Übungen bei einer Rotatorenmanschettenruptur

Bei einer Rotatorenmanschettenruptur sind die im Rahmen der konservativen Therapie oder Nachbehandlung nach einer Operation durchgeführten Übungen essentiell für den Genesungsprozess. Die individuell auf den Zustand des einzelnen Patienten abgestimmten Übungen, sollen die verletzte Schulter langsam wieder an die voll Belastbarkeit heranführen, indem sie gezielt die Mobilität verbessern, die Schulter dehnen und kräftigen und die Koordination und den Bewegungsfreiraum wieder herstellen. Wichtig bei den Übungen ist, dass sie korrekt und konsequent durchgeführt werden.

Konservative Behandlung: Übungen

Im Rahmen der konservativen Therapie einer Rotatorenmanschettenruptur werden zahlreiche Übungen zur Dehnung, Mobilisation, Kräftigung und Stabilisierung zum Einsatz kommen. Nachfolgend sind zwei Beispiel dafür aufgeführt.

1. Kräftigung der Muskulatur
Für diese Übung setzt sich der Patient auf einen Stuhl oder stellt sich gerade hin. Nun werden die Handflächen vor dem Körper auf Brusthöhe aneinander gelegt. Die Unterarme sind dabei, wenn möglich parallel zum Boden. Nun drückt der Betroffene für 10 Sekunden so feste wie ohne Schmerzen möglich seine Handflächen aneinander. Im Anschluss die Spannung lösen und die Arme kurz ausruhen lassen, dann zwei weitere Durchgänge ausführen.

2. Mobilisation der Schulter
Bei dieser Übung sitzt der Patient auf einem Stuhl. Beide Arme hängen locker an der Seite hinab. Die gesunde Hand umfasst das Handgelenk des betroffenen Armes vor dem Körper. Langsam mit dem gesunden Arm den verletzten Arm so weit wie möglich vor dem Körper, jedoch vorerst nicht über Schulterhöhe nach oben führen und langsam wieder absenken. 3 mal 10 Wiederholungen.

Weitere Übungen finden Sie in dem Artikel: Übungen für die Rotatorenmanschette

Übungen mit dem Theraband

Das Theraband wird bei einer Rotatorenmanschettenruptur gerne eingesetzt, um die verletzte Schulter wieder zu kräftigen und zu stabilisieren. Diverse Übungen können dabei durchgeführt werden.

1. Kräftigungsübung:
Bei der ersten Übung setzt sich der Patient auf einen Stuhl. Das Theraband wird dann unter die Oberschenkel gelegt und an den Seiten mit den Händen gegriffen. Die Arme hängen zunächst locker neben dem Körper. Aus dieser Position führt der Patient die Arme nun seitlich nach außen, sodass sich das Theraband spannt. Diese Spannung wird dann 2 Sekunden gehalten, bevor die Ausgangsposition wieder eingenommen wird. 3 mal 10 Wiederholungen durchführen.

2. Kräftigungsübung:
Für die zweite Übung setzt sich der Patient vor eine Tischkante und spannt das Theraband um seine Handgelenke. Nun werden die Ellenbogen auf dem Tisch abgelegt und die Hände zeigen nach oben, wobei die Handflächen zueinander gerichtet sind. Achten Sie darauf, dass die Wirbelsäule bei der Übung eine gerade Linie bildet und die Ellenbogen etwa schulterbreit auseinander liegen. Nun werden die Hände entgegen der Spannung des Therabandes nach außen geführt. Nur so weit, dass es nicht schmerzt. Während der Übung bewegen sich die Ellenbogen nicht. Die Spannung wird 2 Sekunden gehalten und dann wieder gelöst. 3 mal 10 Wiederholungen.

Weitere Übungen finden Sie in dem Artikel: "Rotatorenmanschettenruptur - Übungen zum Nachmachen" und "Rotatorenmanschette trainieren"

Inhalte der Physiotherapie

Die Physiotherapie nimmt eine bedeutende Rolle bei der Behandlung einer Rotatorenmanschettenruptur ein. In der Regel darf je nach Ausmaß der Verletzung der betroffene Arm für 4-6 Wochen nicht selbstständig bewegt werden. Um eine Versteifung der Schulter zu verhindern und die Muskeln in ihrer Regeneration bestmöglich zu unterstützen, ist die Physiotherapie in dieser Phase passiv. Das bedeutet, der Physiotherapeut wird die Schulter des Patienten im Rahmen des möglichen bewegen (man spricht hier auch vom sogenannten Segen und Pendeln aus der Schiene heraus), ohne das der Patient aktiv bei den Bewegungen mitmacht.

