Physiotherapie Handgelenk

Bei Verletzungen des Handgelenks - wie einer Fraktur durch ein Trauma, einer Verstauchung, degenerativen Veränderungen oder einer Nervenläsion wie beim Karpaltunnelsyndrom - ist es besonders wichtig, die Funktionsfähigkeit des Handgelenks durch gezielte Physiotherapie best möglich zu erhalten und wieder her zu stellen. Unser Handgelenk ist ein besonders gefordertes Gelenk. Im Alltag brauchen wir es einerseits für feinkoordinative Aufgaben. Das Zubereiten von Nahrung, Essen, Autofahren und auch berufliche Tätigkeiten fordern häufig eine präzise Beweglichkeit des Handgelenks. Andere Aufgaben, wie das Tragen von Gegenständen, Heben, das Halten einer Leine des Haustieres oder Gartenarbeit sind Tätigkeiten, die unserem Handgelenk Kraft abverlangen. Das Gelenk muss um im Alltag zu funktionieren also verschiedenen Anforderungen gerecht werden. Es wird somit nicht nur auf unterschiedliche Weise belastet, sondern kann bei Fehlfunktion auch zu erheblichen Behinderungen der Durchführung von Aktivitäten des alltäglichen Lebens beitragen und somit zur Einschränkung der Lebensqualität führen.

Durch eine gezielte physiotherapeutische Behandlung mit passiven Therapeutentechniken und einem aktiven Übungsprogramm, sollen die Funktionsfähigkeit möglichst gut wieder herstellen.



Inhalte der Physiotherapie

Die Inhalte der Therapie passen sich in höchstem Maße an den Patienten an. Sie sind weiterhin abhängig von der Art der Verletzung und von den Belastungsfreigaben des Arztes. Ein Handwerker wird anders behandelt als jemand der am Computer arbeitet. Ein Klavierspieler muss anders üben als ein Mauerer. Die Schwerpunkte werden auf die Belastung gelegt, die die Hand im Alltag ausführen soll.
Nicht desto trotz stehen die Aktivitäten des alltäglichen Lebens wie Hygiene, Essen und ähnliches an erster Stelle. Hierzu wird zunächst die Beweglichkeit des Handgelenks wieder trainiert. Das Handgelenk kann in unterschiedliche Richtungen bewegt werden. Das Beugen und Strecken des Handgelenks nennt sich palmare Flexion und dorsale Extension. Das zur Seite Abwinkeln nennt sich ulnare Abduktion (die Hand bewegt sich in Richtung Kleinfingerseite) und radiale Abduktion (die Hand bewegt sich zur Daumenseite). Das Drehen der Handfläche (Pro- und Supination) geschieht aus den Gelenken des Unterarms und Ellenbogens, kann trotzdem bei Verletzungen des Handgelenks eingeschränkt sein. Durch verschiedene Übungen können all diese Bewegungsrichtungen kombiniert oder isoliert beübt werden.

Inhalte der Theapie können sein: 

  • Stütztraining
  • Koordinationstraining
  • Kräftigungsübungen
  • Faszien und Narbenmobilisation
  • Wärme- und Kältetherapie

Stütztraining

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Physiotherapie bei Handgelenksbeschwerden ist das Stützen. Immer wieder müssen wir uns im Alltag auf unserer Hand abstützen oder etwas mit ihr wegdrücken. Bei dieser Belastung wird das Handgelenk komprimiert und es kann zu Schmerzen kommen. Durch ein gezieltes Training kann die Muskulatur so gestärkt werden, dass weniger Belastung auf den passiven Strukturen des Gelenks liegt - Bänder, Knorpel und Knochen werden so weniger belastet. Auch bei Instabilitäten im Handgelenk kann ein Stütztraining in Frage kommen.

