Krankengymnastik bei einer Sehnenscheidenentzündung

Wenn man bestimmte Bewegungen unter starker Belastung durchführt, kann es sein, dass es zu einer Reizung der Sehne kommt. Sie und die Sehnenscheide können sich entzünden. Dann kommt es zu Bewegungseinschränkungen, Schwellung und Schmerz. Bei einer ständigen, unterschwelligen Überbelastung kann es auch zu einer chronischen Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis), wie dem Tennisarm oder dem Golferellenbogen kommen.
Folgender Artikel könnte Sie auch interessieren: Krankengymnastik bei Morbus Sudeck



Krankengymnastik bei einer Sehnenscheidenentzündung

In der physiotherapeutischen Behandlung/Krankengymnastik bei einer Sehnenscheidenentzündung geht es im akuten Stadium um die Kontrolle der Entzündungszeichen. Es sollte niemals in den Schmerz gearbeitet werden. Leichte Massagegriffe oder Techniken aus der Manuellen Lymphdrainage können die Ernährungssituation im betroffenen Bereich verbessern und somit die Heilung beschleunigen. Es kann zur Schmerzlinderung gekühlt werden. Die Bewegung sollte, es sei denn es ist vom Arzt etwas anderes angeordnet, nicht vollständig eingeschränkt werden, aber immer schmerzfrei sein.

Im Laufe der Therapie/Krankengymnastik, wenn die akute Phase der Sehnenscheidenentzündung langsam abklingt, kann an der Beweglichkeit gearbeitet werden. Die Strukturen können manuell durch sanfte Dehnungen an der Sehne (Massagegriffe) gedehnt werden. Verklebungen sollen gelöst werden. Entlastung im Alltag ist nötig um eine erneute Bagatellisierung zu vermeiden. Aktive Dehnung ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Therapie/Krankengymnastik. Ein sanftes Dehngefühl sollte etwa 20 Sekunden gehalten werden, dann gelöst und nach einer kleinen Pause ca. 3 mal wiederholt werden.

Je nach Ursache der Sehnenscheidenentzündung, zum Beispiel bei einer einmaligen Überbelastung, kann das Gewebe auch auf die neue Belastung durch gezielte leichte Kräftigungsübungen vorbereitet werden, sodass eine erneute Entzündung vermieden werden kann. Bei chronischen Sehnenscheidenentzündungen können die passiven Mobilisationstechniken etwas kräftiger ausfallen. Triggerpunkttherapie, Querfriktionen (Massage und Dehnung von Gewebe an bestimmten Schmerzpunkten) und Querdehnung (Massagegriffe quer zum Muskelbauch) können das betroffene Gewebe beweglicher machen. Die Strukturen werden gegeneinander verschoben, die Durchblutung angeregt, Verklebungen können mit der Zeit gelöst werden. Bei einer chronischen Sehnenscheidenentzündung ist allerdings mit einer eher langfristigen Therapie/Krankengymnastik zu rechnen.

Der Artikel Physiotherapie bei einer Handgelenksentzündung könnte Sie diesbezüglich auch noch interessieren

Zur aktiven Therapie/Krankengymnastik bei einer Sehnenscheidenentzündung ist besonders ein Augenmerk auf das exzentrische Training zu setzen. Das bedeutet, dass man den Muskel nicht trainiert in dem man ihn verkürzt, also zum Beispiel die Hand zur Schulter führt um den Bizeps zu trainieren, sondern man versucht den Muskel langsam gegen einen Widerstand nachgeben zu lassen (man drückt die zur Schulter geführten Hand nach unten, während der Patient versucht nur langsam und kontrolliert dem Widerstand nach zu geben). Dieses Training in der Krankengymnastik ist laut der Studienlage besonders effektiv um eine Sehnenscheidenentzündung zu behandeln. Kontrolliert gegen einen Widerstand nachgeben bedeutet, den Muskel aus seiner angenäherten Position langsam lang werden zu lassen, bis hinein in die Dehnung. Auf dem Rückweg zurück in die Ausgangsstellung sollte keine Kraft aufgewendet werden.

Die Hand kann beispielsweise mit Unterstützung der gesunden Hand wieder Richtung Schulter geführt werden. Nun lässt sich der Patient wieder langsam und kontrolliert in die Dehnbewegung drücken. Diese Trainingsform kann auch sehr gut durch Weichteiltechniken durch den Physiotherapeuten ergänzt werden. Sie sollte etwa 10 bis 15 mal hintereinander langsam und kontrolliert in zwei bis drei Sätzen durchgeführt werden. Zu Beginn der Therapie/Krankengymnastik ruhig mehrmals täglich.

Wichtig ist, während dieser Therapiephase das Training durch aktive Verkürzung möglichst zu vermeiden! Klassische Dehnübungen finden außerdem Platz im Therapieprogramm der Krankengymnastik bei Sehnenscheidenentzündung. Wichtig ist auch, die Ursache für die Fehlbelastung zu finden und zu eliminieren. Eine Kontrolle des Arbeitsplatzes kann eventuelle Fehlhaltungen aufdecken, die für eine ständige Überbelastung der Handgelenke oder der Ellenbogen sorgen. Falsches Schuhwerk kann das Sprunggelenk beim Joggen überbelasten. Bei der Sehnenscheidenentzündung, die durch Training und Sport entstanden ist, sollte die Übungsdurchführung kontrolliert werden und beim Training mit Geräten eine Gewichtsreduktion erfolgen! Es kann nötig sein, zu Beginn eine Entlastung der Sehne im Alltag zu schaffen.

Übungen für die Schulter, Sprunggelenk, die Hand und das Knie finden Sie in dem Artikel Übungen bei einer Schnenscheidenentzündung.

Weitere physiotherapeutische Maßnahmen

Um eine Entlastung der Sehnenscheide im Alltag zu schaffen, kann es nötig sein durch Orthesen, Tapes oder Bandagen das Gelenk für eine gewisse Zeit ruhig zu stellen. Kinesiotape kann die Sehne entlasten. Die Orthese sollte möglichst schnell wieder abgewöhnt werden, oder nur bei besonderen Belastungen getragen werden um eine Abhängigkeit zu vermeiden. Wenn ein Gelenk ständig durch eine Bandage oder ähnliches stabilisiert ist, verlieren die Strukturen unseres Körpers, die für diese Stabilität normalerweise sorgen, ihre Funktion und schwächen ab. In der akuten Phasen können Kühlung und entzündungshemmende Salben schmerzlindernd sein. Auch medikamentös kann die Heilung eventuell unterstützt werden. In der akuten, sowie auch in der chronischen Phase einer Sehnenscheidenentzündung ist die Nutzung von spezifischen Strömen zur Durchblutungssteigerung oder zur Schmerzlinderung im Rahmen der Elektrotherapie denkbar.

Was ist eine Sehnenscheidenentzündung

Damit unsere Gelenke sich bewegen können, sind Muskeln nötig. Muskeln sind über Sehnen an den Knochen befestigt. Wenn sich ein Muskel verkürzt und anspannt zieht er über die Sehne an dem Knochen und verursacht so eine Gelenkbewegung. Um die Beweglichkeit der einzelnen Strukturen im Körper zu gewährleisten, sind die einzelnen Gewebe in Bindegewebe eingehüllt. So auch die Sehnen. Sie verlaufen an Stellen, an denen sie besonderer Belastung ausgesetzt sind in den so genannten Sehnenscheiden. In diesen gleitet die Sehne bei der Bewegung dann entlang. Sie ist zusätzlich mit Gelenkschmiere (Synovia) gefüllt um den Reibungswiderstand bei der Bewegung zu verringern.

Sehnen, die häufig anfällig für eine Sehnenscheidenentzündung sind befinden sich an Gelenken, die wir besonders beanspruchen. Also zum Beispiel an den Handgelenken bei viel Computerarbeit, der Schulter durch heftiges Krafttraining, bei Wurfsportarten oder Überkopfarbeit oder am Ellenbogen durch Schreibtischarbeit und schweres Tragen. Eine Sehnenscheidenentzündung kommt auch an der unteren Extremität, wie dem Knie oder Sprunggelenk vor. Besonderer Belastung ausgesetzt, sind die Sehnen an ihren Ansätzen am Knochen, da hier die Kraftübertragung und die mechanische Reibung am größten sind. Durch einseitige starke, oder chronische Belastung kann es zu einer Dauerreizung der Sehne kommen, bis hin zu einer Sehnenscheidenentzündung. Das heißt es entsteht eine Verletzung innerhalb des Gewebes und es zeigen sich typische Entzündungszeichen. Rötung, Schwellung, Schmerz, Wärme und Funktionseinschränkungen.

In der akuten Phase einer Sehnenscheidenentzündung treten Beschwerden meist bei alle Bewegungsrichtungen, als Annäherung und Dehnung der Sehne auf. Durch die Entzündung kommt es zu Veränderungen an der Sehne und der Sehnenscheide. Es entstehen Verklebungen und das Gleitvermögen der Sehne in der Sehnenscheide wird eingeschränkt. Dadurch folgt ein Beweglichkeitsverlust im Gelenk. Es sollte versucht werden, eine chronisches Stadium der Sehnenscheidenentzündung zu verhindern, hier kommt es zu langfristigen Veränderungen im Bereich der Sehne und ihrer Hülle. Die Krankengymnastik wird hier auch wesentlich mehr Zeit und Aufwand in Anspruch nehmen.

Verklebungen werden mittels einer Bindegewebsmassage und oder dem Faszientraining gelöst.

Zusammenfassung

Die Krankengymnastik bei einer Sehnenscheidenentzündung ist abhängig vom Stadium der Erkrankung (akut oder chronisch). Es geht in beiden Fällen darum, die Beweglichkeit des Gelenks und die Belastbarkeit der Sehne wieder her zu stellen. Hierzu können Weichteiltechniken sowie aktive und passive Dehntechniken genutzt werden. Besonders bei einer chronischen Sehnenscheidenentzündung bietet sich das exzentrische Training und Dehnen an. Hierbei soll der Muskel gegen einen Widerstand langsam lang werden. Entlastung im Alltag und eine Überprüfung und Vermeidung der Ursachen für die ursprüngliche Überbelastung sind ebenfalls Teil der Krankengymnastik bei einer Sehnenscheidenentzündung. Die Behandlung beim Physiotherapeuten sollte immer durch ein gemeinsam erarbeitetes Hausaufgaben Programm für den Patienten ergänzt werden.