Morbus Perthes - Übungen

Die Übungen, die beim Morbus Perthes durchgeführt werden sind sehr wichtig, da sie dazu beitragen, die Mobilität des Gelenkes zu erhalten. Durch ein regelmäßiges Training kann die Aktivität von Muskeln, Sehnen und Bändern erhalten bleiben, sodass der Stoffwechsel des Gelenkes angeregt wird und die Regeneration beschleunigt wird. Je nach Patient und Krankheitsstadium können die einzelnen Übungen variieren, sodass der Trainingsplan für jeden Patienten individuell gestaltet wird. Viele der Übungen lassen sich nach erstmaliger Demonstration durch einen erfahrenen Therapeuten einfach zuhause ausführen, sodass ein kontinuierliches Therapieprogramm gewährleistet ist.



Übungen bei bestehendem Morbus Perthes

Beim Morbus Perthes wird während der Behandlung in der Physiotherapie auch patientenindividuelle Therapiepläne erstellt, die Übungen enthalten, welche zuhause durchgeführt werden können. In einigen Fällen können die Übungen auch das Aktive mithelfen der Eltern des betroffenen Kindes beinhalten.

1) Bei dieser Übung liegt das Kind auf dem Rücken und stellt beide Füße auf. Nun wird das betroffene Bein ausgestreckt und der Fuß nach außen bewegt.
Eine Variation dieser Übung ist, dass aus dieser Position heraus das Bein wieder bis zur Hälfte angezogen wird.

2) Auch hier liegt das Kind in Rückenlage. Das betroffene Bein wird im 90° Winkel in der Luft gehalten. Nun übt ein Elternteil leichten Druck von außen auf das Bein aus, dem das Kind stand halten soll, sodass sich das Bein nicht bewegt.

3) Hierbei legt sich das Kind auf die gesunde Seite. Nun wird das betroffene Bein angewinkelt angehoben
Diese Position wird möglichst lange gehalten.

4) Bei dieser Übung steht das Kind auf dem gesunden Bein. Zur Unterstützung kann es sich an einer Wand oder Tischkante abstützen. Nun wird das betroffene Bein vor dem Körper am Fuß des anderen Beines vorbeigeführt, sodass sich die Beine überkreuzen. Von dieser Position wird das Bein dann soweit es geht nach außen geführt.
Dieser Bewegungsablauf wird 10 mal wiederholt.

5) Bei dieser Übung liegt das Kind auf dem Rücken. Die Beine sind locker ausgestreckt. Nun umfasst ein Elternteil das Knie jeweils oben und unten mit den Händen. Das Bein wird nun sanft nach innen und außen gedreht. Gleichzeitig kann dabei auch die angespannte Muskulatur sanft massiert werden.

6) Bei dieser Übung befindet sich das Kind in Rückenlage. Das gesunde Bein hängt auf Höhe des Knies locker von der Tischkante. Das betroffene Bein ist angewinkelt und wird nun sanft in Richtung Brust gedrückt, während das gesunde Bein nach unten gehalten wird.

7) Das Kind befindet sich im Vierfüßlerstand. Das betroffene Bein ist nach oben angewinkelt und wird nun in Richtung Decke geführt. Es ist darauf zu achten, dass die Hüfte während der Übung nicht durchhängt.

8) Eine weitere Übung im übertragenen Sinne ist die Anwendung einer Traktionsvorrichtung, welche zur Dehnung und Kapselmobilisierung der Hüfte beiträgt.
Die Kinder sollten mindestens 20 Minuten pro Tag mit dieser Übung verbringen.

Weitere Übungen für die Hüfte finden Sie auf folgenden Seiten:

Therapie

Die Therapie des Morbus Perthes richtet sich:

  • immer nach dem Krankheitsstadium indem sich der Betroffene befindet
  • sowie dem Allgemeinen Gesundheitszustand
  • dem Alter
  • dem Ausmaß der Erkrankung

In vielen Fällen wird versucht Morbus Perthes konservativ zu behandeln. Dies ist allerdings nur möglich, wenn keine Gelenkfehlstellung vorhanden ist. Bei der konservativen Behandlungsmethode müssen die Betroffenen das Bein entlasten. Das bedeutet es muss auf Mittel wie Gehhilfen (für kurze Wege) und einen Rollstuhl (für weitere Strecken) zurückgegriffen werden. Damit das Gelenk aber trotzdem noch bewegt wird sind Schwimmen und Radfahren gute Alternativen während der Therapie. Zusätzlich dazu findet dann im Idealfall mindestens zwei mal wöchentlich eine physiotherapeutische Behandlung statt. Die beiden Haupttherapieformen sind meist manuelle Therapie, wobei der Physiotherapeut aktiv Funktionsstörungen des Gelenkes beeinflusst indem er das Gelenk behutsam bewegt oder Physiotherapie nach Vojta, welches ein komplexes System darstellt, bei dem gezielt Reize gesetzt werden, die bestimmte Haltungs- und Bewegungsmuster implizieren.
Liegt eine Gelenkfehlstellung vor, kommen die betroffenen oft nicht im eine Operation herum. Dabei wird dann eine Beckenosteotomie durchgeführt. Dies ist eine Umstellungsoperation, bei der Fehlstellungen korrigiert werden können. Nur noch selten werden Orthesen als Therapieform angewandt, da das Nutzen-Risiko Verhältnis aufgrund der übermäßigen Belastung des gesunden Beines nicht sehr gut ausfällt.

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Darf ich bei bestehendem Morbus Perthes Sport machen?

Morbus Perthes ist eine Erkrankung, die zum langsamen Zerfall und Wiederaufbau des Hüftknochens führt.
Wenn die Erkrankung diagnostiziert ist, ist es wichtig, das Hüftgelenk zu schonen und möglichst wenig zu belasten. Gerade für Kinder ist es allerdings schwierig nicht mehr sportlich tätig zu sein und für einen langen Zeitraum auf medizinische Hilfen wie Gehstützen oder sogar einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Die gute Nachricht ist, bei Morbus Perthes muss und soll auch nicht komplett auf Sport verzichtet werden.
Es sollten allerdings Sportarten gewählt werden, die möglichst gelenkschonend sind. Dazu gehören zum Beispiel Radfahren und Schwimmen.
Auch Übungen, die im Rahmen der Therapie erlernt werden sind möglich. Sportarten, die das Hüftgelenk stark belasten, dazu gehören unter anderem Geräteturnen oder Kontaktsportarten sollten jedoch für die Dauer der Erkrankung gemieden werden, damit es nicht zu schlimmeren Verletzungen oder bleibenden Schäden kommen kann. Grundsätzlich gilt, das Sport im Rahmen des aktuellen Krankheitsstadiums förderlich für den Heilungsprozess sein kann, da der Stoffwechsel des Gelenkes durch die Bewegung angeregt wird. Welche Sportarten oder Übungen möglich sind, sollte immer ein erfahrener Arzt oder Therapeut im Hinblick auf das aktuelle Krankheitsstadium des Patienten beurteilen.

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Stadien

Obwohl jede Morbus Perthes Erkrankung unterschiedlich verläuft, kann man de Erkrankung allgemein in vier Stadien unterteilen:

  1. Das Initialstadium. Im Inititalstadium der Erkrankung, kommt es zu einer Ödembildung im Hüftknochen, was dann zu einer Entzündung der Gelenkkapsel führt.

  2. Das Kondensationsstadium. In diesem Stadium verdichtet sich die Knochenmasse des befallenen Hüftgelenkes.

  3. Das Fragmentationsstadium. Im Fragmentationsstadium kommt es zu einem teilweisen oder kompletten Zerfall des Hüftknochens.

  4. Das Reparationsstadium. Im letzten Stadium der Erkrankung kommt es zur Wiederausheilung des Hüftkopfes in deformierter Position oder zum Wiederaufbau des Hüftknochens.

Neben diesen vier allgemeinen Stadien unterscheiden Mediziner den genauen Schweregrad und die Ausbreitung der Erkrankung noch nach verschiedenen Klassifikationsmodellen. Beispiele dafür sind etwa das 4-Stufen Modell nach Catterall, Das 2-Gruppen Modell nach Salter und Thomsen, das 3-Gruppen Modell nach Herring und de Beurteilung des Endzustandes nach Stuhlberg in 5 Gruppen.

Zusammenfassung

Insgesamt ist Morbus Perthes eine Erkrankung, die aufgrund ihrer Dauer den kleinen Patienten meist sehr viel Geduld und Disziplin abverlangt. Wenn aber Mediziner, Therapeuten und Eltern an einem Strang ziehen und das Kind während der Erkrankung unterstützen, sowie die Motivation zur Durchführung der Übungen aufrechterhalten, kann der Heilungsprozess bestmöglich unterstützt werden. Insgesamt sollte man versuchen dem Kind trotz der Erkrankung einen möglichst normalen Alltag zu bieten.