Test auf Schlaganfall

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Spastik nach Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall tritt häufig ein typisches Bild auf,- die so genannte Hemiparese, eine Halbseitenlähmung. Dies liegt daran, dass durch den Schlaganfall Regionen im Gehirn nicht mehr adäquat funktionieren, die für die Willkürmotorik unseres Körpers verantwortlich sind. Dabei wird die rechte Seite von der linken Hirnhälfte versorgt. Nach einem Schlaganfall kommt es daher häufig zunächst zu einer schlaffen Lähmung von Arm und/oder Bein einer Seite.
Es gibt weitere Zentren im Gehirn, die die Muskelspannung und Motorik regulieren. Wenn auch diese regulatorischen Zentren beeinträchtigt sind, bildet sich mit der Zeit eine so genannte Spastik, also eine dauerhafte Anspannung bestimmter Muskelgruppen (Hypertonus), wodurch der Arm oder das Bein in eine bestimmte Position gezogen werden. Eine Spastik ist für den Patienten nicht nur wegen des Funktionsverlust sehr unangenehm, es können auch mitunter starke Schmerzen auftreten.

Allgemeine Informationen rund um das Thema Schlaganfall finden Sie in unserem Artikel: "Schlaganfall".



Therapie

Zunächst versucht man in der Akutphase nach einem Schlaganfall, diesen zu beheben, um mögliche Folgesymptome möglichst zu verhindern. Hierzu bietet sich eine Lysetherapie an, bei der ein mögliches Blutgerinnsel im Gehirn durch bestimmte Medikamente gelöst wird. Dies ist eine riskante Therapie, die immer Stationär intensiv beobachtet werden muss. Es gibt weitere Möglichkeiten einen akuten Schlaganfall zu behandeln.
Bleiben allerdings Symptome bestehen, wird eine andere Therapie nötig. Um die Spastik zu behandeln, wird intensive Physiotherapie empfohlen. Diese sollte möglichst früh beginnen, um den Gehirn Reize zu setzen und die Heilung von eventuell reversibel geschädigten Regionen zu fördern. In der Physiotherapie wird verschiedenen Strategien nachgegangen:

  • Tonusregulation statt
  • Gelenke werden mobilisiert
  • es werden funktionelle Bewegungen und Kompensationsstrategien entwickelt

Am Training funktioneller Alltagsbewegungen und der Feinkoordination sind auch Ergotherapeuten beteiligt.
Neben der funktionellen Übungstherapie kommt auch eine medikamentöse Therapie zur Anwendung. Spasmolytika nennen sich die Medikamente, die den pathologisch erhöhten Muskeltonus senken sollen. Hierzu gehören oral eingenommene Präparate wie:

  • Baclofen (Tolperison, Dantrolen und Clonazepam)
  • Auch Botulinum-Toxin A (Botox) wird intramuskulär verabreicht zur Spastik-Behandlung eingesetzt

Die Medikamente hemmen die Übertragung neuronaler Erregung an den Synapsen des motorischen Systems und verhindern so den Aufbau von einer Spastik. Eine analgetische Wirkung wird einigen Präparaten ebenfalls nachgesagt.

Weiterführende Informationen finden Sie in diesen Artikeln:

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Übungen

Bei der Behandlung einer Spastik nach Schlaganfall ist es wichtig, dass der Patient eigenständig seine Übungen durchführt, um den Nerven ein möglichst gezielten Input zu geben.
Zu Beginn sollte die betroffene Extremität zunächst aktiviert werden. Hierzu wird diese mit dem gesunden Arm ausgestrichen, sanft abgeklopft oder gedrückt. Häufig haben Patienten ein Problem damit die betroffene Extremität als zu sich gehörig zu empfinden, durch diese Übungen, soll die Wahrnehmung verbessert werden. Anschließend können leichte Bewegungsübungen begonnen werden.
Je nach Schwere der Spastik, kann der gesunde Arm bei der Durchführung der Bewegungen helfen. Wichtig ist jedoch, dass der Patient ständig darauf bedacht ist, konzentriert und bewusst die Bewegungen so gut es geht mit der betroffenen Extremität auszuführen.

