Physiotherapie bei einer Innen- und Außenbandruptur

Eine Verletzung des Innen- oder Außenbandes entsteht häufig bei einer Rotation des Knies bei feststehendem Unterschenkel. Durch Sportarten mit ruckartigen Bewegungen, wie Fußball, Handball oder Squash /Tennis kann es zu dem oben genannten Mechanismus kommen. Das Innenband ist dabei häufiger betroffen als das Außenband und geht meist mit einer Verletzung des Innenmeniskus und vorderen Kreuzbandes einher (Unhappy Triad).

Die Verletzung des Bandes wird in 3 Grade eingeteilt. Bei Grad 1 kommt es zu einer Dehnung, Grad 2 besagt eine Teilruptur und beim schwersten Grad 3 liegt eine komplette Ruptur vor. Die Stabilität des Knies ist dadurch nicht mehr gewährleistet. Wie die Behandlung der Verletzung erfolgt richtet sich nach dem Schweregrad und Begleitsymptomen.



Physiotherapie

In der Physiotherapie sollten die akuten Symptome behandelt werden. Dies kann durch folgende Therapieansätze geschehen:

  • Der Schmerz im Bereich des Bandes kann mit einer Eisbehandlung reduziert werden.
  • Um eine neue Entzündungsreaktion zu vermeiden und um die Wundheilung zu unterstützen wird die Querfriktion genutzt. Dabei setzt der Therapeut quer zu der behandelnden Struktur mit dem Finger an und zieht diese zu sich ran. Zwischendurch kann das Gewebe durch Kälte beruhigt werden.
  • Eine Mobilisation des Kniegelenks und auch des Hüft- und Fußgelenks ist aufgrund der Fehlbelastung beim Laufen zu empfehlen. Fehlstellungen im Becken und der Wirbelsäule sollten korrigiert werden um die allgemeine Beweglichkeit aufrecht zu halten.
  • Die Lymphdrainage ist bei einer starken Schwellung im Kniegelenk sehr wichtig.
  • Ebenso kann über die Traktion des Kniegelenks, in verschiedenen Ausgangspositionen des Patienten, der Stoffwechsel aktiviert werden und das Knie entlastet werden.
  • Bei einem Muskelhartspann der knieumfassenden Muskulatur kann durch Weichteiltechniken, Wärmetherapie oder Massage der Tonus gesenkt werden.

Langfristig muss die stabilisierende Muskulatur des Kniegelenks trainiert werden.

  • Bei einer Innenbandruptur sollte daher die Pes Anserinus Gruppe (Adduktoren des Kniegelenks) und der Vastus medialis des M. Quadrizeps trainiert werden. Dafür eignen sich Übungen aus der PNF Therapie, die gezielt die Muskelgruppen trainieren. Zudem können allgemeine Kräftigungsübungen, wie Bridging und Kniebeuge mit Fazilitation durch einen Ball zwischen den Knien für die vermehrte Adduktorenspannung genutzt werden.
  • Bei einer seltenerer Außenbandruptur ist der M. Vastus Lateralis, M. Tensor fascia latae und die kleine Glutealmuskulatur (Gesäß) die entsprechend zu trainierende Muskulatur. Dabei eignen sich ebenfalls die entsprechend der Muskelgruppen PNF Muster oder allgemeine Kräftigungsübung mit Betonung der seitlichen und hinteren Muskulatur.

Für eine bessere Sensibilität der Gelenkstellung und zur Förderung der Koordinativen und Gleichgewichtsfähigkeiten sollten Übungen zur Stabilität mit Hilfe von unebenen Untergründen oder Einbeinstände durchgeführt werden. Dabei eignen sich Airexkissen, Wackelbretter, Kreisel, große Sportmatten, Trampoline und Wippen besonders gut. Unterstützendes Taping und Elektrotherapie kann die Wundheilung unterstützen und gibt dem Knie auch beim Laufen etwas Stabilität.