Wenn die Ruptur so weit abgeheilt ist das die Schulter wieder bewegt werden darf, beginnt der aktive Teil der Physiotherapie. In der Zeit der Ruhigstellung verlieren die Patienten viel Muskelmasse. Daher geht es zunächst um den Muskelwiederaufbau. Gezielte Übungen mit oder ohne Gerät kommen hier zum Einsatz und werden individuell auf den Patienten abgestimmt. Neben Kräftigungsübungen gehören auch Dehnübungen und Mobilisierungsübungen zum physiotherapeutischen Programm, um die Schulter wieder voll beweglich und belastbar machen zu können. Die Patienten bekommen in der Regel einen Therapieplan, um auch zuhause die Übungen regelmäßig durchzuführen. Weitere physiotherapeutische Techniken wie zum Beispiel manuelle Therapie, Massagen, Wärme- und Kälteanwendungen sowie Elektrostimulation können Therapiebegleitend eingesetzt werden.

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel: Rotatorenmanschettenruptur - Physiotherapie

Übungen nach einer OP

In den ersten 4-8 Wochen nach einer Operation einer Rotatorenmanschettenruptur darf der betroffene Arm nicht belastet und die Schulter nicht aktiv bewegt werden. Trotzdem ist es wichtig, die Schulter im Rahmen des Möglichen zu mobilisieren, damit die Beweglichkeit schnell wieder hergestellt werden kann und es nicht zur Versteifung des Gelenks kommt.

1. Table slides
Setzen Sie sich für diese Übung auf einen Stuhl vor einen Tisch. Legen Sie auf den Tisch ein Blatt Papier. Auf das Papier legen Sie dann die Hand der operierten Schulter und schieben dann das Blatt so weit es schmerzfrei möglich ist von Ihnen weg. Ziehen Sie es im Anschluss wieder zu sich heran und wiederholen das Ganze 15 mal.

2. Mobilisierung des Schulterblatts
Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin. Die Arme hängen locker neben dem Körper. Ziehe Sie nun ihre Schulterblätter zusammen, ohne das Sie die Arme dabei anspannen. Halten Sie 2 Sekunden die Position und kehren dann in die Ausgangsstellung zurück. Führen Sie von der Übung 2 Durchgänge mit je 10 Wiederholungen durch.

Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel: "Rotatorenmanschette gerissen"

Nachbehandlung einer OP

Die Nachbehandlung bei einer OP einer Rotatorenmanschettenruptur  beginnt in der Regel schon in den ersten 24 Stunden nach der Operation. Das Ziel ist es, das Schultergelenk möglichst schnell wieder in seiner Funktionsfähigkeit herzustellen und den Heilungsprozess bestmöglich zu Unterstützen. Zunächst gehören Therapieverfahren wie Lymphdrainage um eine übermäßige Schwellung des Gelenks zu verhindern, sowie passive Übungen bei denen der operierte Arm sanft vom Physiotherapeuten bewegt wird zum Nachbehandlungsplan. Je nach Schweregrad der Verletzung und nötig gewordenen Operationsmaßnahmen kann auch auf eine Schulter-Motorschiene zurückgegriffen werden, die patientenindividuell eingestellt werden kann und den Arm dann automatisch in kontrolliertem Umfang bewegt, um die Schulter zu mobilisieren.

Je nachdem wie lange die Schulter ruhig gestellt werden muss, besteht die Nachbehandlung größtenteils aus passiven Übungen wobei ein Physiotherapeut das Gelenk bewegt um Verklebungen und Bewegungseinschränkungen zu verhindern. Wenn der Arm wieder bewegt werden darf, beginnt der aktive Teil der Nachbehandlung der größtenteils aus Übungen zur Mobilisation, Kräftigung und Stabilisierung besteht, deren Intensität mit der Zeit entsprechend der Fortschritte des Patienten gesteigert wird bis eine volle Belastung und Funktionsfähigkeit wieder erreicht ist.

Detaillierte Informationen erhalten Sie in dem Artikel: MTT nach einer Rotatorenmanschettenruptur

Medikamente

Medikamente werden bei einer Rotatorenmanschettenruptur vor Allem in der Akutphase der Verletzung und nach einer Operation eingesetzt. Mittel der Wahl sind dabei vor Allem Schmerz- und Entzündungshemmende Medikamente. In der Regel kommen Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zum Einsatz, diese wirken sowohl schmerzstillend als auch antientzündlich. Bekannte Vertreter dieser Gruppe sind die Wirkstoffe Ibuprofen oder Diclofenac, welche sowohl in Tabletten oder Zäpfchenform, als auch topisch in Form einer Salbe oder eines Gels eingesetzt werden können. Bei stärkeren Schmerzen kann auch der Einsatz von leicht bis stärker wirksamen Opioiden in Frage kommen. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem Tramadol, Tilidin oder Morphin. Wenn eine Operation erfolgt ist kann auch die kurzfristige Gabe eines Antibiotikums zur Vermeidung einer bakteriellen Infektion erfolgen. In der Regel wird versucht die Dosis der Medikamente mit der Zeit zu verringern, sodass der Patient möglichst früh ohne Medikamente auskommen kann.

Weiter Informationen zu Schmerzmitteln erhalten Sie in folgendem Artikel: Schmerzmittel

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 31.10.2017 - Letzte Änderung: 10.11.2021