Physiotherapie bei einem Karpaltunnelsyndrom

Beim Karpaltunnelsyndrom ist die Physiotherapie die Standardmethode, wenn es um eine konservative Therapie geht. Das Ziel ist es die Einengung des Medianus-Nervs zu beheben, um so eine Verbesserung der Symptome zu bewirken. In der physiotherapeutischen Behandlung stehen zum Erreichen dieses Zieles verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, welche nach der individuellen Situation des Patienten ausgewählt werden.
Mehr zu den Ursachen von einem Karpaltunnelsyndrom können Sie in diesem Artikel lesen.



Therapie

Die Therapie des Karpaltunnelsyndroms richtet sich vor Allem nach dem Stadium der Erkrankung, der Ursache, die zur Entstehung beigetragen hat, dem Alter des Patienten, den Umständen (evtl. vorliegen einer Schwangerschaft) sowie dem Alter und allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten. Grundsätzlich wird zunächst versucht das Karpaltunnelsyndrom konservativ zu behandeln. Die Patienten bekommen dann Physiotherapie verschrieben, wo ein erfahrener Therapeut einen Behandlungsplan erstellt. Verschiedene Therapieansätze stehen zur Auswahl:

  • Krankengymnastik: Die Krankengymnastik mit verschiedenen Übungen zur Kräftigung und Dehnung der Handgelenkstrukturen bildet den Grundpfeiler einer erfolgreichen Therapie des Karpaltunnelsyndroms, da so der Druck vom Medianus-Nerv genommen und die Schmerzen gelindert werden sollen

  • Kälteanwendung: Kälteanwendungen können dann sinnvoll sein, wenn bereits eine Entzündung vorliegt und die Schmerzen zu stark sind

  • Manuelle Therapie: durch verschiedene Grifftechniken der manuellen Therapie wird das Handgelenk massiert, Sehnen und Bänder gelockert und das Gelenk passiv bewegt

  • Tapen: Die Anlage von klassischen Tapeverbänden oder Kinesiologie Tape wird angewandt, um das Handgelenk zu entlasten und zu stabilisieren. Gleichzeitig wird das Gewebe massiert und die Schmerzen gelindert.

Der genaue Behandlungsplan der Physiotherapie ist von Patient zu Patient verschieden. Wenn mit konservativen Maßnahmen nicht der gewünschte Erfolg erzielt wird, wird in der Regel operiert.

In diesem Artikel erfahren Sie weitere Informationen zu dieser Thematik: Therapie/ Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms

Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen auch unsere Seite zu: Physiotherapie Handgelenk

Übungen

Um die betroffenen Strukturen im Handgelenk bei einem Karpaltunnelsyndrom zu unterstützen, gibt es eine Reihe verschiedener Übungen, die bei regelmäßiger Durchführung Abhilfe verschaffen können.

1) Dehnung

  1. Begeben Sie sich in den Vierfüßerstand und drehen ihre Hände nach außen, sodass die Fingerspitzen in Richtung Beine zeigen. Üben Sie nun für 5-10 Sekunden Druck auf ihre Hände aus, so als wollten Sie diese in den Boden drücken. Druck anschließend für 10 Sekunden zurücknehmen, dann wiederholen.
  2. Legen Sie die Handflächen auf Brusthöhe vor dem Körper aneinander, sodass die Fingerspitzen zur Decke zeigen. Die Ellenbogen sind auf Schulterhöhe. Nun senken Sie aus dieser Position die Hände nach unten, bis Sie eine Dehnung spüren. Diese 20 Sekunden halten.

Weitere Dehnübungen für die Hand und den Unteram finden Sie hier: Dehnübungen

2) Kräftigung

Bilden Sie mit der Hand eine Faust und drücken Sie 5-10 Sekunden fest zu. Locker lassen und dann noch 2 mal wiederholen.

3) Mobilisaton

Beuge und strecken Sie bei dieser Übung jeden Finger der Hand nacheinander. Im Anschluss wiederholen Sie das Ganze mit allen Finger gleichzeitig. Zuletzt wird bei jeder Beugebewegung das Handgelenk nach unten abgeklappt und bei der Streckung nach oben gebogen. 
Sie wollen mehr über Mobilisationsübungen erfahren? Lesen Sie sich diesen Artikel durch: Mobilisationsübungen aus der Krankengymnastik

Generell mehr Übungen bei einem Karpaltunnelsyndrom finden Sie in diesem Artikel.

Symptome

Die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms entwickeln sich meist schleichend. Die betroffenen bemerken erste Beschwerden in Form von kribbelnden oder eingeschlafenen Fingern (in der Regel sind nur Daumen, Zeige- und Mittelfinger betroffen), die aber nach einiger Zeit , insbesondere durch Bewegung, wieder verschwinden. Auch bei einseitigen Tätigkeiten, wo das Handgelenk in einer bestimmten Haltung unbewegt bleibt, wie zum Beispiel Fahrradfahren, Telefonieren oder nachts beim Schlafen, können die Symptome gehäuft auftreten und mitunter bis in den Arm ausstrahlen. Wenn das Karpaltunnelsyndrom weiter fortgeschritten ist bestehen die Symptome meist dauerhaft und es können zudem Schmerzen bei Greifbewegungen auftreten. In späten Stadien kann es zu Gefühlsverlust in den Finger, Problemen in der Feinmotorik, Muskelverlusten und zu einer Beugungs- und Abspreizschwäche kommen.