Hier finden Sie weitere Informationen: PNF, Lymphdrainage, Kinesiotape

Alle Übungen finden Sie unter: Übungen Innen/Außenbandruptur

Übungen

M. Quadriceps femoris

  • Rücken- oder Sitzlage: Kniekehle des gestreckten Beins durchdrücken, sodass der M. Quadriceps anspannt (Steigerung gestrecktes Bein in durchgedrückter Position anheben)

  • Kniebeuge (Variationen): in der gebeugten Position verharren oder einfach nur Wandsitzen, Breite oder enge Grätsche oder auch seitliche Kniebeuge)

  • Ausfallschritte

Bei allen Übungen gilt, wie beim generellen Krafttraining, eine ordentliche Ausführung, d.h. Knie niemals über die Fußspitzen rausschieben, Gesäß nach hinten rausschieben bei einer Kniebeuge und Oberkörper bleibt gerade und die Bauch und Rückenspannung wird gehalten.

Weitere Übungen finden Sie unter: Übungen für das Kniegelenk, Knieschule, Übungen bei einer Innen- und Außenbandruptur

Ischiocrurale Muskulatur

  • Kniebeuge

  • Ausfallschritte

  • Bridging ( Rückenlage, Füße aufgestellt, Becken anheben)

    • Variation: Beine im Wechsel anheben, Becken hoch und runterdrücken, mit gestrecktem Bein Zahlen schreiben

  • Bauchlage oder 4-Füßler-Stand: Bein gebeugt oder gestreckt nach oben heben.

Übungen an den Geräten im Fitnessstudio:

  • Beinpresse

  • Beinstrecker

Mehr Übungen finden Sie unter: Krankengymnastik am Gerät​​​​​​​

Adduktoren

  • Bridging: Mit Ball zwischen den Knie und dann die Beine zusammendrücken.
     
  • Seitenlage: Obenliegendes Bein nach vorne ablegen und in den Boden drücken.

Abduktoren (M. Sartorius, M. Tensor, Fascia latea)

  • Bridging (s.o) mit Theraband um die Knie → Druck nach außen

  • Seitenlage: Bein nach oben anheben (mehrere Wdh und Durchgänge)

  • Breite Kniebeuge

Für die Muskulatur der Adduktoren und Abduktoren sind die Übungen der Ischiocruralen Muskulatur und die für den M. Quadriceps genauso gut, können aber durch die genannten Übungen noch mehr verstärkt werden.

Übungen zur Verbesserung der Koordination

Durch das Koordinationstraining kommt es spezifischer als beim Krafttraining über die Propriozeption zu einer Ansteuerung der stabilisierenden Muskulatur. Die Übungen sollten in einer einfachen Ausführung begonnen werden und dann in der Schwierigkeit gesteigert werden. Sie sollten auch in Abhängigkeit der Belastbarkeit des Patienten erfolgen.

Übungen:

  1. Beinstand einüben (wichtig: Knie leicht gebeugt halten)
  • Mit dem anderen Bein in sämtliche Richtungen bewegen ("8en Schreiben")
  • Der Therapeut gibt dabei Widerstandreize an Becken, Knie oder Fuß und wirft dem Patienten einen Ball zu, damit die Konzentration nicht mehr auf dem Knie liegt.
     
  • Laufen auf einer Airexmatte, Trampolin, Wackelbrett
  • Zunächst normales Gehen um sich an den Untergrund zu gewöhnen. Dann soll der Patient aus dem Gehen auf Kommando stehen bleiben und Position halten. Bei der nächsten Steigerung der Übung soll der Patient in schnelleres Laufen übergehen und dann stehen bleiben.
     

Steigerung der Übungen nach ein paar Wochen:

  • Ausfallschritte und Kniebeugen auf dem unebenen Untergrund.

  • Sprünge von rechts auf links mit Halten der Beinachse.

  • Sprung auf einem Bein auf unebenen Untergrund.

  • Sprinten auf großer Matte mit plötzlichem Abstoppen.

  • Sprünge auf der Matte oder Einbeinstand.

Belastbarkeit bei einer Innen- und Außenbandruptur

Die Belastbarkeit hängt von den Schmerzsymptomen des Patienten ab.

Im Allgemeinen gilt kein Verbot für die Belastung, sie sollte aber schmerzadaptiert erfolgen um weitere Verletzungen zu vermeiden. Lassen die Schmerzen nach, kann vorsichtig wieder mit dem Training angefangen werden. Ruckartige Bewegungen bei der Belastung sollten aber bis zum kompletten Abklingen der Beschwerden vermieden werden. Nur bei sehr starken Schmerzen werden unterstützende Gehhilfen verordnet.

Lesen Sie mehr unter: Knieschule

Orthese/Schiene

Bei einer Ruptur 1. oder 2. Grades wird meist keine Schiene verordnet, da das Kniegelenk stabil genug ist. Beim Training kann entweder ein unterstützendes Tape genutzt werden oder der Patient pausiert für einige Zeit mit dem Sport. Ist die Verletzung schwerer gibt es Knieorthesen, die elastisch sind und das Knie unterstützen sollen. Dabei baut leider die Muskulatur schnell ab, sodass die Orthese nicht den ganzen Tag getragen werden sollte. Bei Begleitverletzungen wird das Knie meist in einer festeren Knieorthese komplett ruhig gestellt, damit die verletzten Strukturen nicht noch weiter gereizt werden.

Operation

Eine isolierte Innen- oder Außenbandruptur wird nicht operiert. Die konservative Versorgung läuft wie oben erwähnt ab.

Bei einem knöchernden Ausriss des Innen- oder Außenbandes werden die Stücke des Bandes mit Krallenplättchen, Kleinfragmentschrauben oder einer einfachen Naht an den jeweiligen Bereichen des Abrisses refixiert. Liegen größere Verletzungen, wie eine Kombinationsverletzung vor, wird eine umfangreiche Operation durchgeführt, die mit einer Rekonstruktion des Kreuzbandes, Naht oder Abfräsen des betroffenen Meniskus und Versorgung des Bandes einhergeht. Dabei ist aber die Ruptur des Außen- oder Innenbandes jedoch meist die harmloseste Verletzung.

Bei einer einfachen Bandläsion sollte über eine Operation gründlich nachgedacht werden, da jede OP ein Risiko birgt und die Fixation nicht unbedingt notwendig ist.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Krankengymnastik nach einer Knieoperation

Dauer

Die Dauer der Ruptur hängt vom Ausmaß der Verletzung und von der individuellen Wundheilung ab. Wird das Knie ruhiggestellt und wenig belastet heilt das Band in der Regel schneller als bei ständiger Aktivität. Allerdings ist das komplette Ruhigstellen bei Leistungssportlern oft nicht möglich, sodass das Training der Verletzung angepasst wird.

Im Allgemeinen kann durch die Physiotherapie die Heilung deutlich beschleunigt werden und wird im Bereich des Spitzensports häufig genutzt.

Symptome

Unmittelbar nach der Ruptur des Innen- oder Außenbandes tritt ein Schmerz direkt am Band auf, der aber nach Verletzung wieder verschwinden kann. Dieser Schmerz tritt meist bei der entsprechenden Belastung oder Bewegung wieder auf.

Je nach Ausmaß der Verletzung können eine Schwellung und ein Hämatom sichtbar werden. In den Ruhephasen lässt sich der Schmerz unterhalb des Gelenkspalts palpieren. Zudem kann die Stabilität des Kniegelenks eingeschränkt sein, sodass jeder Schritt ein unangenehmes Gefühl mit sich bringt.

Die Symptome treffen nicht auf Sie zu? Dann lesen Sie mehr unter:

Zusammenfassung

Die Verletzung des Innen- oder Außenbandes tritt häufig durch Rotation des Knies bei feststehendem Unterschenkel auf. Dabei reißt das Innenband häufiger als das Außenband. Der Riss wird in 3 Schweregrade eingeteilt und dementsprechend versorgt.

Eine operative Versorgung ist nur bei schwerem Ausriss des Bandes oder bei knöchernen Beteiligung notwendig. Sofort einschießende Schmerzen, Gelenkblockierung und ein Belastungsschmerz sind die häufigsten Symptome. In der Physiotherapie wird symptombezogen behandelt und schmerzadaptiert bewegt und belastet. Durch gezielten Muskelaufbau und ein Koordinations- und Gleichgewichtstraining wird die Stabilität des Knies verbessert. Die Dauer der Wundheilung hängt vom Schweregrad und von der Ausdauer der Therapie ab. Leistungssportler sind im Grunde schneller wieder fit als Breitensportler, da sie auf ihr Knie angewiesen sind.