Übungen - ISG-Blockade

Einleitung

Das Iliosacralgelenk (ISG) befindet sich am Ende der Lendenwirbelsäule. Dabei artikulieren das Kreuzbein mit dem Darmbein (Beckenschaufel) über eine kleine Gelenkfläche. Die Bewegung in diesem Gelenk ist minimal, kann aber durch eine ungünstige Bewegung oder einen falschen Schritt schnell blockieren. Um die knöchernen Strukturen des Beckens sorgen Bänder für die Stabilität bei Bewegung. Muskeln mit Ursprung am Becken sorgen für die Stabilität des Beckens beim Gehen und für die minimale Bewegung im Gelenk. Durch einen Schritt ins Leere, einem Beckenschiefstand oder durch eine falsche Bewegung kann es zu einer Blockade im ISG kommen, die meist schwierig zu lösen ist. Um die Blockade zu lösen ist die Biomechanik besonders wichtig. Ein nach vorne rotieren der Beckenschaufeln ist kombiniert mit einem aufklaffen der Schaufeln (Outflare) und einer Innenrotation der Hüftgelenke. Ein nach hinten rotieren der Beckenschaufeln ist kombiniert mit einem wandern nach innen der Beckenschaufel und einer Außenrotation der Hüfte. Diese Fehlstellungen werden in der Physiotherapie über bestimmte Befundungen herausgefunden und können daraufhin mobilisiert oder manipuliert werden. Kommen ISG-Beschwerden/Blockaden häufiger vor, liegt eine schlechte muskuläre Spannung vor, die über spezifisches Training aufgebaut werden sollte.

Weitere Informationen zu den Ursachen und Symptomen einer ISG-Blockade finden Sie in dem Artikel ISG-Blockade.

ISG Blockade Lösen

Eine Möglichkeit eine ISG-Blockade selber zu lösen ist die Option über Bewegung. Wichtig ist das es zu keiner Schonhaltung kommt und dementsprechend „abgehackte“ Bewegungen. Auch wenn Schmerzen vorliegen, sollte endgradig bewegt werden. Manchmal löst sich die Blockade durch eine plötzliche Bewegung (Niesen, Husten) von alleine wieder auf. Bei stärkeren ISG-Beschwerden kann ein Physiotherapeut aufgesucht werden, der über spezifische Untersuchungen die Blockade herausfindet und sie über die Mobilisation des Beckens lösen kann. Dabei kann direkt am Becken gegriffen werden, während der Patient auf der Seite liegt und die Beckenschaufel nach hinten oder nach vorne mobilisiert werden. Eine indirekte Technik über den Hebel des Beines kann in Bauch oder Rückenlage durch Rotation der Hüfte das Becken weiterlaufend mobilisiert werden. Durch das Lösen der verspannten Muskulatur kann ebenfalls die ISG Blockade gelöst werden, da aufgrund von einem zu hohen Tonus der Muskulatur das Gefühl von einer Blockade bleibt. Durch spezifische Mobilisationsübungen kann der Patient gezielt das Becken bewegen, um die Blockade selber zu lösen (s. unten).

Lesen Sie mehr dazu in den Artikeln 

Mobilisationsübungen

Wie oben schon erwähnt kann das ISG leicht durch eine falsche Bewegung blockieren. Das geschieht vor allem dann schnell, wenn eine zu schwache muskuläre Spannung vorliegt. Übungen zur Mobilisation im Falle eines festsitzen des Beckens sind folgende:

  • Sitz auf der Bettkante oder Stuhl: Mit dem Gesäß zum Bettende oder Stuhlende rutschen (Schinkenrutschen) dabei aber darauf achten, dass die Bewegung aus dem Becken heraus geschieht.

  • Rückenlage: Beine im Wechsel rausschieben, sodass die Bewegung im Becken spürbar ist.

  • Stand an der Treppe: das betroffene Bein zur unterliegende Stufe schieben, sodass die Bewegung im Becken spürbar ist

  • Rückenlage auf dem Boden und Füße an die Wand stellen: 2 Tennisbälle rechts und links unterhalb der Wirbelsäule auf die Beckenschaufeln legen, minimal die Übung des Schinkenrutschens durchführen

  • Stand: mit dem Becken Kreise drehen oder Achten schreiben (ähnlich, wie beim Bauchtanz)

  • Sitz auf Pezziball: mit dem Becken nach vorne und hinten rutschen, Kreise machen (ähnlich, wie bei der Schwangerschaftsgymnastik)

Liegt eine muskuläre Störung vor, sollte diese durch entsprechende Muskulatur auftrainiert werden. Meistens ist die Bauchmuskulatur zu schwach, diese kann durch spezifische Übungen, wie den Unterarmstütz, Vierfüßlerstand oder m.H. eines Pezziballs besonders intensiv gekräftigt werden. Bei einer zu kurzen Muskulatur vor allem der Muskeln M.piriformis oder der Ischiocrualen Muskulatur (hintere Beinmuskulatur) sollte diese aufgedehnt werden (s. unten).

Weitere Mobilisationsübungen finden sie in den Artikeln ISG-Blockade und Mobilisationsübungen.

