Physiotherapie nach einem Herzinfarkt

In der Physiotherapie nach einem Herzinfarkt geht es darum, den Betroffenen wieder auf die Belastungen im Alltag vorzubereiten. Besonders die Steigerung und der Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit liegen dabei im Vordergrund. Während der Physiotherapie erlernt der Patient ökonomisches Bewegungsverhalten und wird auf Anzeichen für Überlastung sensibilisiert, sodass er sich seinen Möglichkeiten entsprechend aktiv bewegen kann ohne seine Gesundheit zu gefährden. Während der Physiotherapie spielen auch Entspannungstechniken, insbesondere für Gewebe und Muskeln im Brustkorb eine große Rolle. Insgesamt ist die Physiotherapie nach einem Herzinfarkt vor allem darauf ausgelegt den Patienten auch langfristig vor dem erneuten Auftreten von Herzproblemen zu bewahren.



Welche Symptome und Anzeichen deuten auf einen Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt kann, wenn man die Signale richtig zu deuten weiß, oft rechtzeitig erkannt werden. Verschiedene Symptome können dabei einen Hinweis auf einen Herzinfarkt sein:

  • Ein Engegefühl in der Brust, welches von vielen mit einem Elefanten, der auf dem Brustkorb steht verglichen wird (Angina Pectoris)

  • Starke Schmerzen in Herzgegend, welche oft auch in andere Körperregionen wie Arme, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen können.

  • Starke Brustschmerzen nach Belastung, die aber nach einigen Minuten wieder nachlassen

  • Unspezifische Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, Atemnot oder Bauchschmerzen, mit dem Unterschied, dass diese ungewöhnlich stark auftreten.

  • Schweißausbruch mit kaltem Schweiß und sehr blassem Gesicht.

Wenn Sie bei sich eines oder mehrere dieser Anzeichen wahrnehmen, zögern Sie nicht sofort einen Notarzt zu rufen.

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Welche Behandlung sollte unmittelbar nach dem Infarkt erfolgen?

Bei der akuten Behandlung eines Herzinfarktes zählt jede Sekunde, da mit längerer Behandlungsverzögerung mehr Herzmuskelgewebe abstirbt. Erstmaßnahmen durch den Notarzt sind je nach Standardmedikation des Patienten die Gabe von Nitroglycerin, Blutverdünnungsmitteln, Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie Mittel zur Beschleunigung oder Verlangsamung der Herzschlages. Im Krankenhaus ist dann die Therapie der Wahl eine Koronarangiografie, bei welcher die Herzkranzgefäße wieder ausgedehnt werden und ein Stent ( = Gefäßstütze aus Edelstahl) implantiert wird. Ist dieses Therapieverfahren nicht möglich kann die konservative Thrombolyse angewandt werden, um das Blutgerinnsel aufzulösen.

Bei der Therapie nach einem Herzinfarkt ist es wichtig, den Betroffenen das Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugeben, die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit wieder herzustellen, psychologische und soziale Auswirkungen durch den Herzinfarkt zu reduzieren und den Patienten ein besseres Bewusstsein für gesunde und weniger gesunde Verhaltensweisen zu entwickeln. Die Rehabilitation wird dabei meist in drei Stufen unterteilt.

Stufe 1: Frühmobilisation
Diese Phase findet in der Regel bereits im Krankenhaus statt und beträgt 7 Tage. Nach der Analyse der Ursache, die zum Herzinfarkt geführt hat, werden die Patienten möglichst früh wieder mobilisiert und auf Belastungen vorbereitet. Physiotherapeuten im Krankenhaus arbeiten dabei täglich mit den Patienten.

Stufe 2: Ambulante oder Stationär Rehablitationsmaßnahmen
Die zweite Phase der Therapie umfasst einen Zeitraum von 4-12 Wochen und wird von speziell ausgebildeten Physiotherapeuten geleitet. Schwerpunkte der Rehabilitation sind Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch Bewegung, Informationen und Beispiele für vorbeugende Maßnahmen, Entwicklung eines besseren Gefühles für den eigenen Körper, Entspannungstechniken, psychologische Betreuung der Patienten und eine Ernährungsberatung.

Stufe 3: Langzeitrehabilitation
Die letzte Phase der Rehabilitation bedeutet regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt, den Austausch mit anderen Betroffenen, eventuell der Beitritt in eine Herzgruppe, regelmäßiges Training sowie ein bewusster Lebensstil, um einen erneuten Herzinfarkt zu verhindern.

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Welche Sportarten eignen sich nach dem Herzinfarkt?

Die beste Präventionsmaßnahme für einen Herzinfarkt ist körperliche Bewegung. Sportarten wie Walking, Joggen, Schwimmen oder Radfahren, welche das Herz-Kreislauf-System beanspruchen sind besonders geeignet. Auch Aerobicübungen und Übungen zur Dehnung und Kräftigung der Muskulatur tragen dazu bei das Risiko eines Herzinfarktes zu verringern. Dabei wird empfohlen 3 mal die Woche für mindestens 30 Minuten Ausdauersport zu betreiben und zusätzlich 3-4 mal pro Woche mindestens 20 Minuten Kraftsport durchzuführen.

Welches Training sich am besten eignet ist auch vom Alter des Patienten sowie den Begleiterkrankungen abhängig. Nach einem Herzinfarkt erhalten die Patienten im Regelfall in der Reha einen individuell auf sie abgestimmten Trainingsplan, der auch nach Beendigung der Therapie weiter durchgeführt werden sollte.

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8 Übungen für Zuhause

  1. Rechtes und linkes Knie abwechselnd mit den Händen zur Brust ziehen, dann beide Knie gleichzeitig zur Brust ziehen und je einige Sekunden halten.

  2. Legen Sie sich auf den Rücken und kippen die Beine zunächst nach links und dann langsam nach rechts.

  3. Nehmen Sie einen kleinen Gegenstand in die Hand und führen ihn mit den Händen erst im Uhrzeigersinn, dann gegen den Uhrzeigersinn um den Körper herum.

  4. Stellen Sie sich auf ein Bein und legen einen Tennisball neben das Standbein. Führen Sie diesen nun mit dem anderen Bein um das Standbein herum. Erst 3 mal im Uhrzeigersinn, dann 3 mal entgegen. Anschließend Standbein wechseln.

  5. Diese Übung kann mit allen Gelenken des Körpers durchgeführt werden. Beugen Sie zunächst das Gelenk und strecken es dann komplett. Position je 2 Sekunden halten.

  6. Diese Übung wird am Besten mit einem Trainingspartner durchgeführt. Stellen Sie sich auf ein Bein und lassen sich dann 10 mal einen Ball zuwerfen. Halten Sie dabei das Gleichgewicht und werfen den Ball zurück.

  7. Nehmen Sie ein Theraband und umfassen es an den Enden mit den Händen. Heben Sie es nun auf Brusthöhe an und ziehen das Band auseinander. 10 Wiederholungen.

  8. Stellen Sie sich so, dass ein Fuß auf den Zehenspitzen und der andere auf der Ferse steht. Nun rollen Sie beide gleichzeitig ab, sodass die Position quasi gewechselt wird.

Folgen von einem Herzinfarkt

Bei den Folgen eines Herzinfarktes wird zwischen den akuten und den Langzeitfolgen unterschieden.

  • Akute Folgen: Die ersten 48 Stunden nach einem Herzinfarkt gelten als extrem kritisch. In diesem Zeitraum treten bei vielen Patienten Folgeerscheinungen wie Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, beschleunigter Herzschlag und akute Herzschwäche (bei welcher das Herz nicht ausreichend Blut durch den Körper pumpen kann) auf. Etwas weniger als die Hälfte aller Herzinfarktpatienten verstirbt in diesem Zeitraum.

  • Langzeitfolgen: Die Langzeitfolgen eines Herzinfarktes reichen von Depressionen über chronische Herzmuskelschwäche zu Aneurysmen bis hin zum plötzlichen Herztod.

Eine gute Rehabilitation nach einem Herzinfarkt gliedert sich in drei Phasen:

  • Phase 1: eine möglichst schnelle Mobilisierung des Patienten im Krankenhaus

  • Phase 2 : eine gut organisierte Rehabilitation, entweder stationär oder ambulant

  • Phase 3: eine lebenslange Nachsorge

Insgesamt sind die Heilungschancen besser, wenn die Patienten eine gute Complicance zum Therapieplan zeigen und aktiv etwas für ihre Gesundheit tun.

Herzinfarkt vorbeugen

Um einen Herzinfarkt von vorneherein zu verhindern gibt es verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung.Dazu gehören zum Beispiel ein normales Körpergewicht, ein Verzicht auf  Nikotin und Alkohol und regelmäßiges körperliches Training.
Bei vorhandener Hypertonie ist eine gute Einstellung mit blutdrucksenkenden Medikamenten wichtig, ebenso eine gute Therapie und Diät bei vorhandenem Diabetes, sowie der Abbau von psychischen Stressfaktoren. Auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt können helfen im schlimmsten Fall direkt Gegenmaßnahmen einzuleiten, um einen Herzinfarkt zu verhindern.

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Zusammenfassung

Zusammenfassend bildet die Physiotherapie in der Therapie nach einem Herzinfarkt eine wichtige Basis nicht nur zur Wiedererlangung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Wiedereingliederung in den Alltag, sondern sie schafft auch ein Bewusstsein für vorbeugende Maßnahme und eine bessere Achtsamkeit für den eigenen Körper, um im Notfall die Warnzeichen des Körpers richtig zu deuten und das erneute Auftreten eines Herzinfarktes zu verhindern.

Das Therapieprogramm der Physiotherapie beinhaltet also neben Bewegungstraining und der Durchführung von kardiovaskulären Übungen auch Verhaltenstraining. Durch die regelmäßige körperliche Betätigung finden viele Patienten leichter wieder einen Einstieg in den Alltag und eine schnelleres Vertrauen in den eigenen Körper.