Krankengymnastik bei einer Spondylolyse

Da es sich um eine in der Regel nicht ausheilende Erkrankung handelt, steht die Behandlung der Symptome im Vordergrund. Auch um ein Fortschreiten der Spondylolyse zur Spondylolisthesis (Wirbelgleiten) zu verhindern, bietet sich die Physiotherapie an. Ein konsequentes stabilisierendes Training ist enorm wichtig, um die Haltung der Wirbelsäule zu verbessern und zu korrigieren. Die Muskulatur muss lernen, die Instabilität der Zwischenwirbelgelenke zu kompensieren.



Übungen bei bestehender Spondylolyse

Unsere Wirbelgelenke werden durch gelenknahe, sehr kleine, nicht willkürlich kontrollierbare Muskeln stabilisiert, die so genannte autochthone Rückenmuskulatur. Diese gezielt zu trainieren, ist gar nicht so einfach, da wir sie nicht willkürlich anspannen können. Wir können sie allerdings durch ein intensives, stabilisierendes Training mit ansprechen und kräftigen. Hierzu bieten sich Übungen an, die die Core-Muskulatur kräftigen. Es gibt eine Vielzahl an Übungen, die man durchführen kann, und einen abwechslungsreichen Trainingsplan ermöglichen. Wenn der Patient einmal gelernt hat, wie er die Übungen richtig und kontrolliert durchführt, können die Übungen zur Stabilitätssteigerung in fast jede Übung integriert werden.

1. Unterarmstütz

  • Besonders gut bietet sich der Unterarmstütz beim Training gegen die Spondylolyse an. Der Patient stützt sich auf seine am Boden liegenden Unterarme, winkelt die Füße an und stellt die Zehen auf. Dabei platziert er seine Ellenbogen unter den Schultern, die Unterarme liegen parallel nebeneinander am Boden. Der Patient stemmt den Körper nun nach oben, so dass Beine, Gesäß, Wirbelsäule und Kopf eine gerade Linie bilden. Der Blick zeigt dabei nach schräg unten, die Halswirbelsäule ist gestreckt. 

Wichtig

  • Bei der Spondylolyse ist es nun enorm wichtig, darauf zu achten, dass der Patient nicht ins Hohlkreuz fällt. Hierzu muss seine Rumpfmuskulatur arbeiten. Er kann diese noch weiter aktivieren, indem er versucht sich lang zu strecken. Die Fersen werden nach hinten geschoben, das Hinterhaupt schiebt sich lang nach vorne. Auch kann versucht werden, die Schulterblätter leicht zur Wirbelsäule zu ziehen, so dass die Arme den Patienten stützen und er nicht passiv in seinen Schultergelenken hängt. Der Bauchnabel wird aktiv zur Wirbelsäule gezogen, sodass die gesamte Bauchmuskulatur angespannt ist. Besonders sollte diese Anspannung bei der Ausatmung zu spüren sein. Das Gesäß ist angespannt, das Becken wird leicht nach hinten gekippt, so dass das Schambein minimal nach vorne oben rotiert. Diese Spannung nennt sich Grundspannung und sollte sicher beherrscht werden. Am besten sollte sie zunächst mit dem Therapeuten geübt werden, sodass der Patient sie kontrolliert anwenden kann. Die Position ist anstrengend und es geht zunächst darum, sie eine gewisse Zeit sicher zu halten. Ziel sollte es sein, eine Minute im Unterarmstütz bleiben zu können. Am besten steigert man die Belastungsphasen langsam. Die Ausführungstechnik geht vor Dauer!

Variation

  • Wird die Haltung sicher beherrscht, kann die Übung erweitert werden. Das Gewicht kann vom rechten zum linken Ellenbogen verschoben werden, während das Becken in einer geraden Linie bleibt. Der Patient wird merken, wie unterschiedliche Bereiche seiner Bauchmuskulatur aktiviert werden, während er das Gewicht verlagert. Es ist weiterhin möglich, vorsichtig und kontrolliert ein Bein gestreckt einige wenige Zentimeter abzuheben und kurz in der Luft zu halten. Auch hier ist es wichtig, dass der Rumpf trotzdem unbewegt im Unterarmstütz bleibt. Die Muskulatur soll die Haltung stabilisieren.

Die Gewichtsverlagerungen oder das Abheben eines Stützpfeilers sollen immer konzentriert ausgeführt werden. Zuerst werden langsame und kontrollierte Bewegungen ausgeführt, bis der Patient die Position sicher stabilisieren kann. Anschließend kann das Tempo und somit auch die Schwierigkeit erhöht werden. Wird die Übung unsauber, sollte ein Schritt zurück zu einer leichteren Variante erfolgen.

