Alle Inhalte in diesen Artikel wurden von Mario Habersack verfasst.

Übungen/ Physiotherapie bei einer Ellenbogenluxation

Gezielte Übungen im Rahmen der Physiotherapie nach einer Ellenbogenluxation sind von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche Rehabilitation. Das Ellenbogengelenk verliert durch die Ruhigstellung nach der Repositionierung stark an Muskelkraft und versteift durch fehlende Bewegung, Das Ziel der Physiotherapie ist durch manuelle Therapie und speziellen Übungen die Muskulatur zu entspannen und den Ellenbogen zu mobilisieren. So werden Verklebungen vermieden und eine Versteifung des Gelenkes verhindert. Auch während der Ruhigstellung ist es sinnvoll im Rahmen der Möglichkeiten mit passiven Übungen zu beginnen, damit einem reibungslosen Heilungsprozess nicht im Weg steht.


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Physiotherapie

Die Physiotherapie bei einer Ellenbogenluxation sollte im Idealfall noch am Tag der Repositionierung erfolgen. Dies ist darin begründet, dass durch eine frühzeitige Mobilisation späteren Problemen wie zum Beispiel Verklebungen von Muskulatur und Bindegewebe vorgebeugt werden kann und der kollagene Wiederaufbau des Gelenks, sowie der Stoffwechsel des Knorpels verbessert und somit die Heilung begünstigt wird. Zur Behandlung stehen in der Physiotherapie verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung.

Zu Beginn ist das primäre Ziel die Schmerzbehandlung des Patienten sowie die passive Mobilisation. Je nach Art und Ausmaß der Verletzung kann der Therapeut hier z.B.mit Kälteanwendungen arbeiten oder durch verschiedene Grifftechniken der manuellen Therapie das Gelenk passiv im Rahmen der Möglichkeiten bewegen und die Muskulatur gezielt massieren um Verspannungen zu vermeiden. Um einer übermäßigen Schwellung des Gelenkes entgegenzuwirken, bekommen viele Patienten, insbesondere nach einer operativen Behandlung der Ellenbogenluxation, Lymphdrainage verordnet. Durch diese Technik wird er Lymphfluss des Körpers angeregt und überschüssige Flüssigkeit besser abtransportiert.

Wenn die Akutphase der Verletzung vorüber ist, das heißt keine Schmerzen mehr vorliegen und der Arm wieder bewegt werden darf, beginnt die aktive Phase der Physiotherapie. Hier ist das Ziel, das Ellenbogengelenk wieder uneingeschränkt bewegen zu können, die Muskulatur zu stärken und bestehende Instabilitäten zu bekämpfen. Je nachdem wie lange der Arm ruhig gestellt war, kann es nötig werden auch die Schulter und das Handgelenk mit in die Behandlung einzuziehen, da auch diese nach der langen Schonzeit einen Bewegungsschmerz und Muskelverluste aufweisen können. Der Schwerpunkt der Therapie liegt in dieser Phase auf speziell auf den Patienten abgestimmten Übungen, die zur Dehnung, Kräftigung und Stabilisierung des Ellenbogengelenkes beitragen. Der Physiotherapeut wird dafür einen Trainingsplan erstellen, welchen der Patient auch zuhause in Eigenverantwortung weiter befolgen sollte. Auch der Einsatz von Kinesiotapes, kann in dieser Phase des Aufbaus helfen, den Ellenbogen in der Rehabilitation zu unterstützen.

Übungen

Je nach Stadium der Rehabilitation kommen verschiedene Übungen zum Wiederaufbau des Ellenbogengelenkes in Frage. Beispielhaft sind im folgende einige der Übungen beschrieben.

1) Kräftigung und Mobilität
Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin und nehmen ein leichtes Gewicht  (z.B. eine kleine Wasserflasche) in die Hand. In der Ausgangsposition ist der Oberarm nah am Körper, der Unterarm zeigt im 90° Winkel nach vorne. Führen Sie nun das Gewicht in Richtung Schulter. Die Bewegung erfolgt dabei aus dem Ellenbogen. 3 mal 10 Wiederholungen.

2) Stabilisierung und Koordination
Begeben Sie sich in den Vierfüßlerstand. Heben Sie nun den unverletzten Arm angewinkelt zur Seite an. Achten Sie darauf, dass die Hand des verletzten Arms unterhalb der Schulter ist und das Ellenbogengelenk nicht komplett durchgestreckt ist. Halten Sie die Position 15 Sekunden.

3) Stabilisierung und Kräftigung
Strecken Sie den betroffenen Arm gerade nach vorne aus. Die Handfläche zeigt dabei nach oben. Nehmen Sie nun die andere Hand zur Hilfe um den Arm an der Hand nach unten zu drücken. Halten Sie mit dem verletzten Arm mindestens 15 Sekunden dagegen.

4) Dehnung des Ellenbogengelenks
Stellen Sie sich gerade und aufrecht hin. Der betroffene Arm hängt locker vor dem Körper. Machen Sie mit der Hand eine Faust. Nun umfassen Sie mit der Hand des gesunden Arms die Faust und ziehen Sie nach oben. Der Ellenbogen bleibt währenddessen gestreckt, sodass Sie eine Dehnung spüren. Halten Sie die Dehnung 15 Sekunden.

Weitere Übungen finden Sie in den Artikeln:

Symptome

Eine Ellenbogenluxation tritt in der Regel unfallbedingt auf und geht mit starken Schmerzen einher. Durch die Luxation ist das Ellenbogengelenk stark in seiner Beweglichkeit eingeschränkt und eine Fehlstellung ist deutlich sichtbar. Je nachdem welche Strukturen durch die Luxation mit verletzt sind (Bänder, Sehnen, Knochen, Nerven), kann es auch zu Gefühlsstörungen im Arm und der Hand kommen. Durch die Verletzungen innerhalb des Gelenkes kann es zu starken Schwellungen kommen, die zusätzlich die Beweglichkeit mindern und zu Schmerzen beitragen. Ist die Ellenbogenluxation aufgrund von anatomischen Anomalien angeboren, was nur bei etwa 2% der Fälle der Fall ist, treten gewöhnlich keine Schmerzen auf.

Einteilung

Bei bestehender Ellenbogenluxation wird von Ärzten eine Einteilung der Verletzung vorgenommen. Diese richtet sich nach der Richtung in welche die Luxation vorliegt. So ergeben sich folgende Klassifizierungen:

  • posterior (rückseitig)

  • posterolateral (Elle und Speiche neben dem Oberarmknochen)

  • posteromedial (Elle und Speiche mittig zum Oberarmknochen)

  • anterior (vorderseitig)

  • divergierend ( Elle und Speiche beidseitig zum Oberarmknochen)

Die posteriore Luxation ist dabei die mit Abstand am häufigsten vorkommende Form, während anterior und divergierend eher die Ausnahme bilden.

OP

Wenn die Luxation des Ellenbogen sehr komplex ist, viele Strukturen geschädigt sind oder offene Verletzungen vorliegen, wird eine Operation nötig. Die Operation erfolgt wenn möglich durch ein minimalinvasives Verfahren oder offen. Der operierende Chirurg wird dabei die verschobenen Knochen wieder in die richtige Position bringen, zerstörte Strukturen entfernen oder nähen und weitere Schänden so gut es geht reparieren. Bei komplizierten Frakturen und großen Instabilitäten kann der Einsatz von chirurgischen Platten und Nägeln nötig sein, welche dann nach mehreren Monaten wieder entfernt werden. Während der Operation kann die richtige Position des Gelenkes mithilfe von Röntgenaufnahmen kontrolliert werden. Im Anschluss an die Operation wird der Arm durch einen Gipsverband ruhiggestellt. Mit der physiotherapeutischen Behandlung sollte noch am Tag der Operation begonnen werden um Schwellungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen möglichst gering zu halten.

Wie lange wird der Gips getragen?

Bei einer Ellenbogenluxation sollte das Gelenk möglichst innerhalb der ersten 6 Stunden nach der Verletzung wieder in seine Ursprungsposition zurückgebracht werden. Je nach dem Verletzung Ausmaß geschieht dies operativ oder konservativ. Im Anschluss daran ist es wichtig das Ellenbogengelenk ruhigzustellen, damit die Verletzung heilen kann. Dies geschieht in vielen Fällen noch durch die Anlage eine Gipsverbandes. Dieser muss die nächsten 1-2  Wochen getragen werden. Ist aufgrund der Schwere der Verletzung eine zusätzliche Instabilität des Ellenbogens vorhanden, kann es sein, dass die Dauer auf 3-4 Wochen erhöht wird.

Orthese

Der Einsatz einer Orthese rückt bei der Behandlung nach einer Ellenbogenluxation immer mehr in den Fokus. Die Annahme, dass eine erfolgreiche Therapie mit einer frühzeitigen Mobilisation einhergehen sollte, lässt die Verwendung eines Gipsverbandes zur Ruhigstellung mehr und mehr in den Hintergrund treten. Eine Orthese im Allgemeinen ist ein medizinisches Hilfsmittel, welches das geschädigte Körperteil stabilisieren, schützen, entlasten und in seiner Mobilität unterstützen soll.

Der wichtigste Unterschied zu einem Gipsverband ist also, dass das Gelenk nicht komplett ruhig gestellt wird sondern einen gewissen, gewünschten Grad an Bewegung zulässt. Bei der Ellenbogenorthese lässt sich so zum Beispiel die sogenannte ROM (range of motion = Bewegungsumfang) einstellen. Das bedeutet der behandelnde Arzt kann an der Ellenbogenorthese die erlaubte Unterarmrotation (Supination und Pronation), sowie die Beugung und Streckung (Flexion und Extension) individuell einstellen.

Der Vorteil dieser Art von Orthesen ist es, dass die Betroffenen im erlaubten Rahmen den Arm noch im Alltag einsetzen können. So wird gewährleistet, dass es durch die lange Zeit der Ruhigstellung nicht zu Verklebungen und Versteifung der einzelnen Strukturen im Ellenbogengelenk kommen kann. Durch diese frühzeitige Mobilisation soll der Heilungsprozess unterstützt und beschleunigt werden. Die Orthese wird dabei, zumindest in den ersten Wochen, in der Regel Tag und Nacht getragen. Ein Beispiel für eine Ellenbogenorthese ist die ROM-Ellenbogenorthese. Wenn für Sie eine Orthese in Frage kommt, wird diese vom Arzt verordnet. Der Arzt bestimmt auch die Tragedauer und ob eventuell die Anfertigung einer individuellen Orthese nötig ist. Die Krankenkassen übernehmen im Normalfall die Kosten für die Verordnung einer Orthese.

Zusammenfassung

Grundsätzlich richtet sich die physiotherapeutische Behandlung und die währenddessen angewandten Übungen nach dem Ausmaß und dem gewählten Therapieverfahren durch den behandelnden Arzt. Allgemein wird während der ersten Physiotherapie Sitzung ein ausführliches Gespräch, sowie eine körperliche Untersuchung durchgeführt, um die nächsten Schritte der Rehabilitation bestmöglich zu planen und um einen auf den Patienten abgestimmten Therapieplan zu entwickeln. So können nicht nur die Schmerzen zeitnah in den Griff bekommen werden, sondern auch die Mobilität und volle Belastbarkeit des Ellenbogens im Idealfall komplett wieder hergestellt werden. Wichtig ist, dass die Patienten eine Menge an Disziplin und Durchhaltevermögen mitbringen.

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