Alle Inhalte in diesen Artikel wurden von Mario Habersack verfasst.

Muskuläre Dysbalancen

Damit unser Körper optimal funktionieren kann, müssen sich sämtliche Strukturen im Gleichgewicht befinden. Das heißt, Muskeln - Mitspieler und Gegenspieler - müssen gleicher Länge und etwa gleicher Kraft sein. Nur dann befinden sich auch Gelenke, Knochenstrukturen und sämtliche weitere Einrichtungen in einer Symmetrie. Da wir jedoch selten exakt ausgeglichene Bewegungen im Alltag durchführen, kann dieses Gleichgewicht schnell ins Ungleichgewicht geraten.

Dies beginnt zum Beispiel schon im Kleinen dabei, dass jeder Mensch eine bevorzugte Hand benutzt. Rechtshänder belasten und fordern ihre rechte Seite wesentlich mehr als ihre Linke. Tennisspieler spielen in der Regel lediglich mit ihrer bevorzugten Seite. Fußballer trainieren fast ausschließlich ihre Beine, um schnell Laufen und Schießen zu können, kaum jedoch Rumpf und Arme. Büroarbeiter, die den ganzen Tag vor dem Computer sitzen, eignen sich bequeme Haltungen an, schlagen zum Beispiel das linke Bein über das rechte, verdrehen so das Becken und weiterlaufend die Wirbelsäule. All dies sind nur kleine Beispiele wie wir unseren Körper und seine Strukturen aus dem Gleichgewicht bringen, durch wieder und wieder einseitig durchgeführt Bewegungen, unsymmetrisches Training, unphysiologische Haltungen.

Resultat: der Körper passt sich allem an - wird etwas vermehrt genutzt, baut es auf, wird etwas weniger genutzt, baut es ab, wird etwas überfordert, verspannt es. Es entsteht eine muskuläre Dysbalance. Im Grunde ein Sammelbegriff für sämtliche Verkürzungen/ ungleiche Längen, Verspannungen, Schwächen, ungleiche Kraft von Muskeln oder Muskelgruppen in unserem Körper.


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Was sind die Folgen einer Muskulären Dysbalance?

Was sind nun die Folgen einer sogenannten muskulären Dysbalance? Wie oben erklärt, verkürzen oder verspannen zunächst einzelne Muskeln. Das ist unangenehm und sicher jedem Leser bekannt. Besteht das Problem aber nun über längere Zeit und das ursächliche Verhalten wird weiter durchgeführt, hat dies irgendwann Auswirkungen auf Gelenke, Knochenstellungen, unsere Haltung und schließlich auch auf die Funktionen. Nehmen wir zum Beispiel den Büroarbeiter. Tag ein Tag aus sitzt er vor dem Computer, Stunden in der selben Position. Die Schultern sacken nach vorn unten, der Rücken bildet einen Buckel, das Becken kippt nach hinten und wird durch die überschlagenen Beine verdreht. Durch die ständige Einsackung verkürzt zunächst die gesamte Vorderseite: Brustmuskulatur, Bauchmuskeln, Hüftbeuger. Die langen Rückenstrecker müssen dagegen pausenlos gegen die unphysiologische Verlängerung gegenhalten und verspannen. Nun geht der Büroarbeiter nach hause, und setzt sich entspannt vor den Fernseher – selbe Haltung. Der Körper passt sich mehr und mehr dieser antrainierten Haltung an, bis der Buckel auch im Stehen zu sehen ist, die Schultern nur noch nach vorn hängen und sich plagende Rückenschmerzen bemerkbar machen.

Was anfänglich nur eine bequeme Haltung war, entwickelt sich zu einer muskulären Dysbalance mit einer Veränderung von Gelenk- und Knochenstellungen und weitaus mehr Auswirkungen, wenn sich diese manifestiert haben. Ist in unserem Falle, ist die Wirbelsäule erst einmal verkrümmt, leiden die Bandscheiben darunter, die Bewegungsfunktion, passive Strukturen, um nur einige Beispiele zu nennen. Kann der Körper dies irgendwann nicht mehr kompensieren, entstehen Krankheitsbilder wie Arthrose und Bandscheibenvorfälle.

Muskuläre Dysbalance am Knie

Überall, wo Muskeln sind, können auch Dysbalancen entstehen. Damit Muskeln Bewegung erzeugen können, ziehen sie über Gelenke. Befindet sich die Muskelspannung im Ungleichgewicht, wie oben erklärt, können sie durch den ungleichmäßigen Zug Probleme im Gelenk verursachen. Im folgenden werden Beispiele für muskuläre Dysbalancen am Knie, an der Hüfte, am Rücken, den Schultern und beim Baby vorgestellt. Typische Dysbalancen der Muskulatur mit Wirkung auf das Knie, sind zum Beispiel das Läuferknie, bei welchem die Muskulatur der Oberschenkelaußenseite durch zu schwach ausgeprägte Gesäßmuskulatur verkürzt und einen schmerzhaften Zug auf der Knieaußenseite verursacht oder das Jumper's knee, bei welchem die vordere Oberschenkelmuskulatur durch Überlastung (meist im Sport) verkürzt und an der unteren Knievorderseite zieht. Hier müssen die verkürzten Muskeln nach dem Aufwärmen gedehnt werden und zu schwache Muskulatur auftrainiert werden. Außerdem sollten Bewegungsabläufe korrigiert werden, um ein erneutes Auftreten zu vermeiden.

