Schmerzen bei einem Bandscheibenvorfall

Beim Bandscheibenvorfall ist das erste Symptom, noch vor Bewegungseinschränkungen, den Kribbel- oder Taubheitsempfindungen, der Schmerz. Typisch beim Bandscheibenvorfall ist ein ausstrahlender Schmerz aus dem Rückenbereich in den Po oder in das Bein bis in den Fuß. Dieses Phänomen liegt darin begründet, dass beim Bandscheibenvorfall Nervenwurzeln durch austretendes Bandscheibenmaterial komprimiert werden.



Wie wird ein Bandscheibenvorfall getestet?

Um bei derartigen Schmerzen im Rücken den Anfangsverdacht auf einen Bandscheibenvorfall zu bestätigen, eignen sich verschiedene, simpel durchzuführende Tests, darunter der Lasègue-Test:

  • Dabei liegt der Patient flach auf dem Rücken, während der Arzt/Physiotherapeut dessen gestrecktes Bein langsam in Richtung Kopf anwinkelt. Entsteht nun ein Dehnungschmerz im Rückenbereich, kann dies ein Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall sein.

Eine Alternative bzw. Ergänzung zum Lasègue-Test ist der Bragard-Test:

  • Hier liegt der Patient auf dem Bauch und der Arzt/Physiotherapeut beugt zunächst das gestreckte Bein des Patienten im Hüftgelenk, um anschließend den Fuß in Richtung Schienbein zu beugen. Auch hier deuten Schmerzen auf das Vorliegen von einem Bandscheibenvorfall hin.

Beim Bandscheibenvorfall oder einer Spinalkanalstenose in der Halswirbelsäule ist ein ausstrahlender Schmerz aus dem Nackenbereich in den Arm und die Finger zu vernehmen. Lesen Sie hierzu den Artikel "Bandscheibenvorfall in der HWS-Physiotherapie"

Bandscheibenvorfall-Schmerzen im Bein

Schmerzen im Bein treten vor allem dann auf, wenn der Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich auftritt. Am häufigsten ist dabei der Bandscheibenvorfall zwischen dem viertem und fünftem Lendenwirbel (L4/L5) oder zwischen dem fünftem Lendenwirbel und dem ersten Steißbeinwirbel (L5/S1). Strahlt der Schmerz bis in den Fuß aus, sollte an die Möglichkeit eines sogenannten Kaudasyndroms gedacht werden. Davon spricht man, wenn die Nervenwurzeln der Steißbeinregion beeinträchtigt werden. In diesem Fall sind die Schmerzen häufig mit einer sogenannten Reithosenanästhesie vergesellschaftet. Das bedeutet, dass es in der Genital- und Gesäßregion sowie an den Innenseiten der Oberschenkel zu einem Verlust des Berührungsempfindens kommt. Oft kommen dazu noch Beeinträchtigungen der Harn- bzw. Stuhlkontinenz hinzu.

Übungen und Therapiemöglichkeiten bei einem bestehendem Bandscheibenvorfall finden Sie in den Artikeln:

Bandscheibenvorfall-Schmerzen im Po

Ein besonderer Schmerz im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall ist die Ischialgie. Dabei wird durch einen Bandscheibenvorfall der dickste Nerv des Körpers, der Ischiasnerv, komprimiert. Dies äußert sich in einem streifenförmigen, relativ gut beschreibbaren Ausstrahlen des Schmerzes in den Po. Diese Erscheinung muss allerdings nicht durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst sein, sondern kann auch zahlreiche andere Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem Engpasssyndrome des Wirbelkanals (sogenannte Spinalkanalstenosen), Herpes Zoster oder raumfordernde Tumoren.

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Bandscheibenvorfall-Schmerzen im Bauch

Bauchschmerzen im Rahmen von einem Bandscheibenvorfall entstehen sekundär durch Fehl- bzw. Schonhaltungen. Der zugrundeliegende Mechanismus lässt sich folgendermaßen beschreiben: Aufgrund der durch den Bandscheibenvorfall ausgelöste Schmerz im Rückenbereich nimmt der Betroffene eine unnatürliche und unökonomische Haltung ein. Diese Haltung führt mittelfristig zu einer unnatürlichen Verlagerung der Bauchorgane und damit zu einem einschießenden Schmerz in der Bauchregion. Jedoch kann auch eine besonders starke Ischialgie, also eine Kompression des Ischiasnervs, in den Bauchraum einen ausstrahlenden Schmerz auslösen. Liegt ein Bandscheibenvorfall in der Brustwirbelsäule vor, können Schmerzen im Bereich des Brustkorbs und der Bauchregion entstehen.

