Physiotherapie bei Erkrankungen der BWS

Allgemeines

Als Brustwirbelsäule, kurz BWS, wird der mittlere Abschnitt der Wirbelsäule zwischen Lende und Hals bezeichnet. Bestehend aus 12 Wirbelkörpern und den dazwischen gelagerten Bandscheiben bildet sie den längsten Abschnitt des knöchernen Mastes. Besonderheit im BWS-Bereich sind die die Verbindungen zu den Rippen, welche je rechts und links von den einzelnen Wirbelkörpern über kleine Gelenke abgehen und in ihrer Gesamtheit den Brustkorb bilden – was dem Oberkörper Stabilität bringt, jedoch auch die Beweglichkeit hemmt und somit den BWS Abschnitt zum unbeweglichsten Teil der Wirbelsäule macht. Durch die physiologische Form bildet die Brustwirbelsäule eine leichte Krümmung nach hinten (Kyphose), was die Lordosen (Vorwölbungen der Wirbelsäule) der angrenzenden HWS und LWS ausgleicht um als Ganzes Bewegungen besser abfedern zu können. Im Folgenden ist eine kurze Zusammenfassung der häufigsten Krankheitsbilder der BWS und ihrer Therapie aufgelistet.

Rundrücken

Einleitung:
Als Rundrücken wird eine übermäßige Ausprägung der Rückwölbung (Hyperkyphose) der Brustwirbelsäule bezeichnet. Klinisch auffällig ist die Buckelbildung mit nach vorn hängenden Schultern, oft verursacht durch  eine Haltungsschwäche, Überlastung oder bestehenden Erkrankungen. Schmerzen und Verspannungen entstehen durch die ständige Fehlbelastung.

Physiotherapeutische Intervention:
Maßgeblich in der physiotherapeutischen Behandlung des Rundrückens ist eine intensive Haltungsschulung. Die verkürzte Vorderseite wird aufgedehnt, die Rückseite gekräftigt. Auch Beweglichkeitsübungen in alle Richtungen werden durchgeführt, um ein Versteifen in der krankhaften Haltung zu vermeiden. Maßnahmen zur Muskelentspannung und Manuelle Techniken für die einzelnen Strukturen und Segmente sind enthalten. Wichtig ist, ein Gefühl für eine gerade Haltung sowie ein alltagsgerechtes Verhalten zu entwickeln. Lesen Sie mehr über die Therapie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Rundrücken

Morbus Bechterew

Einleitung:
Beim Morbus Bechterew kommt es durch chronische Entzündungen im Bereich der kleinen Wirbelgelenke und einer Keilwirbelbildung zu zunehmender Versteifung der Wirbelsäulensegmente. Resultate sind eine Rundrückenhaltung mit extremer Bewegungseinschränkung – auch angrenzender Gelenke - und schmerzenden Verspannungen. Ebenfalls die Rippengelenke sind in ihrer Bewegung gehemmt was sich in Einschränkung der Lungenausdehnung bei der Atmung auswirkt.

Physiotherapeutische Intervention:
Sobald die Diagnose Morbus Bechterew gestellt wurde, wird eine fortlaufende physiotherapeutische Behandlung durchgeführt. Die Krankheit wird nicht geheilt, jedoch ein fortschreiten verzögert und Symptome gelindert. Neben aktiven Maßnahmen wie Haltungsschulungen, Atemübungen, Dehnungen, Kraftübungen und Bewegungstherapie wird durch passive Hilfen wie Massagen, Elektrotherapie, Wärmeanwendungen und Fangopackungen auf die individuellen plagenden Symptome eingegangen, um Verspannungen zu lösen und die Beweglichkeit so ein Stück weit zu erweitern. Wichtig ist, als Patient trotz fortschreitender Krankheit motiviert und aktiv zu bleiben. Lesen Sie mehr über die Inhalte einer Therapie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Morbus Bechterew

Skoliose

Einleitung:
Als Skoliose wird eine dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule bezeichnet: die Wirbel sind in sich rotiert und zur Seite gekippt, was zu einer Buckelbildung auf einer Seite der Wirbelsäule führt. Die Fehlhaltung wirkt sich in muskulären Dysbalancen, Verspannungen, Atemproblemen durch den verkrümmten Brustkorb und besonders bei jungen Mädchen auch psychischen Problemen durch die kosmetisch sichtbare Deformierung, aus. Entdeckt wird die Skoliose meist im jungen Pubertätsalter und tritt verhäuft bei Mädchen auf.