2. Bridging

  • Die Grundspannung kann auch im Bridging aufgebaut werden. Hierbei liegt der Patient in der Rückenlage auf einer Unterlage, die Arme liegen locker abgespreizt neben dem Körper am Boden, die Handflächen zeigen zur Decke. Die Knie sind 90° gebeugt, die Fersen sind aufgestellt, die Füße angezogen. Nun wird das Becken angehoben, bis es auf einer Linie mit den Oberschenkeln und dem Rumpf ist. Die Gesäßmuskluatur spannt an, der Rücken bleibt gerade, der Bauch und die Rückenmuskulatur sind ebenso angespannt. Wenn die Position sicher gehalten wird, können die Beine nach einander vom Boden abgehoben werden, ohne dass sich das Becken senkt oder zu einer Seite kippt. Zusätzlich können auch mit den Armen kleine schnelle Hackbewegungen gemacht werden, wenn diese senkrecht in die Luft gestreckt werden. Es sollte eine abwechselnde Spannung in der Rumpfmuskulatur spürbar sein, während der Patient versucht, die Position trotz der Armbewegung stabil zu halten.

3. Grundspannung während der Kniebeuge

  • Solche Übungen sind in fast allen Ausgangsstellungen möglich. Besonders schwierig ist hier zum Beispiel die Ausgangsstellung Kniebeuge. Die Arme können auf Kopfhöhe gestreckt werden, während der Rücken ganz gerade und stabilisiert bleibt. Nun kann der Patient wieder kleine Hackbewegungen mit den gestreckten Armen ausführen, während der Rücken stabil bleibt. Die Wirbelsäule ist physiologisch gestreckt und gerade. Die Armbewegung kann für ca. 10 sek. durchgeführt werden, dann sollte eine Pause erfolgen. Diese Übung ist sehr schwer, und sollte nur nach Absprache mit dem Trainer mit gut vorbereiteten und trainierten Patienten durchgeführt werden.

Grundsätzlich gilt für alle Übungen: Technik vor Anzahl und Dauer. Die Übungen können zweimal täglich durchgeführt werden. Die Konzentration liegt auf der Qualität. Ein Trainingsplan sollte individuell für den Patienten abgestimmt werden und eine Einführung in die Haltung und die Übungen sollte mit einem Therapeuten erfolgen, um einer falschen, gegebenenfalls schädlichen Durchführung entgegenzuwirken. Ebenfalls sinnvoll bei der Behandlung der Spondylolyse ist es, ein gezieltes Training für die Bauchmuskeln zu integrieren und eine Haltungskorrektur durchzuführen, um schädliche Belastungen im Alltag zu vermeiden.

Weitere gute Übungen für die Lendenwirbelsäule zur Rumpfspannung finden Sie in den Artikeln:

Kontraindikationen für Übungen

Kontraindikation für das Durchführen von Übungen ist das vermehrte Auftreten von Schmerzen. Verschlechtern sich während einer Übung die Schmerzen, sollte diese abgebrochen werden und erst nach Kontrolle durch einen Fachmann wieder aufgenommen oder gegebenenfalls ersetzt werden.

Beim Auftreten neurologischer Symptome sollte die Durchführung von Übungen ebenfalls sofort abgebrochen werden. Neurologische Symptome können sein: Kribbeln in der unteren Extremität, Sensibilitätsverluste, oder ausstrahlende Schmerzen in der unteren Extremität. Bei Problemen mit der Harn- und Stuhlkontinenz handelt es sich um einen neurologischen Notfall und es muss sofort eine ärztliche Untersuchung durchgeführt werden.

Patienten mit einer Spondylolyse sollten Belastungen wie starke Stauchungen der Wirbelsäule (z. B. Trampolinspringen) oder auch starke Belastungen durch eine Hyperlordosierung der Wirbelsäule (Hohlkreuz) vermeiden.

Weitere therapeutische Maßnahmen

Neben dem stabilisierenden Krafttraining für Bauch- und Rückenmuskulatur, sowie besonders auch für die autochthone Rückenmuskulatur, können weitere Behandlungsmaßnahmen hilfreich bei der Spondylolyse sein. Bei akuten Schmerzen nach einer Überbelastung kann die kurzfristige Ruhigstellung mittels Korsett Symptome lindern. Auch die Stufenlagerung kann hier gegebenenfalls hilfreich sein. Die Krankengymnastik kann neben dem Übungsprogramm durch den Einsatz von manuellen Weichteiltechniken (TriggerpunktbehandlungFaszientherapie), durch detonisierende Massagetechniken, aber auch durch Elektrotherapie oder Wärme- oder Kälteanwendung zur Behandlung einer Spondylolyse beitragen. Ärztlich wird die Behandlung der Spondylolyse durch den Einsatz von NSAR (nicht steroidale anti-Rheumatika) - also nicht kortisonhaltige Schmerzmittel - oder auch durch lokale Injektionen von Entzündungshemmern unterstützt.

Weitere sinnvolle Informationen über die Wirbelsäule erfahren Sie in dem Artikel "Bänder der Wirbelsäule"

Was ist die Spondylolyse?