Muskuläre Dysbalance an der Hüfte

Klassischen muskuläre Dysbalancen im Hüftbereich sind zum Beispiel das Trendelenburgzeichen und Duchenne-Hinken (benannt nach den Entdeckern). Sie sind bekannte Krankheitsbilder, bzw. krankhafte Bewegungsmuster die entstehen, wenn die Haltemuskulatur des Beckens nicht genügend ausgeprägt ist. Beim Trendelenburg-Hinken beispielsweise, sinkt beim Gehen das Becken stets zur Gegenseite ab, weil die Muskulatur es schlicht nicht halten kann. Beim Duchenne-Hinken kippt außerdem der Oberkörper zu Seite, oft zu beobachten bei Patienten, die an einer Hüftarthrose leiden. In beiden Fällen müssen die Hüftabduktoren, also die Muskeln die das Bein im Hüftgelenk abspreizen, trainiert werden.

Eine Übung die überall einfach durchführbar ist, ist das langsam abspreizen und heranführen im Stand. Stellen Sie sich hierfür aufrecht hin, die Hände können sich bei bedarf an einer Stuhllehne festhalten. Das Standbein ist leicht gebeugt. Das andere Bein wird nun leicht nach außen gedreht und nach seitlich hinten abgespreizt. Langsam wird es zurück zur Mitte geführt ohne es abzusetzen. Beide Seiten werden im Wechsel drei mal á 10-15 Wiederholungen durchgeführt. Dies trainiert die Muskulatur im Kraft-Ausdauer-Bereich, welcher für Alltagsanforderungen benötigt wird. Auch die Durchführung einer Gangschule ist sinnvoll.

Muskuläre Dysbalance der HWS

Muskuläre Dysbalancen im HWS-Bereich können klassische Nackenverspannungen sein. Ob durch langes Sitzen vor dem Computer mit abgeknicktem Nacken oder auch durch psychischen Stress, welcher einen die Schultern verspannt zu den Ohren ziehen lässt. Hier bieten sich verschiedene Dehnübungen an. Setzen oder stellen sie sich hierfür aufrecht hin. Der Einfachheit halber wird die Übung für die Dehnung der rechten Nackenseite angeleitet. Das linke Ohr sinkt hinab zur linken Schulter. Der rechte Ellbogen zieht leicht hinab Richtung Boden, sodass sich rechte Schulter und rechtes Ohr noch weiter voneinander entfernen. Um die Dehnung nun mehr nach hinten zu verlagern, wird außerdem das Kinn Richtung linker Schulter gedreht. Um die Dehnung nach vorn zu verlagern wandert der Blick mit dem Kopf nach rechts oben, kombiniert mit einer leichten Überstreckung im Nacken. Dehnungen werden für etwa 30 Sekunden gehalten. Eine weitere einfach Übung ist das Schulterkreisen. Dies bewegt die verspannte Region durch, fördert die Durchblutung und lockert so die Muskulatur.

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Muskuläre Dysbalance der LWS

Muskuläre Dysbalance im Bereich der LWS (Lendenwirbelsäule, unterer Rücken) können sich beispielsweise in einem weitverbreiteten Haltungsfehler äußern: dem Hohlkreuz, in der Fachsprache eine Hyperlordose der Lendenwirbelsäule. Die Muskulatur rund um den unteren Rumpfbereich ist nicht genügend ausgeprägt, der Körper hängt in seinen Bändern. Das Becken kippt nach vorn, der Bauch wirkt nach vorn durchgestreckt, die untere Wirbelsäule nach vorn gebogen.

Gewöhnt man sich diese entspannte Haltung ersteinmal über die Zeit an, passiert neben dem offensichtlichen Haltungsdefizit eine ganze Menge mehr im Körper: die Bandscheiben werden durch die Krümmung der Wirbelsäule nach vorn nicht mehr gleichmäßig belastet, sondern drücken die gekippten Wirbelkörper konstant mehr im hinteren Bereich und weniger im vorderen. Die Muskeln im Bereich sind kontinuierlich verkürzt, was irgendwann die Beweglichekti einschränkt. Das betrifft ebenso die Hüftbeuger im vorderen Bereich und zwar durch die Beckenkippung. Die Bauchmuskulatur dagegen, ist stets verlängert, sodass sie gar nicht in der Lage ist, ihre volle Kraft auszuüben. Auch Bandstrukturen und Faszien passen sich der Haltung an, verändern ihre Struktur und Flexibilität.

