Hüft-TEP Übungen

Nach dem Einsetzen einer Hüft-TEP (Totale Endoprothese des Hüftgelenks) ist im Anschluss eine krankengymnastische Nachbehandlung notwendig, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Die Hüfte ist ein typisches Kugelgelenk, es artikulieren ein runder Gelenkkopf (oberes Ende des Oberschenkelknochens) mit einer Gelenkpfanne (Beckenknochen), welche den Kopf zum großen Teil umschließt, um dem Hüftgelenk Stabilität zu geben. Zusätzlich wird auch dieses Gelenk muskulär gesichert. Es gilt die atrophierte Muskulatur zu kräftigen und die Beweglichkeit wieder herzustellen. 

Einleitung

Als Endoprothese wird der künstliche Ersatz eines Körperteils bezeichnet, meist handelt es sich um Knochen und Gelenke. Die Total-Endoprothese (TEP) bezeichnet den kompletten Gelenksersatz. Gelenkskopf und Gelenkpfanne, also beide artikulierenden Knochenenden, die das Hüftgelenk bilden, werden durch Implantate ersetzt. Diese werden entweder zementiert oder zementfrei eingebracht. Ein Gelenk besteht immer aus dem Zusammenspiel zweier Knochenenden und ermöglicht dem Körper somit seine Beweglichkeit. Grund für das Einsetzen einer Hüft-TEP ist die Arthrose. Ein Krankheitsbild, bei welchem der Gelenkknorpel abgenutzt ist und jede Bewegung und Belastung starke Schmerzen verursacht. Folgeschäden können verhärtete Muskeln sein, Bewegungseinschränkungen und die Aneignung von Ausweichbewegungen. Um diese Folgeschäden möglichst gering zu halten, sollte nicht zu lang mit einer Operation gewartet werden, wenn diese als letzte Möglichkeit absehbar ist.

Physiotherapeutische Intervention

Ist die Hüfte durch ein künstliches Gelenk (Hüft-TEP) ersetzt worden, gilt es die umliegende Muskulatur zu stärken und zu dehnen sowie die Tiefensensibilität und Koordination neu zu erlernen. Es braucht angemessene Be- und Entlastungsreize, damit der Körper sich an das fremde Material gewöhnen kann. Zu vermeiden sind eine Adduktion (seitliches Heranführen) des Beines über die Körpermitte, eine Beugung im Hüftgelenk über 90°, sowie Rotationsbewegungen. Insbesondere die Physiotherapie im Wasser eignet sich aufgrund der Abnahme der Schwerkraft für die Rehabilitation. Begonnen wird mit der Physiotherapie im Wasser, sobald die Narbe abgeheilt ist. Im Folgenden werden einige Übungen hierfür vorgestellt.

Übungen im Wasser

1. Übung
Zum Aufwärmen im Wasser und zur Gewöhnung an den Auftrieb werden einige Minuten auf der Stelle gejoggt. Nehmen Sie Arme und Beine mit und atmen dabei gleichmäßig tief weiter. Wer sich noch zu unsicher fühlt, hält sich am Geländer oder einer Poolnudel fest.

2. Übung
Für die nächste Übung sucht sich jeder einen Platz am Beckenrand. Mit dem Rücken zur Wand und abgelegten Armen lassen Sie die Beine nach oben treiben und fahren „Fahrrad“, um die Beingelenke durchzubewegen.

3. Übung
Zur Kräftigung der Abduktoren und Schulung der Stabilität wird sich nun im Stehen zur Seite gedreht, nur noch ein Arm hält sich fest. Das Standbein steht leicht gebeugt auf dem Boden, das andere Bein wird gestreckt zur Seite abgespreizt und wieder an den Körper herangeführt. Um den Kraft-Ausdauerbereich zu trainieren, werden mit jeder Seite 10-12 Wiederholungen und 3 Sätze durchgeführt. Achten Sie darauf, im Wasser immer in Bewegung zu bleiben. In Pausen kann wieder leicht gejoggt werden.

4. Übung
In der nächsten Übung im Wasser wird nun im freien Stand eine Poolnudel unter einem Fuß gehalten. Lassen Sie Nudel und Bein vom Wasserauftrieb nach oben gleiten und drücken Sie sie dann langsam wieder herunter in Richtung Boden.

5. Übung
Um die Adduktoren, also die Beininnenseiten, zu trainieren, wird ein weicher Ball für einige Sekunden kräftig zwischen den Knien zusammen gedrückt. Diese Übung kann intensiviert werden, indem sich wieder mit dem Rücken zur Wand am Beckenrand festgehalten und die Beine mit dem Ball in der Mitte gleichzeitig hoch und runter bewegt werden.

