Übungen bei einer Gangstörung

Obwohl sich die Behandlung von Gangstörungen komplett nach der zugrunde liegenden Ursache richtet, können gezielte Übungen zur Verbesserung der Koordination, Kraft und Beweglichkeit, sowie bestimmte Gangtrainingsübungen zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik führen. Durch eine regelmäßige Durchführung der vorgegebenen Übungen kann so das Gangmuster deutlich verbessert werden und die Patienten haben eine Grundlage der Hand, um auch außerhalb der Präsentphasen der Therapie etwas gegen ihre Erkrankung zu unternehmen.



Übungen

Mobilisation

  • Stellen Sie einen Fuß auf ein Kippbrett und bewegen dann das Brett kontrolliert von links nach rechts und von vorne nach hinten. Mehrere Male wiederholen, dann Füße wechseln. Die Übung kann im Sitzen oder im Stehen durchgeführt werden.

Kräftigung und Balance

  • Stellen Sie sich in Schrittstellung auf den Boden und führen Sie langsam und kontrolliert 10 Kniebeugen durch. Zur Erschwerung im nächsten Schritt einbeinig durchführen. Wer dies problemlos beherrscht, kann dazu übergehen, die Übung auf dem Kippbrett durchzuführen.

Gleichgewicht, Koordination und Kraft

  • Stellen Sie sich in einen Türrahmen und stützen Sie sich mit den Händen ab. Nun heben Sie langsam ein Knie im 90° Winkel nach oben, halten 5 Sekunden die Balance und setzen es wieder ab. Dann das andere Bein. Gehen Sie nun in diesem Storchengang einige Minuten auf der Stelle.

Balance

  • Stellen Sie sich seitlich neben eine Wand um sich gegebenenfalls abstützen zu können. Nun gehen Sie auf den Zehenspitzen an der Wand entlang. Achten Sie darauf, dass Ihr Rücken dabei gerade bleibt.
  • Stellen Sie sich in Schrittstellung hin, sodass die Zehenspitzen des hinteren Fußes die Ferse des vorderen Fußes berühren. Halten Sie nun die Position für mindestens 10 Sekunden. Am Anfang können Sie sich zur Unterstützung an einer Wand oder einer Stuhllehne festhalten. Als Erweiterung dieser Übung gehen Sie nun mehrere Schritte vorwärts, wobei Sie die Füße immer genau wie oben beschrieben voreinander aufsetzen. Danach gehen Sie rückwärts zurück.
  • Stellen Sie sich auf ein Bein und halten 10 Sekunden die Balance, bevor Sie die Seiten wechseln. 

Balance und Koordination

  • Stellen Sie sich mit dem Gesicht vor eine Wand, sodass Sie sich gegebenenfalls abstützen können. Nun gehen Sie mehrere Schritte seitwärts und dann wieder zurück zur Ausgangsstelle.

Kräftigung der Muskulatur

  • Binden Sie sich Gewichte um die Fußgelenke und setzen sich auf einen Stuhl. Nun heben Sie zunächst das rechte Bein an, sodass es eine gerade Linie bildet und nach vorne zeigt. Halten Sie die Position 5 Sekunden und setzen es dann langsam wieder ab. 15 Wiederholungen pro Seite.

In diesem Artikel erhalten Sie weitere Informationen zum Thema: "Übungen bei Multipler Sklerose".

Physiotherapie

Bei den meisten Arten von Gangstörungen bietet die Physiotherapie eine gute Grundlage, um die Störungen in den Griff zu bekommen oder zumindest soweit zu verbessern, dass für die Betroffenen wieder ein relativ normaler Alltag möglich ist. Je nach Ursache der Probleme geht es dann vor allem darum, die verloren gegangene Muskelkraft wieder herzustellen, Dysbalancen auszugleichen und Verspannungen in der Muskulatur zu lösen.

Ein Physiotherapeut wird je nach individueller Krankheitsgeschichte einen Trainingsplan erstellen, bei dem es neben Gangtraining auch um spezifische Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und zur Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichtes geht. Ergänzend dazu können durch manuelle Therapie, Elektrostimulation oder Wärme- und Kälteanwendungen Schmerzen reduziert werden und neue Impulse an die Nerven gesendet werden, damit die harmonische Zusammenarbeit der verschiedenen körperlichen Strukturen wieder besser funktioniert. Die in der Physiotherapie erlernten Übungen können dann vom Patienten auch in Eigenregie zuhause durchgeführt werden, um auch langfristig eine Verbesserung zu erreichen.

Der Artikel "Krankengymnastik Koordinations- und Gleichgewichtstraining" könnte Sie auch interessieren.

Neurologische Ursachen

Viele Arten von Gangstörungen haben neurologische Ursachen mit den Symptomen, die für die Krankheit spezifisch sind. Dazu gehören:

  • Multiple Sklerose, die vor allem zu Gangunsicherheiten durch Gleichgewichtsstörungen führt

  • Polyneuropathien, wobei es durch die Nervenschädigungen zu einem storchenartigen Gangbild kommt, da die Empfindungen in den unteren Extremitäten stark gemindert sind, sodass es zu einem Absinken der Zehen beim Laufen kommt.                                                                                                                                                                                                                                                              Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen unsere Seite zu: Ursachen einer Polyneuropathie

  • Morbus Parkinson mit einem nach vorne gebeugten, kleinschrittigem Gangmuster

  • Schlaganfall, Gehirn- und Rückenmarkstumor mit verschiedenen Gangstörungen, je nachdem welcher Bereich des Gehirns betroffen ist.

  • Borreliose, ausgelöst durch eine Entzündung im zentralen Nervensystem

  • Alkoholmissbrauch, der die Nerven durch dauerhaften übermäßigen Genuss schädigt und damit zu Gangunsicherheiten und -störungen führt

  • Innenohrschädigungen, die zu einer Störung des Gleichgewichtes führen

  • Vitaminmangel, welcher zu Missempfindungen in Armen und Beinen führt, die dann in einer Gangunsicherheit resultieren

  • Nebenwirkungen von Medikamenten, besonders jener, die Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen ( Antiepileptika, Benzodiazepine, Neuroleptika)

Orthopädische Ursachen

Auch orthopädische Ursachen können für Gangstörungen verantwortlich sein. Hierbei liegt die Problematik meist an Erkrankungen des Bewegungsapparates. Dazu gehören zum Beispiel:

  • ein Bandscheibenvorfall, dieser kann zum einen durch die starke Schmerzsymptomatik aber auch durch neurologische Ausfallerscheinungen zu einem gestörten Gangbild führen

  • Arthrose kann die Beweglichkeit verschiedener Gelenke stark einschränken, sodass daraus eine Gangunsicherheit resultiert

  • Muskelschwäche, Muskelspastiken und rheumatische Erkrankungen

  • Spinalkanalstenose kann durch starke Schmerzen beim Gehen zu Unsicherheiten im Gangbild führen

  • Verletzungen wie Knochenbrüche, Sehnen- und Bänderverletzungen sowie vorangegangene Operationen können zu Schonhaltungen und dem Ausbilden eines falschen Gangbildes führen.

  • Die periphere arterielle Verschlusskrankheit kann durch die Durchblutungsstörungen zu Schmerzen in den Beinen führen, was ebenfalls eine Gangunsicherheit begünstigt.