Lesen Sie mehr dazu in dem Artikel: "Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall in der BWS"

Bandscheibenvorfall-Schmerzen in der Wade

Auch bei Wadenschmerzen sollte ein Bandscheibenvorfall als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden. Unter Umständen kann die Nervenkompression durch den Bandscheibenvorfall nämlich genau so ausfallen, dass der Schmerz sich praktisch nur auf die Region um die Wade beschränkt und das für einen Bandscheibenvorfall typische Ausstrahlen aus dem Rücken in die Extremität ausbleibt. In dieser ungewöhnlichen Konstellation kann es daher leicht passieren, einen Bandscheibenvorfall zu übersehen, was weitreichende negative Folgen haben kann.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel: "Physiotherapie bei einer Nervenwurzelkompression"

Bandscheibenvorfall-Schmerzen im Arm

Armschmerzen im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall können bei Vorfällen im Bereich der Halswirbelsäule auftreten. Auch hier lässt sich oft ein Ausstrahlen von Schmerzen im Nackenbereich über die Schulter bis in den Arm verspüren. Das liegt darin begründet, dass durch das vorgefallene Bandscheibengewebe Nervenwurzeln des Armplexus komprimiert werden. Dabei handelt es sich um ein Nervengeflecht, dass sowohl für die motorische Aktivität der Arme, als auch für deren Sensibilität verantwortlich ist.

Übungen und weitere Informationen für diesen Bereich finden Sie in den Artikeln:

Bandscheibenvorfall-Schmerzen in der Leiste

Bei einem Bandscheibenvorfall im Übergangsbereich zwischen Lendenwirbelsäule und Steißbein kann es auch zu Schmerzen und Empfindungsstörungen in der Leiste kommen. Dies ist zwar relativ selten der Fall, sollte aber im Hinterkopf behalten werden wenn bei Patienten mit Schmerzen in der Leiste keine andere Ursache identifiziert werden kann.

Bandscheibenvorfall-Schmerzen in der Nacht

Patienten, die unter einem Bandscheibenvorfall leiden, klagen häufig über nächtliche Steigerungen der Schmerzintensität. Dieses Phänomen hat mehrere Ursachen. Zum einen saugt sich das Bandscheibengewebe nachts aufgrund der ausbleibenden Kompression voll und dehnt sich aus. Damit steigt wiederum die Kompressionswirkung auf die Nervenstrukturen und damit die Schmerzintensität. Zweitens benötigt das Bandscheibengewebe Bewegung, um optimal durchblutet und mit Nährstoffen versorgt zu werden. Dies kommt aber nachts während des Schlafs kürzer, weshalb die Intensität der Schmerzen im Lauf der Nacht steigt.

Achtung: Auch bei der Lyme-Borreliose können insbesondere nachts streifenförmige Schmerzen in der Gesäß- und Beinregion auftreten. Da sich die Lyme-Borreliose und der Bandscheibenvorfall somit gleich in zwei wichtigen Eigenschaften ähneln, sollte beim Verdacht auf eine der beiden Erkrankungen auch immer der jeweils anderen Beachtung geschenkt werden.

Akute Schmerzen-was kann ich tun?

Wenn sich bei Ihnen Rückenschmerzen einstellen, ist es ratsam, die gerade verrichtete Tätigkeit abzubrechen und dem Rücken zunächst Zeit zur Erholung zu geben. Im Anschluss sollte jedoch nicht der Fehler gemacht werden, dem Rücken „zu viel Erholung“ zu geben, sondern auf ein ausgewogenes, vielseitiges Bewegungsprofil für den Rücken geachtet werden, wie z.B es der Fall in der Rückenschule ist.

Wie bei anderen Erkrankungen des Bewegungsapparates kann Kühlung einen möglichen Anschwellungsprozess verlangsamen. Eine Hochlagerung der Beine im Sitzen oder Liegen entlastet zusätzlich die Wirbelsäule. Sollten diese Maßnahmen keinen Effekt zeigen und die Rückenschmerzen entweder dauerhaft weiter bestehen oder sich regelmäßig einstellen, sollte der Arzt das weitere Vorgehen mit Ihnen besprechen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel "Bandscheibenvorfall- Symptome und weiteres Vorgehen"

Bandscheibenvorfall-was hilft alles?