6. Übung
Drehen Sie sich nun herum, haken die Füße unter dem Geländer ein und lassen den Körper in Rückenlage auftreiben. Eventuell benötigt es eine Poolnudel unter dem Oberkörper. Wie bei der Beinpresse werden die Beine nun angewinkelt und wieder gestreckt, der Körper also Richtung Beckenrand gezogen und wieder weggeschoben.

7. Übung
Auch klassische Dehnübungen können einfach im Wasser durchgeführt werden. Um die vordere Kette zu dehnen, halten Sie sich wieder einseitig am Rand fest, heben die Ferse eines Beines Richtung Po und halten diese Position mit der anderen Hand fixiert. Das Becken wird dabei nach vorn geschoben.

8. Übung
Um die ganze Seite aufzudehnen, werden im Stand die Arme nach oben gestreckt und der Oberkörper zu einer Seite geneigt. Für die Rückseite wird sich aus dem Stand leicht gebeugt, ein Bein nach vorne gestreckt abgestellt und die Fußspitzen heran gezogen.

Lesen sie mehr dazu in dem Artikel Wassergymnastik.

Übungen mit dem Theraband

Weitere Übungen außerhalb des Wassers, zur Kräftigung nach einer Hüft-TEP, lassen sich mit Hilfe von einem Theraband durchführen. Starten Sie zunächst mit weniger Zug, bzw. einem leichteren Theraband und steigern sich mit der Zeit.

1. Übung
Gestartet wird in Rückenlage. Die Füße sind aufgestellt, um die Knie spannt ein doppelt gebundenes Theraband. Die Beine spannen nach außen, gleichzeitig wird das Becken nach oben geführt und langsam wieder abgesenkt. Über 10-12 Wiederholungen wird die Theraband-Spannung gehalten.

2. Übung
In Seitlage wird das Theraband um den oberen Oberschenkel und eine Sprossenwand gebunden. Das Bein wird im Knie gebeugt, leicht angehoben und entgegen dem Zug vom Theraband nach hinten in Richtung Streckung und langsam nachlassend wieder vor geführt.

3. Übung
Ebenfalls in Seitlage wird das Theraband um beide Oberschenkel gebunden und nun das obere Bein angewinkelt abgespreizt und wieder zum Körper herangeführt. Eine weitere Übung erfolgt im Sitz mit hängenden Unterschenkeln wird das Theraband um ein Fußgelenk und unter dem Stuhlbein befestigt. Der Fuß wird leicht nach außen gedreht und das Bein nach oben und wieder herab geführt. Dadurch werden Die Adduktoren aktiviert.

4. Übung
Im Stand kann nun die Vorderseite in der nächsten Übung trainiert werden. Knoten Sie das Theraband wieder doppelt zusammen und wickeln es um ihre Füße, sodass diese in der Schlinge stehen. Nun wird ein Fuß angehoben, durch Beugung in Hüfte und Knie. Der andere Fuß fixiert das Theraband am Boden.

Trainieren Sie alle Übungen im Kraftausdauer- Bereich, 10-12 Wiederholungen auf jeder Seite und 3 Sätze. Die Übungen sollten unterbrochen, in ihrer Intensität herabgestuft oder in der Ausführung optimiert werden, wenn Schmerzen während oder nach dem Training auftreten.

Weitere Übungen für die Hüfte finden sie in dem Artikel Krankengymnastik nach einem Hüft TEP und Übungen für die Hüfte.

Prognose

Das Einsetzen einer Hüft-TEP zählt heutzutage zu den Routine-Eingriffen mit meist guten Verläufen. Das Material kann im Normalfall über Jahre im Körper bleiben. Die quälenden Schmerzen werden verringert oder verschwinden gar und die Beweglichkeit sowie die Gehstrecke nehmen wieder deutlich zu.

Prophylaxe

Eventuelles Übergewicht sollte auch nach dem Einsetzen einer Hüft-TEP abgebaut werden, da es immer eine erhöhte Belastung für den Körper und vor allem die Gelenke darstellt, ebenso wie das Heben und Tragen schwerer Lasten. Eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung sind wichtig für die Heilung. Übungen sollten regelmäßig durchgeführt werden, um den Abbau von Muskelmasse oder muskuläre Verkürzungen zu vermeiden. Gelenkschonende Sportarten sind zum Beispiel Schwimmen, Walken oder Fahrradfahren sind zu empfehlen. Das Einhalten der Bewegungsvorgaben (keine Rotation, übermäßige Adduktion und Flexion) sowie das Trainieren der umliegenden Muskulatur schützen das Gelenk vor einer Ausrenkung (Luxation).

Zusammenfassung

Das Einsetzen einer Hüft-TEP zählt heutzutage zur Routine und bringt den Patienten durch Schmerzfreiheit und Bewegungserweiterung einen Großteil ihrer Lebensqualität zurück. Unterstützt durch krankengymnastische Übungen werden positive Ergebnisse und Verläufe erzielt.