Physiotherapie bei einem Bänderriss am Handgelenk

Ein Bänderriss am Handgelenk bezeichnet den Riss des medialen (inneren) oder lateralen (äußeren) Bandes, welches die Elle und Speiche mit dem Handgelenk verbindet. Die Bänder sorgen für die Stabilisierung des Handgelenk von den Seiten und vermeiden das Abrutschen der Handwurzel. Zu einem Bänderriss am Handgelenk kommt es meistens bei Sportverletzungen, bei der die Hand besonders stark beansprucht. Sportarten wie Handball, Squash, Tennis, Volleyball, Basketball u.a. sind dabei besonders häufig vertreten. Entweder entsteht ein Riss durch ein akutes Trauma, wie Ball oder Schlag drauf oder durch einen langen Verschleiß.



Therapie/Behandlung

In der Therapie bei einem Bänderriss im Handgelenk sollte symptombezogen therapiert werden. Direkt nach der Verletzung sollte ein Arzt aufgesucht werden, der das Ausmaß der Verletzung durch ein Röntgenbild oder MRT beurteilen kann.

  • Je nach Verletzungstrauma können auch noch andere Strukturen beteiligt sein, diese Verletzungen sollten ausgeschlossen werden. Meist bekommt der Betroffene Schmerzmittel und eine Schiene vom Arzt verordnet.
  • In der Physiotherapie werden in der akuten Phase die Schmerzen gelindert und die Schwellung reduziert. Abschwellende Lymphgriffe entlang der gesamten Hand inklusive Finger und Arm fördern den Lymphabfluss.
  • Zur Schmerzlinderung kühlt der Therapeut die betroffene Stelle mit einem Kühlpad und mobilisiert vorsichtig das Handgelenk um die Schwellung zu minimieren.
  • Ebenso kann durch ein Kinesiotape der Lymphabfluss unterstützt werden und das Handgelenk auch schon in der akuten Phase stabilisiert werden.
  • Um den Sympathikus zu dämpfen und somit eine allgemeine Entspannung zu erreichen kann über Wärmebehandlung in der Brustwirbelsäule oder Weichteiltechniken und Mobilisation in diesem Bereich gearbeitet werden.

Ab der Proliferationsphase kann durch Querfriktion an den Bandstrukturen ein neuer Entzündungsreiz gesetzt werden, wodurch die Wundheilung weiterhin angeregt wird. Ebenso sollte die Beweglichkeit verbessert werden. Meist ist diese durch Angst vor Schmerz oder noch vorhandene Schwellung weiterhin eingeschränkt. Durch Mobilisation in die Beugung und Streckung wird die Bewegung angeregt und durch manuelle Therapie endgradig erreicht, falls nach mehreren Wochen noch keine deutliche Verbesserung zu vermerken ist.
Liegen noch Schmerzen vor sollten diese mit Kälte- oder Wärmetherapie behandelt werden. Durch die Anspannung aufgrund der Schmerzen kann es zu einer Verspannung der gesamten Unterarmmuskulatur kommen. Dieser Bereich sollte durch Weichteiltechniken, Fascienlösung und Massagegriffen gelockert werden. Unterstützend wirkt sich Wärme sehr positiv aus.
Wenn in der Konsolidierungsphase die Schmerzen und Bewegungseinschränkung aufgehoben sind, kann mit der muskulären Stabilisation begonnen werden. Dabei eignen sich alle Übungen, bei der der Patient mit der Hand stützen muss.

  • Handstütz
  • Seitstütz
  • Vierfüßlerstand auf ebenen Unterlagen oder noch effektiver auf unebenen Untergründen, wie Wackelkissen oder Kreisel sorgen für eine Förderung der Propriozeption

Kraftaufbau für den gesamten Schulter-Armkomplex über Dips, Zugübungen mit dem TRX- Trainer oder am Seilzug, Liegestütze und allgemeine Stützübungen sind ebenfalls besonders wichtig. Unterstützend in allen Wundheilungsphasen sind zudem die Elektrotherapie und das stabilisierende Taping.

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Symptome

Bei einem Bänderriss kommt es:

Meist kann die Aktivität nicht weiter durchgeführt werden. Es sollte direkt gekühlt werden, um eine große Einblutung zu vermeiden und die Schmerzen zu lindern. Das Handgelenk sollte ruhiggestellt werden und so lange die Schmerzen bestehen geschont werden. Wird nicht ausreichend ruhig gestellt und geschont kann es zu langfristigen Beschwerden kommen und ständig wiederkehrende Schmerzen.  

Ähnliche Symptome können bei den folgenden Erkrankungen auftereten:

OP

Eine OP bei einem Bänderriss erfolgt je nach Schweregrad.