Bewegung
Es gibt zahlreiche Ansätze, wie Sie selbst bei einem Bandscheibenvorfall aktiv werden können und die Schmerzen bekämpfen können. Eine wichtige Maßnahme ist das Achten auf ausreichend Bewegung. Damit ist nicht nur sportliche Ertüchtigung gemeint, sondern auch regelmäßige Änderungen der Körperhaltung etwa beim Arbeiten am Schreibtisch. Die besondere Bedeutung von Bewegung für die Bandscheibe liegt darin begründet, dass aufgrund der kaum vorhandenen Durchblutung des Bandscheibengewebes dieses hauptsächlich durch Diffusion aus der umliegenden Zwischenzellflüssigkeit gewährleistet wird. Diese Diffusion kann aber nur in ausreichendem Maße vonstatten gehen, wenn genügend Bewegung erreicht wird.

Lesen Sie dazu den Artikel: "Übungen am Arbeitsplatz"

Stressvermeidung/ Ernährung - Übersäuerung
Auch andere Ansätze basieren darauf, die für die Schmerzen bzw. den Bandscheibenvorfall ursächlichen Erkrankungen oder Prozesse zu stoppen bzw. rückgängig zu machen oder zu lindern. Dazu gehört beispielsweise die Bekämpfung einer Übersäuerung des Körpers durch Stress, ungesunde, säurereiche Ernährung oder übermäßigen Kaffee-, Alkohol- oder Nikotinkonsum. Die Übersäuerung führt nämlich dazu, dass der Körper vermehrt Calcium aus der Bandscheibe mobilisiert, um die Übersäuerung abzufangen. Dies macht die Bandscheibe anfälliger für Vorfälle.

Lesen Sie dazu den Artikel: "Stress - Sind auch Sie davon betroffen"

Richtige Haltung
Eine wichtige und relativ simple Möglichkeit, selbst tätig zu werden im Kampf gegen Schmerzen durch einen Bandscheibenvorfall ist die Korrektur von Fehlhaltungen. Da die Wirbelsäule den Rumpf des Menschen stabilisiert, wird ersichtlich, dass Fehlhaltungen und daraus resultierende hohe punktuelle Belastungen mittelfristig zu degenerativen Veränderungen an der Bandscheibe und damit zu Vorfällen und/oder Schmerzen führen können. Mögliche Fehlhaltungen beschränken sich dabei nicht nur auf den Tag und damit auf das Gehen oder Sitzen, sondern können auch nachts im Liegen auftreten.

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Medikamente
Schließlich ist auch eine medikamentöse Behandlung zur Linderung von Schmerzen möglich. Sie eignet sich insbesondere zur akuten Schmerzlinderung. Mittelfristig jedoch sollte auf jeden Fall die genaue Ursache für den Schmerz und eine vielseitigere, ursächliche Therapie/Krankengymnastik erwogen werden, da eine rein medikamentöse Therapie nichts an den Ursachen von einem Bandscheibenvorfall ändert.

Bandscheibenvorfall-Medikamente

Eine medikamentöse Therapie von Rückenschmerzen im Rahmen von einem Bandscheibenvorfall kann durch die üblichen schmerz- und entzündungshemmenden Mittel eingeleitet werden. Dazu gehören etwa Ibuprofen oder das insbesondere bei schmerzhaften Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzte Diclofenac. Die Anwendung von Corticosteroiden bietet Potenzial für verschiedenartige Nebenwirkungen und sollte auf Dauer nur in Rücksprache mit dem Arzt vorgenommen werden. Wichtig ist hier zu betonen, dass Medikamente immer nur eine symptomatische Behandlung der Schmerzen darstellen und nicht die Ursache der Beschwerden bekämpfen. Sollten Sie also über einen längeren Zeitraum mit Rückenbeschwerden kämpfen, die Sie nur mit Medikamenten in den Griff bekommen oder die sich sogar in ihrer Intensität verstärkt haben, ist es an der Zeit, gemeinsam mit dem Arzt nach Ursachen und möglichen ursächlichen Behandlungsoptionen zu forschen.