Übungen bei Knieverletzungen

Einleitung

Das Knie ist ein komplexes Gelenk. Es besteht aus dem Schienbein (Tibia), Wadenbein (Fibula), Oberschenkelknochen (Femur) und der Kniescheibe (Patella). Es ist ein Dreh-Scharniergelenk, was bedeutet, dass kleine Rotationsbewegungen sowie Streck- und Beugebewegungen möglich sind. Neben den knöchernen Strukturen haben die Bandstrukturen eine wichtige stabilisierende, propriozeptive, ausgleichende und stützende Funktion. Dazu zählen Innen-und Außenbänder, Menisken, Kreuzbänder, Patellasehne und das Retinakulum, welches sich beidseits der Kniescheibe bis zu einem Vorsprung an der Tibia zieht. Knie umfassende Muskeln sind:

  • M. semimembranosus
  • M. semitendinosus
  • M. biceps femoris
  • M. popliteus
  • M. gracilis
  • M. sartorius
  • M. gastrocnemius
  • M. tensor fascia latae
  • M. quadriceps femoris

Insgesamt ist im Knie ein Beugung von 140°, Streckung von 5°, Innenrotation von 25° und eine Außenrotation von 30° bei gebeugtem Bein möglich. Durch bestimmte Unfallmechanismen kann es zu einem Abriss der Kreuzbänder, Seitenbänder oder ein Aufreißen der Menisken kommen. Je nach Schweregrad lassen sie sich durch folgende Übungen auf trainieren. Durch das Tragen vom eigenen Körpergewicht und den normalen degenerativen Veränderungen kann es zu einer Kniearthrose führen, welche im schlimmsten Falle durch den Einbau einer Kniegelenkprothese verbessert werden. Lesen Sie mehr zu diesen Themen unter Krankengymnastik Kniearthrose und Krankengymnastik bei einer Knie TEP

Übungen nach einer Knie-Tep

Wenn ein vollständiger Gelenkersatz (TEP = totale Endoprothese) erfolgt ist, bleibt die Frage der Belastungsfreigabe. Je nach Umfang der OP entscheidet der Arzt darüber, was wichtig für die weiterer Therapieplanung ist. Das größte Problem nach einer Knietep-OP ist die fehlende Bewegungen. Viele Ärzte entlassen die Patienten erst dann aus den Krankenhäusern wenn ein Bewegungsgrad von 90° erreicht worden ist. Im direkten Anschluss an die OP bekommen die Patienten eine Bewegungsschiene verordnet, diese wird bis zu 4 mal am Tag benutzt und mobilisiert das Knie passiv in Beugung und Streckung. Da die Patienten meist noch enorme Schmerzen unmittelbar nach der Operation haben kommt es bei der Benutzung der Bewegungsschiene aufgrund der hohen Schmerzen zu einem erhöhten Muskeltonus. Dieser ist weiterlaufend für die Verbesserung der Beweglichkeit störend.

1.) stationär
Als direkte Übung im Krankenhaus empfiehlt die Physiotherapie die Erarbeitung der Streckung und Ansteuerung des M. Quadriceps durch eine komplette Streckung des Knies in Rückenlage. Der Patient soll die Kniekehle bewusst bis auf die Unterlage durchdrücken und einige Sekunden halten. Gelingt das schon gut kann die Übung mit einem anheben des durchgestreckten Beins kombiniert werden.

2.) stationär
Zur Verbesserung der Beugung bietet sich die eigenständige Beugung ebenfalls in Rückenlage an. Dabei soll der Patient nur so weit in die Bewegung gehen, wie es für ihn möglich ist und eine Schutzspannung somit vermeiden.

3.) stationär
Sitz der Patient an der Bettkante kann er den Fuß auf ein Tuch stellen, welches auf dem Boden liegt und die Ferse damit unter das Bett ziehen. Als Alternative dient auch ein kleiner Ball, der nimmt ebenfalls ein wenig die Eigenarbeit ab.

Zudem kann der Patient bewusst auf sein Gangmechanismus achten. Bewusstes abrollen über die Ferse bis zum Großzeh sorgt für eine ordentliche Bewegung im Knie und vermeidet eine Ausweichbewegung. Informationen dazu finden Sie in dem Artikel Gangtraining.

4.) stationär
Ebenso eignet sich das Treppensteigen um eine endgradige Bewegung zu üben (Treppe ablaufen) und als Krafttraining beim Treppe aufsteigen.

In den meisten Kliniken werden die Patienten nach 10 Tagen entlassen und es folgt die Reha. Dort wird durch intensive Therapie die Bewegung weiterhin verbessert und es geschieht ein Einstieg ins Krafttraining. Wenn die Operationswunden gut verheilt sind wird die Wassergymnastik durchgeführt. Im Wasser können alle Übungen leichter absolviert werden, da der Wasserwiderstand das Gewicht von dem Patienten abnimmt. Unterschiedliche Schrittfolgen und einfaches Durchbewegen bieten sich dabei besonders gut an. Mehr Informationen zum Training im Wasser finde Sie In dem Artikel Wassergymnastik.

1.) ambulant
Das Fahrrad fahren beweist sich ebenfalls als gute Eigenmobilisation, vor allem wenn auf einem geringen Widerstand gefahren wird um lediglich die Bewegung zu verbessern. Wichtig ist dabei, dass die Pedalen und der Sitz so weit verstellbar sind, dass das Knie keine Grundspannung hat, bevor man anfängt zu fahren.

2.) ambulant
Ist die Beweglichkeit wieder gut erreicht worden kann das Krafttraining verstärkt werden. Freies Sitzen auf Zeit an der Wand sorgt für eine gute Quadricepsspannung und kann bedenkenlos zu Hause durchgeführt werden.

3.) ambulant
Kniebeugen können bis 90° ausgeführt werden und mit Hilfsmitteln wie Therabänder oder Bällen zwischen den Knien verstärkt werden, um eine zusätzliche Adduktions- oder Abduktionsspannung zu bekommen.

4.) ambulant
Die Beinpresse ist ebenfalls möglich, vorausgesetzt der Sitz lässt sich nach der Bewegungsmöglichkeit einstellen. Im Allgemeinen sollte aber eine Nachbehandlung in Begleitung eines Physiotherapeuten erfolgen, da dieser Probleme, Bewegungseinschränkungen, Ausweichbewegungen erkennt und gezielt behandeln kann. 

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln:

Übungen nach Meniskus-OP

Je nach Schweregrad der OP variiert die Nachbehandlung. Im Allgemeinen richtet sich die Therapie aber nach den Symptomen des Patienten. Bei Schwellung, Schmerzpunkten und Bewegungseinschränkungen folgen somit schmerzlindernde und resorptionsfördernde Maßnahmen sowie Mobilisation des Gelenks. Direkt nach der OP eignen sich die selben Übungen wie nach einer Knietep-Op. Liegen keine großen Beschwerden vor kann schon nach abklingen der akuten Phase das Gangschema verbessert werden, der Patient wird angeleitet auf den Abrollvorgang beim Laufen zu achten um Gangfehler zu vermeiden. Im weiteren Verlauf kann mit dem Gleichgewichts- und Koordinationstraining angefangen werden. Übungen wie der 1-Beinstand sind besonders effektiv, da in der Position eine Vielzahl von Muskelgruppen aktiviert werden, die das Knie stabilisieren sollen. Zudem kann die Übung mit unterschiedlichen Untergründen kombiniert werden und durch das Bewegen von Armen oder anderem Bein verstärkt werden.

Genauere Informationen und Übungen erhalten Sie in den Artikeln 

Übungen nach einem Kreuzbandriss

Von Beginn an wird das Knie therapiert. Bei starker Schwellung eignet sich die Lymphdrainage als resorptionsförderne Maßnahme. Der Patient wird angeleitet das Bein hoch zu lagern, zu kühlen und durch die Wadenpumpe die Lymphflüssigkeit in Bewegung zu bekommen. Je nach erlaubter Belastung wird die Gangschule angepasst. Bei einer Teilbelastung lernt der Patient den richtigen Umgang mit den Stützen. Bei Vollbelastung wird er direkt auf das richtige Abrollen trainiert.

1.) Als erste eigene Übung kann der Patient die Streckung üben (s. Knietep).

2.) Um die Stützkraft für das Stützen laufen zu verbessern bietet sich ein Tricepstraining im Oberarm mit dem Theraband an, indem der Patient das Theraband aus gebeugter Ellenbogenpositon in die Streckung zieht. Ebenso eignen sich Haltepositionen (Dips) an der Bettkante oder Stuhllehne.

3.) Zusammen mit einem Therapeuten lassen sich aus dem Behandlungsschema PNF muskelübergreifende Techniken anwenden. Dabei bleibt das Bein in Ruhe liegen und der Therapeut arbeitet mit dem gegenüberliegende Arm. Der Patient drückt unter Widerstand den Arm nach oben außen und schaut diesem nach, dabei fließt die Spannung in das gegenüberliegende Bein über.

4.) Ist die Belastung freigegeben können leichte Kniebeugen und die Beinpresse eingesetzt werden.