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Schmerzen

Schmerzen entstehen beim Karpaltunnelsyndrom besonders dann, wenn der Druck auf den Medianusnerven sehr groß ist. Durch starke Schwellungen und einen weiteren Fortschritt der Erkrankung führen dann besonders Greifbewegungen, Beugebewegungen und Druck zu starken Schmerzen im Handgelenk, wodurch die Betroffenen stark in ihrem Alltag eingeschränkt werden. Zur Linderung werden schmerzstillende Medikamente, physiotherapeutische Übungen oder spezielle Tape Anlagen und Bandagen verschrieben, die unterstützend wirken sollen.

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Tape oder Bandage?

Tapes und Bandagen werden beim Karpaltunnelsyndrom relativ häufig verwendet, um:

  • Schmerzen zu lindern
  • betroffene Strukturen zu entlasten 
  • zu entspannen und zu unterstützen

Tapes werden dabei in der Regel unter Vordehnung des Handgelenkes angelegt. Dies sollte nur von einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden. Zur Anlage können entweder klassische Tapeverbände benutzt werden, häufiger finden jedoch die sogenannten Kinesiotapes Anwendung.
Eine Bandage wird vor Allem dann eingesetzt, wenn die Patienten unter starken Schmerzen leiden. Durch die Bandage wird das Handgelenk in einer neutralen Position gehalten, was gerade nachts von Vorteil ist, da dort durch unbewusste Bewegungen und abknicken des Handgelenkes die Symptome des Karpaltunnelsyndroms verschlechtert werden könne. Wichtig ist, dass die Bandage auch zwischendurch abgelegt werden sollte und auch intensiv Kräftigungs- und Dehnungsübungen durchgeführt werden sollten, damit die Strukturen im Handgelenk durch die Schonhaltung nich verkümmern und unbeweglich werden. Ob eine Bandage oder ein Tape in Ihrem Fall eine Möglichkeit zur Unterstützung der Therapie darstellt klären Sie am besten mit ihrem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten, der dann die individuelle Situation beurteilt.

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Schwangerschaft

Das Karpaltunnelsyndrom ist einer sehr häufige Erkrankung während der Schwangerschaft. Das liegt daran, dass die Entstehung des Karpaltunnelsystems durch die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft begünstigt wird. Während der Schwangerschaft erfolgt aufgrund der hormonelle Umstellung eine erhöhte Einlagerung von Wasser ins Gewebe, wodurch dieses anschwillt. Durch das Anschwellen des Bindegewebes kann es gerade an anatomisch sowieso schon engen Gebieten, wie zum Beispiel beim Karpartunnel am Handgelenk dazu kommen, dass der Medianus Nerv komprimiert wird und so die typischen Symptome eines Karpaltunnelsyndroms auftreten.
Die gute Nachricht ist, dass sich nach der Schwangerschaft die Beschwerden in der Regel von selber wieder legen, wenn der Körper wieder in seinen normalen Zustand zurückkehrt. Da Schwangere bei der Auswahl an Medikamenten eingeschränkt sind, besteht die Therapie eines Karpaltunnelsyndroms während der Schwangerschaft vorwiegend aus gezielten Übungen und Maßnahmen zur Schmerzlinderung, wie zum Beispiel die Anlage eines Tapes oder das Tragen einer Bandage während der Nacht.

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OP

Wenn die Beschwerden des Karpaltunnelsyndroms durch eine konservative Therapie nicht die gewünschte Verbesserung zeigen, kann eine Operation notwendig werden. Auch diese hat zum Ziel den Druck, der im Karpaltunnel vorliegt zu verringern. Das gute daran ist, dass es sich bei der Operation um einen sehr kleinen Eingriff handelt, der meist sogar unter lokaler Betäubung durchgeführt werden kann. So sind die Patienten nicht dem Risiko einer Vollnarkose ausgesetzt und können auch am selben Tag wieder nach Hause.
Durch einen minimalinvasiven Eingriff, welchen der Chirurg durch einen 0,5-1cm kleinen Einschnitt durchführt, wird der Karpaltunnel erweitert indem entweder der Bandapparat um ihn herum gelockert wird, oder ein bestimmtes Band durchtrennt wird und so den Druck vom Karpaltunnel nimmt. Durch den minimalinvasiven Eingriff wird das Infektionsrisiko stark gesenkt und die Betroffenen behalten nur eine kaum sichtbare Narbe zurück. Die Operation kann auch offen durchgeführt werden, wobei eine größere Narbe zurückbleibt.

Im Anschluss an die Operation muss die Hand für 7-10 Tage noch verbunden werden, in seltenen Fällen entscheidet sich der Arzt auch für das kurzzeitige Anlegen eines Gipsverbandes. Es ist wichtig, dass die Finger nach einer Operation direkt bewegt werden, damit es nicht zu Versteifungen oder Ähnlichem kommen kann. Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Arzt nach der Operation Physiotherapie verordnet, um den Heilungsprozess zu unterstützen.

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Zusammenfassung

Insgesamt ist die Physiotherapie beim Karpaltunnelsyndrom immer noch die Therapie der Wahl. Durch eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten und Übungen, die die Patienten auch zuhause durchführen können, ist es in der Regel möglich den Druck vom eingeengten Nerven zu nehmen, sodass die Betroffenen nach der abgeschlossenen Physiotherapie Behandlung beschwerdefrei ihren Alltag weiterleben können. Natürlich ist die Mitarbeit und Disziplin des Patienten dabei von sehr großer Bedeutung, damit der Erfolg der Therapie nicht gefährdet wird.