Alle Inhalte in diesen Artikel wurden von Mario Habersack verfasst.

Symptome und Therapie bei einem Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall (Prolaps) handelt es sich um eine verschleißbedingte Erkrankung der Wirbelsäule. Dabei kommt es zu einem Riss des Faserrings (Anulus Fibrosus), welcher den gallertartigen Kern (Nucleus pulposus) umschließt. In Folge des Risses tritt das weiche Material in den Spinalkanal aus. Hier kann die Bandscheibe auf Nervenwurzeln oder gar auf das Rückenmark drücken und andauernde, stechende und ausstrahlende Schmerzen verursachen. Betroffene sind meist zwischen 30 und 60 Jahre alt, wobei Männer doppelt so häufig erkranken wie Frauen.


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Symptome bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule

In 10% der Fälle betrifft ein Bandscheibenvorfall die Halswirbelsäule – meist ist die Bandscheibe zwischen dem 5. und 6. oder dem 6. und 7. Halswirbel betroffen. Ein solcher Bandscheibenvorfall muss nicht zwingend Symptome verursachen. Wenn die Bandscheibe allerdings so verrutscht ist, dass sie auf austretende Nervenwurzeln drückt, kommt es zu einschießenden Schmerzen im gesamten Versorgungsbereich des Nervens. Daher haben Betroffene nicht nur Genickschmerzen, sondern oftmals auch ausstrahlende Schmerzen oder Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit in Arm und Fingern. Viele Betroffene leiden gleichzeitig unter Kopf-, Nacken und Schulterschmerzen. Um diese zu reduzieren, nehmen Betroffene vermehrt eine Schonhaltung ein, die allerdings zu einer zusätzlichen Versteifung des Nackens führt. In seltenen Fällen treten Schwindel und Sehstörungen auf. Die Gefahr bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule ist, dass die Bandscheibe nicht nur Nervenwurzeln reizt, sondern auch das Rückenmark eindrückt. Dies kommt selten vor, aber in diesem Fall leidet der Betroffene gegebenfalls auch unter Gangstörungen, Blasen- und Mastdarmentleerungsstörungen oder gar einer Querschnittslähmung.

Klassische Symptome

  • Einschießende Schmerzen in der HWS Region
  • Ausstrahlungen und Gefühlstörungen in Arm und Finger
  • Kribbeln, Taubheit

Oftmals begleitende Symptome

  • Genickschmerzen
  • Kopf-Nacken-Schulterschmerzen
  • Schwindel, Sehstörungen

Wie ein Bandscheibenvorfall in der HWS konservativ therapiert wird, finden Sie in dem Artikel Bandscheibenvorfall in der HWS - Physiotherapie

Wie wird ein Bandscheibenvorfall in der HWS getestet?

  1. Für die Halswirbelsäule eignet sich u.a. der „Spurling-Test“. Dabei sitzt der Patient aufrecht auf einem Stuhl. Der Arzt stellt sich hinter den Patienten und bittet den Patienten seinen Kopf zur Seite zu neigen. Nun legt der Arzt eine Hand auf den Kopf des Patienten. Mit der anderen Hand übt er nun sanften Druck auf den zur Seite geneigten Kopf aus. Treten Schmerzen auf, die gegebenenfalls in die Halswirbelsäule ausstrahlen, ist der Test positiv.
  2. Ein weiterer Test für die Halswirbelsäule ist der sogenannte „Cervical Hyperflexion Test“. Der Patient sitzt in aufrechter Sitzhaltung auf der Behandlungsbank. Er wird nun gebeten, sein Kinn auf die Brust zu legen, um seine Halswirbelsäule maximal zu beugen. Treten bei dieser Bewegung Schmerzen auf, ist der Test positiv.
  3. Bei dem „Cervical Distraction Test“ und dem "Jackson´s Test" wird genau das Gegenteil getestet:
  • Beim Cervical Distraction Test liegt der Patient in Rückenlage auf der Behandlungsbank. Der Arzt umgreift die Halswirbelsäule und hält den Kopf des Patienten. Nun übt der Arzt einen sanften Zug auf den Kopf aus, sodass die Halswirbelsäule gestreckt wird. Werden durch diese Bewegung vorhandene Schmerzen gelindert, ist der Test positiv.
  • Beim Jackson´s Test sitzt der Patient aufrecht auf der Behandlungsbank und wird gebeten seinen Kopf so weit wie möglich nach hinten zu legen. Treten Schmerzen auf, ist der Test positiv.

