Krankengymnastik bei Morbus Perthes

Die Krankengymnastik/Physiotherapie nimmt bei Morbus Perthes einen sehr hohen Stellenwert ein und sollte regelmäßig und häufig über einen langen Zeitraum durchgeführt werden. Auch durch die Eltern sollte im häuslichen Umfeld ein, in der Krankengymnastik erarbeitetes Hausaufgabenprogramm mit dem Kind konsequent weiter geführt werden.



Anwendungen / Inhalte

Traktion

In frühen Stadien gilt es den unterversorgten, eventuell entzündlichen Hüftkopf zu entlasten. In der Krankengymnastik kann das durch Traktionstechniken erreicht werden (z.B. am Schlingentisch oder Manuelle Therapie). Die Gelenkflächen können so durch leichten Zug von einender gelöst und entlastet werden. Diese Technik dient auch der Schmerzreduktion. Der Kapsel-Band-Apparat wird entspannt und entlastet. Sanfte Bewegungen unter vollständiger oder teilweise Abnahme der Schwere fördern die Durchblutungssituation im Gelenk. Fahrradfahren, Schwimmen o.ä. sind von Vorteil, da das Gewicht des Kindes vom Gelenk genommen wird. Springen und Hüpfen sollte als starke Belastung vermieden werden. 

Mobilisation

Die Mobilisation des Hüftgelenks kann auch durch Techniken der Manuellen Therapie passiv durch den Physiotherapeuten durchgeführt werden. Es werden dabei manuell die Gelenkflächen gegeneinander mobilisiert oder eine leichte Traktion durchgeführt (s.o.) was zu einer Verbesserten Gelenkfunktion und -Trophik führt und somit die Regeneration des Hüftkopfs fördert. Ergänzende Therapiemethoden aus der Krankengymnastik können Weichteiltechniken sein, wie zum Beispiel Friktionen (lokale dehnende Gewebstechniken) an gereizten Sehnen und Bändern, Massagegriffe an verspannter Muskulatur oder auch aktive oder passive Dehntechniken. Die Krankengymnastik/Physiotherapie bei Morbus Perthes sollte effektiv aber auch spielerisch durchgeführt werden, da sie gegebenenfalls über einen langen Zeitraum nötig ist und das Kind den Spaß an der Krankengymnastik nicht verlieren soll. Abwechslung im Übungsrepertoire, aber auch spielerische Pausen bei langen Thearpiesequenzen können das Ablehnen der Krankengymnastik durch das Kind vermeiden und somit den Erfolg der Therapie begünstigen.

Weitere Informationen zu dieser Thematik finden Sie in folgendem Artikel: Übungen Morbus Perthes

Kräftigung

Nach einer eventuell nötigen längerfristigen Ruhigstellung oder Entlastung des Gelenks kann in der Krankengymnastik/Physiotherapie auch ein gezielter Kraftaufbau durchgeführt werden. Hierzu können Übungen an der Bobathrolle, mit dem Pezziball oder anderen Hilfsmittel durchgeführt werden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Auch Techniken aus der Vojta-Therapie (durch reizen bestimmter Zonen können über das Nervensystem Reaktionen abgerufen werden, die unter anderem die Muskulatur ansprechen und folglich kräftigend wirken) können in Frage kommen. Schwerpunkt sollte auf dem Training der hüftgelenksstabilisierenden Muskulatur liegen (Streckmuskulatur und Abduktoren).

Die Beweglichkeit der Hüfte soll in alle Richtungen bei Morbus Perthes trainiert werden. Schonhaltungen, die durch den Morbus Perthes entstanden sind, können während der Krankengymnastik/Physiotherapie korrigiert werden und eventuelle Folgen an umliegenden Gelenken mitbehandelt werden. Auch der Umgang mit Hilfsmitteln (Orthese, Unterarmgestütze) kann in der Krankengymnastik/Physiotherapie erarbeitet werden. Wichtig ist die enge Zusammenarbeit von Kind, Eltern und Physiotherapeut, da eine lückenlose konsequente Therapie wichtig für den Behandlungserfolg ist. Während der gesamten Therapie gilt es die Angaben des Arztes zu beachten, bei akuten entzündlichen Vorgängen sollte eine Therapiepause eingelegt werden, oder das Belastungsniveau stark reduziert werden!

Übungen für die Hüfte finden Sie in dem Artikel Übungen aus der Krankengymnastik für die Hüfte

Weitere therapeutische Verfahren

Neben der eventuell medikamentösen Einstellung von Schmerzen oder Entzündungen des Gelenks, spielt die Entlastung bei Morbus Perthes eine wichtige Rolle. Durch Orthesen kann Kraft/Druck vom Hüftgelenk abgenommen werden und somit der Hüftkopf geschont werden (z.B. Thomas-Schiene), Unterarmgehstützen können zeitweise nötig sein, auch die kurzzeitige vollständige Entlastung z.B. im Rollstuhl kann bei schweren Verläufen zum Tragen kommen. In solchen Fällen ist auch der psychologische Aspekt für Eltern und Kind zu beachten (Angst, Isolation, Schamgefühl).