  • So kann beispielsweise der betroffene Arm zur gegenüberliegenden Schulter geführt werden und anschließend nach unten diagonal neben dem Körper gestreckt werden. In der gestreckten Position kann er eine leichte Stützaktivität in eine Unterlage, oder in die Hand des Führungsarms ausüben. Die Bewegungen sollten sanft und klein begonnen werden. Durch ruhige Bewegungen und Druck in die Muskulatur können Spastiken häufig gut gelöst werden.
  • Hilfreich kann auch ein langsames kontrolliertes Schulterkreisen zu Beginn sein.
  • An den Beinen wird ähnlich vorgegangen, das einfache Heben des Beins im Sitz aus der Hüfte und zu Boden fallen lassen, kann hier eine gute Übung sein, um das eigene Bein als zugehörig zu empfinden, und die Beweglichkeit in der Hüfte zu verbessern. Gewichtsverlagerungen auf das Bein, und das Abstützen der Hände mit Druck auf dem betroffenen Oberschenkeln geben Input in die Muskulatur um eine Spastik zu lösen.

Eine umfassende Sammlung an weiteren Übungen, welche Hilfe verschaffen können, finden Sie in diesen Artikeln:

 

Spastik lösen

Neben der medikamentösen Therapie, gibt es effektive Maßnahmen in der Physiotherapie, um eine Spastik zu lösen. Durch Druck in die Muskulatur und leichte Massagegriffe auf den angespannten Muskelbäuchen kann der Tonus primär gesenkt werden. Anschließend beginnt man mit sanften Mobilisationsgriffen. Man beginnt hiermit rumpfnah. Das heißt, die Schulter wird zuerst in großen, sanften Bewegungen mobilisiert. Rotatorische Komponenten unterstützen die Lösung der Spastik. Nach und nach sollte die Muskulatur nachgeben, sodass die folgenden Gelenke mobilisiert werden können.
Die Bewegungen werden allmählich vergrößert bis die Gelenke möglichst ihre volle Beweglichkeit erhalten und sanft gedehnt werden können. Es gilt geduldig zu sein und niemals gegen einen muskulären Widerstand mit Kraft anzugehen. Die Gelenke können in alle Bewegungsrichtungen mobilisiert werden. Anschließend kann eine Stützaktivität aufgebaut werden. Das heißt der Patient stützt sich mit dem betroffenen Arm (ggf. mit Hilfe des Therapeuten oder des gesunden Arms) auf einer Unterlage ab. Hierdurch werden Reize für die Muskulatur gesetzt, die die Spastik ebenfalls lösen sollen. Für das Bein kann eine Gewichtsverlagerung im Sitz auf das Bein Stützaktivität hervorrufen. Wichtig ist bei der Lösung einer Spastik darauf zu achten, eine angenehme ruhige Atmosphäre zu schaffen. Durch plötzliche laute, erschreckende Reize kann die Spastik im nu wieder einschießen.

Dieser Artikel könnte Sie diesbezüglich auch interessieren: Physiotherapie bei einer Spastik

Prognose

Die Prognose einer Spastik nach einem Schlaganfall ist sehr variabel und kann schwer verallgemeinert werden. Grundsätzlich bildet sich die Spastik erst nach einigen Wochen, nachdem zunächst eine schlaffe Lähmung vorlag. Solange die Lähmung besteht, kann eventuell von einer Verbesserung der Symptomatik ausgegangen werden, manchmal kann eine gewisse Aktivität zurückgewonnen werden. Wenn sich eine Spastik entwickelt, stehen die Chancen für eine Verbesserung schlechter.  Ob eine Spastik wieder zurückgeht, kann nicht vorhergesagt werden. Je länger sie besteht, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder zurückgeht.

Verlauf

Nach einem Schlaganfall kommt es zu einer Minderdurchblutung (Ischämie) im Gehirn, bei einer Blutung (Hämorrhagie) kann es ebenfalls zu Schlaganfallsymptomen kommen. Durch diese Durchblutungsstörung kann Hirngewebe zerstört werden. Unsere Willkürmotorik wird auch zerebral gesteuert. Wenn es im Bereich dieser Areale (Gyrus präcentralis) zu Störungen kommt, oder im Verlauf der entsprechenden Bahnen (z.B. Capsula interna), kann die Willkürmotorik ausfallen. Es kommt zu einer schlaffen Lähmung, der Patient kann seine Extremität nicht mehr bewegen.
Es gibt weitere Zentren im Gehirn, die für die Regulation vom Muskeltonus zuständig sind, fallen diese Bahnen (extrapyramidale Bahnen) ebenfalls aus, kommt es zu einer Verselbstständigung der spinalen, also vom Rückenmark gesteuerten Regelkreise für die Muskulatur. Durch ausbleibende zerebrale Reize, aktiviert sich die Muskulatur in ihrem eigenen, auf Rückenmarksebene befindlichem Regelkreis. Der Tonus wird mehr und mehr gesteigert. Es kommt zur Spastik. Der Übergang von einer schlaffen Lähmung zur Spastik nimmt meist ein paar Wochen in Anspruch.

Weiteres über Verlauf und Lebenserwartung erfahren Sie hier: "Schlaganfall Folgen"

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Spastik in den Beinen

Eine Spastik in den Beinen wird als besonders unangenehm empfunden. Nichts desto trotz kann das Gehen mit einer Spastik kompensatorisch besser erlernt werden, als mit einer schlaffen Lähmung. Das Bein ist durch die Spastik meist gestreckt, der Fuß nach innen gedreht, die gesamte Hüfte leicht nach innen rotiert. Beim Gang kann der Fuß nicht ausreichend angehoben werden und der Patient kompensiert mit dem Hochziehen der Hüfte (Wernicke-Gangbild).
Die Grundprinzipien für das Beüben eines Beins mit einer spastischen Lähmung sind die gleichen wie oben genannt. Besonders gut kann im Liegen geübt werden, eine Spastik zu lösen, aber auch der Sitz bietet sich an. Ein funktionelles Training zum Umgang mit der Spastik im Alltag sollte in der jeweils geforderten Position ausgeführt werden.

  • Zu Beginn können die, wenn möglich, angestellten Beine sanft von einer Seite zur anderen rotiert werden -„Beinpendel“-, um eine Tonusregulation zu generieren.
  • Anschließend können Belastungsübungen gemacht werden, um einen Druck in die Gelenke des Beins zu erzeugen. Hierzu werden beide Beine wenn möglich aufgestellt und das Gesäß wird leicht von der Unterlage angehoben. Ein Therapeut kann das betroffene Bein fixieren.
  • Im Stand bieten sich Gewichtsverlagerungen auf das betroffene Bein an.

Neben einem Übungsprogramm gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die den Umgang mit einer beinbetonten Spastik im Alltag erleichtern können. Sanitätshäuser und Krankenkassen können Ihnen interessante Informationen anbieten.

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Multiple Sklerose

Auch bei einer MS kann es zu einer Spastik kommen. Bei der MS gehen durch eine Autoimmunreaktion die Nervenscheiden zu Grunde, es kommt zu einer Überaktivität und einer Hyperreflexie (gesteigerte Muskeleigenreflexe), aber auch, wenn keine Reize mehr zum Muskel durchdringen, zu einer Lähmung. Befinden sich Entzündungsherde im Gehirn, kann es auch zu einer spastischen Lähmung kommen.
Die Spastik bei einer MS ist meist nicht dauerhaft, sondern schießt ein und löst sich dann gegebenenfalls wieder vollständig. Man unterscheidet die phasische (sporadische) von der tonischen (dauerhaften) Spastik. Die Spastik wird als sehr unangenehm empfunden und kann die normale Motorik der Patienten enorm einschränken. Auch bei der MS wird eine tonusregulierende Physiotherapie und eine medikamentöse Therapie mit Spasmolytika (wenn nötig) angewandt.

Weitere Informationen hierzu finden Sie in folgenden Artikeln: