Physiotherapie bei Depressionen

Eine Depression beeinträchtigt den Erkrankten sowie sein familiäres und soziales Umfeld in fast allen Lebensbereichen. Dabei spielt die Physiotherapie bei der Behandlung von Depressionen eine zunehmend größere Rolle.



Physiotherapie

Eine der wichtigsten Faktoren während der Therapie ist ein aufmerksamer Physiotherapeut, der die typischen Anzeichen und Verhaltensweisen von Depressionserkrankten erkennt und im Notfall aktiv dagegen steuern kann. Der Therapeut braucht auch ein hohes Maß an Empathie, da viele der Patienten emotional instabil sind und spezielle Bedürfnisse im Umgang haben.
Inhalte der Physiotherapie sind insbesondere Ausdauer- und Kraftübungen, da der Körper während der Ausübung Endorphine (Glückshormone) freisetzt, die für eine Aufhellung der Stimmung und gegen Schmerzen wirken. Besonders bei leichten und mittelgradigen Depressionen können damit gute Erfolge erzielt werden. Durch die freigesetzten Endorphine wird gleichzeitig der Cortisol Spiegel im Körper gesenkt, welcher bei Menschen mit Depressionen erhöht ist. Die Übungen bewirken außerdem eine erhöhte Sensibilität für den Neurotransmitter Serotonin, der ähnlich wirkt wie Antidepressiva.
Damit die Erfolge durch das Bewegungstraining auch langfristig bestehen bleiben ist es wichtig, dass die Betroffenen einen Trainingsplan bekommen, womit sie mehrmals wöchentlich trainieren. Da Depressionen auch körperliche Symptome wie Verspannungen, Steifheit und andere Beschwerden hervorrufen können, kann die Physiotherapie durch manuelle Therapiemethoden, kognitive Verhaltenstherapie, Massagen und Gruppentherapie dazu beitragen den Patienten zu helfen. Durch die soziale Anbindung während der Therapie, werden die Betroffenen gleichzeitig aus ihrer Isolation herausgeholt und finden leichteren Anschluss an das soziale Umfeld.

Ergänzend hierzu können Sie qauch den Artikel "Autogenes Training" lesen.

Selbsthilfe

Selbsthilfe bei Depressionen ist nicht für alle Betroffenen geeignet. Verschiedene Methoden können an einigen Tagen eine deutliche Besserung bewirken und an anderen Tagen komplett nutzlos erscheinen, daher müssen die Betroffenen für sich einen guten Weg finden, wie die Selbsthilfe ihnen persönlich am Besten helfen kann.Verschiedene Methoden können dabei als Ansatz dienen.

  • Akzeptanz der Krankheit: Das Eingeständnis, dass man krank ist und auch mal einen Gang zurückschalten muss, sowie die Erkenntnis das manche Symptome im Rahmen der Erkrankung normal sind.
  • Akzeptanz seiner Selbst: Sich erlauben so zu sein wie man im Moment ist auch wenn das bedeutet, mal einen schlechten Tag zu haben. Keine Selbstvorwürfe machen und abwertend von sich denken.
  • Rückschläge zulassen: Eine Depression ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die nicht von heute auf morgen geheilt werden kann, sondern Zeit braucht. Trotz guter Erfolge sind Rückschläge möglich.
  • Fokus Verlagerung: Vieles dreht sich bei Depressionen um unser Denken. Wenn Betroffene bei einem Tiefpunkt sind, sollten sie versuchen, sich mehr auf den eigenen Körper zu konzentrieren, um die negativen Gedanken loswerden zu können.

Auch Selbsthilfegruppen sind eine sehr gute Möglichkeit, um aus dem Teufelskreis Depression auszubrechen. Durch die Akzeptanz und das Verständnis, sowie die sozialen Kontakte in der Gruppe, erfahren viele depressive eine deutliche Verbesserung der Symptome.

Therapie

Depressionen werden in der Regel vor Allem medikamentös behandelt, um die Balance zwischen den Botenstoffen Serotonin und Noradrenalin im Gehirn wieder herzustellen. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte Antidepressiva. Diese werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, dazu gehören:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Monoamin-Oxidase-Hemmer
  • Neuroleptika
  • Johanniskrautpräparate

Die Wirkung der Antidepressiva setzt erst nach 1-2 Wochen ein, Nebenwirkungen können jedoch sofort auftreten. Neben der Therapie mit Medikamenten spielt auch die Psychotherapie eine große Rolle, wobei es darum geht die Verhaltens- und Denkmuster die im Zuge der Depression entstehen abzubauen. Die Psychotherapie kann viele verschiedene Inhalte haben und entweder in Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt werden.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten bieten die Physiotherapie, insbesondere mit aktiven Maßnahmen wie Bewegungstherapie oder Gruppentherapie, Lichttherapie, insbesondere bei Winterdepressionen, Transkranielle Magnetstimulation, wobei die Nervenzellen im Gehirn angeregt werden, Schlafentzug und Elektrokrampftherapie im Rahmen eines stationären Aufenthalts bei schweren Depressionen. Wie genau die Therapie für die einzelnen Betroffenen aussieht richtet sich nach Schwere und Ursache der Depression.

Symptome

Die Symptome einer Depression sind vielfältig und oft nicht direkt auf den ersten Blick zu erkennen. Zu den Leitsymptomen zählen:

  • eine gedrückte Stimmung, die mit einem inneren Gefühl der Leere und Gefühlskälte einhergeht
  • Freudlosigkeit
  • Verlust von Interesse an früher bedeutsamen Dingen
  • Antriebsmangel
  • leichte Erschöpfbarkeit, wobei sich die Betroffenen nur schwer zu etwas motivieren können

Zusätzlich können Symptom wie Suizidgedanken, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, ein verminderter Appetit, ein niedriges Selbstwertgefühl und Schuldgefühle kommen. Liegen mindestens 2 Hauptsymptome und zusätzlich 2 Nebensymptome vor spricht man von einer Depression.
Unterschieden wird dabei zwischen einer leichten, mittelgradigen und schweren Depression. Erkannt wird eine Depression also meist durch ein aufmerksames Umfeld des Betroffenen, welches die Veränderungen in den Verhaltensweisen wahrnimmt.
Die Physiotherapie kann bei einer Depression eine gute Ergänzung der Therapie sein. Durch körperliche Aktivitäten und Entspannungsmaßnahmen während der Therapie werden die Patienten nicht nur durch die positiven Effekte des Trainings motiviert, sondern werden durch den sozialen Kontakt auch aus ihrer selbstgewählten Isolation herausgeholt, was zusätzlich den Weg zurück in ein normales Leben erleichtert.
Inhalte der Physiotherapie von Depressionen sind also vorwiegend Krankengymnastik, Massagen, Entspannungstechniken, Bewegungstherapie und Gruppentherapie.

Test

Eine Depression auf Anhieb zu erkennen ist nicht immer leicht. Die Symptome sind oft tageszeitenabhängig und können an einzelnen Tagen oder mehrere Tage in Folge auftreten. Grundsätzlich beeinträchtigt eine Depression alle Bereiche des täglichen Lebens wie Denken, Gefühle, Handeln und die Beziehung zum sozialen Umfeld.

Als Hilfestellung zur Erkennung einer Depression gibt es einen sogenannten Depressionstest nach Goldberg oder PHQ-9 Test. Dieser stellt eine Art Gesundheitsfragebogen für Patienten dar, wobei durch verschiedene stimmungsspezifische Fragen Anzeichen auf eine Depression gegeben werden sollen. Die Patienten müssen hierbei zu Fragen wie Niedergeschlagenheit, Selbstmordgedanken, Antrieb und Energie, Konzentrationsproblemen, Schlafschwierigkeiten und allgemeinem Interesse eine persönliche Einschätzung geben.

Anhand der Auswertung kann eine erste Einschätzung erfolgen, ob eine Depression vorliegt und ob es sich dabei um eine leichte, mittelgradige oder schwere Depression handelt. Der Test kann bei Verdacht auf eine Depression auch anonym online durchgeführt werden. Er ersetzt allerdings keine klinische Diagnose. Bei positiven Testergebnis und begründetem Verdacht auf bestehen einer Depression sollte daher ein Arzt aufgesucht werden, um die Diagnose durch weitere Untersuchungen zu sichern.

Zusammenfassung

Zusammenfassend stellt man fest, dass in der modernen Behandlung von Depressionen die Physiotherapie eine immer mehr tragende Rolle spielt. Durch die Sozialisation de Patienten und die regelmäßigen sportlichen Impulse, werden die Patienten langsam aus ihrem tief herausgeholt und können selbstständig gegen die Erkrankung arbeiten und neues Selbstvertrauen und Freude am Leben gewinnen.

Weitere Informationen