Dehnübungen

Bei einem ISG-Problem sind bestimmte Muskeln daran beteiligt. Steht das Ilium nach vorne blockiert liegt ein Hypertonus de vorderen Oberschenkelmuskulatur vor und eine Überdehnung der hinteren Oberschenkelmuskulatur. Dabei ist es wichtig, dass nur der Hypertone Muskel gedehnt wird.

  • Der M. Quadriceps femoris kann entweder passiv über die Bauchlage gedehnt werden, indem der Therapeut die Ferse zum Gesäß drückt, oder durch eine aktive Dehnung im Stand, wobei der Patient die Ferse zum Gesäß ran zieht.

  • Neben dem M. Quadriceps femoris gehört der M. Iiliopsoas, der durch die Leiste zieht, ebenfalls zu der vorderen Muskulatur. Dieser kann der Patient aktiv in Rückenlage dehnen, indem er das andere Bein zum Körper ran zieht und das andere Bein wird bewusst gestreckt auf die Unterlage gedrückt (Thomarsche` Handgriff). Eine passive Dehnübung ist an dem Muskel nicht so leicht durchführbar.

  • Bei einer nach hinten blockierten Stellung des Illiums ist die Ischiocurale Muskulatur verkürzt und die vordere Beinmuskulatur zu lang. Dabei sollte die hintere Muskulatur gedehnt werden. Bei der passiven Dehnung liegt der Patient in Rückenlage und der Therapeut schiebt das gestreckte Bein so nah zum Rumpf, bis der Patient eine deutliche Dehnung spürt. Bei der aktiven Dehnung legt der Patient das Bein auf einem Stuhl oder ähnliches ab und nähert sich mit dem Oberkörper dem Bein.

  • Liegt ein Hypertonus des M. Piriformis vor, sollte der Patient im Langsitz sitzen und das betroffene Bein auf die andere Seite neben das gestreckte Bein stellen und kann mit Druck am Knie die Dehnung verstärken.

Neben den aktiven und passiven Dehnmöglichkeiten kann durch eine Anspannung und Entspannung des Muskels ebenfalls eine Dehnung erzielt werden. Dabei arbeiten Therapeut und Patient miteinander. Der Muskel wird in die maximale Annäherung eingestellt und der Therapeut gibt Widerstand in die zu dehnende Position, der Patient drückt dagegen. Dadurch kann langsam das Bewegungsausmaß nach kurzer Anspannungszeit und darauffolgende Entspannung erweitert werden. Weitere Informationen dazu finden sie in dem Artikel Postisometrische Relaxation.

Kräftigungsübungen

Bei einem ISG-Syndrom/ISG-Blockade und vor allem bei einem, dass häufiger auftritt, sind mehrere Muskelgruppen entscheidend zu trainieren. Auf der einen Seite ist eine gute Rumpfstabilität wichtig, vor allem die Bauch und untere Rückenmuskulatur

Rumpf:

  • Unterarmstütz
    Gestütz wird auf beiden Unterarmen und den beiden Fußballen unter Körperspannung (Variationen mit Füße im Wechsel anheben, oder von Unterarmstütz in Handstütz wechseln)

  • Seitstütz
    gestütz wird immer nur auf einem Unterarm und dem seitgleichem Fußaußenrand bis Unterschenkel-Außenseite (Variation mit Bein abheben und/oder Becken anheben)

  • Vierfüßlerstand
    Stand mit beiden Händen und Knien am Boden, Knie von Boden abheben (Bauchspannung halten) und nach vorne wandern (Bärengang)

  • Bauchlage, Oberkörper anheben (Variation; Arme strecken und pendeln, Rudern, Oberkörper anheben und nach rechts und links rotieren)

  • Rückenlage: Bridging (Beine im Wechsel zum Körper ran ziehen, Becken langsam hoch und runter heben)

  • Rückenlage: Beine im Wechsel strecken (Fahrrad fahren)

  • Halbsitz: Oberkörper nach hinten neigen und die Position halten (Ismoetrische Spannung)

Alle Übungen können sehr vielfältig variiert werden. Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln Übungen gegen ein Hohlkreuz und Übungen gegen Rückenschmerzen.

Neben der Rumpfstabilität sollten die Beine auch entsprechend auftrainiert werden. Je nach Tendenz der Blockade sollten mehr Vorder- oder Rückseite trainiert werden.

Übungen Beinvorderseite:

  • Beinstrecker: Theraband um Fuß im Stehen oder Sitzen und Bein dann strecken (Alternative: Beinstreckermaschine)

Übungen Beinrückseite:

  • Beinbeuger: Bauchlage, Theraband um den Fuß und Bein dann beugen (Alternative: Beinbeugermaschine)

  • Bridging
    Stütz mit beiden Händen und Fersen in Rückenlage (Variation: Bein im Wechsel anheben, Becken langsam hoch und runter lassen)

  • Bauchlage: gebeugtes Bein anheben

Globale Übungen für die Vorder- und Hinterseite:

  • Ausfallschritte nach Vorne oder zur Seite

  • Kniebeugen (Gesäß schiebt nach hinten und gerader Oberkörper beugt sich dabei leicht nach Vorne)

Weitere Übungen finden Sie in dem Artikel Krankengymnastik Übungen Knie.

Koordinationsübungen

Bei einemr ISG-Blockade bieten sich vor allem viele Koordinationsübungen an um besonders effektiv die Rumpfmuskulatur zu kräftigen.

1. Übung
Im Vierfüßlerstand den rechten Arm und das linke Bein anheben und aus der Streckung unter dem Körper zusammenführen. Dies sorgt für eine Instabilität und somit einer intensiveren Muskelspannung. Diese Übung mehrmals hintereinander ausführen und dann die Seite wechseln. Steigern lässt sich die Übung auf einem Kreisel, Airexmatte oder Trampolin, wobei der unebene Untergrund die Instabilität steigert.

2. Übung
Der Bärengang sorgt durch das Fortbewegen in der instabilen Position ebenfalls für eine gute Muskelanspannung.

3. Übung
Im Seitstütz oder seitlichen Handstütz kann durch das Zusammenführen des obenliegenden Arms und Beins die Muskelspannung verstärkt werden.

4. Übung
Einfache Koordinationsübungen im Stand durch eine Kniebeugenstellung oder Ausfallschritt und gleichzeitig trainieren der Arme (z.B. Kräftigung durch Hanteln oder Theraband) kann zum einen die Beinkraft verbessern und zum anderen den Rumpf kräftigen.

Weitere Übungen finden sie in dem Artikel Koordinationsübungen.

Massageübungen

Bei einer ISG-Blockade kommt es zu einer vermehrten Muskelspannung im unteren Rücken, Gesäßbereich, Tractus Illiotibialis und der hinteren oder vorderen Beinmuskulatur. Um diese Spannung zu lösen kann eine direkte Technik angewendet werden, indem vom Therapeut massiert wird. Der Patient selber kann entweder auf eine Faszienrolle zurückgreifen, wobei er selbst sich die Muskulatur lockern kann oder mit Hilfe von Tennisbällen sich selber Triggern kann indem er sich auf den Tennisball legt. Ansonsten sind eigene Massegegriffen nicht so effektiv, da immer eine Muskelanspannung einhergeht.

Weitere Informationen entnehmen sie bitte den Artikeln Bindegewebsmassage und Faszientraining.

Weitere therapeutische Maßnahmen

Neben der Mobilisationen, Kräftigungsübungen und Massagen kann der Patient mir einer ISG-Blockade durch Wärme seine Beschwerden verbessern. Durch die Wärme wird der Stoffwechsel angeregt, der Abtransport von Abfallprodukten wird erhöht und die Spannung im Gewebe dadurch reduziert. Dabei kann auf Wärmepflaster, Körnerkissen oder Heißluftstrahlern zurückgegriffen werden. Ein Saunagang oder ein warmes Bad kann ebenfalls unterstützend wirken. Tapepflaster können auf die betroffenen Muskeln angebracht werden, sodass die Durchblutung in dem Verlauf erhöht wird. Zudem kann Schwimmen bzw das Bewegen im Wasser einen positiven Einfluss auf die Beschwerden haben, da das Körpergewicht für einen gewissen Zeitraum abgenommen wird. Das Lösen von Verklebungen der Faszien m.H. der Faszienrolle ist mittlerweile auch ein häufig angewendete Methode, die dazu auch sehr effektiv ist. Yoga, Pilates oder andere schonende Bewegungskurse sind für die Mobilisation und schonenden, gründliche Kräftigung zu empfehlen. Aus ärztlicher Sicht werden häufig bei einer ISG-Blockade Schmerz- und Entzündungsreduzierende Medikamente verschrieben.

Zusammenfassung

Eine ISG-Blockade kann aufgrund einer falschen Bewegung oder ein „Treten ins Leere“ entstehen. Häufig ist eine längerfristige Behandlung notwendig, da durch die hohe Muskelspannung im Bereich des Beckens, mehrere Muskeln aus Schutz vor weiteren Verletzungen verhärten. Hat der Therapeut herausgefunden in welcher Fehlstellung das ISG steht, kann dementsprechend mobilisiert und manipuliert werden. Übungen zu Kräftigung der tiefen Bauch und Rückenmuskulatur um eine ganzheitliche Stabilität zu erzielen sind enorm wichtig. Zudem die Kräftigung der Beinmuskulatur und die Dehnung der verkürzten Muskulatur sind ebenfalls wichtig um eine langfristige Verbesserung zu erzielen. Koordinationsübungen sind für eine intensive Kräftigung ebenfalls zu erzielen, da das Zusammenspiel mehrerer Muskelgruppen enorm wichtig ist. Wird die Muskulatur intensiv auftrainiert, kommt es seltener zu Problemen im Bereich des ISG. Lösen von Verspannungen im Bereich der betroffenen Muskeln ist durch einfache Massage möglich oder durch benutzen einer Faszienrolle zur Selbstheilung möglich. Um ein häufiges Auftreten der Beschwerden zu vermeiden, sollte ein regelmäßiges Training stattfinden.