Krankengymnastik nach Vojta

Die Krankengymnastik nach Voita ist eine spezielle Therapieform in der Krankengymnastik, benannt nach ihrem Begründer Vaclav Voita. Sie dient vor allem der Behandlung von Störungen des Zentralen Nervensystems von Kindern und Erwachsenen, kann aber auch in weit aus mehr Bereichen angewandt werden. In einigen Physiotherapieschulen sind Grundlagen der Therapie auch Teil der Ausbildung, aber es handelt sich um ein eigenständiges, komplexes Therapiekonzept, für das Berufserfahrung und eine umfassende Fortbildung nötig ist.



Was versteht man unter der Krankengymnastik nach Vojta?

Es geht bei der Krankengymnastik nach Vojta darum, physiologische angeborene Bewegungsmuster abzurufen. Das heißt, Bewegungen, die während der Entwicklung in unserem zentralen Nervensystem gespeichert werden, sollen aktiviert werden um eventuelle Fehlsteuerungen des Nervensystems zu verringern. Zum Beispiel ist eine Spastik durch eine zu hohe Aktivität des Nervensystems hervorgerufen. Durch eine Senkung der Aktivität kann die Spastik durch Vojta gelockert werden. Die Vojtatherapie richtet sich vor allem an Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Ursprünglich wurde sie für die Behandlung von Kindern entwickelt und ist heute noch ein Schwerpunkt in der pädiatrischen Physiotherapie, sie dient aber auch der Behandlung von Erwachsenen Patienten. Durch die Krankengymnastik nach Vojta kann man direkten Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen. Man kann Muskulatur aktivieren oder, wie oben beschreiben entspannen, man kann bestimmten Bewegungsmustern (z.B. typische Bewegungen einer Spastik) entgegenwirken und sogar die Atmung beeinflussen. Der Ablauf der Therapie ist trotz unterschiedlicher Wirkung immer gleich aufgebaut. Der Körper reagiert unwillkürlich auf die Reizung und in einer physiologischen, also funktionalen gesunden Art und Weise. Der Patient kann die Reaktion nicht steuern. Die Effekte der Krankengymnastik nach Vojta bleiben dabei einen gewissen Zeitraum aktiv. Um eine optimale Verbesserung der vorliegenden Störung zu erzielen, sollte die Vojtatherapie nach ihrem Konzept mehrfach täglich durchgeführt werden. Dies ist im Therapiealltag natürlich nur schwer möglich und bei Erwachsenen meist allemal in Rehabilitationseinrichtungen umzusetzen in der Pädiatrie führen die Eltern die Therapie zu Hause durch.

Vojta in der Pädiatrie

Die Krankengymnastik nach Vojta spielt eine bedeutende Rolle in der Behandlung und Diagnostik von Kindern. Besonders in der physiotherapeutischen Behandlung von Frühchen oder Kindern mit Entwicklungsstörungen jeglicher Art wird viel „Vojta geturnt“. Krankengymnastik nach Vojta dient unter anderem der Behandlung von Kindern mit infantiler Cerebralparese, Frühchen mit zu wenig oder zu viel Muskeltonus (Klumpfuß), Kinder mit Downsyndrom, Kinder mit Spina Bifida (Offener Rücken) aber auch orthopädische Krankheitsbilder wie Haltungsasymmetrien oder ein Schiefhals von Babys und Kindern werden mit Vojta behandelt. Entwicklungsstörungen oder Verzögerungen können durch bestimmte diagnostische Techniken, die sogenannten Lagereatktionen nach Vojta, erkannt werden und dienen dazu möglichst früh mögliche Entwicklungsstörungen zu identifizieren und zu behandeln. Bei Kindern ist das Nervensystem noch in Entwicklung. Es können noch große Erfolge erzielt werden durch ein frühes Einsetzen der Therapie und eine regelmäßige Durchführung. Eltern sollten von ihrem Vojtatherapeuten immer eingewiesen werden, wie die Therapie zu Hause durchgeführt werden sollte und wie oft. Kleine Kinder reagieren häufig heftig auf die Behandlung nach Vojta und schreien. Die Eltern sollten aufgeklärt werden, dass die Krankengymnastik nach Vojta ihren Kindern nicht weh tut, oder schadet, aber anstrengend und ungewohnt für die Babys und Kleinkinder ist. Der psychische Aspekt sollte immer mit beachtet werden. Die Eltern sollten die Therapie genau und oft zu Hause durchführen, hierzu müssen sie ihr Kind in einer unangenehmen Position fixieren und den Protest des Kindes ertragen. Manchmal ist die Reaktion der Kinder so heftig, dass eine andere Therapieform in Betracht gezogen werden sollte. Das Verhältnis zwischen Kind und Eltern sollte durch die Therapie niemals gefährdet werden. Ist die Durchführung von Vojta eine zu große Belastung, ist das als Gegenanzeige für das Durchführen der Therapie zu sehen! Häufig begleitet die Krankengymnastik nach Vojta Kinder mit chronischen Erkrankungen ein Leben lang. Dies kann für alle Beteiligten anstrengend und schwierig werden. Es sollten Therapiepausen und Alternativen bedacht werden. Allerdings ist eine gewisse Ausdauer und Konsequenz nötig für eine Behandlung von Entwicklungsstörungen und chronischen Behinderungen oder Fehlhaltungen. Durch die Krankengymnastik nach Vojta sind häufig direkt nach der Behandlung gute Erfolge zu sehen und verbessern die Symptomatik der Patienten.

Beschreibung der Durchführung

Die Krankengymnastik nach Vojta baut auf ein ganz eigenständiges Konzept auf. Es geht hierbei darum, durch die Reizung bestimmter Reflexzonen eine Reaktion im Organismus hervorzurufen. Diese Reaktion läuft unwillkürlich ab und ist vom Patienten nicht zu steuern, was anfangs für die Patienten oft befremdlich ist. Nicht immer ist eine Reaktion von außen sichtbar. Häufig müssen die einzelnen Zonen auch erst „aktiviert“ werden um eine Reaktion auszulösen. Sie kann sich in Form von Bewegungen, einem Wärmegefühl, einer Vertiefung der Atmung oder einer Entspannung der Msukulatur zeigen. Manchmal zeigen sich die Folgen auch erst, wenn der Patient die Therapie verlässt und wieder seine gewohnten Bewegungen ausführt. Häufig ist die Funktionseinschränkung der Patienten deutlich verbessert. In der Krankengymnastik nach Vojta liegt ein sehr genaues Konzept vor. Der Patient nimmt eine genau definierte Position auf einer extra großen Therapiebank ein. Es gibt eine Vielzahl von festgelegten Positionen. Diese werden durch den Vojta-Therapeuten eingestellt, das heißt der Therapeut hilft dem Patienten, falls nötig die Ausgangsstellung einzunehmen. Es ist für den Therapieerfolg wichtig, die Positionen so genau wie möglich einzunehmen.

Es gibt einfache Positionen wie z.B. die erste Phase, in der der Patient auf dem Rücken liegt, den Kopf in einem bestimmten Winkel zu einer Seite neigt und Arme und Beine einfach neben sich ausstreckt. Komplizierter ist die Position des Reflexkriechens. Hier liegt der Patient in Bauchlage, ein Bein zum Körper gezogen, ein Arm neben dem Kopf, einen nach hinten lang neben dem Körper ausgestreckt. Eventuell können bestimmte Ausgangsstellungen auch mit Lagerungsmaterial, also z.B. Kissen, Therapierollen, Handtüchern etc. gesichert werden. Der Therapeut reizt nun durch Druck mit seinen Fingern in eine bestimmte Richtung genau festgelegte Reflexzonen. Diese können sich z.B. an der Ferse befinden, an den knöchernen Gelenkhöckern des Knies, am Brustkorb oder am Schulterblatt. Die Zonen können einzeln oder mehrere Zonen gleichzeitig aktiviert werden. Teils kommt es dazu, dass der Therapeut sich bei der Krankengymnastik nach Voita fast mehr bewegt und verrenkt als der Patient, damit er alle Zonen, die für den Therapieerfolg wichtig sind erreicht. Die Druckpunkte werden nun für eine gewisse Zeit einfach gehalten, und die Reaktion abgewartet. Der Effekt der Krankengymnastik nach Voita verschwindet nicht direkt nach der Therapie, sondern bleibt einen gewissen Zeitraum aktiv. Daher sollte die Therapie mehrmals täglich durchgeführt werden um die gesunden Aktivitätsmuster aktiv zu halten.

Kontraindikationen

Krankengymnastik nach Voita sollte nicht angewendet werden, wenn ein Arzt dies ausdrücklich untersagt hat oder der Patient unter akuten entzündliche Prozesse leidet. So sollte zum Beispiel nach einem fieberhaften Infekt eine dreitägige Therapiepause eingelegt werden. Bei der Neigung zu Krampfanfällen sollte ebenfalls über eine alternative Therapieform nachgedacht werden. Wichtig ist jedoch auch der psychische Aspekt. Wenn Kinder oder Eltern nicht in der Lage sind, die Therapie psychisch zu verarbeiten ist das ebenfalls ein Grund die Krankengymnastik nach Voita zu hinterfragen!

Zusammenfassung

Die Krankengymnasitk nach Voita ist eine eigenständige Therapieform, die gesondert vom Arzt verordnet werden muss. Ausgebildete Voitatherapeuten führen die Krankengymnastik durch. Das Konzept baut auf eine definierte Kombination von Druckpunkten und bestimmten Therapiestellungen auf, und dient der Aktivierung und Beeinflussung des zentralen Nervensystems. Gesunde motorische und neurale Muster sollen aktiviert werden, Muskulatur kann entspannt oder gekräftigt werden, Spastiken gelöst werden, sogar die Wahrnehmung und Koordination können verbessert werden. Voita hat ebenfalls Auswirkungen auf die Haltung und die Atmung. Die Therapieform dient hauptsächlich der Behandlung neurologischer Erkrankungen von Erwachsenen und Kindern. In der Therapie von Frühchen oder Kindern mit Entwicklungs- oder Haltungsstörungen ist die Krankengymnastik nach Voita oft das Mittel der Wahl. Eltern sollten dringend in die Therapie eingewiesen werden und über Folgen und Abläufe aufgeklärt werden. Besonders in er Behandlung von Kindern ist eine konsequente regelmäßige Therapie, mehrmals täglich wichtig um Entwicklungsstörungen oder Haltungsschäden frühst- und bestmöglich entgegen zu wirken.