichtigsten Inhalte der physiotherapeutischen Behandlung von Hüftschmerzen sind:

  • Manuelle Therapie
  • Physikalische Therapie
  • Kräftigung, Dehnung und Lockerung
  • Gangschule
  • Selbsthilfe für den Alltag

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Manuelle Therapie

Manuelle Therapie ist ein wesentlicher Bestandteil in der Behandlung von Hüftschmerzen. Durch gelernte Griffe kann das Gelenk an sich in bestimmten Mustern und Richtungen mobilisiert werden. Die Gelenkpartner werden gegeneinander bewegt um das Gelenkspiel zu optimieren und je nach Ziel zu erweitern.

Durch Druck- und Zugreize im Gelenk wird die Produktion und Verteilung  der wichtigen Gelenkflüssigkeit angeregt. Strukturen werden entlastet und Platz geschaffen. Manuelle Therapie wird zum Hauptteil passiv durchgeführt und wird von extra fortgebildeten Therapeuten praktiziert. Ziele und entsprechende Maßnahmen werden je nach individueller Problematik und Empfinden des Patienten festgelegt. Auch eventuell mitbetroffene Nerven können in der Manuellen Therapie mobilisiert werden.

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Physikalische Therapie

Zur physikalischen Therapie im Rahmen der Physiotherapie zählen Kälte- und Wärmeanwendungen, Ströme (Elektrotherapie), Ultraschall, Wassertherapie und Massagen – im Grunde alle Techniken, die physikalische Einflüsse nutzen.

Sie sind eine meist passive Unterstützung im Genesungsprozess und sind in der Regel eine als angenehm empfundene Maßnahmen. Bei den meisten Gelenkverletzungen oder Krankheiten ist auch die umliegende Muskulatur betroffen. Durch Wärmetherapien und Massagen kann diese gelockert und entspannt werden. Ultraschall wird gerne angewandt, wenn Sehnen betroffen sind, die nah unter der Hautoberfläche liegen. Elektrotherapeutische Ströme können tiefer ins Gewebe eindringen und haben viele positive Wirkungen. Je nach Anlage können sie Schmerzen beeinflussen, Muskeln lockern, die Durchblutung steigern und somit Heilungsprozesse anregen, sie können Nerven in ihrer Funktion anregen und helfen, Muskeln zur Kontraktion zu bringen.

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Kräftigung

Viele Hüftprobleme hängen zusammen mit einer zu schwachen Muskulatur. Das Gangbild verändert sich und Gelenkpartner gleiten nicht mehr optimal aufeinander, was über die Zeit zu schmerzhafter Abnutzung führt. So ist es nicht nur nach dem Eintreten von Hüftschmerzen, sondern auch schon als vorbeugende Maßnahme wichtig, die Gesäß- und Hüftmuskeln zu stärken.

Die Gesäßmuskulatur lässt sich einfach mit Hilfe des eigenen Körpergewichts trainieren, ohne zusätzliche Geräte oder Hilfsmittel. Übungen werden gemeinsam mit dem behandelnden Physiotherapeuten erlernt und können schließlich als Heimübungsprogramm in den Alltag eingebaut werden. Ein kräftiges Muskelkorsett hält das Becken im Gleichgewicht und sichert Stabilität für tägliche Bewegungsabläufe.

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Gangschule

Neben dem Kraftaufbau ist eine Gangschule im Rahmen der Physiotherapie bei Hüftschmerzen wichtig. Mit dem behandelnden Therapeuten wird das Gangbild analysiert und im Gangtraining optimiert. Durch die Ganganalyse können zu schwache Muskeln und Problemstellen herausgefiltert werden. In der Gangschulung kann ein Spiegel zur Hilfe gezogen, sowie Widerstände am Körper gegeben werden, um dem Patienten ein Gefühl für ein physiologisch korrektes Gangbild zu vermitteln. Ziel ist, dass der Patient das Gefühl verinnerlicht, gleichmäßig zu belasten. Auch nach Operationen wie zum Beispiel nach dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks bei starker Arthrose wird eine Gangschule verschrieben, um den normalen Gangablauf und Belastungen wieder zu erlernen.