Übung zum Nachmachen bei einem Bandscheibenvorfall in der HWS

Bei einem Bandscheibenvorfall gilt es durch Übungen die betroffene Region zu entlasten, die Wirbelsäule zu stabilisieren und die Körperhaltung zu verbessern. Für die Halswirbelsäule eignet sich beispielsweise folgende Übung gut:

  • Der Betroffene legt sich in Rückenlage auf eine Matte. Falls vorhanden kann der Kopf mit einem halb aufgeblasenen Pilates Ball unterlagert werden. Die Arme und Hände liegen neben dem Körper, die Beine sind in einem 45°-Winkel aufgestellt. Der Betroffene soll nun durch die Nase einatmen und bei der Ausatmung durch den Mund seinen Hinterkopf in die Matte/in den Pilatesball zu drücken. Das Kinn wird nach hinten geschoben, sodass ein Doppelkinn entsteht. Der Betroffene behält diese Position für ca. 10 Sekunden bei, dann löst er die Anspannung wieder. Nach einer kurzen Pause die Übungen mindestens 5 mal wiederholen. Die Übung kräftigt nicht nur die Halswirbelsäule, sondern sorgt für eine Streckung und somit einer Druckentlastung des Spinalkanals.

Weitere Übungen finden Sie in dem Artikel Bandscheibenvorfall in der HWS- Übungen

Symptome bei einem Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule

Ein Bandscheibenvorfall kommt nur in seltenen Fällen in der Brustwirbelsäule vor. Die Symptome sind unspezifisch und abhängig davon, auf welcher Höhe der Bandscheibenvorfall vorliegt. Oftmals dauert es lange, bis ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule als solcher erkannt wird. Denn die Betroffenen äußern neben Rückenschmerzen im betroffenen Gebiet auch Übelkeit, Schwindel, Herzrasen, Herzstolpern oder ein Gefühl von Enge im Brustkorb. Es besteht daher immer auch der Verdacht auf Lungen-, Herz-, oder Magenerkrankungen. Zusätzlich ist das betroffene Gebiet druckempfindlich, wobei die Schmerzen entlang der Rippen bis zum Brustkorb und der Bauchvorderwand ausstrahlen können. Ebenso strahlen die Beschwerden  auch in die Arme und Finger aus. Ist das Rückenmark durch den Bandscheibenvorfall gereizt, können auch ernstzunehmende Gangstörungen und Gefühlsstörungen in den Beinen auftreten. In ernsten Fällen können auch Blasen-, und Mastdarmentleerungsstörungen oder auch eine Querschnittsymptomatik entwickeln.

Klassische Symptome

  • Schmerzen im Brustkorb/ Rippen
  • Starke Rückenschmerzen

Oftmals begleitende Symptome

  • Übelkkeit
  • Schwindel
  • Gefühlsstörungen

Lesen Sie mehr zu diesem Thema und wie die Erkrankung konservativ therapiert wird, in dem Artikel Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall in der BWS

Wie wird ein Bandscheibenvorfall in der BWS getestet?