Koordinationstraining

Neben der Beweglichkeit und der Stützkraft ist auch die Koordination wichtig. Am besten kann die Koordination mit Übungen trainiert werden, die der Anforderung am nächsten kommen, die später auch ausgeführt werden soll. In der Nähe des Handgelenks laufen fast alle Sehnen der Fingermuskulatur und deren Nerven. Je nach Art der Schädigung kann bei Handgelenksverletzungen also auch die Finger-Hand-Muskulatur in Mitleidenschaft gezogen werden. Diese funktionsfähig zu machen oder zu halten, soll ebenfalls Inhalt der Physiotherapie bei Handgelenksverletzungen sein.

Kräftigungsübungen

Die Kräftigung der Hand ist besonders bei schwer arbeitenden Personen wichtig. Hier sollten gezielte Kräftigungsübungen in die Therapie eingebaut werden. Auch die Kraft der Finger kann Teil der Physiotherapie sein.

Faszien und Narbenmobilisation

Sollte eine Verletzung stattgefunden haben, bei der es zu Narbenbildung gekommen ist, gilt es in der Physiotherapie das Gewebe mobil und beweglich zu halten. Durch Faszien und Narbenmobilisation sollen Verklebungen gelöst und verhindert werden. Dehnung kann verkürzte Muskulatur, z.B. nach einer Ruhigstellung wieder mobilisieren.

Wärme- und Kältetherapie

Auch Wärme- und Kältetherapie können Inhalt der Physiotherapie bei Handgelenksverletzungen sein. Elektrotherapie und das Anlegen von Tapeverbänden können je nach Indikation in die Krankengymnastik integriert werden. Eine Mobilisation der Nerven kann nötig sein, um etwaige Sensibilitätsstörungen oder Paresen der Muskulatur zu lindern.

Die Inhalte der Physiotherapie sind abhängig von der Ursache der Handgelenksverletzung. Für spezifische Informationen zur Physiotherapie empfehlen wir Ihnen unsere Hauptseite: Physiotherapie Hand

Übungen bei Verletzungen des Handgelenks

Mobilitätsübungen

Übungen zur Verbesserung der Mobilität sind zum Beispiel aus dem Bereich der funktionellen Bewegungslehre (FBL) - die widerlagernde Mobilisation. Hierbei werden die beiden Hebel des Gelenks so bewegt, dass sie sich immer zu einander annähern, das heißt, der Winkel im Gelenk wird möglichst klein, das Bewegungsausmaß maximal. Durch die gleichsinnige Bewegung der beiden Hebel werden Ausweichmechanismen verhindert und der Erfolg der Übung verbessert.

Übungen der Beugung und Streckung

Für die Verbesserung der Beugung und Streckung kann der Unterarm auf einer geraden festen Oberfläche z.B. einer Tischplatte oder einer Therapieliege abgelegt werden. Um die Beugung zu trainieren bleiben die Fingerspitzen und der Ellenbogen fix auf der Unteralge liegen, während das Handgelenk von der Tischplatte entfernt wird. Die Finger bleiben dabei gestreckt. Die Übung wird bis zu 20 mal hintereinander ausgeführt. Die Übung für die Streckung kann im Wechsel mit der für die Beugung ausgeführt werden. Diesmal bleibt bei gleicher Ausgangslage das Handgelenk fest auf der Unterlage, während sich Ellenbogen und Finger annähern. Auch hier können 20 Wiederholungen durchgeführt werden. Die Übung kann in 3-4 Sätzen mehrmals täglich trainiert werden.

Ähnliche Übungen gibt es auch für die anderen Bewegungsrichtungen des Handgelenks. Die Übungen sollten ohne große Anstrengung ausführbar sein. Wichtig ist es auf die Durchführung zu achten. Die Qualität steht im Vordergrund.

