Physiotherapie bei einer Hüftkopfnekrose

Obwohl eine Hüftnekrose nicht ursächlich behandelt werden kann, spielt die Physiotherapie eine große Rolle bei der Behandlung der Hüftnekrose. Egal wie weit die Hüftnekrose fortgeschritten ist und unabhängig vom Altes des Patienten, ist es das Ziel der Physiotherapie die Hüfte zu entlasten und ihre Mobilität und Beweglichkeit so weit es geht zu erhalten. Dies ermöglicht es, den fortschreitenden Krankheitsprozess zu verlangsamen oder eventuell sogar zum Stillstand zu bringen. Außerdem gibt sie den Patienten dadurch wieder mehr Lebensqualität zurück, sodass es unter Umständen ein fast normaler Alltag, jedoch mit Verzicht auf übermäßige Belastung des Hüftgelenkes, möglich ist.



Physiotherapie

Physiotherapie ist bei einer Hüftkopfnekrose in den meisten Fällen ein fester Bestandteil der Therapie. Gerade da bei Erwachsenen nur symptomatisch behandelt werden kann ist es wichtig durch physiotherapeutische Maßnahmen die Beweglichkeit des Gelenkes so weit wie möglich zu verbessern und die Schmerzen des Patienten in Grenzen zu halten und zu lindern. Wenn ein Patient mit der Diagnose Hüftkopfnekrose in die Physiotherapie-Einrichtung kommt, ist es zunächst wichtig den aktuellen Gesundheitszustand des Patienten sowie das Stadium der Erkrankung festzustellen. Besonders in den ersten Phasen der Hüftkopfnekrose, wenn die Zerstörung des Gelenkes noch nicht so weit fortgeschritten ist, kann noch viel in Richtung Mobilität und Beweglichkeit gearbeitet werden , sodass auch die den Hüftkopf umgebenden Muskeln und Bänder das Gelenk zusätzlich stabilisieren und dadurch entlasten können.

Wenn die Erkrankung schon weiter fortgeschritten ist, sind es vor allem passive Übungen, bei denen der Physiotherapeut das Gelenk ohne mit Hilfe des Patienten bewegt, um die Beweglichkeit zu erhalten. Physiotherapie spielt auch bei einer vorangegangen Operation der Hüftkopfnekrose eine wichtige Rolle in der anschließenden Rehabilitationsphase. Welche Übungen und Maßnahmen bei der Physiotherapie zum Einsatz kommen lässt sich nicht pauschal sagen, da die Situation bei jedem Patienten verschieden ist und immer ein individueller Therapieplan erstellt wird.

Übungen

Im Zuge der Therapie bei einer Hüftkopfnekrose kommen verschiedene Übungen zur Anwendung, die die Beweglichkeit und Stabilität des Gelenkes erhalten und verbessern sollen.

  1. Dehnung der Hüfte
    Begeben Sie sich für diese Übung in den Vierfüßlerstand. Lassen Sie nun das Becken durchhängen und strecken den kopf in Richtung Zimmerdecke. Dann bewegen Sie sich langsam in eine Art Katzenbuckel, bei welchen der kopf zur Brust hin bewegt und der Rücken gekrümmt wird. 10 Wiederholungen

  2. Mobilität
    Stellen Sie sich für diese Übung auf ihr gesundes Bein. Nun heben Sie das andere Bein an und  führen es langsam vor dem Körper an dem Standbein vorbei. Im Anschluss führen Sie das Bein so weit wie möglich nach außen. Machen Sie 15 Wiederholungen

  3. Kräftigung
    Begeben Sie sich für diese Übung in den Vierfüßlerstand. Nun strecken Sie das betroffene Bein langsam gerade nach hinten aus. Zur Erschwerung kann gleichzeitig auch der gegenüberliegende Arm nach vorne gestreckt werden. Halten Sie die Position etwa 15 Sekunden. 3 Wiederholungen
     

Weitere Informationen hierzu und eine umfassende Sammlung an Übungen finden Sie auch in den Artikeln: 

Symptome

Eine Hüftnekrose ist eine schleichend voranschreitende Erkrankung. Sie wird aufgrund der unklaren Symptome oft erst in einem sehr späten Stadium erkannt. Zu Beginn kann es sein, dass die Betroffenen eine Ziehen in der Leistengegend verspüren. Dieses kann auch zu plötzlich einschießenden Schmerzen in diesem Bereich übergehen. Von vielen wird es auch als Gefühl eines Muskelkaters empfunden dem oft nicht viel Beachtung geschenkt wird. In einigen Fällen kann es auch sein, dass Schmerzen im Bereich des Kniegelenkes auftreten und dann erst recht nicht mit der Hüfte in Verbindung bringen.  Erst wenn die Hüftgelenksnekrose weiter voranschreitet und sich durch zunehmende Schmerzen im Bereich der Hüfte und vor Allem bei Bewegung bemerkbar machen, ist dies für viele ein Anlass einen Arzt aufzusuchen. Im weiteren Verlauf machen sich zunehmend Bewegungseinschränkungen bemerkbar. Diese sind zunächst auf die Innenrotation beschränkt können sich aber weiter ausweiten, sodass die betroffenen das Bein nur noch schlecht oder gar nicht belasten können, sodass es zu einem humpeln bei der Fortbewegung kommt und sich die Patienten immer stärker in ihrem Alltag eingeschränkt fühlen. Wenn es im Endstadium der Erkrankung zu einem kompletten Zerfall des Hüftkopfes kommt ist dies für die Betroffenen in der Regel mit sehr starken Schmerzen im Bereich der Hüfte und der Leiste verbunden und ein normaler Alltag ist kaum mehr möglich.