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Selbsthilfe

Andauernde Schmerzen sind eine extreme Einschränkung in Alltag und Lebensqualität. Wie vielfältig die Ursachen für Hüftschmerzen auch sein mögen, es ist wichtig, dass sich der Patient auch außerhalb der Therapieeinheiten zu helfen weiß.

Ein korrektes Alltagshandling wird über den Therapieverlauf erlernt. Zusätzlich werden dem Patienten Übungen zur Kräftigung, Dehnung und Entlastung mitgegeben, ebenso werden Haltungen erlernt, die bei starken Schmerzen eingenommen werden können. Tipps wie Kälte- und Wärmeanwendungen werden vermittelt, um die Schmerzen zu verringern und eventuell umliegende verspannte Muskeln zu lockern. Auch der Umgang mit einer Blackroll (Selbstmassagerolle) wird in der Therapie erlernt, was der Patient einfach täglich und je nach Bedarf zu Hause durchführen kann. Aktive Mitarbeit des Patienten ist wichtig, um Hüftschmerzen auf Langzeit zu bekämpfen.

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Übungen

Um das Hüftgelenk mobil zu halten, Schmerzen zu lindern und Problemen vorzubeugen gibt es eine Reihe von Übungen, die einfach zu Hause oder vor dem Sport durchgeführt werden können. Im Folgenden sind einige Beispiele aufgelistet:

1. Stärkung der Muskulatur:
Legen Sie sich auf einer geraden Fläche auf den Rücken. Heben Sie nun das rechte Bein ca. 10 cm vom Boden ab und führen es langsam nach außen in die maximale Spreizung. Halten Sie die Position ca. 5 Sekunden und kehren dann in die Ausgangsposition zurück. Wechseln Sie die Beine. 5 Wiederholungen pro Bein.

2. Dehnung der Hüftmuskulatur:
Legen Sie sich auch bei dieser Übung wieder auf den Rücken. Winkeln Sie das rechte Bein an, sodass ihre Ferse ungefähr auf Höhe des linken Knies steht. Das linke Bein bleibt ausgestreckt. Drücken Sie nun mit beiden Handflächen gegen das aufgestellte Knie. Halten Sie die Position 5 Sekunden und wechseln dann die Seiten. Auch hier 5 Wiederholungen pro Seite.

3. Lockerung der Hüftmuskulatur:
Legen Sie sich auf den Bauch, am besten auf eine Yoga-Matte. Falten Sie die Hände unter dem Kopf und legen die Stirn auf die überschlagenen Handrücken. Winkeln Sie nun im Wechsel ihre Beine im Kniegelenk an. 20 Wiederholungen pro Seite.

4. Stärkung der Muskulatur:
Legen Sie sich wieder in Rückenlage auf eine gerade Unterfläche. Die Arme liegen locker neben dem Körper. Spannen Sie nun ihren Gesäßmuskel an und versuchen gleichzeitig ihre Kniekehlen in den Boden zu drücken. Halten Sie die Spannung 10 Sekunden. Machen Sie 10 Wiederholungen mit kurzen Ruhepausen.

5. Dehnung der Muskulatur:
Legen Sie sich wieder auf den Rücken. Umfassen Sie nun mit den Händen das rechte Knie, während das linke Bein ausgestreckt bleibt und ziehen es zu sich heran. Halten Sie die Dehnung für 10 Sekunden und wechseln dann die Seiten. 3 Wiederholungen pro Seite.

Diese und noch viele weitere Übungen können Sie problemlos täglich durchführen und am besten als Morgen- oder Abendritual in Ihre Routine mit einbauen.

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Symptome

Das Leitsymptom bei Hüftschmerzen ist natürlich der Schmerz. Dieser kann jedoch je nach Art und Ursache des Problems verschiedene Formen annehmen. Akute Schmerzen, zum Beispiel nach einem Unfall, treten sofort auf und sind meist stark und stechend. Chronische Schmerzen steigern sich meist mit der Zeit, was dazu führt, dass viele Betroffene erst spät einen Arzt aufsuchen. Je nach Lage können die Schmerzen dumpf, stechend, drückend oder ziehend sein und sich, je nach Ursache, bei Bewegung verbessern oder verschlechtern.

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Hüftdysplasie

Als Hüftdysplasie bezeichnet man eine angeborene oder mit der Zeit erworbene Fehlbildung der Hüftgelenkspfanne. Sie tritt bei ca. 4% aller Neugeborenen auf und ist bei Mädchen weiter verbreitet als bei Jungen. Statistisch betrachtet tritt die Hüftdysplasie eher rechtsseitig auf. Eine genaue Ursache gibt es dafür nicht. Für die Entstehung sind meist erbliche Faktoren, eine Fehlstellung im Mutterleib oder jahrelange Fehlbelastung verantwortlich.

Isoliert betrachtet muss die Hüftdysplasie nicht unbedingt schmerzhaft oder störend sein, wird sie jedoch nicht behandelt kann es zu schweren Folgeschäden und nicht selten zum Invalidenstatus mit massiven Einschränkungen für die Betroffenen kommen. Die Probleme entstehen dadurch, dass der Oberschenkelknochen in der fehlgebildeten Hüftgelenkspfanne keinen richtigen Halt findet. Im schlimmsten Fall kann es sogar zur Hüftluxation kommen. Das bedeutet, dass der komplette Oberschenkelknochen aus dem Gelenk herausspringt.

Welche Therapie zur Behandlung gewählt wird hängt vom Schweregrad und Ursache der Hüftdysplasie ab. Zur Auswahl stehen dabei sowohl konservative als auch operative Methoden.

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Hüftschmerzen auf der linken Seite

Beschränken sich die Hüftschmerzen auf die linke Seite kann das verschiedene Ursachen haben. Oftmals sind es verspannte Muskeln oder das Bindegewebe, die dem Betroffenen Schmerzen bereiten. Die Schmerzen werden oft als dumpf oder muskelkaterähnlich beschrieben und sind meist genau lokalisierbar. Ist bei der Erkrankung das Hüftgelenk selbst betroffen oder ein Schleimbeutel entzündet, so sind die Schmerzen oft stechend und strahlen in umliegende Bereiche aus.

Hüftschmerzen beim Laufen

Viele Menschen haben Probleme oder Schmerzen an der Hüfte beim Laufen. Das kann sich in einem sehr starken Schmerz, der im Laufe des Tages abnimmt, einem permanenten Reibegefühl in der Hüfte während des Laufens oder auch einem ziehenden Schmerz bei jedem Schritt äußern. All diese Arten von Schmerz können verschiedene Ursachen haben. Nicht selten werden die Hüftschmerzen auch mit anderen Erkrankungen verwechselt, das können zum Beispiel Bandprobleme am Knie oder Oberschenkel, sowie Probleme an der Wirbelsäule sein. Häufige Auslöser für die Entstehung der Probleme sind falsches Schuhwerk, Fehlbelastung oder schlechter allgemeiner Fitnesszustand.

Bei den Hüftschmerzen beim Laufen kann man zwischen leichten und gravierenderen Ursachen differenzieren.

Zu den eher gutartigen Ursachen für die Hüftschmerzen zählen unter anderem das sogenannte Läuferknie, eine Schleimbeutelentzündung der Hüfte oder Probleme am Piriformis-Muskel, der für die Rotation des Hüftgelenks verantwortlich ist und am hinteren Bereich der Hüfte liegt.

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Zu den schwereren Erkrankungen gehören ein Bandscheibenvorfall, Entzündungen im Bereich der unteren Wirbelsäule oder Hüftarthrose.

Wenn Sie unter Hüftarthrose leiden können Sie hier mehr über die zielgerichtete Krankengymnastik erfahren:  Krankengymnastik bei Hüftarthrose.