Stützübungen

Übungen für den Stütz können gut aus dem Vierfüßlerstand ausgeführt werden. Hierzu befindet sich der Patient auf einer Gymnastikmatte. Die Knie sind auf dem Boden, die Hüften direkt über den Knien, der Rücken ist parallel zur Unterlage, die Hände sind unter den Schultern aufgestützt, die Ellenbogen sind nicht ganz durchgestreckt, sondern während der gesamten Übung leicht gebeugt. Der Blick ist nach schräg vorne unten gerichtet, die Halswirbelsäule gerade. Nun kann das Körpergewicht langsam von einer Hand auf die andere verlagert werden, sodass die betroffene Hand kurzfristig mit mehr, dann wieder mit weniger Gewicht belastet wird. Wenn das Gewicht auf der Hand ist, muss Stützaktivität in der Muskulatur aufgebaut werden. Die Übung sollte zusammen mit einem Therapeuten erarbeitet werden um eine falsche Durchführung zu vermeiden. Wenn die Stützaktivität sicher aufgebaut werden kann, können auch einzelne Stützpfeiler abgehoben werden (z.B. der gesunde Arm, oder das gegenüberliegende Bein o.ä.) um das Gewicht, welches auf der Hand liegt zu erhöhen. Der Stütz kann aus mehreren Ausgangsstellungen heraus erarbeitet werden.

Koordinative Übungen

Koordinative Übungen gibt es viele. Das Fangen eines leichten Balls bietet sich an, ebenso wie Klavierspielen, Schreiben oder Malen. Auch die Reaktion kann trainiert werden. Hier sollten die Übungen an die Herausforderungen, denen der Patient im Alltag gestellt ist, angepasst werden.

Die spezifischen Übungen richten sich an der Ursache der Handgelenksverletzung. Für  vertiefende Informationen und Übungen, die sich auf die Ursachen beziehen (z.B. Handgelenksentzündung, -fraktur, Bänderriss etc.), empfehlen wir Ihnen daher unsere Hauptseite: Physiotherapie Hand

Physiotherapie Handgelenksfraktur

Bei einer Handgelenksfraktur ist es wichtig, die Vorgaben des Arztes einzuhalten. Je nach dem, wie die Fraktur versorgt wurde (konservativ oder operativ) ist eine Therapie nach wenigen Wochen bereits möglich. Gewisse Belastungen können aber durchaus länger verboten sein. Meist ist eine frühfunktionelle Mobilisation nach ca. 2-4 Wochen möglich. Der Stütz und das Tragen von Gegenständen hingegen dürfen erst, wenn die Fraktur sehr stabil ist, wieder ausgeführt werden.

Grundsätzlich beginnt die Therapie mit einer aktiven mobilisierenden Therapie, bei der der Patient selbstständig die freigegebenen Bewegungsrichtungen, beübt. Der Therapeut kann die Operationsnarben behandeln um eine einschränkende Narbenbildung zu verhindern. Auch die Behandlung von verspannter (hypertoner) Muskulatur ist Teil der Physiotherapie in der Akutphase. In dieser Akutphase ist das Handgelenk noch wenig belastbar und mit der Wundheilung stark beschäftigt, es kann schmerzhaft geschwollen und ödematös sein. Manuelle Lymphdrainage kann die Wundheilung fördern. Je weiter die Wundheilung fortschreitet, desto belastbarer wird das Handgelenk. Übungen gegen dosierte Widerstand können durchgeführt werden, um die Kraft der Muskulatur zu verbessern. Greifübungen, Reaktionsübungen können als Koordinationsübungen eingesetzt werden. Auch der Faustschluss wird trainiert. Hilfsmittel wie kleine, weiche Bälle, Tücher oder Ähnliches bieten sich an.
Sobald der Arzt die Belastbarkeit des Handgelenks freigibt, wird auch der Stütz trainiert.

Je nach Lokalisation der Fraktur und Einsatz von Metall oder Drähten, können auch Techniken der Manuellen Therapie in Frage kommen, hier sollte aber immer Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.Der Patient sollte die Übungen auch zu Hause ausführen, bei OP Narben sollte dringen auch zu Hause eine regelmäßige Narbenmobilisation statt finden um funktionseinschränkende Narbenbildung zu verhindern.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Physiotherapie bei Karpaltunnelsyndrom

Bei einem Karpaltunnelsyndrom handelt es sich um die Einengung des Nervus medianus innerhalb des Karpaltunnels. Es gibt mehrere Ursachen für diese Einengung. Entzündungen innerhalb des Karpaltunnels, die zu einer Schwellung der Sehnen/Muskeln führen, Tumore, Frakturen mit Narbenbildung, Degeneration der Handwurzelknochen. Manchmal besteht ein Karpaltunnelsyndrom ohne sichtbare Ursache, man spricht dann von einem idiopatischem Karpaltunnelsyndrom.

