Krankengymnastik Muskelfaserriss

Die erste Maßnahme einer Krankengymnastik beim Muskelfaserriss ist die sogenannte „PECH-Regel“. Diese ist direkt nach einem Muskelfaserriss von jedermann anwendbar. Umso schneller eingegriffen wird, desto eher kommt der Sportler wieder auf die Beine. PECH steht für Pause, Eis, Kompression, Hochlagern. Das heißt die sportliche Betätigung soll sofort nach einem Muskelfaserriss unterlassen werden, die betroffene Stelle wird unter einem Kompressionsverband gekühlt und hochgelagert, um die Schwellung möglichst gering zu halten. Aktuelle Studien empfehlen den Kühlverband alle 20 Minuten zu wechseln mit jeweils 10-minütigen Pausen. Auch danach sollte das Bein, bzw. das betroffene Körperteil weiter hochgelagert werden um den Abfluss zu erleichtern.

Die Krankengymnastik/Physiotherapie richtet sich nach den sogenannten Wundheilungsphasen. Jede Verletzung des Körpers durchläuft während der Heilung verschiedene Phasen, so auch der Muskelfaserriss. Die klassische Einteilung erstreckt sich von der Entzündungsphase (bis zu fünf Tagen), der Proliferationsphase (etwa bis zum 21. Tag) und der Remissionsphase, welche bis zu einem Jahr dauern kann und bei welcher die Struktur ihr volle Belastbarkeits- und Funktionsfähigkeit wieder erlangt.

Wird zu früh und zu stark belastet in der Krankengymnastik/Physiotherapie, kann eine erneute Entzündung auftreten und die Phasen verlängern sich dementsprechend. Es sollte also immer auf genügend Schonung geachtet werden, das heißt jedoch nicht, dass der Muskel wochenlang ruhig gehalten wird. In jeder Phase brauchen die neu wachsenden Fasern Reize, die sie richtig ausrichten lassen und auf ihre Funktion vorbereiten. Ansonsten kommt es zu Verklebungen, Funktionsabbau und Abschwächung bis Gewebeabbau (Atrophie) des Muskels. Der Physiotherapeut kann gemeinsam mit dem Patient optimale Übungen zur Reizsetzung in der Krankengymnastik/Physiotherapie finden und ständig anpassen.

Akutphase

Im Akutstadium ist es wichtig, dass der Muskel nicht während der Krankengymnastik/Physiotherapie gedehnt wird. Denn die neuen Fasern müssen zuersteinmal wieder zusammen wachsen und nicht noch weiter voneinander entfernt werden. Das betroffenen Körperteil mit dem Muskelfaserriss kann immer ohne große Belastung bewegt werden, jedoch nur im schmerzfreien Bereich. Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers und sollte nie in der Krankengymnastik/Physiotherapie ignoriert werden. Bewegung signalisiert den Fasern, in welche Richtung sie sich ausrichten müssen und dass sie flexibel werden sollen. Ständiges ruhig halten würde ihnen signalisieren, dass sie ein stabiles, verflochtenes Netz bilden sollen, welches kaum Bewegung zulässt. Der Physiotherapeut kann diesen Verklebungen durch passive Bewegung während der Krankengymnastik/Physiotherapie entgegenwirken. Schonende Bewegungsmöglichkeit bei einem Muskelfaserriss für zuhause ist das Fahrradfahren auf einem Heimtrainer ohne Widerstand.