Was für Ursachen Leistenschmerzen noch haben könnte, können Sie in unserem Artikel  Leistenschmerzen  nachlesen.

Hüftkopfnekrose beim Kind

Eine Hüftkopfnekrose kann auch bereits im Kindesalter auftreten. Die als Morbus Perthes bezeichnete Erkrankung hat im Gegensatz zur Erwachsenen Variante den großen Unterschied, dass der Vorgang der Zerstörung des Hüftgelenkes bei Kindern reversibel, als umkehrbar ist. Die Erkrankung verläuft bei Kindern in 4 Stadien:

  1. Das Inititalstadium, bei dem es zu einer Ödembildung im Hüftknochenkommt, was dann zu einer Entzündung der Gelenkkapsel führt.
     
  2. Das Kondensationsstadium, in welchem sich die Knochenmasse verdichtet.
     
  3. Das Fragmentationsstadium, bei dem es zu einem kompletten oder teilweisen Zerfall des Hüftgelenkes kommt.
     
  4. Das Reparationsstadium, indem es zu einer Wiederausheilung des Hüftkopfes in deformierter Position oder zum Wiederaufbau des Hüftknochens kommt.

Die Therapie von  Morbus Perthes bei Kindern richtet sich nach dem Krankheitsstadium sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand. Wenn keine Gelenkfehlstellung oder Zerstörung vorliegt wird zunächst konservativ behandelt. Dabei ist eine Entlastung des betroffenes Beines unumgänglich. Das bedeutet es muss auf Mittel wie Gehhilfen (für kurze Wege) und einen Rollstuhl (für weitere Strecken) zurückgegriffen werden.Das betroffene Gelenk sollte trotzdem weiter bewegt werden, daher ist eine regelmäßige Physiotherapie und zusätzliche Maßnahmen wie Schwimmen oder Radfahren, was besonders gelenkschonend ist, sehr wichtig für den Verlauf der Therapie.

Lesen Sie dazu auch unsere Artikel über Krankengymnastik bei Morbus Perthes und  Morbus Perthes - Übungen.

Operation

Das gewählte Operationsverfahren bei einer Hüftkopfnekrose richtet sich danach, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Grundsätzlich gibt es verschiedene Behandlungsansätze für eine Operation.

  1. Anbohrung: Wie unten beschrieben handelt es sich bei der Anbohrung um eine Operation die zur Neubildung von Blutgefäßen und somit zum Aufhalten des Abbauprozess führen soll. Sie kann im ersten und zweiten Stadium der Erkrankung angewandt werden.

  2. Umkehrplastik: Bei der Umkehrplastik wird mit Hilfe einer Hohlfräse ein Knochenzylinder aus dem betroffenen Bereich entfernt und umgekehrt wieder eingesetzt, sodass intaktes Knochengewebe ins Zentrum des Problems gelangt.

  3. Auch die Transplantation von gesundem Knochengewebe aus dem Beckenkamm ist ein möglicher Operationsansatz um den fortschreitenden Zerstörungsprozess einzudämmen

  4. Als letzte Möglichkeit kommt der künstliche Ersatz des Hüftgelenkes in Frage. Dies ist dann nötig, wenn das Hüftgelenk durch die Erkrankung schon zerstört oder stark deformiert ist. Durch eine Hüftgelenksprothese haben die Betroffenen dann im Anschluss an die Operation nach der Rehabilitation wieder Aussicht auf ein relativ normales Leben.

Egal welche Operation bei einer Hüftkopfnekrose angewandt wird, die im Anschluss erfolgenden Rehabilitationsmaßnahmen sind genauso wichtig für den Erfolg der Therapie, wie die eigentliche Operation. Für den Patienten bedeutet das eine Menge Geduld und Durchhaltevermögen.

Anbohrung

Bei der sogenannten Anbohrung handelt es sich um einen kleinen operativen Eingriff, bei welchem der erkrankte Hüftkopf mit Hilfe eines Operationsbohrer angebohrt wird. Durch den so entstehenden kleinen Kanal im Hüftkopf hofft man, über die entstehenden Einblutung, die Bildung neuer Blutgefäße im Zuge des Heilungsprozesses zu fördern, sodass das Absterben des Gewebes aufgehalten wird. Die Anbohrung kann nur im ersten oder zweiten Stadium der Hüftkopfnekrose als Therapiemöglichkeit in Betracht gezogen werden, da die Blutgefäße noch intakt sein müssen und der Knochenumbau noch nicht stattgefunden haben sollte. Im Anschluss an die Operation muss der Patient dann das Hüftgelenk für ungefähr 6 Wochen entlasten, zu diesem Zeitpunkt sollte sich auch zeigen, ob die Operation erfolgreich war oder ob andere Therapieverfahren angewandt werden müssen.

Zusammenfassung

Insgesamt dient die Physiotherapie bei der Behandlung einer Hütkopfnekrose vor allem dazu, die Lebensqualität der Patienten zu erhalten und so weit wie möglich zu verbessern. Die regelmäßige Durchführung der Mobilisierung- und Stabilisierungsübungen ist wichtig, um den Verlauf der Erkrankung möglichst zu verlangsamen und soviel Bewegungsfreiheit wie möglich zu gewährleisten. Aufgrund der undeutlichen Symptome des Krankheitsbildes ist es wichtig, das Patienten auf ihren Körper achten und lieber einmal zu viel zum Arzt gehen als zu wenig, damit frühzeitig mit der entsprechenden Therapiemaßnahme begonnen werden kann.