Schließlich verursacht der Haltungsfehler ausserdem nicht nur die an Ort und Stelle beschriebenen Probleme, sondern auch weiterlaufend im angrenzenden Bereichen. Beispielweise antwortet die Brustwirbelsäule auf die übermäßige Vorbeugung mit einer Rückwölbung, um im Gesamten den Körper gerade zu halten und die Muskeln ziehen weiterlaufend an ihren Ketten, in welche sie eingebunden sind. Ausschlaggebend ist hier eine Haltungsschule mit der Vermittlung eines geraden Körpergefühls, sowie ein intensives Training der Bauch- und Lendenmuskulatur, einem Dehnprogramm für den unteren Rücken und der Hüftbeugemuskulatur und einem Bewegungstraining der Wirbelsäule.

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Muskuläre Dysbalance der Schulter

Besteht eine muskuläre Dysbalance im Schulterbereich, kann dies schmerzhafte Folgen haben. Um unserem Schultergelenk eine große Beweglichkeit und Armfreiheit zu ermöglichen, ist es nur gering Knöchern geführt und wird hauptsächlich durch Weichteile wie Bänder und unsere Muskeln gehalten. Ist dieses Haupt-Stabilitätssystem, die Muskeln, nun nicht ausreichend ausgeprägt bzw. im  Ungleichgewicht, kann es zu einer veränderten Haltung mit Einklemmungen und schmerzhaften Bewegungsscheinschränkungen kommen, wie beim Impingement-Syndrom oder einer Bursitis. Auch die Gefahr von einer Luxation, also einer Ausrenkung des Gelenks besteht durch den mangelnden Halt. Da wir unsere Arme täglich brauchen, ist eine Verletzungen in diesem Bereich sehr unangenehm und kann sich in der Heilung langwierig gestalten.

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Muskuläre Dysbalance beim Baby

Eine muskuläre Dysbalance kann bereits beim Baby bestehen. Ob angeboren durch eine unglückliche Lage im Mutterleib oder später antrainiert. Es ist wichtig, asymmetrische Haltung und unphysiologische  Bewegungsabläufe frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Hierfür existieren zahlreiche auf Kinder spezialisiert physiotherapeutische Konzepte wie zum Beispiel Bobath und Vojta als die bekanntesten. Um dem Kind eine optimale Therapie zu bieten, empfiehlt es sich Therapeuten mit Erfahrung und der richtigen Ausbildung zu wählen.

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Physiotherapeutische Maßnahmen bei Muskulärer Dysbalance

Generelles Ziel bei der Behandlung einer muskulären Dysbalance ist es, die Muskeln wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Verkürzte Muskeln werden gedehnt, abgeschwächte Muskulatur wird gekräftigt, Verspannungen gelockert. Für einen langwierigen Erfolg wird die Ursache herausgefiltert, an einer korrekten Haltung gearbeitet und ein Ausgleichsübungsprogramm erstellt. A und O ist Bewegung und aus wortwörtlich eingesteiften Mustern auszubrechen. Ändern sie öfters ihre Haltung, benutzen sie einfach mal den anderen Arm – auch ein gutes Training für den Kopf, trainieren sie im Sport ihren ganzen Körper, nicht nur immer dieselben Muskelgruppen.

Auch mittels eines Vibrationstrainings kann einer muskuläre Dysbalance entgegengewirkt werden.

Weitere therapeutische Maßnahmen

Weitere Maßnahmen, um eine muskuläre Dysbalance zu behandeln, sind unter anderem der Einsatz einer Faszienrolle, um die Faszienspannung zu regulieren, Massagetechniken, Elektrotherapie zur Entspannung oder auch als Unterstützung zur Kräftigung oder Tapeanlagen um zum einen überlastete Strukturen zu entlasten, schmerzende Strukturen zu stützen aber auch schwache Muskeln zu aktivieren.

Weitere Informationen finden Sie hier: Faszienrolle

Zusammenfassung

Eine muskuläre Dysbalance im Sinne von Verkürzungen, Abschwächungen, Verspannungen ist wohl jedem bekannt. Wird  frühzeitig eingegriffen, die Ursache herausgefiltert und und entgegen der Dysbalance trainiert, bis der Körper wieder im Gleichgewicht ist, muss es gar nicht zu Langzeitfolgen wie Fehlhaltungen, Funktionseinschränkungen und Krankheitsbildern durch einseitige Überlastung und Abnutzung kommen. Ob beim Baby, beim Leistungssportler, Hobby-Tennisspieler, beim gestressten Büroarbeiter oder dem Großvater im Altersheim, aktiv werden, aus Mustern ausbrechen, ausgewogene Bewegung und gleichmäßiges Training sind Zauberworte, um eine muskuläre Dysbalance erfolgreich zu behandeln oder gar einem Auftreten vorzubeugen.

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