  1. Deuten die bereits erhobenen Ergebnisse auf einen Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule hin, testet der Arzt u.a. das Ott-Zeichen. Dafür stellt sich der Arzt hinter den Patient und setzt eine Hautmarkierung auf den Dornfortsatz des 7. Halswirbelkörpers. Das gleiche macht er ca. 30 cm weiter unten. Nun wird der Patient gebeten, sich nach vorne zu beugen. Der Arzt misst nun die Distanz zwischen den Punkten. Weicht das Ergebnis mehr als 3-4 cm von der vorherigen Distanz ab, ist das Ergebnis positiv.
  2. Ein weiterer Test ist der Slump-Test. Der Patient sitzt aufrecht auf der Behandlungsbank. Die Unterschenkel hängen frei. Der Patient wird gebeten die Brust- und Lendenwirbelsäule und anschließend die Halswirbelsäule zu beugen. In dieser Position fixiert der Arzt den Patient und fordert ihn dann auf eine aktive Streckung in den Knien und Sprunggelenken auszuführen. Dadurch kommt es zu einer Dehnung des Ischiasnervs und der Rückenmarkshäute. Treten Schmerzen auf, ist der Slump-Test positiv. Allerdings muss dann noch differenziert werden, ob ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule oder der Lendenwirbelsäule vorliegt.

Übung zum Nachmachen bei einem Bandscheibenvorfall in der BWS

Liegt der Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule, kann beispielsweise folgende Übung Entlastung schaffen:

  • Der Betroffene setzt sich mit aufrechter Wirbelsäule verkehrt herum (=Reitsitz) auf einen Stuhl. Die Füße müssen festen Bodenkontakt haben. Nun umgreift der Betroffene mit jeweils einer Hand in U-Haltung einen Stab, z.B. einen Besenstiel. Diese stehen ungefähr auf Höhe der Zehenspitzen auf dem Boden. Nun ist es die Aufgabe des Übenden durch die Nase einzuatmen und bei der langsamen Ausatmung durch den Mund die Stäbe sanft in den Boden zu drücken. Durch diesen Druck kommt es automatisch zu einer Aufrichtung und Dehnung der Brustwirbelsäule. Wichtig ist, dass der Betroffene bei der Ausatem-Phase den Bauch anspannt und die Schulterblätter nach unten drückt, während das Brustbein nach vorne oben geschoben wird. 5 x 5 Atemzyklen durchführen.

Mehr Übungen finden Sie in dem Artikel Übungen bei einem Bandscheibenvorfall in der BWS

Symptome bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule

Die Lendenwirbelsäule erfährt die größte Belastung und ist zu 90% aller Bandscheibenvorfällen betroffen. Oftmals ist die Bandscheibe zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel oder jene zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem Steißbein betroffen. Betroffene verspüren meistens einen akuten Schmerz, der teilweise so stark ausgeprägt ist, dass der Patient eine Schonhaltung und Fehlhaltung einnimmt. Ist eine Nervenwurzel durch die Bandscheibe gereizt oder komprimiert, so strahlen die Schmerzen in das gesamte Versorgungsgebiet des Nervs aus. So kommt es, dass die Betroffenen Schmerzen, Taubheit, Kribbeln und andere Gefühlsstörungen bis in das Bein hinein verspüren. Besonders stark fallen diese aus, wenn durch den Bandscheibenvorfall der Nervus Ischiadicus beeinträchtigt ist. Mediziner sprechen dann von einer Ischialgie, die sich durch stechende und elektrisierende Schmerzen vom Gesäß über die Rückseite des Oberschenkels bis in den Fuß bemerkbar macht.

Es sind aber auch neurologische Störungen in Form von Kraftminderung oder gar Lähmungen in den Beinen und Füßen möglich. Am häufigsten berichten Erkrankte von Lähmungen des Großzehenhebers, des Fußhebers oder des Kniestreckers. Ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule kann auch zum medizinischen Notfall werden, wenn durch ihn das sogenannte Cauda equina Syndrom (Pferdeschweif-Syndrom) auftritt. Gemeint ist, dass das Bündel von Nervenwurzeln, die zwischen dem ersten Lendenwirbelsäulengelenk und dem Kreuzbein entspringen durch den Bandscheibenvorfall komprimiert werden. Die Quetschung führt zu einer Lähmung der Beine und mangelnder Kontrolle über den Stuhlgang und der Blasenentleerung. Treten diese Symptome auf, muss der Bandscheibenvorfall innerhalb der nächsten 72 Stunden operativ versorgt werden.

Klassische Symptome

  • Starke Rückenschmerzen
  • Ausstrahlung in Gesäß/ Oberschenkel/ oder Unterschenkel
  • Gefühlsstörungen
  • Taubheit/ Kribbeln
  • Kraftminderung

Oftmals begleitende Symptome

  • Lähmung des Großzehs
  • Erschwerter Fersen und Vorfußstand
  • Verspannungen

Weitere Informationen über einen Bandscheibenvorfall in der LWS und dessen Therapie erhalten Sie in dem Artikel Krankengymnastik Bandscheibenvorfall

Wie wird ein Bandscheibenvorfall in der LWS getestet?

  1. Vermutet der Arzt einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, wird er u.a. den Lasègue-Test durchführen. Dabei liegt der Patient auf dem Rücken. Nun hebt der Arzt vorsichtig das gestreckte Bein an, sodass das gestreckte Bein im Hüftgelenk passiv um 90° gebeugt wird. Sobald der Patient Schmerzen angibt, wird der Test abgebrochen. Ist dies bereits bei einer Beugung von etwa 40-60° der Fall, ist der Lasègue-Test positiv.
  2. Ein wichtiger Test ist auch das sogenannte Schober-Zeichen. Der Arzt stellt sich hinter den Patient und setzt eine Hautmarkierung auf dem Dornfortsatz des 1. Steißbeinwirbels. Gleiches macht der Arzt 10 cm weiter oben. Der Patient wird gebeten sich so weit wie möglich nach vorne zu beugen. Nun wird der Abstand zwischen den beiden Punkten gemessen. Bei gesunden Personen beträgt der Abstand nun 5 cm. Anschließend soll sich der Patient wieder aufrichten und nach hinten beugen. Der Abstand bei gesunden Personen beträgt dann 1-2 cm.
  3. Zur Überprüfung der Beweglichkeit der unteren Wirbelsäule, der Hüften und des Beckens kann der Arzt ergänzend den Finger-Boden-Abstand messen. Der Patient stellt sich schulterbreit hin und soll sich nun mit gestreckten Knien nach vorne beugen. Bei Schmerzen soll der Test abgebrochen werden. Ist die maximale Vorbeugung erreicht, misst der Arzt den Abstand zwischen Boden und dem Mittelfinger. Normalbefunde liegen zwischen 0-10 cm.

Eine eindeutige Diagnose kann allerdings nur mittels Kernspintomographie gestellt werden. Das bildgebende Verfahren zeigt die Bandscheiben und ermöglichen eine Beurteilung des Spinalkanals und der Nervenkanäle.

Übung zum Nachmachen bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS

Betrifft der Bandscheibenvorfall die Lendenwirbelsäule, ist folgende Übung geeignet:

  • Der Betroffene legt sich auf eine feste Unterlage und legt den Kopf ab. Die Arme liegen seitlich neben dem Körper, die Beine sind 45° angewinkelt und die Füße aufgestellt. Der Betroffene soll nun so weit wie schmerzfrei möglich, sein Gesäß von der Unterlage abheben. Im optimalsten Fall bilden Knie, Becken und Schultern eine diagonale Linie. Die erste Aufgabe besteht darin, diese Position 10 Sekunden zu halten. Anschließend soll das Gesäß wieder abgelegt werden. Kann der Betroffene diese Übung 5 x schmerzfrei hintereinander durchführen, wird die Übung gesteigert. Das bedeutet, dass der Betroffene nun das Gesäß abhebt und sich dann eine horizontale Linie auf Position seines Beckens vorstellt. Auf dieser gedachten Linie soll er das Becken als erstes nach links bewegen. Auf dem Endpunkt seiner Bewegung wird das Becken für 5 Sekunden gehalten. Anschließend wird das Becken nach rechts bewegt und auch hier 5 Sekunden gehalten. Der Bewegungsradius muss hierbei nicht groß sein. Gelingt dem Betroffenen auch dies 5x auf jeder Seite kommt eine weitere Steigerung hinzu. Der Betroffene hebt wieder sein Gesäß an, jedoch soll er nun gleichzeitig ein Bein vom Boden abheben und ausstrecken. 3 Wiederholungen pro Seite.

Weitere Übungen sind in dem Artikel Übungen bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS beschrieben.

Wie sieht eine konservative Therapie bei einem Bandscheibenvorfall aus?

Die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls richtet sich immer nach dem Ausmaß der Schädigung. Bei den meisten Betroffenen (90% der Fälle) reicht eine konservative Therapie aus, um die Beschwerden zu lindern. Die Therapie verfolgt zwei Hauptziele.

  • Das erstes lautet Schmerzlinderung. Diese ist erforderlich, damit sich der Betroffene schnellstmöglich wieder ohne Einschränkungen bewegen kann und keine Schonhaltung einnimmt. Eine solche würde nur eine Fehlbelastung der Muskulatur auslösen und somit zu weiteren Schmerzen führen. Das Ziel der Schmerzlinderung wird durch die Gabe von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamente verfolgt. Reichen diese nicht aus, kann der behandelnde Arzt auch ein Lokalanästhetikum (gegebenenfalls mit Kortison) injizieren. Zusätzlich helfen Wärmeanwendungen in Form von Moor- oder Fangopackungen, Rotlicht und warme Kleidung. Ergänzend können Massagen die Durchblutung anregen und die verspannte Muskulatur lockern. Viele Betroffene empfinden auch Rückenbandagen/Mieder als schmerzlindernd. Sind die stärksten akuten Schmerzen reduziert, sollte frühzeitig mit einer gezielten Physiotherapie begonnen werden. Diese verfolgt das zweite Hauptziel:
  • Eine Stärkung und Kräftigung der umliegenden Muskulatur. Gleichzeitig sollen die Wirbelsäule und ihre Bandscheiben entlastet werden. Wichtig ist allerdings, dass der Betroffene die Übungen nicht nur zusammen mit dem Physiotherapeuten macht, sondern auch konsequent Zuhause trainiert. Bei den meisten Betroffenen sind durch diese Maßnahmen die Beschwerden nach sechs bis acht Wochen deutlich gebessert oder gar verschwunden. Ist dies nicht der Fall oder treten neben den Rückenschmerzen auch neurologische Symptome, wie etwa Lähmungen auf, muss über eine Operation nachgedacht werden. Das gilt auch, wenn gleichzeitig Taubheit im Genital- und Analbereich mit Inkontinenz auftritt – dann ist der Bandscheibenvorfall ein Notfall, der sofort operativ versorgt werden muss. Zwar bietet die Operation keine Garantie dafür, dass die Beschwerden gelindert werden, dennoch liegt die Erfolgschance bei einer sorgfältig gestellten Indikation bei ca. 80%.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Krankengymnastik - Bandscheibenvorfall

