Physiotherapie bei einem Klumpfuß

Der Klumpfuß ist die häufigste Fehlbildung der Extremitäten und tritt häufig bereits während der Entwicklung auf, sodass das Kind mit einem Klumpfuß geboren wird. Die Behinderung kann einseitig oder beidseitig auftreten. Durch eine Muskelverkürzung der Achillessehne und weitere genetische Faktoren kommt es zur Ausbildung eines Klumpfußes der sich aus 4 verschiedenen Fußdeformitäten zusammensetzt (siehe unten im Text "Fußfehlstellungen"). Der Fuß ist so für das alltägliche Gehen und Bewegen schlecht oder nicht geeignet.



Klumpfuß bei einem Baby

Ist der Klumpfuß angeboren, ist eine frühzeitige Therapie bei Babys indiziert. Die Behandlung dauert an, bis zum Abschluss der Wachstumsphase und ist somit langwierig und aufwendig. Eine Vielzahl verschiedener Operationstechniken können zum Einsatz kommen. In den ersten Tagen nach der Geburt soll der Klumpfuß in die physiologische Stellung mobilisiert und dort fixiert werden. Man spricht von Redressement und Retention. Zur Fixation (Retention) dient ein Gipsverband, dessen häufiges wechseln als sehr anstrengend empfunden werden kann. Die Positionierung (Redressement) wird bei jeder neuen Gipsanlage verbessert. Reicht diese konservative Therapie nicht aus, können auch bei Kindern (ab 3 Jahre) bereits Operationen durchgeführt werden, die die Achillessehne verlängern sollen. Für die Eltern ist das häufige Gipswechseln in den ersten Lebensmonaten ihres Babys häufig eine hohe Belastung. Nach Abnahme des Gipsverbands beginnt eine intensive krankengymnastische Behandlung, bei der auch die übrigen Gelenke der unteren Extremität mobilisiert werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Übungen/ Behandlung von einem Klumpfuß

Physiotherapie

Ziel der Physiotherapie beim Klumpfuß ist es, das muskuläre Ungleichgewicht soweit zu beheben, um eine möglichst physiologische Gelenkstellung der Fußgelenke zu gewährleisten. Hierzu dient eine intensive Dehnung der verkürzten Muskeln und des Quergewölbes, eine Verbesserung der Koordination und Sensibilität. Weiterhin können die einzelnen Gelenke manuell mobilisiert werden. Zur Verbesserung der Motorik können Techniken aus dem Bereich Voita, PNF oder auch alltägliche Bewegungen wie Klettern, Gangschulung auf bestimmten Untergründen, Training auf der Weichbodenmatte dienen. Das Beheben von muskulären Dysbalancen steht im Mittelpunkt. Die Achillessehne kann aufgedehnt werden, über passive Dehntechniken über die Bewegung des Sprunggelenks, wie auch durch eine manuelle Behandlung der Weichteilstrukturen. Muskeln, die nicht richtig innerviert werden, können mittels Elektrotherapie stimuliert werden, dies gilt vor allem für die Pronatorengruppe, die die Fußkante nach außen heben. Von essentieller Bedeutung bei der Behandlung eines Klumpfußes ist es, Auswirkungen auf andere Gelenke, funktionelle Einschränkungen und Spätfolgen möglichst zu minimieren. Hierzu findet eine genaue Überprüfung der Statik des Patienten statt, die Gelenke Knie, Hüfte und auch das Kreuzdarmbeingelenk sowie die LWS werden in die Therapie mit einbezogen und die Stellung der Gelenke in der Physiotherapie bei Klumpfuß bedacht. Wurde eine oder sogar mehrere Operationen durchgeführt, sollte in der Physiotherapie das entstandene Narbengewebe in jedem Fall mobilisiert werden, um eine Verhärtung und Immobilisation des Gewebes zu vermeiden. Der Klumpfuß muss auch außerhalb der Therapie in einem intensiven Hausaufgaben Programm behandelt werden. Es ist wichtig, bis zum Abschluss der Wachstumsphase die Übungen regelmäßig auszuführen.

Übungen

Die Übungen sollten auf das jeweilige Alter des Patienten (Kind, Baby, oder Erwachsener) angepasst werden. Bei Kindern können sich spielerische Parcours anbieten. Die Übungen sollten darauf ausgelegt sein, die Dorsalextension, also das Heben des Fußrückens und die Pronation, also das Heben der Außenkante zu trainieren. Durch einen Slalomparcours bei dem ein Ball durch verschiedene Hindernisse manövriert werden soll, kann dies trainiert werden. Auch das emporklettern am Türrahmen (gut sichern!) unterstützt die gewünschten Bewegungsrichtungen, ebenso wie Klettern. Auch manuelle Mobilisation des Fußes durch Aufdehnung des Gewölbes und eine Fritkonsbehandlung (Massagegriffe punktuell quer zur Sehne) an der Achillessehne kann der Patient selbstständig durchführen. Kleinen Kindern können die Eltern an dieser Stelle gut helfen. Dehnungen für die Wadenmuskulatur, z.B. im Ausfallschritt mit dem zu dehnenden Bein hinten fest mit der Ferse am Boden abgesetzt (wenn möglich) sollten täglich ausgeführt werden. Die Dehnung wird 20 sec gehalten dann gelöst und die Übung in 3 Sätzen wiederholt. Übungen aus dem Bereich PNF und vor allem auch Voita ergänzen das Trainingsprogramm und können nach einer Einführung durch den Therapeuten in das alltägliche Übungsprogramm einbezogen werden.

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Fußfehlstellungen

An der Bildung des Klumpfußes sind folgende vier Fuß-Fehlstellungen beteiligt:

Pes equinus - der Spitzfuß: Durch den übermäßigen Zug der Wadenmuskulatur und die Schwäche der Antagonisten (muskulärer Gegenspieler) wird das Sprunggelenk in eine Plantarflexion und Supinationsstellung gezogen, das Aufsetzen der Ferse ist nicht möglich!

Pes varus - der Vorfuß und die Ferse stehen in Supinationsstellung, also nach außen abgeknickt. Dies kann durch den Muskelzug der Wade bedingt sein, aber auch die Muskulatur des Mittelfußknochens ist nicht in der Lage, den Vorfuß gegen die Ferse zu stabilisieren!

Pes excavatus - Hohlfuß, es kommt zu einer übermäßigen Ausbildung des Längsgewölbes

Pes adductus - Sichelfuß, der Vorfuß und die Zehen sind gegenüber des restlichen Fußes nach innen gedreht. Es handelt sich um die häufigste Fehlstellung bei Babys.

Weitere Fußfehlstellungen finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Fußfehlstellungen

Zusammenfassung

Beim Klumpfuß handelt es sich um die häufigste Fehlbildung der unteren Extremität, sie setzte sich aus 4 verschiedenen Fußfehlstellungen zusammen und ist häufig angeboren.

Die Ursachen für die Ausbildung eines Klumpfußes ist nicht eindeutig geklärt, genetische bedingte Veränderungen des Knochenwachstums werden vermutet, ebenso ist die Funktion der auf den Fuß einwirkender Muskeln beeinträchtigt, es kommt zu einem muskulären Ungleichgewicht.  Besonders im Bereich der Wadenmuskulatur kann es zu Fehlbildungen kommen. Einwirkungen auf das ungeborene Kind in der Schwangerschaft können die Bildung eines Klumpfußes ebenfalls begünstigen. Neben Knochen- und Muskeln können auch die Nerven oder Gefäße an einem veränderten Wachstum beteiligt sein. Die Fehlstellung des Klumpfußes kann sich allerdings auch durch Unfälle mit Knochenbrüchen im Bereich der unteren Extremität oder bei neurologischen Verletzungen ausbilden.

Die Therapie erfolgt mittels Redressement und Retention durch die regelmäßig korrigierte Anlage einer Gipsschiene. Physiotherapeutische Übungen begleitet den Patienten bis zum Abschluss der Wachstumsphase und gegebenenfalls darüber hinaus. Operationen können ggf. notwendig sein. Der Patient sollte die Übungen regelmäßig durchführe, besonders bei Kindern sollte daher auf ein abwechslungsreiches spielerisches Therapiekonzept geachtet werden.