Morbus Perthes - eine aseptische Osteochondrose

Morbus Perthes ist eine aseptische (keimfreie) Osteochondrose des kindlichen Hüftkopfs und zählt zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen des Hüftgelenks bei Kindern im entsprechenden Alter. Aseptisch bedeutet, dass keine bakteriellen Ursachen für die Erkrankung vorliegen und mit Osteochondrose ist gemeint, dass sich durch eine Unterversorgung Knorpelgewebe abbaut. Die Krankheit Morbus Perthes tritt im frühen Kindesalter auf. Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Morbus Perthes verläuft in vier Stadien und kann ohne bleibende Einschränkungen ausheilen oder bei schweren Verläufen zu einer Deformität des Hüftkopfs führen. Die Erkrankung erstreckt sich meist über einen langen Zeitraum (Monate bis zu ca. 5 Jahren) und sollte dauerhaft durch eine physiotherapeutische Behandlung der Hüfte, im Sinne einer Krankengymnastik, begleitet werden.

Lesen sie hierfür den Artikel Krankengymnastik Übungen Hüfte

Morbus Perthes - symptomatische Osteochondrose

Die Erkrankung Morbus Perthes tritt meistens im Alter von 5-7 Jahren auf (Kinder können aber zwischen 2-13 Jahren an Morbus Perthes erkranken) und verläuft bei jedem Patienten individuell. Ursachen für das Auftreten der Erkrankung sind oft nicht zu finden oder noch unbekannt. Von einer symptomatischen Osteochondrose spricht man, wenn z.B. Morbus Perthes nach einem vorangegangenem Trauma auftritt. Die Durchblutung am kindlichen Hüftkopf ist bei Morbus Perthes mangelhaft, was zum Abbau von Knochengewebe führen kann und anschließendem Neuaufbau. Je nach Wiederaufbau des Knorpels kann eine intakte Gelenkfläche (ausheilen des Morbus Perthes) entstehen oder es bleib eine Gelenkdeformität zurück. Das Hüftgelenk zeigt äußerlich wenig Symptome einer ablaufenden Entzündung, wie einen Gelenkerguss oder eine Schwellung, was das Erkennen des Morbus Perthes erschwert. Kinder schränken die Bewegung des betroffenen Hüftgelenks ein und es kann zu einer Funktionsstörung des Gelenks und zu einer Schonhaltungen kommen.

Mögliche Begleiterscheinungen des Morbus Perthes

Problematisch ist, dass Kinder die an Morbus Perthes erkranken oft noch nicht genau ihre Schmerzen lokalisieren können. Schmerzen können lokal am Hüftgelenk auftreten, in der gelenkumgebenden Muskulatur (z.B. Oberschenkel) aber auch in umliegenden Gelenken (z.B. im Kniegelenk). Durch Schonhaltungen oder Kompensation der Funktionsminderung im Hüftgelenk kommt es zur Überbelastung anderer Gelenke (z.B. Kniegelenk). Ein Hinkmechanismus kann auftreten. Die Bewegungseinschränkung der Hüfte nimmt in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien zu. Zu diagnostischen Zwecken dient neben klassischen bildgebenden Verfahren (wie z.B. Röntgen) auch das sogenannte Viererzeichen (Bein wird abgespreizt und der Unterschenkel vorm Knie des Standbeins gekreuzt), welches bei Morbus Perthes schmerzhaft und eingeschränkt sein kann (keine eindeutige Diagnose durch positives oder negatives Viererzeichen!). Die Bewegung entspricht den Bewegungen Außenrotation, Abduktion und leichte Flexion im Hüftgelenk. Durch eine gezielte, individuell abgestimmte Krankengymnastik wird die möglichst optimale Ausheilung angestrebt. Bleibende Deformitäten am Hüftkopf können als Risikofaktor für spätere Arthrose-Erkrankung gelten und gegebenenfalls eine Operationsindikation sein.

Zusammenfassung

Bei Morbus Perthes ist die physiotherapeutische Behandlung/Krankengymnastik essentiell und die Mobilität und Funktion des Hüftgelenks zu erhalten oder wieder her zu stellen. Ein kindgerechtes, ansprechendes aber zielorientiertes Übungsprogramm soll durch die langfristig Behandlung führen und das Kind motivieren sich einzusetzen und gerne an der Krankengymnastik teilzunehmen. Die Absprache zwischen Physiotherapeut und Eltern ist wichtig, damit auch zu Hause die Therapie konsequent und effektiv weitergeführt werden kann. Die Prognose des Morbus Perthes ist nur schwer vorhersagbar, die Krankheit verläuft individuell verschieden. Durch Entlastung und Mobilisation soll die vollständige Ausheilung ohne zurückbleiben von Bewegungseinschränkungen oder Deformitäten am Hüftkopf erzielt werden.