Häufige Ursachen von einem Bandscheibenvorfall

  1. Ein Bandscheibenvorfall kann verschiedene Ursachen haben. In den meisten Fällen ist er jedoch das Resultat von physiologischen Alterungsprozessen. Im Alter reduziert sich mehr und mehr der Wassergehalt im Kern der Bandscheibe. Tatsächlich kann die Bandscheibe schon ab dem 20. Lebensjahr immer weniger Wasser in sich speichern. In Folge dessen nimmt die Elastizität und Widerstandsfähigkeit des Faserrings ab. Kommt es nun zu erhöhter Druckbelastung durch Stöße, Erschütterungen oder Fehlbelastungen, bilden sich Risse im Faserring. Reißt dieser vollkommen ein, kommt es zum Bandscheibenvorfall. Mit speziellen Übungen wird die Belastbarkeit gesteigert und somit die Bandscheibe entlastet. Übungen dazu finden Sie in dem Artikel "Rückenschmerzen - nicht mit einem starken Rücken"
  2. Ein Bandscheibenvorfall kann aber auch bei jungen Menschen auftreten, z.B. in Folge von Traumata beim Sport oder Unfällen.
  3. Ebenso können Fehlbelastungen des Rückens zu einem Bandscheibenvorfall führen. Das geschieht vor allem beim falschen Heben und Tragen von schweren Lasten. Denn wird eine Last mit gebeugtem Rücken aufgehoben, wird die Bandscheibe um das 8-, bis 12-fache von dem Gewicht belastet. Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel "Rückengerechtes heben und tragen"
  4. Eine andere mögliche Ursache für einen Bandscheibenvorfall ist mangelnde Bewegung. Die Wirbelsäule ist nicht dafür gemacht, den Hauptteil des Tages im Sitzen zu verbringen. Die Folge des Dauer-Sitzens ist eine verkürzte und geschwächte Rumpf- und Rückenmuskulatur und in Konsequenz dessen eine unvollständige Aufrichtung gegen die Schwerkraft. Die Wirbelsäule krümmt sich mehr und mehr, sodass die Bandscheiben immer fester aufeinander gedrückt werden.
  5. Weitere Risikofaktoren für Bandscheibenvorfälle sind Übergewicht oder andere vorliegende strukturelle Wirbelsäulenerkrankungen, wie z.B. Kyphose (Rundrücken) oder Skoliose (dreidiminsionale krümmung). Nur in sehr seltenen Fällen ist die Ursache für einen Bandscheibenvorfall ein Tumor, entzündliche Erkrankungen oder Wirbelbrüche.

Was erwartet mich bei einem Arztbesuch mit Verdacht auf einem Bandscheibenvorfall?

Anamnese
Vermutet man selbst einen Bandscheibenvorfall, ist der Gang zum Arzt unumgänglich. Dieser wird zunächst eine ausführliche Anamnese durchführen. Das bedeutet, er klärt ab: ob es Vorerkrankungen gibt, seit wann die Beschwerden bestehen, ob den Beschwerden gegebenenfalls ein Verhebetrauma oder ein anderer Unfall vorausgegangen sind, wo und wie sich die Schmerzen äußern und welche Bewegungen zu einer Verbesserung bzw. Verschlechterung der Beschwerden führen. Denn auch wenn sich bandscheibenbedingte Probleme klinisch sehr unterschiedlich äußern können, ist es typisch, dass sanfte Bewegungen als angenehm empfunden werden. Gehaltene Positionen und schnelle, ruckartige Bewegungen hingegen sind schmerzhaft.

Inspektion/ Palpation
Anschließend wird der Arzt die Wirbelsäule begutachten und palpitieren (abtasten), um mögliche Verhärtungen, Verspannungen oder eine Druckempfindlichkeit zu erfühlen. Zudem überprüft der Arzt beim Betroffenen die Sensibilität (Druck-,Berührungs- Temperaturempfinden), Muskeldehnungsschmerzen und Muskeleigenreflexe. Anhand dieser Ergebnisse kann der Arzt meist schon eine Vermutung stellen. Ein genaueres Bild erhält der Arzt allerdings erst durch Funktionstests (siehe oben Tests).

Funktionsuntersuchung
Ebenso beobachtet der Arzt das Gangbild (normales Gehen, Zehenspitzengang, Fersengang, Fußaußenkantengang) und die Körperhaltung des Betroffenen. Anschließend testet der Arzt die Kraft und passive sowie aktive Beweglichkeit der Wirbelsäule nach Neutral-Null-Methode um Bewegungseinschränkungen, Lähmungen und schmerzhafte Bewegungen zu identifizieren.

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