Hüftimpingement - Physiotherapie

Die Anatomie der Knochen ist leicht verändert, sodass die Gelenkpartner nicht optimal ineinander gleiten, sondern bei Bewegung anstoßen. Es werden zwei verschiedene Formen des Hüftimpingements unterschieden: Pincer-Impingement und Cam-Impingement. Beim Pincer-Impingement handelt es sich um eine Fehlbildung der Gelenkpfanne am Beckenknochen. Die hohle Halbkugel ist zu tief, sodass eine Führung fehlt und der Oberschenkelknochen bei Bewegungen an den Pfannenrand schlägt. Beim Cam-Impingement liegt die Fehlbildung beim Oberschenkelkopf. Das Ende des Oberschenkels ist nicht ganz rund geformt und verklemmt so bei Bewegungen in der Pfanne. Bereits eine minimale Abweichung in der Form führt zum beschriebenen Krankheitsbild. Betroffen sind häufig junge bis mittelalte Sportler mit extremen Belastungen auf dem Hüftgelenk. Häufig betroffen sind Fußballer.



Physiotherapeutische Therapie

Eine gering ausgeprägte Form des Hüft-Impingements kann zunächst konservativ, also ohne Operation, behandelt werden. Dazu wird der Patient zu einem Physiotherapeuten überwiesen. In der Physiotherapie werden gemeinsam individuell angepasst Ziele erarbeitet und passende Therapiemaßnahmen ausgewählt. Die Schmerzen sollen gesenkt werden, die Beweglichkeit vergrößert, Ausweichbewegungen und Schonhaltungen vermieden, Muskulatur aufgebaut und gedehnt, Bewegungsabläufe optimiert werden. Es wird an Haltung und Gang gearbeitet, sowie spezifischen Bewegungsabläufen im Sport oder anderen Situationen, die im Alltag Beschwerden verursachen. Um diese Ziele zu erreichen werden verschiedene manuelle Maßnahmen zur Mobilisation des Gelenks angewandt, sowie aktive Übungen zur Dehnung und Kräftigung umliegender Muskulatur, wovon einige im Folgenden vorgestellt werden.
Wichtig ist das Gelenk zu entlasten und die ursprünglich auslösende Tätigkeit wie den Sport für eine Weile zu unterlassen. Bei der Therapie, besonders der passiven Mobilisation, muss beachtet werden, dass das schon gereizte Gelenk nicht noch mehr mit unnötiger Bewegung belastet wird, zum Beispiel mit Bewegung in starker Beugung, bei welcher ja die Knochen beim Hüft-Impingement zusammenstoßen. Therapiemethoden ohne Operation bei stärkerer Ausprägung sind recht begrenzt, da es sich um ein manifestiertes knöchernes Fehlwachstum handelt.

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Übungen

Empfohlene Übungen um ein Impingement in der Hüfte zu behandeln sind an erster Stelle Kräftigungsübungen rund um das Gelenk und die Hüfte sowie allgemeine Körperstabilisation. So kann das Gelenk von umliegenden Strukturen stabil gehalten werden, statt mehr und mehr in die Fehlhaltung zu rutschen. Wichtig ist, nicht in den Schmerz hineinzutrainieren, da er immer ein körpereigenes Warnsignal darstellt. Da bei dem Hüft-Impingement besonders die Beugung schmerzhaft eingeschränkt ist, lässt sich die Hüft- und Gesäßmuskulatur mit Übungen in Richtung Streckung trainieren, was gleichzeitig das zu enge Gelenk entlastet und nach vorn öffnet.

1) Aus dem aufrechten Stand eignet sich beispielsweise eine Übung mittels Theraband. Binden sie dies im hüftbreiten Stand um die unteren Unterschenkel. Wie stramm, orientiert sich an der individuellen Kraft. Nun wird langsam ein Bein nach außen abgespreizt und mit gegenhaltender Kraft wieder zurückgeführt. Ohne das Bein abzusetzen wird diese Bewegung 10 mal durchgeführt und mit kurzen Pausen drei mal durchgeführt. Trainieren sie beide Seiten. Um die Gegenseite, die Beininnenseite zu kräftigen, wird das Theraband um ein Bein und einen stabilen Gegenstand wie ein Tischbein geknotet. Nun wird das Bein gegen Widerstand nach innen herangezogen.

2) Um die Gesäßmuskulatur zu kräftigen, eignet sich das sogenannte Bridging. In Rückenlage werden die Füße hüftbreit aufgestellt. Die Fußspitzen werden angehoben und die Fersen in die Unterlage gedrückt um Körperspannung aufzubauen. Auch der untere Rücken und die Arme, die seitlich entlang des Körpers liegen werden auf den Boden gedrückt. Nun wird langsam und unter Spannung das Becken angehoben, bis der Oberkörper eine Diagonale mit den Oberschenkeln bildet. Die Position kurz halten, tief in den Bauch atmen und das Becken wieder senken, ohne es ganz auf den Boden anzulegen – die Körperspannung wird die ganze Zeit über gehalten. Etwa 10 mal wird das Becken gehoben und gesenkt. Führen Sie drei Sätze dieser Übung durch.

3) Um die verspannte Vorderseite aufzudehnen und Platz zu schaffen, wird im hüftbreiten Stand eine Ferse Richtung Gesäß gehoben, der Unterschenkel mit der Hand der selben Seite um griffen und leicht weiter heran an den Körper gedrückt. Das Becken wird nach vorn geschoben, bis ein Dehngefühl auf der Hüftvorderseite und im vorderen Oberschenkel zu spüren ist. Halten sie die Dehnung für etwa 30 Sekunden um einen Effekt zu erzielen.

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Weitere Maßnahmen

Weitere Maßnahmen um die schmerzende Hüfte zu entlasten sind manuelle Maßnahmen wie die Traktion, bei welcher das Gelenk leicht auseinander gezogen wird, sowie die Massage umliegender verspannter Muskulatur.  Ist das Hüft-Impingement zu stark ausgeprägt, die konservative Therapie nicht effektiv oder eine Ausübung des Sports nicht mehr möglich, muss eine Operation in Betracht gezogen werden, um schmerzhafte Langzeitschäden zu vermeiden.

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Behandlung durch eine Operation

Bei der Operation eines Hüft-Impingements wird die überschüssige Knochenmasse, welche ursächlich für das Anschlagen und den Platzmangel ist, abgetrennt. Entweder von der Gelenklippe beim Pincer-Impingement oder dem Gelenkskopf beim Cam-Impingement, sodass dieser wieder rund ist und optimal in die Pfanne passt, ohne Beschwerden bei Bewegung zu verursachen. Es handelt sich jedoch um eine offene und recht aufwendige Operation, was einen langwierigen Heilungsprozess (bis zu 6 Monaten zum Wiedereinstieg in Alltag und Beruf) zur Folge hat. Die Ergebnisse sind nach Einhalt der Regenerationszeit jedoch in der Regel positiv. Nach der Operation kann und soll ins volle Bewegungsausmaß trainiert werden, Schmerzen verschwinden und eine Ausübung des ursprünglich verantwortlichen Sports wird wieder möglich. Trotzdem sollte jedoch immer an Ausgleichsübungen und Regenerationszeiten gedacht werden.

Symptome

Um das Krankheitsbild des Impingements an der Hüfte besser verständlich zu machen, wird zunächst auf den Namen und schließlich kurz auf die Anatomie, also den Aufbau der Hüfte, eingegangen. Das Wort Impingement kommt aus dem englischen und bedeutet soviel wie Zusammenstoßen, Auftreffen, Einklemmen. Die Hüfte ist das Gelenk zwischen Becken und Oberschenkel, verbindet also den Rumpf mit den Beinen. Das obere Ende des Oberschenkelknochens ist gebildet wie eine Kugel. Der andere Gelenkpartner – der Beckenknochen – ist geformt wie eine hohle Halbkugel und bildet somit die Gelenkpfanne. Um mehr Stabilität zu Gewährleisten, wird die Gelenkpfanne durch einen Knorpelring, einer sogenannten Gelenklippe, noch etwas vergrößert und umschließt den Oberschenkelkopf. Durch diesen kugelförmigen Aufbau werden im Hüftgelenk Bewegungen in alle Freiheitsgrade ermöglicht.

Durch das Anschlagen und Einklemmen der Gelenkpartner bei Bewegung kommt es zunächst zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen sowie Schmerz in der Leiste. Meist auftretend in starker Beugung und Innenrotation. Doch dabei bleibt es nicht. Besteht das Krankheitsbild über längere Zeit, wird der Gelenkknorpel nach und nach geschädigt. Durch die ständige Reizung entstehen Entzündungen und der geschädigte Knorpel läuft Gefahr, eine Arthrose zu entwickeln. Schonhaltungen werden angenommen, was zu weiteren umliegenden Verspannungen und irgendwann zu unphysiologischen strukturellen Veränderungen führt.

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Zusammenfassung

Beim Hüft-Impingement handelt es sich um ein knöchernes Fehlwachstum, von welchem meist junge Sportler betroffen sind. Bei geringer Ausprägung kann eine konservative Therapie genügen, Kraftaufbau und eine stabile Haltung, kombiniert mit Entlastung des Gelenks und Unterlassung des ursächlichen Sports. In Fällen mit stärkerer Ausprägung muss eine operative Abtragung des überschüssigen Knochens welcher für die Gelenkenge verantwortlich ist in Betracht gezogen werden, um schmerzhafte Langzeitschäden zu vermeiden.