  • Grad 1; ein Teilriss des Bandes aber das Handgelenk ist stabil
  • Grad 2; ein Teilriss und das Handgelenk kann durch Provokation die Stabilität verlieren
  • Grad 3; kompletter Abriss des Bandes und eine Instabilität des Gelenks

Vor allem bei der Instabilität des Handgelenks muss operativ versorgt werden, da Folgeverletzungen wahrscheinlich sind. Durch kleine Schrauben wird das Band vernäht und es reicht meist eine kleine Betäubung. Ein Gips für 8 Wochen ist allerdings notwendig um die Wundheilung nicht zu beeinflussen. Die Drähte werden nach Monaten wieder entfernt. Am effizientesten ist das operative Verfahren, wenn direkt nach dem Abriss eine Operation durchgeführt wird. Liegt die Verletzung schon länger zurück kann es zu einer Schrumpfung des des Bandes oder einer Vernarbung gekommen sein.

Schiene

Um das Handgelenk vor allem am Anfang ruhig zu stellen, damit eine Verschlimmerung der Verletzung vermieden wird, bekommt der Patient eine Handgelenkschiene. Diese Schiene verläuft vom letzten Drittel des distalen Unterarms bis zur Mitte der Hand und umschließt mit einer Schlaufe das Daumensattelgelenk. Die Beweglichkeit ist in der Schiene möglich aber eingeschränkt, sodass nicht zu viel Belastung auf die Bänder gelangt. Generell wäre es aber auch trotz Schiene wichtig, dass Handgelenk zu schonen, was meist aufgrund von der Arbeit nicht möglich ist. Durch die Verletzung und zu früher Belastung kann es sich zu Überlastungsreaktionen entwickeln. Langfristig ist eine Arthrose im Handgelenk wahrscheinlicher, da stetig Entzündungsmediatoren ausgeschüttet werden, wenn mit Schmerzen weiter gearbeitet wird. Die Schiene wird meist für 6-8 Wochen getragen.

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Wie lange dauert der Heilungsprozess?

Wie lange die Heilung eines Bänderrisses dauert hängt von der Nachbehandlung, Schonung und Wundheilung ab. Direktes Ruhigstellen durch eine Schiene und Krankschreibung ist natürlich für die Wundheilung am Besten.
Trotzdem darf man die gesamte Wundheilung nicht missachten:

  • Ab dem 5. Tag startet die Proliferationsphase, bei der das Gewebe aber noch sehr empfindlich ist und die Belastung noch nicht zu stark sein sollte.
  • Ab der Konsolidierungsphase ab dem 21. Tag wird das Gewebe durch stabile Fasern ersetzt, sodass langsam die Belastung gesteigert werden kann ohne, dass die Gefahr von einer Re-Ruptur besteht.
  • Wenn man die ersten 3 Wochen die Hand komplett ruhig stellt und in der Zeit über physikalische Maßnahmen und vorsichtige Physiotherapie unterstützt sollte der Patient schon schmerzfrei sein und kann seiner normalen Belastung langsam wieder nachgehen.

In den wenigsten Fällen wird der Patient eines Bänderrisses krankgeschrieben, da die Verletzung meist nicht als so dramatisch eingestuft wird. Durch eine Schienenversorgung wird der Patient meist nach einer Woche wieder zu Arbeit geschickt. Wird aber vor allem bei Bürotätigkeiten die Hand ständig trotz Schiene benutzt, kann sich der gesamte Heilungsverlauf verlangsamen und häufig auch noch nach mehreren Monaten zwischenzeitlich Schmerzen verursachen.

Therapieformen, welche die Heilung unterstützen können sind beispielsweise:

Tape

Das Tapen am Handgelenk nach einem Bänderriss ist sehr effektiv. Dabei unterscheidet sich das klassische Tape, welches das Handgelenk komplett ruhig stellt und stabilisiert von dem Kinesiotape, wodurch nur eine minimale Stabilisation erreicht werden kann. Da meist eine Schienenversorgung erzielt wurde, kann unterstützend das Kinesiotape geklebt werden, um die Durchblutung anzuregen und dem Patienten ein gutes Gefühl zu geben. Das klassische Tape ist vor allem im Sportbereich sehr effektiv. Meist kann sich ein Sportler nicht so lange schonen, wie er sollte und lässt sich dann für ein Spiel o.ä. Tapen um das Handgelenk komplett zu stabilisieren.

Umfassende Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem Artikel Kinesiotape.

Zusammenfassung

Ein Bänderriss am Handgelenk betrifft das Band an der Außen- oder Innenseite des Handgelenks. Durch ein Trauma, wie Schlag auf die Hand oder ruckartige Bewegung kommt es zu einem Einriss, der in 3 Schweregrade eingeteilt wird. Eine operative Versorgung ist nur im Falle einer Instabilität notwendig. In der Physiotherapie wird entsprechend der Symptome behandelt. Schmerzen, Schwellung und Blutergüsse können über die Lymphdrainage verbessert werden. Mobilisation und Querfriktion an der Sehne, um einen Wundheilungsreiz zu setzen, sowie Weichteiltechniken für die Unterarmmuskulatur, kommen später in die Therapie hinzu. Eine Schienenversorgung ist unbedingt notwendig, um die Belastung und die Bewegung einzudämpfen und wird meist für 6-8 Wochen getragen. Unterstützendes Tapen ist ebenfalls für den Verlauf der Wundheilung ratsam. Wie lange die Verletzung dauert, hängt vom Ausmaß, Behandlung, Schonung und Wundheilung ab.