Physiotherapie - COPD

Bei der Behandlung von COPD spielt die Physiotherapie neben der medikamentösen Behandlung eine sehr wichtige Rolle. Durch verschiedene Behandlungsmethoden versuchen speziell weitergebildete Physiotherapeuten dabei die Atemmuskulatur des Patienten zu stärken, Hustenattacken zu mildern und festen Bronchialschleim zu mobilisieren. Dadurch soll die Wirkung der Medikamente optimiert werden und der Patient soll dabei unterstützt werden sich besser mit der Erkrankung auseinanderzusetzen um im Notfall gezielt Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Die Physiotherapie bei COPD gibt den Patienten somit ein Stück Eigenständigkeit wieder, um den Alltag trotz COPD zu meistern.



Symptome

COPD (engl. Chronic obstructive pulmonary disease) hat verschiedene signifikante Symptome. Im allgemeinen sind dies Atemnot, chronischer Husten und Auswurf. Viele Betroffene verwechseln die ersten COPD Symptome mit einem Raucherhusten (viele COPD Patienten sind Raucher). Atemnot tritt zunächst nur unter Belastung, im weiteren Verlauf der Erkrankung aber auch in Ruhe auf. Der Husten ist sehr hartnäckig und verschlimmert sich mit der Zeit, wobei der Auswurf immer zähflüssiger wird und es schwerer wird Abzuhusten. Im Verlaufe der Erkrankung können auch andere Organe betroffen sein, ein Beispiel ist die Vergrößerung der rechten Herzhälfte (cor pulmonale), einen Fassthorax, bei dem der Brustkorb fassförmig verformt ist oder Veränderung an Fingern und Nägeln (Trommelschlegelfinger und Uhrglasnägel).

Stadien nach Gold

Um eine einheitliche Behandlung aller an COPD erkrankten Patienten zu ermöglichen hat die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Diseases (GOLD) die COPD in Schweregrade eingeteilt, die durch ein zweistufiges Verfahren ermittelt werden.

Im ersten Schritt wird dabei die Lungenfunktion anhand der maximalen Ausatmungsgeschwindigkeit gemessen. Unterschieden werden hierbei:

  • GOLD 1 = mehr als 80% des Sollwertes

  • GOLD 2 = 50-79% des Sollwertes

  • GOLD 3 = 30-49% des Sollwertes

  • GOLD 4 = weniger als 30% des Sollwertes

Im zweiten Schritt geht es darum die Häufigkeit und die Symptomschwere (anhand des sogenannten CAT-Score) der Krankheitsschübe im Zeitraum der letzten 12 Monate zu analysieren. Unterschieden werden hierbei folgende Gruppen:

  • A = 0-1 Krankheitsschübe pro Jahr mit wenigen Symptomen

  • B = 0-1 Krankheitsschübe mit vermehrten Symptomen

  • C = mehr als 2 Krankheitsschübe mit wenig Symptomen

  • D = mehr als 2 Krankheitsschübe mit vermehrten Symptomen

Durch die zweistufige Betrachtung der Erkrankung ist eine bessere individuelle Behandlung der einzelnen Patienten möglich.

Therapie

Die Therapieansätze bei COPD sind vielfältig. Of wird eine Kombination mehrerer Behandlungsansätze gewählt, um den Patienten entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse bestmöglich zu helfen.

Medikamentöse Therapie
Hierbei kommen vor allem Medikamente zum Einsatz, die eine Erweiterung der Bronchien bewirken. Zu diesen sogenannten Bronchodilatatoren gehören Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika und seltener Theophyllin. In späteren Krankheitsstadien werden die Beta-2-Sympathomimetika oft mit Kortikosteroiden kombiniert, da diese zusätzlich noch eine antientzündliche Wirkung aufweisen.

Körperliche Aktivität
Dies ist nicht gleichzusetzen mit Sport, sondern bedeutet, dass COPD Patienten ihre alltäglichen Aktivitäten, wie zum Beispiel Haushalt oder Einkaufen gehen weiter durchführen sollen. Bewegung trägt maßgeblich dazu bei, dass die Atemmuskulatur erhalten bleibt.

Anpassung der Lebensumstände
Patienten mit COPD sollten sofort mit dem Rauchen aufhören und ihre Lebensgewohnheiten und Bewegungsmuster mit Hilfe von Experten an die Erkrankung anpassen.

Impfung
Regelmäßige Grippe- und Pneumokokken-Schutzimpfungen werden bei COPD Patienten angeraten, um eine Infektion der Atemwege zu verhindern.

Physiotherapie
Ein großes Feld in der nichtmedikamentösen Therapie von COPD nimmt die Physiotherapie ein. In Einzelsitzungen erlernen die Patienten hier mit dem Physiotherapeuten bestimmte Atemtechniken zur Verminderung von Atemnot, atemerleichternde Körperhaltungen und Techniken zum leichteren Abhusten des Sekretes. Auch ein Aufbautraining für die geschwächte Atemmuskulatur kann durch gezielte Übungen sinnvoll sein und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Übungen

1) Lippenbremse
Die Lippenbremse ist eine Atemtechnik, welche die Atemwege entspannen soll. Atmen Sie normal ein und legen dann die Lippen locker aufeinander, sodass Sie beim Ausatmen durch den Mund gegen einen Widerstand atmen müssen. Durch diesen Rückstau an Luft, wird der Luftdruck auf die Bronchien erhöht, sodass diese nicht kollabieren.

2) Zwerchfell-/Bauchatmung
Durch diese Technik soll die Atemarbeit gesenkt werden. Legen Sie sich für die Übung auf den Rücken und falten die Hände über ihrem Bauch. Versuchen Sie nun so zu atmen, dass sich ihr Bauch bei der Atmung deutlich hebt und senkt. Am einfachsten gelingt dies, wenn Sie durch die Nase ein und mit der Lippenbremse ausatmen.

3) Dehnung des Brustkorbes
Legen Sie sich mit angewinkelten Beinen auf die Seite. Heben Sie den oberen Arm hinter den Kopf. Nun drehen Sie beim Einatmen den Oberkörper langsam nach hinten, die Knie bleiben aneinander auf dem Boden. Beim Ausatmen kehren Sie dann in die Ausgangsstellung zurück.

4) Dehnung des Brustkorbes
Setzen oder Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin. Die Arme hängen locker neben dem Körper. Führen Sie nun bei der Einatmung den rechten Arm gerade nach oben und etwas zur linken Seite, sodass der Oberkörper sich leicht nach links neigt. Kehren Sie beim Ausatmen in die Ausgangsstellung zurück und wiederholen das Ganze mit dem linken Arm.

Falls Sie noch nach weiteren Übungen suchen, lesen Sie folgende Artikel:

Verlauf

COPD ist eine fortschreitende Erkrankung, die zwar durch die Therapie positiv beeinflusst aber nicht aufgehalten werden kann. Im Anfangsstadium der Erkrankung verwechseln viele die COPD mit einem Raucherhusten, da die Symptome, ein chronischer Husten verbunden mit gelb-bräunlichen Auswurf, sehr ähnlich sind. Im Gegensatz zum Raucherhusten lassen sich hier bereits entzündliche Veränderungen an den Atemwegen nachweisen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es zu Atemnot. Durch die andauernden Entzündungsreaktionen vernarben die Bronchien wodurch sie chronisch verengen. Zu Beginn äußert sich die Atemnot nur unter Belastung, später aber auch immer häufiger in Ruhezuständen. Des Weiteren kommt es zur vermehrten Produktion von zähem Bronchialschleim. Viele Betroffene entwickeln in diesem Krankheitsstadium ein Lungenemphysem. Im Endstadium der Erkrankung sind die Betroffenen in ihrem Alltag extrem eingeschränkt. Aufgrund der starken Atemnot, stellen viele ihre körperliche Aktivität ein oder müssen aufgrund der fehlenden Atemhilfsmuskulatur künstlich beatmet werden. Auch andere Organe wie z.B. das Herz können durch die Erkrankung verändert werden und für zusätzliche Probleme sorgen.

Lebenserwartung

Auskünfte über die genaue Lebenserwartungen von COPD Patienten lassen sich aufgrund der Komplexität der Erkrankung nicht genau machen. Im Durchschnitt verringert sich die Lebenserwartung von an COPD erkrankten Personen um 5-7 Jahren. Entscheidend darüber ist aber auch das Stadium der Erkrankung sowie die allgemeine Compliance (Therapietreue) der Patienten. Bei konsequenter Umsetzung der Therapievorgaben lassen sich die meisten COPD Verläufe positiv beeinflussen. Im Umkehrschluss wirken sich Faktoren wie ein hohes Lebensalter, Weiterführung ungesunder Angewohnheiten (insbesondere Rauchen), weitere Erkrankungen, Infekte und ein geringer Sauerstoffgehalt im Blut negativ auf die Lebenserwartung aus.

COPD vs. Asthma

Obwohl COPD als auch Asthma Erkrankungen der Atemwege beschreiben und ähnliche Symptome wie z.B. Atemnot aufweisen, handelt es sich trotzdem um zwei komplett verschiedene Krankheiten. Während COPD in der Regel durch Rauchen hervorgerufen wird und eine chronische Bronchitis als Folge hat, ist Asthma eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, welche durch eine Überempfindlichkeit der Bronchien entsteht. Im Gegensatz zu COPD ist Asthma in seiner Schwere veränderlich und oftmals auch saisonbedingt. Asthma ist also nicht eine fortschreitende Erkrankung wie COPD. Insgesamt gibt es verschiedene Merkmale die bei der Diagnosestellung helfen Asthma von COPD zu unterscheiden. Typisches Symptome bei Asthma sind, dass die Verengung der Bronchien reversibel (umkehrbar) ist und die Hyperreaktivität der Bronchien variabel ist. COPD tritt meisten im Erwachsenen Alter als Folge von jahrelangem Nikotinkonsum auf, während Asthma oft bereits im jugendlichen Alter auftritt.Obwohl beide Krankheiten als nicht heilbar gelten, lässt sich Asthma in der Regel besser medikamentös behandeln als COPD, sodass die Betroffenen ihren Alltag besser bewältigen können und durch die Erkrankungen weniger eingeschränkt sind.

Weitere Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Asthma

Zusammenfassung

Insgesamt stellt COPD eine sich langsam verschlimmernde Krankheit dar, die nur symptomatisch behandelt und nicht aufgehalten werden kann. Durch die Anpassung der Patienten an die Therapievorgaben ist ein positiver Einfluss auf die Erkrankung möglich. Vor allem die Physiotherapie gibt den Patienten dabei ein Stück an Lebensqualität zurück, da sie durch die in den Sitzungen erlernten Techniken den Betroffenen die Möglichkeit bietet bei Krankheitsschüben oder akuter Atemnot ein Stück weit die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzuerlangen. Das Training der Atemhilfsmuskulatur unterstützt zudem den Erhalt der Lungenfunktion.