Medizinische Trainingstherapie (MTT) nach einer Rotatorenmanschettenruptur-OP

Nach einer Ruptur der Rotatorenmanschette, also dem Riss von der Schulter umgebenden Muskulatur, ist diese in Funktion und Stabilität erheblich eingeschränkt. Das Schultergelenk ist extrem beweglich, dank einer geringen knöchernen Führung. Stabilität wird gegeben durch umschlingenden Muskeln, Sehnen und Bänder, welche den Oberarmknochen in der Gelenkpfanne fixieren. Eine Verletzung, ein Riss/Ruptur, bewirkt das der Arm außer gefecht gesetzt ist. Im folgenden ist ein kurzer Ratgeber für die Genesung der Rotatorenmanschette nach der OP gelistet.

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Nachbehandlung

Eine Physiotherapeutische Intervention und so auch die Nachbehandlung einer Rotatorenmanschettenruptur richtet sich immer nach den sogenannten Wundheilungsphasen - unserem körpereigenen Reparaturmechanismus. Die drei Hauptphasen (Entzündungsphase, Proliferationsphase und Konsolidierungsphase) sind gekennzeichnet durch fortschreitende Prozesse in der Heilungskette. Ein Bild dieser Vorgänge, was in den jeweiligen Phasen wichtig ist, was gemacht werden darf und sollte und auch was Sie besser vermeiden, wird im folgenden kurz und verständlich dargestellt.

Entzündungsphase

Eingeleitet wird die Wundheilung mit der Entzündungsphase, Tag 0 bis etwa Tag 5.
Inhalte: Gewebe wurde zerstört (durch die Ruptur an sich und auch den chirurgischen Eingriff), Gefäße sind geschädigt, Blut strömt ein, die klassischen Entzündungszeichen wie Schwellung, Schmerzen, Überwärmung, Hautrötung und Funktionseinschränkungen entstehen. Helferzellen machen sich an die Arbeit, die Wunde zu verschließen mit einem schnell erstellten vorübergehendem Gewebe. Hier ist zunächst Schonung angesagt. Lagern Sie ihren Arm hoch, um der Schwellung entgegenzuwirken, kühlen Sie etwas gegen die Schmerzen. In der Physiotherapie wird eine tägliche Lymphdrainage durchgeführt, um die Schwellung und Zelltrümmer abzutransportieren. Nach und nach wird mit leichter passiver Mobilisation des Schultergelenks und auch angrenzender Gelenke, die Sie automatisch ruhigstellen, begonnen.

Proliferationsphase

In der zweiten Phase, etwa Tag 5-21 steht die Neubildung vom Gewebe im Vordergrund. Hier ist ausschlaggebend, den neuen Fasern zu vermitteln, wofür sie gebraucht werden. Denn werden sie nur in einer Schonhaltung still gehalten, passen sie sich diesem Umstand an, verkleben und verflechten sich. Um dies zu vermeiden, muss die Schulter regelmäßig in ihrem physiologischen Sinne passiv und aktiv bewegt werden, und Reize in Richtung der Zugbeanspruchung (kontrollierte Dehnungen) gesetzt werden. Muskulatur kann bereits im geeigneten Maße isometrisch gekräftigt werden. So werden die Fasern des neuen Gewebes optimal auf ihre spätere Funktion ausgerichtet. Wichtig ist, trotzdem mit Vorsicht zu walten und das Gewebe noch nicht zu arg zu belasten, was wiederum die Heilung in ihrem Prozess stören würde. Codewort dieser Phase lautet: Bewegung ohne viel Belastung.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Rotatorenmanschettenruptur - Übungen zum Nachmachen

Konsolidierungsphase/Umbauphase

Die letzte Phase in der Wundheilung zur kompletten Ausheilung der Ruptur kann sich bis zum 360. Tag ziehen. Das Gewebe wird belastbarer, stabiler. Hier heißt es – aktiv werden. Ziel ist, zurück zu alter Funktion, Kraft und Beweglichkeit zu gelangen. Dafür eignet sich die MTT (Medizinische Trainingstherapie). Unter Aufsicht von Fachpersonal wie Therapeuten und Ärzten werden mit gezielten Übungen die betroffenen Muskeln trainiert. Wie zu Beginn erwähnt, hat die Rotatorenmanschette zum Ziel, die Schulter in ihrem Gelenk zu zentrieren. Zugehörige und zuständige Muskeln sind: M. Teres minor, M. subscapularis, M. supraspinatus und M. infraspinatus. Durch das individuell angeleitete Training in der MTT wird die Kraft unter anderem an speziellen Geräten wieder aufgebaut und somit dem Gelenk seine Stabilität und ursprüngliche Funktionsfähigkeit wiedergegeben.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel: Medizinische Trainingstherapie

Weitere Maßnahmen

Weitere Maßnahmen, welche Sie im Verlauf der Genesung nach einer Rotatorenmanschettenruptur unterstützen sind unter anderem passive Therapiemethoden wie die Massage umliegender Strukturen und durch die Verletzung verspannte Muskulatur, Faszientechniken, Elektrotherapie, Ultraschall, Narbenmobilisation und Tape-Anlagen zur Entlastung beim Wiedereinstieg in Alltag und Sport. Auch ihr Gemütszustand, Gesundheitszustand, die Ernährung und viele weitere Faktoren von innen und außen beeinflussen Ihre Wundheilung!

Zusammenfassung

Auf jede Verletzung reagiert unser Körper mit der eigens eingeleiteten Wundheilung. So auch bei der Regeneration nach einer Rotatorenmanschetten-OP. Individuelle und an die einzelnen Phasen angepasste Therapiemethoden bringen Ihnen bei aktiver Mitarbeit Ihre alte Funktionsfähigkeit der Schulter zurück.