Physiotherapeutische Intervention:
Nach dem Entdecken der Skoliose wird eine intensive Physiotherapie bis zum Wachstumsabschluss durchgeführt, um einer Verschlimmerungen und Manifestierung der Knochenfehlstellung vorzubeugen. In relativ schweren Fällen wird über etwa zwei Jahre ein Korsett getragen, kombiniert mit täglichen aktiven Kräftigungsübungen entgegen der Rotation, Atemübungen und Bewegungsübungen. Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Therapie ist es, seine Körperhaltung aktiv korrigieren zu können und sich durch Muskelaktivität bewusst in eine physiologische Haltung zu bringen. Die Skoliose wird nicht geheilt, verschlimmert sich jedoch in der Regel nicht weiter, sobald das Körperwachstum abgeschlossen ist. Nähere Informationen finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einer Skoliose

Bandscheibenvorfall

Einleitung:
Ein Bandscheibenvorfall tritt im Bereich der Brustwirbelsäule vergleichsweise selten auf aufgrund einer geringeren Beweglichkeit und Belastung als in den Abschnitten der Lenden- und Halswirbelsäule. Beim Bandscheibenvorfall zerreißen Fasern der Bandscheibe und Material tritt zwischen den Wirbelkörpern hervor, was zu Platzmangel und Druck mit ausstrahlenden Symptomen auf die nah gelegenen Nervenwurzeln führt. Ursächlich sind ständige Überlastung oder eine plötzliche falsche Bewegung, meist eine kombinierte Rotation des Oberkörpers mit Aufrichtung. Ausstrahlende Schmerzen, Kraftverlust, Sensibilitätsstörungen und Verspannungen resultieren.

Physiotherapeutische Intervention:
In der physiotherapeutischen Behandlung eines Bandscheibenvorfalls wird akut passiv Behandelt, um die Strukturen zu entlasten, Schmerzen zu nehmen und dem Körper Zeit zur Regeneration zu geben. Wichtig ist, dass sich der Druck auf die Nervenwurzeln zurück bilden kann, um keine bleibenden Schäden zu entwickeln. Später wird aktiv an einem stabilen Muskelkorsett rund um die Wirbelsäule gearbeitet, sowie die Haltung geschult und ein rückengerechtes Verhalten für den Alltag erlernt. Lesen Sie mehr über die Inhalte der Physiotherapie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Bandscheibenvorfall in der BWS

Morbus Scheuermann

Einleitung:
Als Morbus Scheuermann wird eine Wachstumsstörung der Wirbelkörper bezeichnet, meist auftretend bei jungen Männern. Resultat ist eine Buckelbildung (Rundrücken) im Bereich der Brustwirbelsäule mit Verspannungen und Bewegungseinschränkungen. Die Ursachen sind nicht bekannt, werden jedoch von verschiedenen Risikofaktoren begünstigt.

Physiotherapeutische Intervention:
Eine physiotherapeutische Behandlung beim Morbus Scheuermann muss fortlaufend durchgeführt werden, um die Beweglichkeit im Rücken zu erhalten. Aktive Übungen zur Kräftigung der Muskelketten sowie eine Aufdehnung der verkürzten Körpervorderseite und Übungen zur Bewegungserweiterung besonders in die Aufrichtung werden trainiert. Während der Hauptwachstumsphase kann das Tragen eines Korsetts verordnet werden. Auch nach Wachstumsabschluss ist es wichtig aktiv zu bleiben und ein regelmäßiges Haltungs- und Kräftigungsprogramm durchzuführen. Ausführliche Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Morbus Scheuermann

Brustschmerzen

Einleitung:
Brustschmerzen im Bereich der BWS können durch einen Druck auf die Nerven im Rücken und/ oder Verspannungen der Muskulatur entstehen. Brustschmerzen sind lediglich ein Symptom, welches auf eine Erkrankung oder Verletzung mit Ausstrahlungen hindeutet. Bandscheibenvorfälle im BWS-Bereich oder ein krankhafter Rundrücken mit Platzmangel können die Symptome durch den Verlauf der Nerven entlang der Rippen nach vorn in die Brust verursachen.

Physiotherapeutische Intervention:
In der physiotherapeutischen Behandlung von Brustschmerzen ist es wichtig, die Ursache herauszufinden und diese zu behandeln. Der Nervendruck muss durch Entspannungs- und Haltungsübungen gelindert werden. Bestimmte Lagerungen können den Rücken entlasten und Platz zwischen den Segmenten schaffen. Auch Elektrotherapie hat einen Einfluss auf die Nervenleitung und kann zur Schmerzlinderung angewandt werden. Weitere Informationen entnehmen Sie dem Artikel Physiotherapie bei Brustschmerzen

Wirbelblockade

Einleitung:
Bei Wirbelblockaden im Bereich der Brustwirbelsäule handelt es sich meist um Verhakungen der kleinen Gelenke zwischen Wirbelkörper und Rippe. Durch eine falsche Bewegung verkanten diese und verursachen besonders bei tiefer Einatmung stechende Schmerzen, da sich der Brustkorb bei der Atmung ausdehnt, wozu sich die Rippen in ihren Gelenken reibungslos bewegen müssen.

Physiotherapeutische Intervention:
Durch manuelle Techniken können Wirbelblockaden in der Physiotherapie gelöst werden. Manipulationen bringen die Knochen wieder in ursprüngliche Position und umliegende verspannte Muskulatur wird gelockert. Folgend ist eine aktive Übungstherapie zum Muskelaufbau nötig, um ein wiederholtes Auftreten von Blockaden zu verhindern. Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einer Wirbelblockade

Facettensyndrom

Einleitung:
Als Facetten, bzw. Facettengelenke werden die kleinen Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbelkörpern entlang der Wirbelsäule bezeichnet. Beim Facettensyndrom kommt es zur Abnutzung des knochenüberziehenden Gelenkknorpels (Arthrose), welcher eine reibungslose Beweglichkeit ermöglicht. Das Resultat ist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung und Verspannungen rund um den betroffenen Bereich. Auslöser für eine Arthrose ist meist eine jahrelange Über- und Fehlbelastung.

Physiotherapeutische Intervention:
Gelenkknorpel wird lediglich durch Bewegung ernährt und am Leben gehalten. Die Segmente müssen also durch verschiedene Maßnahmen bewegt werden, jedoch ohne zusätzliche Belastung, um ein Fortschreiten der Knorpelabnutzung zu verhindern bzw. verzögern. Auch die Haltung muss geschult werden, ein angemessenes Verhalten für Alltagssituationen und den Arbeitsplatz erlernt, sowie Muskulatur entlang der Wirbelsäule gelockert als auch gekräftigt werden. Weitere Informationen erhalten Sie in dem Artikel Physiotherapie bei einem Facettensyndrom in der BWS

Degenerative Wirbelsäulenerkrankung

Einleitung:
Das Wort Degenerativ/ Degeneration ist die Fachbezeichnung für Abnutzung, Verschleiß. Zu den degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen zählen unter anderem Osteoporose (Abbau von Knochensubstanz) Bandscheibenvorfälle und Arthrosen, welche durch Altersabnutzung entstehen. Sie bewirken oft eine Schonhaltung im Sinne einer Buckelhaltung, schränken die Beweglichkeit von Wirbelsäule und Rücken ein und verursachen Schmerzen im Rücken mit teilweisen Ausstrahlungen in andere Körperregionen.

Physiotherapeutische Intervention:
Degenerative Erkrankungen können nicht mehr geheilt werden. Über die langen Lebensjahre wurden Strukturen abgenutzt. Jedoch können die resultierenden Symptome durch passende Maßnahmen gelindert, die Beweglichkeit erweitert und ein Fortschreiten der Degeneration verzögert werden. Hierzu eignen sich z.B. angepasste Bewegungsübungen, Massagen, Elektrotherapie, Thermotherapie und Tapeanlagen an. Die genauen Inhalte finden Sie in dem Artikel Physiotherapie bei Degenerativer Wirbelsäulenerkrankung

Nervenwurzelkompression

Einleitung:
Bei einer Nervenwurzelkompression kommt es zur Einengung (Kompression) des Ursprungs der aus dem Rückenmark austretenden Nerven. Diese Nerven kommen vom Gehirn, laufen im Rückenmark geschützt durch den knöchernen Kanal der Wirbelsäule und treten auf verschiedenen Höhen durch kleine Löchlein aus, um jeden Bereich des Körpers mit Befehlen aus dem Gehirn zu versorgen, bzw. Informationen aus dem Körper an das Gehirn zu senden. Bei einer Einengung durch zum Beispiel hervortretende Bandscheibenmasse wird dieser Informations- und Befehlsweg unterbrochen bzw. eingeschränkt. Symptome sind Bewegungsverlust, Gefühlsstörungen und Schmerzen, die entlang des Nervs ausstrahlen.

Physiotherapeutische Intervention:
Hauptziel in der physiotherapeutischen Behandlung einer Nervenwurzelkompression ist es, den Druck zu nehmen um Langzeitschäden zu vermeiden. Durch Entlastung und passiv schonende Maßnahmen wird dem Körper Zeit zur Regeneration gegeben. Elektrotherapie kann zur Hilfe der Nervenleitfähigkeit eingesetzt werden. Wichtig ist, die Ursache für die Kompression herauszufiltern und die Therapie für Langzeiterfolge hierauf auszurichten. Meist ist eine intensive Haltungsschule inklusive Kraftaufbau rund um die Wirbelsäule angebracht. Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Physiotherapie bei einer Nervenwurzelkompression