Übungen bei ISG Beschwerden in der Schwangerschaft

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass eine Behandlung von Erkrankungen während einer Schwangerschaft nur eingeschränkt möglich ist, gibt es eine Vielzahl an Alternativen Therapiemethoden die problemlos bei Schwangeren durchgeführt werden können. Dazu gehören eine Reihe von Übungen, bei denen die Blockade im Iliosakralgelenk gelöst werden soll und die umliegenden Strukturen gelockert und stabilisiert werden. Die meisten dieser Übungen beruhen auf der sogenannten Dornmethode und werden unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten durchgeführt.

Übungen

1.) Treppenstufe
Stellen Sie sich einbeinig auf eine Treppenstufe, sodass das Bein auf Seiten der ISG Blockade locker in der Luft hängt. Ertasten Sie nun mit dem Daumen die kleinen Erhöhungen die sich rechts und links neben der Lendenwirbelsäule befinden, unter denen sich das Iliosakralgelenk befindet und geben Sie dort mit der Faust einen leichten Gegendruck beim zurückschwingen des Beines. Schwingen Sie das Bein mindestens 7 mal langsam vor und zurück.

2.) Kreuzbein Übung
Legen Sie sich rücklings auf eine Bank oder einen Tisch, wobei das Gesäß ein bisschen über die Kante hinausragt. Alternativ können Sie sich auch auf ein großes Buch legen. Winkeln Sie nun ein Bein in der Luft an und bewegen das andere Bein langsam und entspannt auf und ab. Halten Sie sich bei der Übung gut fest und vergessen Sie nicht weiter zu atmen. Führen Sie die Übung ca. 30 Sekunden lang durch.

3.) Kreuzbein Übung
Setzen Sie sich mit dem Gesäß nahe an die Kante von einem Tisch oder einer Bank und stützen die Hände hinter dem Körper ab. Ziehen Sie nun die Beine abwechselnd zu sich heran und senken sie wieder hinab. Führen Sie auch diese Übung ca. 30 Sekunden lang durch.

4.) Mobilisation des ISG
Begeben Sie sich an einer Kante in den Vierfüßlerstand. Dies kann zum Beispiel eine Bank oder ein kleiner Tisch sein. Nun haken Sie das äußere Bein am anderen Bein ein, indem Sie die Füße übereinanderschlagen. Aus dieser Position führen Sie nun das Außenknie langsam über die Kante und senken es etwa 5 cm ab. Halten Sie das Bein 2 Sekunde gesenkt und heben es dann wieder an. 15 Wiederholungen.

5.) Stabilisierung des ISG
Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin. Die Beine sind schulterbreit auseinander. Gehen Sie nun leicht in die Knie und beugen dabei den Oberkörper soweit nach vorne, dass die Fersen gerade noch den Boden berühren. Jetzt drücken Sie ihre Zehen flach in den Boden und tun so, als würden Sie ihre Füße aus dieser Position nach außen drehen wollen. Halten Sie die dabei entstehende Spannung 15 Sekunden. 3 Durchgänge.

6.) Kräftigung der Muskulatur
Legen Sie sich auf den Rücken. Die Arme liegen locker neben dem Körper und die Beine sind ausgestreckt. Spannen Sie nun ihre Gesäß und Rückenmuskulatur an. Halten Sie die Spannung 10 Sekunden und lassen dann wieder locker. 5-10 Wiederholungen.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln:

Physiotherapie

Die Physiotherapie bei ISG Beschwerden während der Schwangerschaft kann sich zum teil stark von der Behandlung eines nicht Schwangeren Patienten unterscheiden. Während normalerweise versucht wird mit Hilfe von Mobilisations- , Manipulations- oder Massagetechniken die Probleme in den Griff zu bekommen, ist dies während der Schwangerschaft nur eingeschränkt möglich. Gerade in weiter fortgeschrittenen Stadien der Schwangerschaft können einige dieser Techniken sogar vorzeitig Wehen auslösen und Mutter und Kind belasten.

Um das Iliosakralgelenk zu entlasten, kann es hilfreich sein einen Beckengurt anzulegen, welcher den Druck vom ISG nimmt und somit zur Entlastung und Linderung der Schmerzen beiträgt. Auch eine sehr sanfte Mobilisation, z.B. mit sehr kleinen kreisenden Beckenbewegungen kann helfen die Symptome zu Lindern.

Speziell ausgebildete Therapeuten können durch spezielle Schwangerschaftsmassagen, das verspannte Gewebe lockern. Da die Bänder um das Iliosakralgelenk jedoch durch die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft generell gelockert sind, können die Beschwerden nicht gänzlich therapiert werden. Für die Betroffenen tut in vielen Fällen auch eine heiße Rolle oder Fango-Packung gut, um zu entspannen und die verkrampfte Muskeln etwas zu lösen.

Weitere Informationen erhalten Sie in den Artikeln 

ISG-Blockade

Auch zu einer ISG-Blockade kann es vor allem im späteren Verlauf der Schwangerschaft häufig kommen. Dies liegt daran, dass zum einen durch die Schwangerschaft der Bandapparat, welcher normalerweise das Iliosakralgelenk stützt und stabilisiert, gelockert ist und zum anderen das zunehmende Gewicht des ungeborenen Kindes eine größere Belastung für den unteren Teil der Wirbelsäule darstellt.

Eine ISG Blockade macht sich für die Betroffene durch ziehende Schmerzen im Bereich des unteren Rückens und des Gesäßes bemerkbar, welche auch bis in die Beine ausstrahlen können. Die Schmerzen verschlimmern sich meist beim leichten vorbeugen oder beim nach außen drehen des Oberschenkels an der betroffenen Seite.

Auslöser für eine ISG Blockade sind meist kleine Stolperer im Alltag, unebene Untergründe oder das Heben von zu Schweren Lasten (was in der Schwangerschaft generell nicht mehr geschehen sollte!).

Auch während der Schwangerschaft sollte eine ISG Blockade behandelt werden, um den Leidensdruck und das Stresslevel für die Schwangere zu minimieren. Speziell weitergebildete Physiotherapeuten können auch während der Schwangerschaft mit verschiedenen Therapieansätzen versuchen die Blockade zu lösen und die verkrampfte Muskulatur zu lockern.

Lesen Sie mehr über die ISG-Blockade in dem Artikel: ISG-Blockade

Beschäftigungsverbot

Ob ein Beschäftigungsverbot für eine Schwangere mit ISG Beschwerden ausgesprochen wird, ist immer von der individuellen Situation und dem auszuübenden Job abhängig. Generell gilt, dass ein Beschäftigungsverbot nur dann ausgesprochen werden sollte, wenn die auszuführende Tätigkeit das Wohl der Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährden würde. Durch ein Beschäftigungsverbot wird die Schwangere dann teilweise oder komplett von ihrer Arbeitspflicht freigestellt.

Anders als bei einer normalen Krankschreibung, bei welcher man nach 6 Wochen Krankengeld bekommen würde, gibt es beim Beschäftigungsverbot die ganze Zeit über das volle Gehalt, welches dann vom Arbeitgeber und der Krankenkasse gezahlt wird. Wann und in welchem Umfang ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen wird entscheidet alleine der behandelnde Arzt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Osteopathie

Bei der Osteopathie handelt es sich um eine manuelle Therapieform, die in Deutschland unter diesem Begriff nur von speziell ausgebildeten Osteopathen durchgeführt werden darf. Die Osteopathie basiert auf vier Grundprinzipien.

  • Sie betrachtet den Menschen an sich als Einheit, wobei alle Teile des Körpers, Geist und Seele miteinander verbunden sind,
  • sich Funktion und Strukturen gegenseitig beeinflussen,
  • der Körper über Selbstheilungskräfte verfügt, wobei alle Teile des Organismus im Einklang miteinander arbeiten und eine gute Durchblutung alle Funktionen des Gewebes gewährleistet.

Der Osteopath hat also bei der Behandlung den Patienten als Gesamtes im Blick und versucht nicht das Problem direkt zu bekämpfen, sondern durch sanfte manuelle Grifftechniken die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen, sodass sich dieser im Prinzip selbst heilen kann. Der Osteopath arbeitet nur mit seinen Händen, mechanische oder andere Hilfsmittel sowie Medikamente werden bei der Osteopathie nicht eingesetzt. Eine Behandlung dauert in der Regel 45-60 Minuten und umfasst eine ausführliche Anamnese. In der Regel werden zur Besserung von akuten Problem 2-3 Sitzungen benötigt. Auch für Schwangere hat sich eine Behandlung durch einen Osteopathen in den letzten Jahren mehr und mehr etabliert. Dies ist nicht nur bei den typischen mit der Schwangerschaft einhergehenden Beschwerden so, sondern auch als Nachbetreuung nach der Geburt. Wichtig ist, dass der behandelnde Osteopath eine Weiterbildung im Bereich der Arbeit mit schwangeren haben sollte.

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Zusammenfassung

Alles in allem sind die Behandlungsmöglichkeiten bei ISG Beschwerden in der Schwangerschaft zwar eingeschränkt, dennoch müssen die Betroffenen nicht mit den Schmerzen leben. Dank einer Reihe von Therapieansätzen ist es möglich, die Schmerzen die durch das Iliosakralgelenk entstehen in den Griff zu bekommen. Die Durchführung verschiedener Übungen ist dabei sowohl zur akuten Behandlung bestehender Problem geeignet, als auch zur Vorbeugung und allgemeinen Stärkung des ISG. Schwangere sollten sich vor der Durchführung der Übungen jedoch mit ihrem Arzt oder Physiotherapie absprechen und über die korrekte Ausführungsweise aufklären lassen.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 18.07.2017 - Letzte Änderung: 10.11.2021