5.) Ebenso wichtig für die Propriozeption und die Koordination der knieumfassenden Muskulatur ist das Gleichgewichtstraining auf unebenen Untergründen. Vom 1-Beinstand über Schrittvariationen können diese Übungen ausgedehnt werden und vielfach individuell verändert werden. Wichtig ist nur, dass das Knie in sich schon stabil ist. Übungen dazu finden Sie in dem Artikel Gleichgewichts-Koordinationstraining.

6.) In der Spätphase lassen sich Ausfallschritte und Kniebeugen mit unebenen Untergründen und Koordinationstraining verbinden. Im Allgemeinen sollten die Übungen mit Hilfe eines Therapeuten und mit Absprache des behandelnden Arztes durchgeführt werden.

Mehr Übungen und Informationen zu diesem Thema erhalten Sie in dem Artikel Übungen bei einer Kreuzbandruptur.  

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Übungen mit dem Theraband

Übungen für die Ischiocrurale Muskulatur (Oberschenkel Rückseite):

  • Ausgangsstellung Sitz (Alternativ auch in Bauchlage möglich): Füße baumeln in der Luft, Theraband an einem Geländer festmachen und andere Seite um den Fuß binden, unter Spannung in die Beugung des Knies ziehen

  • Bridging: Rückenlage, Beine angestellt, Theraband von außen um die Knie wickeln, so das Spannung spürbar ist, Becken anheben und absenken

    • Becken oben halten und Beine im Wechsel strecken

    • Bein gestreckt oben halten und Becken langsam absenken und wieder hochdrücken

  • Stand: Theraband am Geländer festmachen und um den Fuß binden --> Bein nach hinten strecken

Übungen Ischiocrurale Muskulatur und vordere Oberschenkelmuskulatur:

  • Kniebeuge: Theraband von außen um die Knie binden

    • in tiefer Position verharren

    • in tiefer Position verharren und Theraband nach außen drücken

    • Grätsche vergrößern

    • in tiefer Position verharren und Schritt für Schritt zur Seite wandern

  • Rückenlage: Theraband um den Fuß halten und an beiden Enden mit den Händen festhalten, Bein strecken

Übungen für die Abduktoren:

  • Bridging: s.o.

  • Seitenlage: Theraband um die Füße binden und Beine miteinander verbinden, obenliegende Bein seitlich nach oben heben

  • Stand: Theraband am Geländer fixieren und um den Fuß wickeln, Bein zur Seite abspreizen

Weitere Übungen erhalten Sie in dem Artikel Übungen mit dem Theraband.

Übungen bei einem Knorpelschaden/Kniearthrose

Das wichtigste bei einem bestehenden Knorpelschaden oder bei bestehender Kniearthrose ist den Gelenkspalt im Knie oder der Kniescheibe (Chondropathie patellae) zu vergrößern und somit den Stoffwechsel anzuregen. Der Knorpel kann nicht wieder aufgebaut werden, aber es kann eine Verschlimmerung vermieden werden und die Schmerzen und die Bewegung verbessert werden. Neben der entlastenden Physiotherapie, in der durch Traktionsbehandlung und Mobilisation die Gelenkphysiologie verbessert werden kann, eignen sich einige Übungen um sich selbst zu helfen. Um die Bewegung zu verbessern kann die Wassergymnastik genutzt werden. Wie oben bereits erwähnt nimmt der Wasserdruck das Gewicht des Patienten ab und er kann leichter die Bewegungen durchführen, die am Land viele Probleme bereiten. Ebenso sorgt ein vorsichtiges Fahrradfahren für eine durchgehende Mobilisation des Knies und somit für einen Durchblutungseffekt. Kräftigungsübungen für das Gesäß, vorderer und hinterer Oberschenkel in sämtlichen Variationen sorgen für eine bessere Stabilisation im Becken um die Belastung vom Knie abzuwenden.

Weitere Informationen zu diesem Thema entnehmen Sie bitte den Artikeln

Zusammenfassung

Durch die verschiedenen Verletzungsmöglichkeiten im Kniegelenk ist die Behandlung der Knie in der Physiotherapie eine häufige Angelegenheit. Durch einfach Mobilisation in der Frühphase lässt sich die Bewegung verbessern und die Schwellung reduzieren. Unterstützende, leichte Kräftigungsübungen sorgen für den Beginn der Stabilisation im Knie und werden im weiteren Verlauf der Wundheilung mit komplexeren Kräftigungsübungen, in Verbindung mit Gleichgewichts- und Koordinationstraining, gesteigert. Liegen weiterhin Bewegungseinschränkungen vor sollte eine intensive Physiotherapie mit Gleit- und Traktionstechniken und detonisierende Maßnahmen für die Muskulatur durchgeführt werden.