Bei der Spondylolyse kommt es zu einer so genannten Kontinuitätsunterbrechung der Zwischenwirbelgelenke. Die Fortsätze, die diese Gelenke bilden, gehen vom Wirbelbogen aus. Jeder Wirbelbogen hat einen Fortsatz zu dem darüber liegenden und einen zu dem darunter liegenden Wirbelkörper. Es kann zu einer Spaltbildung im Wirbelbogen kommen, wobei die Verbindung der beiden Fortsätze voneinander getrennt wird. Sind beide Zwischenwirbelgelenke betroffen (beidseitige Unterbrechung der Interartikularportion) kann das Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) kann eine Folge sein. Hierbei rutscht der obere Wirbel im Verhältnis zum unteren nach vorne. Der Wirbel kann verschieden stark nach vorne weggleiten. Zur Diagnostik findet eine Einteilung in Schweregrade nach Meyerding statt. Es handelt sich bei der Spondylolyse um eine Fraktur, die in der Regel nicht ausheilt. Die Erkrankung kann somit nur symptomatisch oder in schweren Fällen operativ behandelt werden.

Mögliche Ursachen

Die Spondylolyse tritt in 80 % der Fälle im Lendenwirbelsäulenbereich beim 5. Lendenwirbelkörper auf. Der 4. Lendenwirbelkörper ist der am zweithäufigsten betroffene Wirbelkörper. In anderen Wirbelsäulenabschnitten wie der BWS oder HWS kommt eine Spondylolyse nur äußerst selten vor. Sie ist häufig durch angeborene Wirbelsäulendeformitäten begünstigt und tritt dann schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Betroffen sind häufig Kinder mit einem starken Hohlkreuz. Bestimmte Sportarten wie Turnen oder Schmetterlingschwimmen, bei denen ein vermehrtes Hohlkreuz gefordert ist, können die Entstehung der Spondylolyse begünstigen. Starke Symptome treten häufig erst im Erwachsenenalter auf. Bei einer erworbenen Spondylolyse kann eine Fraktur durch chronische, langfristige Belastung (Ermüdungsbruch) ursächlich sein, selten können auch metastasierende Tumore zu einer Spondylolyse führen. Es kann bei der Spondylolyse zu Rückenschmerzen und Verspannungen kommen. Auch eine Fehlhaltung zu Gunsten eines Hohlkreuzes ist häufig. Schmerzen treten besonders nach Belastungen auf, bei denen der Rücken in Extension (Streckung) belastet wird. Durch die fehlende Stabilität des Wirbelkörpers muss die Muskulatur vermehrt gegen die Haltung arbeiten und verspannt schnell.

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Operation

Eine Operation kann bei therapieresistenten dauerhaften Schmerzen oder bei der Beteiligung von Nerven angezeigt sein. Ist durch das Wirbelgleiten ein Nerv komprimiert und kommt es zu ausstrahlenden Schmerzen z. B. ins Bein, sollte über eine OP nachgedacht werden, um den Nerven nicht dauerhaft zu schädigen. Es kann eine operative Entfernung bestimmter Elemente des Wirbelbogens erfolgen (Laminektomie), um die Kompression des Nervs zu lindern.
Häufig findet auch die stabilisierende Fusions-OP Anwendung. Hierbei wird der instabile Wirbelkörper mittels fixierendem Material mit dem darüber liegenden Wirbel fixiert und so stabilisiert. Nachteil ist, dass durch diese Operationstechnik die Beweglichkeit in diesem Segment vollständig aufgehoben ist, und andere Wirbelsäulensegmente diesen Verlust kompensieren müssen. Bei starkem Wirbelgleiten kann dies jedoch in Kauf genommen werden, um die Symptome des Patienten zu verbessern.
Nach der Operation folgt meist eine Ruhigstellung mittels Korsett für einige Wochen, anschließend wird mit einer intensiven physiotherapeutischen Nachbehandlung die Muskulatur wieder gekräftigt. Dabei wird die Stabilität trainiert, aber auch die Beweglichkeit des Rückens erarbeitet, so dass nach der Operation eine möglichst physiologische Bewegung des Rückens wieder möglich ist.

Weitere gute Übungen finden Sie unter Beweglichkeitstraining - Wirbelsäule, Schulter, Knie, Hüfte.

Zusammenfassung

Die Spondylolyse entwickelt sich häufig schon im Kindes- und Jugendalter und ist bei Diagnose meist manifest und nicht heilbar. Symptome treten häufig erst später im Erwachsenenalter auf. Es kommt zu Rückenschmerzen im Bereich Lendenwirbelsäule sowie bei Nevenbeteiligung auch zu Ausstrahlungen in die Beine. Neurologische Symptome sollten dringend ärztlich abgeklärt werden.
Falls nötig, sollte eine angemessene Schmerztherapie mit Medikamenten durchgeführt werden. Besonders wichtig ist die stabilisierende und haltungskorrigierende Physiotherapie. Ein Übungsprogramm insbesondere zur Kräftigung der Bauchmuskulatur und der tiefen (autochthonen) Rückenmuskulatur sollte vom Patienten auch außerhalb der Therapie regelmäßig und konsequent zu Hause durchgeführt werden. Belastungen, die ein starkes Hohlkreuz fordern, sollten vom Patienten vermieden werden. Bei therapieresistenten Schmerzen kann eine Operation sinnvoll sein.