Hüftschmerzen nach dem Sport

Auch Hüftschmerzen, die nach dem Sport auftreten, können eine Reihe von Ursachen haben, die von verschiedenen Faktoren abhängig sind.

Zunächst können Probleme auftreten, wenn es sich bei dem Betroffenen um einen Sportneuling oder Wiedereinsteiger handelt und das Gelenk durch die plötzliche Beanspruchung gereizt wird und Schmerzen auslöst. Zudem gibt es Sportarten, die sehr gelenkbelastend sind, dazu zählen zum Beispiel Ballsportarten, Geräteturnen oder Kampfsport.

Natürlich gibt es auch Probleme, die durch sportliche Betätigung verstärkt werden können. Dazu gehören Krankheiten wie Gicht, Rheuma, Arthrose, Fehlstellungen am Hüftgelenk oder Schleimbeutelentzündungen.

Dass der Schmerz erst nach der sportlichen Tätigkeit bemerkt wird oder sich verstärkt, liegt auch mit an dem beim Sport ausgeschütteten Adrenalin, welches dem Betroffenen während des Sports mehr Energie gibt und die Schmerzen maskiert, sodass sie bis zur Beendigung der sportlichen Aktivität unbemerkt bleiben.

Hüftschmerzen im Liegen

Manche Betroffene, die ansonsten beschwerdefrei sind, klagen über Hüftschmerzen beim Liegen. Auch das kann eine Reihe von Ursachen haben. In vielen Fällen sind diese jedoch eher harmlos. So zählen zum Beispiel eine falsche Matratze, Verspannungen der Muskulatur im Bereich des Hüftgelenks, sowie die zu starke Belastung auf das Hüftgelenk bei Seitenschläfern zu den Auslösern. Von vielen wird der Schmerz im Ruhezustand auch viel mehr wahrgenommen, da der Körper entspannt ist und sich so voll auf ein mögliches Schmerzgefühl konzentrieren kann. In wenigen Fällen sind die Schmerzen tatsächlich auf ein beschädigtes Hüftgelenk zurückzuführen. Bleiben Schmerzen bestehen oder verschlimmern sich sollte die Ursache auf jedenfall ärztlich abgeklärt werden.

Hüftschmerzen beim Kind

Gerade bei Kindern sollten Hüftschmerzen immer besonders ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Durch das Wachstum kommt es natürlich auch zu Veränderungen im Bereich des Hüftgelenks, wodurch Probleme auftreten können. Dazu gehören unter anderem eine Verschiebung des Hüftkopfes aus seiner Position oder das Absterben von Knochengewebe in diesem Bereich. Auch die juvenile Arthritis und Entzündungen im Hüftgelenk sind typische Auslöser für Hüftbeschwerden.

Um dem Entstehen von chronischen Erkrankungen und Fehlentwicklungen vorzubeugen sollte ein Arzt das Kind untersuchen und gegebenenfalls eine Therapie zur Behandlung einleiten.

Zusammenfassung

Zusammenfassend sind Schmerzen im Bereich des Hüftgelenks ein relativ häufiges Problem. Aufgrund der vielen umliegenden Gewebe ist es nicht immer einfach, eine ärztliche Diagnose zu stellen, schon gar nicht als Laie oder per Ferndiagnose.Um den Hüftschmerzen vorzubeugen oder diese zu lindern können verschiedene Übungen zur Kräftigung, Dehnung und Lockerung der Hüftmuskulatur dienen, die optimalerweise täglich durchgeführt werden sollten.

Wenn Sie bei sich Probleme beobachten und diese sich verstärken oder länger andauern sollten Sie auf jedenfall einen Arzt aufsuchen. Aufgrund der breitgefächerten Symptomatik bei Hüftschmerzen können diese dann durch entsprechende Untersuchungsmethoden und die persönliche Krankengeschichte die Ursache der Problematik bestimmen und eine zielgerichtete Therapie kann eingeleitet werden.