Physiotherapie nach der Akutphase

Ist die Akutphase beim Muskelfaserriss vorüber und der Muskel im schmerzfreien Bereich wieder beweglicher, sind sogenannte Funktionsmassagen in der Krankengymnastik/Physiotherapie angebracht. Hier wird der Muskel längs seines Faserverlaufs komprimiert und vorsichtig in die Dehnposition gebracht. Der Vorteil dieser Maßnahme in der Krankengymnastik/Physiotherapie, ist die genau dosierbare und individuell anpassbare Dehnung und Bewegung. Des weiteren sind aktive Dehnungen eher als Passive beim Muskelfaserriss zu empfehlen, da so der Patient selbst dosieren kann und weniger Gefahr der Überdehnung besteht. Um dem Muskelabbau entgegen zu wirken kann der Muskel zunächst statisch – also ohne Bewegung – angespannt und entspannt werden. Dies kann in jeder Position mehrmals, nicht nur während der Krankengymnastik/Physiotherapie, am Tag durchgeführt werden. Einige Sekunden wird die Spannung gehalten, gelöst und wiederholt. Wie bei der Dehnung gilt auch hier, nur im schmerzfreien Bereich zu üben. Über Faszientechniken kann der Physiotherapeut umliegendes Gewebe beim Muskelfaserriss, welches durch die Schonhaltung verkürzt, während der Krankengymnastik/Physiotherapie lockern.

Aktive Phase in der Physiotherapie

  • Wenn der Muskelfaserriss größtenteils verheilt ist, sich also neue Fasern gebildet haben, Entzündungszeichen wie Schmerz und Schwellung zurück gegangen sind und der Muskel seine volle Funktion zurückerlangen soll, muss der Muskel und die sogenannte Propriozeption während der Krankengymnastik/Physiotherapie trainiert werden. Damit ist die ordentliche Ansteuerung, das Funktionieren verschiedener Muskeln miteinander und die korrekte Reizleitung gemeint. Der Muskel muss also nach dem Muskelfaserriss im gesamten System wieder funktionieren. So wird sich gleichzeitig vor erneuten Verletzungen geschützt.Gängige Übungen während der Genesung bei einem Muskelfaserriss sind zum Beispiel der Einbeinstand oder das Ausbalancieren auf einem Wackelkissen oder unebenem Untergrund. Eine Übung aus der Krankengymnastik/Physiotherapie für zuhause ist beispielsweise das Stehen auf einer zusammengerollten Sofadecke. Funktioniert dies auch einbeinig, können hierauf Kniebeugen geübt werden.
     
  • Wichtig ist außerdem, die sogenannte Exzentrik des Muskels zu trainieren. Exzentrische Kraft ist das langsame Nachlassen. Diese Muskelarbeit wird benötigt, wenn man ein Treppe hinabsteigt oder sich hinsetzen möchte – um nur einige gängige Alltagsbeispiele zu nennen. Trainiert werden kann diese Kraft zum Beispiel, indem sich der Patient in der Krankengymnastik/Physiotherapie auf einen Hocker stellt und ein Bein langsam absinken lässt. Im Grunde ein Nachahmen des Treppensteigens. Für den Alltag bei einem Muskelfaserriss wird der Kraftausdauerbereich trainiert, also etwa 12-15 Wiederholungen und das ganze drei mal. Wer ins Fitnessstudio geht, kann seine exzentrische Kraft auf der Beinpresse trainieren, indem sich besonders beim Zurückführen Zeit gelassen wird. Auch der Physiotherapeut kann individuell Widerstände in der Krankengymnastik/Physiotherapie setzen, gegen die der Patient langsam nachlassen muss. So können gezielt einzelne Muskeln oder Muskelgruppen trainiert werden.
     
  • In der Krankengymnastik/Physiotherapie gibt es bestimmte Bewegungsmuster, die Muskelketten genau trainieren können – so genannte PNF-Pattern. So kann zum Beispiel das „Schuss-Muster“ für den Fußball oder einfach die Gehbewegung nach einem Muskelfaserriss optimiert und trainiert werden. Diese Muster existieren für Beine, Arme, Becken und Schultergürtel. Beim Muskelfaserriss kann diese Technik schon recht früh zum simplen Bewegen angewandt werden, um alle Muskeln und Bewegungsrichtungen mit einzubeziehen – allerdings dann noch ohne Widerstände.

Weitere Informationen erhalten Sie in dem Artikel "Muskelfaserriss"

Wiedereinstieg in den Sport

Ist der Muskelfaserriss wieder ausgeheilt und der Muskel durch die Krankengymnastik/Physiotherapie auftrainiert, kann langsam wieder in den Sport eingestiegen werden – dies dauert einige Wochen! Das Training wird langsam gesteigert, wichtig ist, immer die Regenerationszeiten zu beachten. So besteht nicht die Gefahr, seinen Muskel oder gar den Körper gleich wieder zu überlasten. Stabilisations-, Kraft- und Dehnübungen sollten auch weiterhin fortgeführt werden. Training und Übungen lassen sich ständig individuell anpassen und abwechslungsreich gestalten. So sinkt die Gefahr, erneut durch einen Muskelfaserriss aus dem Sport auszuscheiden.

Weitere Tipps für die Phase der Wundheilung ist der Verzicht auf Alkohol, denn dieser stört den natürlichen Verlauf und schwächt das Immunsystem. Dagegen wird eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit viel Eiweiß empfohlen, welches den Baustoff für den Körper und vor allem für die Muskulatur bietet. Entlastende Sportarten für Trainingspausen sind Radfahren und Schwimmen: Harmonische und gelenkschonende Bewegungen, die den Körper fit halten.

Weitere Verfahren aus der Krankengymnastik

Weitere Maßnahmen in der Krankengymnastik/Physiotherapie beim Muskelfaserriss sind Tapeanlagen, um den Muskel zu entlasten und gleichzeitig in seiner Funktion zu unterstützen. Sie können dem Gewebe Platz geben um eine ausreichende Durchblutung und Ernährung zu gewährleisten und Spannung von den Strukturen zu nehmen. Diese empfehlen sich auch zum Wiedereinstieg in den Sport nach einem Muskelfaserriss. Bei extremen Schwellungen gibt es Anlagen, die den Abfluss fördern. In diesem Fall können außerdem Manuelle Lymphdrainagen während der Krankengymnastik/Physiotherapie sinnvoll sein. Schmerzlindernde, kühlende und abschwellende Salben können die Entzündungsphase bei einem Muskelfaserriss angenehmer gestalten. Es sollte hier nicht zu viel gekühlt werden, da Eis die Gefäße enger werden lässt, für weniger Durchblutung sorgt, somit die Gewebsversorgung vermindert und die physiologische Wundheilung stört. Es dient größtenteils zur Erstversorgung, um eine große Schwellung beim Muskelfaserriss zu verhindern.

Magnesium, Zink und Vitamine D+E eignen sich zur Regeneration von Muskeln. Bei der Einnahme von Schmerzmitteln sollte sich keinesfalls überschätzt werden – der Körper ist hier lediglich betäubt und noch in der selben empfindlichen Verfassung!

Prophylaxe

Um einem Muskelfaserriss vorzubeugen gilt es, sich vor jedem Sport genügend aufzuwärmen, sowie Regenerationsphasen einzuhalten. Ist der Körper nicht genügend erholt, fehlt ihm die Kraft sich selbst zu schützen und volle Leistung zu liefern. Wenn bereits Schmerzen aufgetreten sind, sollte nie weiter trainiert werden, denn Schmerz ist immer ein Warnsignal vom Körper. Wer des öfteren Probleme mit den Beinen hat, sollte seine Sportschuhe checken lassen und sich eventuell nach einer Laufbandanalyse neue zulegen. Hier sollte nicht gespart werden und sich der Rat eines Profis eingeholt werden. Auch eine Bewegungsanalyse ist im Sport sinnvoll, denn Ausweichbewegungen und falsche Ausführungen oder zu einseitige Belastungen schaden dem Körper auf Dauer. Ab einem gewissen Grad ist dieser nicht mehr in der Lage zu kompensieren und Verletzungen, wie ein Muskelfaserriss, entstehen. Dysbalancen im Körper müssen ausgeglichen werden,eventuell durch einen alternativen Sport. Durch ein achtsames und ausgeglichenes Training und das Hören auf den eigenen Körper können langwierige Verletzungen größtenteils vermieden werden.

Ursachen

Die einzelnen Zellen eines Muskels werden als Fasern bezeichnet. Diese sind lang und dünn. In den Muskelfasern liegen Elemente, die sich bei der Anspannung (Kontraktion) verkürzen. Diese Elemente gleiten für eine Bewegungsentstehung langsam ineinander und auseinander. Hilfseinrichtungen in der Muskelatur kontrollieren ständig dessen Spannung und verhindern zum Beispiel eine Überdehnung durch reflektorisches Gegenspannen. So wird der Muskel vor Verletzungen geschützt. Wird ein Muskel jedoch zum Beispiel unaufgewärmt oder zu oft hintereinander sehr stark belastet, können auch körpereigene Systeme nicht mehr für ausreichenden Schutz sorgen. Zum Muskelfaserriss, also dem Zerreissen von Muskelzellen kommt es, wenn ein Muskel überdehnt wird. Eine typische Bewegung für die Entstehung von einem Muskelfaserriss ist das Lossprinten aus vorgedehnter Position oder der Schuss beim Fussball, wenn das Bein mit hohem Tempo und viel Kraft nach vorn geschleudert wird. Der entstehende Muskelfasserriss beim Lossprinten betrift die unaufgewärmte Wade, der Muskel ist noch nicht flexibel genug und wird mit einer schnellen kräftigen Bewegung auseinander gezogen. Beim Fussball kann es nach einem langen Spieleinsatz durch Ermüdung zu mangelndem Schutz und so zum Zerreissen der Fasern bei der plötzlichen Dehnbewegung kommen.

Stufen der Muskelverletzung

Die verschiedenen Stufen der Muskelverletzung gliedern sich in die Muskelzerrung– der Muskel wird übermäßig auseinandergezogen, es kommt jedoch nicht zum Riss, dem Muskelfaserriss – dem Reißen einzelner Muskelzellen, dem Muskelbündelriss und dem Muskelriss, bei welchem der komplette Muskel mit seiner Ansatzsehne vom Knochen abreist. Davon abzugrenzen ist der Muskelkater, bei welchem die einzelnen Elemente des Muskels durch Überlastung zu weit ineinander gleiten und so kleine Verletzungen verursachen. Beim Muskelfaserriss kommt es zu einem einschießenden stechenden Schmerz im Moment des Reißens und in dem Moment, in welchem sich der Muskel wieder zusammenzieht. Jegliche Bewegung und Belastung werden schmerzhaft. Die Rissstelle ist als kleine Delle im Muskel zu spüren. Rundherum kommt es durch Einblutung zu einer Schwellung, welche durch den Druck im Muskel ebenfalls zu Schmerzen bei einem Muskelfaserriss führen kann.

Umfassende Informationen zu diesem Thema finden Sie im Artikel: Muskelfaserriss

Zusammenfassung

Der Muskelfaserriss ist eine langwierige Verletzung, welche zu oft wochen- bis monatelangem Ausscheiden aus dem Training führen kann. Durch ein optimiertes Training/Krankengymnastik/Physiotherapie, genügendes Aufwärmen sowie einhalten von Pausen und den im Text genannten Maßnahmen lässt sich der schmerzhaften Wunde vorbeugen oder bei bereits eingetretener Verletzung der Heilungsverlauf beim Muskelfaserriss positiv beeinflussen. Auch der Allgemeinzustand, der Lebensstil sowie die Ernährung spielen hier eine wesentliche Rolle. Der Körper muss als großes Ganzes gesehen werden und der Fokus nicht nur auf die nicht funktionierenden „Einzelteile“ gelegt werden.