Das Karpaltunnelsyndrom tritt häufig bei Frauen in der Menopause (Wechseljahre) auf, ein hormoneller Zusammenhang wird also vermutet.
Häufig ist eine Entzündung durch Überbelastung der im Karpaltunnel verlaufenden Strukturen die Ursache. In der Physiotherapie wird versucht diese Überbelastung zu verkleinern. Eine Haltungskorrektur kann nötig sein, sowie ein Training zu schwacher Muskulatur, eine Entlastung überbelasteter Muskulatur oder die Dehnung von verkürzten Muskeln.

Auch das Gewebe des Karpaltunnels selbst kann mobilisiert werden. Hierzu wird das Handgewölbe gedehnt und friktioniert. Die manuelle Mobilisation der Handwurzelknochen kann hilfreich sein.

Weiterhin kann eine Nervenmobilisation des Nervus medianus nützlich sein bei der Physiotherapie bei einem Karpaltunnelsyndrom. Der Arm wird so positioniert, sodass der Nervus Medianus auf seine volle Länge gebracht wird. Hierzu wird der Arm auf 90 Grad neben dem Körper abgespreizt. Die Ellenbeuge zeigt zur Decke, die Fingerspitzen nach unten. Es ist wichtig, dass die Schulter nicht nach oben gezogen wird, sondern viel Platz zwischen Schulter und Ohr bestehen. Der Kopf kann leicht zur Gegenseite geneigt werden um die Dehnung zu verstärken. Die Hand kann weiter gedehnt werden, indem man sich an eine Wand stellt und durch leichten Druck, die Finger näher zum Körper drückt (mehr dorsale Extension im Handgelenk). Eine Dehnung kann an unterschiedlichen Stellen des Arms gespürt werden. Durch die Neigung des Kopfs sollte sich das Dehngefühl verstärken. Es gibt verschiedene Dehntechniken. Entweder kann man die Dehnposition ca. 20 Sekunden halten und nach einer Pause wieder in die Dehnposition gehen. Oder man mobilisiert den Nerv, indem man ein Gelenk abwechselnd aus der Dehnposition heraus und wieder herein führt. Hierfür bietet sich der Kopf an. Dieser kann einfach aufgerichtet und langsam wieder geneigt werden. Es kann auch jedes andere Gelenk genutzt werden. Es gibt weitere Techniken, die mit einem Therapeuten in der Physiotherapie erarbeitet werden können.

Bei einem Karpaltunnelsyndrom ist es wichtig, die Kompression des Nervens schnellstmöglich zu lindern, um den Nerven nicht dauerhaft zu schädigen. Ob eine konservative Behandlung durch Übungen ausreicht, muss ärztlich abgeklärt werden, um eine dauerhafte Schädigungen auszuschließen. Gegebenenfalls ist eine Operation nötig, um den Nervus Medianus zu entlasten. Im Nachhinein kann die Funktion der Hand durch mobilisierende und kräftigende Übungen wieder her gestellt werden. In das Übungsprogramm sollte auch die Beweglichkeit und Kräftigung des Daumens einbezogen werden.

Genauso wie bei der Nachbehandlung einer Handgelenksfraktur ist es wichtig, nach einer Karpaltunnel OP die Operationsnarbe beweglich zu halten. Eine Narbenmobilisation ist dann in jedem Fall Teil der Physiotherapie. Wie bei jeder Operation gilt es, die Belastungs- und Nachbehandlungsvorgaben des Arztes zu befolgen.

Weitere Informationen zur Physiotherapie bzw. zu den Übungen bei einem Karpaltunnelsyndrom finden Sie unter:

Da das Karpaltunnelsyndrom am häufigsten durch eine Sehnenscheidenentzündung bedingt ist, lesen Sie doch auch: